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Drobo 8D im Test: Bis zu 128 TB Speicher per Thunderbolt

28.05.2019 | 14:39 Uhr | Stephan Wiesend

Wir testen das Drobo 8D: Eine Speicherlösung, die Video-Profis und Fotografen per Thunderbolt 3 bis zu 128 TB an Speicherplatz bereitstellt.

Noch immer ist eine herkömmliche Festplatte unschlagbar, wenn man viel Speicherplatz benötigt. Während Apples iMacs maximal 2 TB SSD- oder 3 TB-Fusion-Drive bieten, kann das Drobo 8D bis zu 128 TB an Speicher bereitstellen – genug für Jahre an Audio- und Video-Projekten und riesige Fotoarchive.

Produkt
Drobo 8D

Riesige externe Festplatte dank intelligenter RAID-Verwaltung

Hersteller

Drobo

Vorteile

Hohe Datensicherheit, bis zu 128 TB dank billigen HDDs

Nachteile

Laut, langsamere Schreib- und Leseraten

Preis

1400 Euro

Alternative

Lacie 6big

DAS statt NAS
Keine Angst vor defekten Festplatten dank BeyondRAID
Konfiguration und Nutzung
Bis zu 87 TB Speicherplatz
Zusätzliche Sicherheitsfunktionen
Performance
Hot Data Caching
Lautstärke
Fazit

DAS statt NAS

Auf den ersten Blick hält mancher sehr ansprechend gestaltete Drobo 8D vermutlich für ein NAS oder einen Server, der in ein Netzwerk eingebunden wird. Tatsächlich handelt sich aber um ein so genanntes DAS oder Direct Attached Storage ohne Netzverbindung. Man verbindet es per Thunderbolt-3-Schnittstelle direkt mit seinem Mac, es erscheint dann wie eine riesige externe Festplatte am Rechner.

Im Prinzip kann man davon booten und arbeiten, gedacht ist es vor allem für Fotografen, Video-Profis oder High-End-Anwender mit hohen Ansprüchen an Speicherplatz und Datensicherheit. Interessant ist ein DAS vor allem, wenn ein per Netzwerk angebundener Server zu langsam ist. Durch ein Gigabit-Ethernet-Netz wird der Transfer ja auf knapp 100 MB/s begrenzt, 1 GB/s ist noch eine Seltenheit. Nebenbei hat die Administration eines NAS schon manchem Besitzer richtig viel Zeit und Nerven gekostet.

Keine Angst vor defekten Festplatten dank BeyondRAID

Besonderheit der Drobo-Geräte ist ein spezielles RAID-System, das weit komfortabler und simpler als ein klassisches RAID-System arbeitet. Das sollte man nicht unterschätzen: Ein herkömmliches RAID erweist sich in der Praxis oft als weit komplizierter als vom RAID-Neuling erwartet und hat zahlreiche Einschränkungen. Beim Ausfall einer Festplatte des RAIDs ist die Rekonstruktion der Daten oft langwierig und kompliziert, beim Ergänzen neuer Festplatten müssen diese von der Größe her zu den bereits verbauten Festplatten passen.

Fällt eine Festplatte aus, werden die Daten automatisch wiederhergestellt.
Vergrößern Fällt eine Festplatte aus, werden die Daten automatisch wiederhergestellt.

Hier hat Drobo mit seinem firmeneigenen BeyondRAID einen echten Verkaufsvorteil. Vereinfacht handelt es sich dabei um ein virtuelles RAID, bei dem die Daten dynamisch auf die Platten verteilt werden. Das Ergänzen neuer oder der Austausch alter Festplatten ist deutlich einfacher möglich. Eine Wiederherstellung startet automatisch im Hintergrund, alle Daten bleiben dabei weiter erreichbar. Fällt eine einzelne Festplatte aus, ist der Austausch bei einem Drobo kein Problem. Man wirft per Hebel einfach die defekte Festplatte aus, dann kann man im laufenden Betrieb eine „Ersatzfestplatte“ einstecken und die Daten werden innerhalb einiger Stunden neu auf die Festplatten verteilt. (Die Dauer ist von der Größe der Festplatte und Datenmenge abhängig.)

Die Festplatten werden vom System permanent überwacht, ein übersichtliches LED-System weist beispielsweise mit rotem Blinken auf defekte Festplatten hin. Gut: Eine Grafik erläutert die Bedeutung der Leuchtsignale.

