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Edge: Wieder ein Microsoft-Browser für den Mac

20.01.2020 | 15:10 Uhr | Thomas Armbrüster

Nachdem Microsoft seinen Browser Edge auf eine neue Basis gestellt hat und nun Chromium verwendet, gibt es wieder einen Browser von Microsoft für den Mac.

Als Unterbau verwendet Microsoft Edge Chromium, das auch bei Google Chrome, Opera und Vivaldi zum Einsatz kommt. Chromium ist Open Source und beinhaltet die Render-Engine Blink und die V8-JavaScript-Implementierung. Von daher lassen sich bei der Darstellung der Webseiten zwischen Chrome und Edge keine Unterschiede feststellen, wie das bei Safari und Firefox der Fall sein kann, die andere Rendering-Engines verwendet. Öffnet man Chrome und Edge nebeneinander, muss man auch genau hinschauen, um beim Browser-Fenster Unterschiede erkennen zu können. So fehlt bei Edge natürlich links der Button für die Google-Apps, die Ordnersymbole in der Favoritenleiste sind ungefüllt, und die drei Punkte rechts in der Symbolleiste, über die man verschiedene Optionen des Browsers auswählt und die Einstellungen öffnet, stehen nebeneinander anstatt untereinander. Auch die Menüleiste ist mit geringen Abweichungen identisch. Erst beim Öffnen des Menüs für die Anpassungen und Einstellungen sieht man größere Unterschiede.

Sicherheitseinstellungen

Ähnlich wie Firefox bietet Edge verschiedene Vorgaben für den Trackingschutz, wobei die mittlere Stufe „Ausgewogen“ standardmäßig aktiviert ist. Lässt man sich die blockierten Daten anzeigen, kommt schon bei dieser Einstellung einiges zusammen. Wie auch in anderen Browsern lassen sich Browserdaten manuell löschen, zudem kann man Edge so einrichten, dass Browserdaten wie Cookies oder die Chronik automatisch beim Beenden des Programms entfernt werden, wobei man jeweils festlegen kann, welche Daten entfernt werden sollen. Chrome löscht auf Wunsch zwar ebenfalls beim Beenden Cookies und Websitedaten, aber bietet keine Option für differenziertere Vorgaben. Was uns in Edge im Vergleich zu Firefox noch fehlt, ist die Möglichkeit, bestimmte Cookies trotzdem zu behalten, beispielsweise für Foren, um dort den letzten Stand der Diskussion nicht zu verlieren. In Safari lassen sich Websitedaten dagegen nur manuell entfernen.

Eine Besonderheit von Edge ist der Microsoft Defender SmartScreen, den man unter „Datenschutz und Dienste“ aktiviert. Dieser Filter untersucht ähnlich wie Google Safe Browsing, das von Safari, Firefox und Chrome verwendet wird, besuchte Webseiten und Downloads auf mögliche Schadsoftware und verwendet dazu unter anderem eine Liste über bekannte Gefahren.

Wie Firefox, Safari und Chrome kann man in Edge auch im Privaten Modus surfen. Zudem gibt es einen Gastmodus, bei dem die Surfdaten nicht im Profil des Anwenders abgelegt und beim Schließen aller Fenster wieder gelöscht werden. Anders als bei Chrome gibt es in Edge wie bei Firefox und Safari einen Lesemodus, der nur den Text des jeweiligen Artikels anzeigt, was Edge etwas merkwürdig mit „Plastischen Reader aktivieren“ bezeichnet. Das Reader-Symbol erscheint automatisch rechts in der Adressleiste, wenn sich der Lesemodus verwenden lässt. Im Lesemodus kann man sich den Text auch vorlesen lassen, wobei Edge eine Stimme von Microsoft und nicht die Stimme von macOS verwendet.

