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Encodya – Cyberpunk-Adventure in ”Neo-Berlin”

22.02.2021 | 13:07 Uhr | Thomas Hartmann

"Encodya" ist ein Spiel, das sich für Adventure-Fans mit Sinn für dunkle Science-Fiction, auch animiert, absolut lohnt.

Damit ist das positive Fazit schon vorweggenommen. Was nicht heißt, dass man nicht auch Schwächen findet in diesem Adventure, das in einem dystopischen ”Neo-Berlin” im Jahr 2062 angesiedelt ist, voller Schmutz und abgedrehter Typen, von denen manche ihr Leben am liebsten virtuell im Cyberspace verbringen. Ein Hauch von ”Neuromancer” und auch ”Blade Runner” kommt auf, wenn die Hintergrundmusik immer wieder angenehm an Vangelis’ Soundtrack aus dem Ridley-Scott-Film von 1982 erinnert.

Manches schwer zu finden

Wenn man von diesen atmosphärisch essentiellen Details absieht, ist "Encodya" ein klassisches Click-and-Point-Adventure mit Inventar (das manchmal für die Richtungsangabe im Weg ist, sich aber leicht wegschalten lässt), in dem sich Dinge auch kombinieren lassen. Zielangaben, die man über eine Taskliste immer aufrufen kann. Und mit manchmal schwer zu findenden Gegenständen in den verschiedenen Szenarien, mit einer nur elementaren Hotspot-Anzeige. Das heißt, man muss ziemlich viel herumprobieren und mit scharfem Mauszeiger hoffen, die verlangten Objekte zu entdecken.

Hintergrund der Story ist, dass das neunjährige Waisenkind Tina mit SAM-53, einem großen intelligenten Roboterwächter, der eigens für sie erschaffen wurde, in einer provisorischen Dachunterkunft in Neo-Berlin, einer dunklen, von Konzernen kontrollierten Megalopolis, unterwegs ist und das Geheimnis ihrer eigenen Existenz herauszufinden versucht.

Code-Suche mit Sam

Dabei gilt es vorzeitig einen Code zu entschlüsseln, den ihr verschwundener Vater so programmiert hat, dass dieser erst an ihrem zehnten Geburtstag durch Sam offenbart werden sollte. Der hat diese Details leider vergessen. Aber natürlich kommt man mit der Zeit dem Geheimnis auf die Spur, und es entwickelt sich ein spannender Wettkampf mit Mister Rumpf, der nicht nur zufällig äußerlich und seinem Verhalten nach an einen kürzlich aus dem Amt gewählten amerikanischen Präsidenten erinnert.

Wie in einem solchen Computerspiel zu erwarten, dient die wichtige Mission von Tina nicht weniger als der Rettung der Welt, bzw. dem Versuch, die Menschen aus dem sie beherrschenden düsteren Cyberspace zu befreien. Dazu muss man diesen selbst betreten, allerdings in einer deutlich freundlicheren Version, welche der Vater geschaffen hat und noch weiter entwickelt.

Sam – der Roboter an deiner Seite

Kommt man einmal nicht weiter, kann Tina ihren Roboterbegleiter Sam um Rat bitten. Der ziert sich zwar jeweils mit dem Hinweis, das würde sehr viel Energie und Ressourcen verbrauchen, hilft dann aber am Ende doch. Wobei diese Tipps nicht immer weiterführen, denn was er bekannt gibt, dachte man sich vorher oft selbst.

So irren wir manchmal etwas ziellos durch die verschiedenen, immer sehr aufwendig gestalteten Szenarien. Klickt man ein Objekt oder eine Figur zum Interagieren an, gehen Sam oder Tina – man kann zwischen den beiden Charakteren jederzeit wechseln, was manchmal spielrelevant ist – in aller Gemütsruhe quer durchs Bild. Daher hier der Tipp: Möchte man das beschleunigen, erst mal per Doppelklick einen der beiden schnell zum Ziel gehen lassen, und dann erst die Aktion wählen. Ebenso kann man häufig per Doppelklick auf eine Zielangabe rasch die Szene wechseln. Oder auch die gelegentlich langatmigen Dialoge abkürzen, deren korrekte Reihenfolge aber öfter wichtig für den Spielfortgang ist. Insgesamt sind die Rätsel nicht kompliziert, doch manchmal muss man ziemlich viel herumrennen und ausprobieren, um die Lösung zu finden.

Ein nettes Zusatzfeature ist, dass man hin und wieder an unerwarteten Stellen kleine Geheimnisse entdeckt.

Mac Mini (2018) ächzt ein wenig

Wir haben "Encodya" auf einem Mac Mini (2018, 3 GHz Intel Core 5 mit 16 GB RAM Arbeitsspeicher) gespielt. Wählt man die zweithöchste von vier Spielstufen (Grafikqualität), merkt man schon deutlich, dass sich der Mauszeiger langsamer geht, an höhere Einstellungen ist gar nicht zu denken. Doch selbst in der niedrigsten Spielstufe sieht "Encodya" noch hervorragend aus, die Qualität der cartoonartigen Animationen leidet kaum.

Systemvoraussetzungen und Verfügbarkeit

Entwickler des Games ist das italienische Studio Chaosmonger.com , Publisher – Assemble Entertainment. Das Adventure gibt es bei Steam oder GOG für Mac (ab OS X 10.13) oder PC (ab Windows 7) zum Preis von 25 Euro. Die Sprachausgabe gibt es nur auf Englisch, aber deutsche und andere Untertitel sind verfügbar.

Fazit und Empfehlung

Das Fazit haben wir bereits vorweggenommen: für Adventure-Fans mit Hang zum (dystopischen) Science-Fiction-Abenteuer ist das eigentlich eine klare Sache. Natürlich muss man den Animationsstil lieben. Uns hat er gut gefallen!

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