Einzelne Festplatten kann man sehr einfach ergänzen oder austauschen.
Vergrößern Einzelne Festplatten kann man sehr einfach ergänzen oder austauschen.

Ein Techniker muss also bei einem Festplattendefekt nicht einbestellt werden, im Prinzip kann ein beliebiger Mitarbeiter die Festplatte selbst austauschen. Ganz einzigartig ist das System allerdings nicht: Mit SHR bietet Synology mittlerweile eine ähnliche Technologie.

Konfiguration und Nutzung

Für die Verwaltung des Drobo 8D muss man auf Mac oder PC eine eigene Bediensoftware installieren, das Drobo Dashboard. Über diese Software kommuniziert man mit dem per Thunderbolt angeschlossenen System, kann die Konfiguration ändern und einige Optionen auswählen. Wichtig ist das Tool auch, um den aktuellen Systemzustand zu erfahren. Die LEDs an den Laufwerksschächten informieren zwar über den Festplattenzustand, nicht jedoch über den Zustand des Systems selbst. So müssen Festplatten nach dem ersten Einsetzen erst initialisiert werden, dies dauert knapp eine halbe Stunde. Formatieren muss man das dadurch erstellte Volume ebenfalls, wählen kann man aber nur das Format  HFS. APFS wird nicht unterstützt, für Festplatten ist dieses Format allerdings sowieso kaum geeignet.

Neben der Anzeige des Systemstatus kann man mit dem Dasbboard auch Volumes erstellen und Optionen ändern.
Vergrößern Neben der Anzeige des Systemstatus kann man mit dem Dasbboard auch Volumes erstellen und Optionen ändern.

Nötig ist das Tool etwa für das Aufspielen einer neuen Firmware, Abrufen des Systemzustandes und einige Konfigurationsoptionen. Eine interessante Option, die man per Dashboard wählen kann, ist ein separates Time-Machine-Volume. Man kann nämlich über die Software ein eigenes Volume mit fest vorgegebenem Datenvolumen für Time Machine anlegen. Das Volumen erscheint dann im Finder wie ein eigenes Laufwerk und man kann es für Time-Machine-Backups nutzen – auch für verschlüsselte Backups.

Abgesehen von der ersten Einrichtung wird die Software aber wohl kaum benötigt. Viele der Funktionen sind geradezu narrensicher. Hat das Gerät etwa noch einen freien Laufwerksschacht, kann man einfach eine beliebige neue Festplatte ergänzen – im Unterschied zu einem herkömmlichen RAID ist die Kapazität dabei irrelevant.

Bis zu 87 TB Speicherplatz


Die nutzbare Kapazität ist für ein RAID recht hoch: Setzt man acht 14-TB-Festplatten (101 TB) ein, erhält man 87,38 TB an nutzbarem Speicher – weitere 14,47 TB nutzt das Gerät, um Daten zu sichern, noch sicherer ist dies mit so genannter „Doppelter Datenträgerredundanz“. Dann bleiben immerhin noch 75,62 TB übrig. Noch kosten allerdings 14-TB-Festplatten knapp 500 Euro pro Stück, die meisten Käufer eines Drobo werden wohl eher zu günstigeren Platten wie der WD Red 4 GB greifen. Für 2400 Euro bekommt man dann echte 24 TB an Speicherplatz, erhältlich ist das Drobo etwa bei Cyberport , Preis ohne Festplatten – knapp 1400 Euro. Sinnvoll nutzen kann man das Drobo übrigens ab vier Festplatten.

Große Stärke: Man kann problemlos mehrere Festplatten unterschiedlicher Hersteller und unterschiedlicher Größe kombinieren, also auch alte Festplatten weiter verwerten. In unserem Test standen uns sechs Festplatten unterschiedlicher Größe und Hersteller zur Verfügung. Schade: Nur 3,5-Zoll-Lauwerke werden unterstützt. Will man 2,5-Zoll-SSDs oder -Festplatten nutzen, muss man zusätzliche Adapter kaufen.

Zusätzliche Sicherheitsfunktionen

Als Standard ist man vor dem Ausfall einer einzelnen Festplatte geschützt. Will man aber vor dem Ausfall von gleich zwei Festplatten sicher sein, muss man die Option „Dual Disk Redundancy“ oder „Doppelte Datenträgerrdundanz“ verwenden. Das reduziert den Anteil an verwendbarem Speicherplatz noch etwas weiter, ist die zusätzliche Sicherheit nach unserer Ansicht aber wert. Die Umstellung von der Standardeinstellung auf diese Dual Disk Redundancy kann allerdings relativ lange dauern, in unserem Test veranschlagte das System dafür etwa zehn Stunden. Ebenfalls lobenswert: Ein Akku in dem Gerät sorgt bei einem Stromausfall für das problemlose Herunterfahren des Drobo.