Passwörter und Erweiterungen

Edge verfügt wie Firefox, Chrome und Safari über eine eigene Passwortverwaltung, und man kann die Passwörter sowie auch die Favoriten und die Einstellungen zwischen verschiedenen Geräten synchronisieren, beispielsweise mit Edge auf dem iPhone oder iPad. Hierfür legt man sich ein Microsoft-Konto zu. Tabs und den Verlauf sowie Erweiterungen sollen sich erst in einer späteren Version von Edge abgleichen lassen. Anders als die drei anderen Browser schlägt Edge aber keine starken Passwörter vor, wenn man einen neuen Account anlegt.

Man kann in Edge alternativ auch Passwortverwaltungen wie 1Password, Dashlane, Enpass oder Lastpass verwenden. In unserem Test funktioniert das gut mit der Erweiterung 1PasswordX in der aktuellen Betaversion (nur diese kann auf die Standalone-Version von 1Password auf dem Mac momentan zugreifen).

Da Edge die gleiche Basis verwendet wie Chrome, lassen sich Erweiterungen nicht nur aus dem Addon-Store bei Microsoft installieren, sondern auch aus dem Chrome Web Store. Von dort installieren wir die Erweiterung von Startpage.com, um diese Suchmaschine anstatt Bing zu verwenden, die in Edge standardmäßig eingestellt ist. Die Suchmaschinenverwaltung ist in Edge nicht auf den ersten Blick zu finden, sie versteckt sich unter „Datenschutz und Dienste > Adressleiste“. Weitere Erweiterungen haben wir bisher noch nicht getestet.

Umgebung anpassen

Öffnet man die Einstellungen, sind alle Optionen sehr übersichtlich in einer Liste links im Fenster angeordnet. Bei der Fensterdarstellung verwendet Edge entweder die Einstellungen des Systems für das helle oder dunkle Erscheinungsbild oder es lässt sich im Browser einstellen, was dann Vorrang hat. Darüber hinaus gibt es Einstellungen für die Schrift und die Schriftgröße und die Favoritenleiste. Weitere Einstelloptionen hat man für die Seite, die beim Programmstart angezeigt wird (Beim Start), sowie für neue Tabs (Neue Tabseite). Für die Startseite lässt sich eine URL angeben, oder man gibt mehrere Seiten an, die dann in Tabs geöffnet werden. Neue Tabs zeigen standardmäßig das Eingabefeld von Bing, Symbole für die zuletzt geöffneten Webseiten und unten im Fenster Nachrichten aus Microsoft News. Will man diese nicht sehen, muss man in den Tabeinstellungen „Benutzerdefiniert > Inhalt aus“ wählen. Auch das Hintergrundbild und die Symbole für die zuletzt geöffneten Webseiten lassen sich ausblenden. Eine leere Seite lässt sich anders als in Safari und in Firefox weder für die Startseite noch für neue Tabs einstellen, was ebenfalls für Chrome gilt.

Sehr umfangreich sind die Optionen für die Websiteberechtigungen. Sie entsprechen weitgehend denjenigen von Chrome. Dort sind sie aber erst in den erweiterten Einstellungen zu finden, die man einblenden muss, in Edge genügt dazu ein Klick in der Seitenleiste. Hier lässt sich unter anderem der Zugriff auf Kamera, Mikrofon und den Standort einschränken, und man nimmt Einstellungen für die automatische Wiedergabe von Inhalten und für automatische Downloads vor.

Fazit

Gegenüber Chrome bietet Edge unserer Meinung nach einige Vorteile. Dazu zählt der Tracking-Schutz, den man in unterschiedlichen Stufen einstellen kann, der Lesemodus sowie die übersichtlichere Seite mit den Einstellungen. Und man muss keine Google-Dienste verwenden, wenn man Daten zwischen mehreren Geräten synchronisieren möchte. Für Mozilla und seine Rendering-Engine Gecko könnte die Unterstützung von Chromium durch Microsoft problematisch werden, denn die Entwickler aus Redmond werden zukünftig wohl an der Weiterentwicklung von Chromium mitarbeiten und damit die Vormachtstellung dieser Rendering-Engine im Web weiter ausbauen. Und Mozilla hat im Gegensatz zu Apple nicht den finanziellen Rückhalt, der es Apple erlaubt, Webkit in Eigenregie weiter zu entwickeln.

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