Performance

Die Performance eines RAID-Systems zu testen ist keine simple Aufgabe, beim Drobo gibt es weitere Erschwernisse: Durch das so genannte Zonensystem werden die Festplatten abwechselnd gelesen und beschrieben, was bei unseren Messungen zu Schwankungen führte – offensichtlich je nach Tempo der angesprochenen Festplatte. Grundsätzlich steigt bei einem RAID außerdem die Performance mit dem Tempo der Festplatten und der Zahl der nutzbaren Laufwerke. Bei nur vier eingebauten Festplatten sank die Performance bei unserer Messung deshalb schnell auf knapp 128 MB/s im Schreiben und 190 MB/s beim Lesen. Auch das Klonen eines Macs mit Carbon Copy Cloner (96 GB) dauerte mit 56 Minuten relativ lange. Bei kleinen Daten fängt dagegen ein Systemcache die Schreib- und Lesevorgänge auf, hier erzielt das Drobo eine Schreibrate von 457 MB/s. Mit acht schnellen Festplatten kann man aber mit knapp 500 MB/s beim Schreiben und noch höhere Leseraten rechnen.

Drobo empfiehlt, die Performance mit zwei SSDs in den ersten Laufwerksschächten zu beschleunigen – was wir allerdings nicht überprüften. Es gibt außerdem noch eine weitere Methode, die Performance zu verbessern – neben dem Einsatz von SSDs und dem Kauf schnellerer Festplatten:

Hot Data Caching

Die für einen Datenserver wichtigen Lesezugriffe kann der Drobo-Besitzer durch eine zusätzliche SSD beschleunigen. Dazu stecken wir in einen Schlitz in der Rückseite des Drobo eine alter 2,5-Zoll-SSD von Toshiba. Der so genannte Hot Data Cache wird beim Zugriff auf häufig genutzte Daten verwendet und beschleunigt die Zugriffszeiten und Schreib-Lese-Raten. Dieser Cache soll Alltagsaufgaben beschleunigen und ist sehr empfehlenswert. Auch dieses Hot Data Caching lässt sich aber mit einem herkömmlichen Benchmark aber kaum sinnvoll messen, er wird automatisch von Drobo verwaltet.

Über einen Steckplatz in der Rückseite kann man eine SSD ergänzen.
Vergrößern Über einen Steckplatz in der Rückseite kann man eine SSD ergänzen.

Mit der Performance unseres Test-RAIDs waren wir deshalb nur begrenzt zufrieden, hier kann die Drobo mit Geräten wie dem Lacie 6big oder Promise Pegasus3 nicht mithalten. Mit auf hohe Datentransferraten spezialisierten RAIDs wie dem Lacie 6big maßen wir bei einem Test mit RAID5 beispielsweise stabile 1000 MB/s beim Lesen und 817 MB bei Schreiben, beim 12big sogar noch deutlich mehr.

Lautstärke

Mit acht herkömmlichen Festplatten ist das Drobo kein Leisetreter. Schuld daran sind weniger die beiden Lüfter auf der Rückseite des Gehäuses als das Geräusch der bis zu acht Festplatten selbst. Für ein Speichergerät geeignete Festplatten (etwa die WD Red) sind leider nicht auf niedrige Lautstärke ausgelegt und man hört sie in einem leisen Büro recht vernehmlich. Leider kann man das Gerät nicht in ein Nebenzimmer auslagern, ist man doch auf die Länge eines Thunderbolt-Kabels begrenzt. In ruhigen Räumen kann die Lautstärke schnell stören, ein etwa zwei Meter entfernt sitzender Kollege war recht erfreut, als der Test beendet war.

Fazit

Das Drobo ist ein ausgereiftes Gerät mit vielen einzigartigen Funktionen, es ist aber relativ laut und bietet eher durchschnittliche Performance. Interessant ist es für Arbeitsplätze, an denen auf riesige Datenmengen zugegriffen werden muss, etwa im Videobereich. Größte Stärke sind dabei die hohe Datensicherheit und einfache Bedienung.

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