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Expertenaugen

14.02.2008 | 12:00 Uhr |

Expertenaugen

Jenseits erfassbarer Messwerte ist es die persönliche Vorliebe des Fotografen oder das fotografische Projekt, das die Papierauswahl bestimmt. Wir laden daher eine Expertengruppe ins Labor ein, die gemeinsam mit uns die Eignung und Qualität der Papiere im wichtigsten Kriterium, der Praxis, prüft. Unsere Expertengruppe besteht aus Mitgliedern des Arbeitskreises Fotografie in Hemsbach. Sie haben umfangreiche Erfahrungen in Ausstellungen und Wettbewerben gesammelt und decken eine große Bandbreite unterschiedlicher Genres ab – von Landschaft und Natur, über Industrie bis zur hin zur künstlerischen Fotografie.

Und so haben wir auch für die unterschiedlichen Themen auf jedem Papier eine Auswahl an Fotos in Schwarz-Weiß, Landschaften und künstlerischer Fotografie gedruckt. So steht eine Blindauswahl für jedes Motiv auf jedem Papier zum Beurteilen bereit. Zum direkten Vergleich haben wir die Motive auf herkömmlichem Fotopapier mit einer Pearl- und einer Glanzoberfläche von Sihl ausgegeben.

Mit den meisten Druckergebnissen sind wir sehr zufrieden. Das Druckbild ist bis auf die Papiere von Moab, Brilliant und Permajet fehlerfrei. Bei den beiden Letztgenannten kratzt der Druckkopf am Papier. Um das zu vermeiden, muss man zuvor mit viel Mühe das Papier glätten. Das leicht gewellte Papier von Crane bereitet dagegen keine Probleme.

Beim Drucken wellen sich meisten Papiere leicht, was in der Regel nicht stört. Nach einer Trocknung von 24 Stunden sind die Wellen meist verschwunden oder fallen nicht mehr auf. Bei den Papieren von Hahnemühle, Harman, Ilford, Monochrom und Permajet ist Vorsicht bei der Entnahme aus dem Drucker geboten, denn die Drucke brauchen etwas länger zum Trocknen. Für alle gilt: Erst nach 24 Stunden können die Druckergebnisse professionell beurteilt werden, weil erst dann Papier und Tinte trocken sind.

Fine-Art-Papiere sind empfindlicher und bedürfen einer vorsichtigen Handhabung – idealerweise mit Handschuhen. Feuchtigkeit beispielsweise von Fingern und Kratzer von Schmutz, wenn mehrere Blätter unachtsam gestapelt werden, nehmen die meisten Papiere krumm. Recht robust sind die Papiere von Crane und Hahnemühle. Mit Kratzern hat auch das Papier von Tecco keine Probleme. Gegenüber Feuchtigkeit sind die Papiere von Harman, Ilford, Moab, Monochrom und Permajet recht unempfindlich.

Das Ergebnis

Ein eindeutiges Ergebnis kann es nicht geben, denn schon auf den ersten Blick erkennt man deutliche Unterschiede in der Papierfarbe und leichte Unterschiede in der Oberfläche. Diese Unterschiede verlangen nach der individuellen Auseinandersetzung mit dem Motiv und dem passenden Papier für einen perfekten Transport der Bildidee.

Was sofort auffällt, ist der Unterschied zwischen einem herkömmlichen Tintenstrahlfotopapier und den neuen Fine-Art-Medien. Die zur Kontrolle eingeschobenen Papiere mit einer Pearl-Glanz- und einer Hochglanzoberfläche wurden sofort als solche entlarvt. Die Expertengruppe ist sich hier einig: Die neuen Fine-Art-Medien sind die hochwertigste und beste Art, Fotos zu präsentieren.

Der Oberfläche der Papiere kommt eine große Bedeutung zu: Während glatte Oberflächen eher neutral sind, trägt eine Papierstruktur zur Unterstützung des Motivs bei. Besonders gefällt die gleichmäßige Struktur des Crane, des Epson und des Sihl, aber auch die unregelmäßige Struktur des Monochrom konnte bei Schwarz-Weiß und der künstlerischen Fotografie überzeugen. Das Papier von Hahnemühle und Harman wird kontrovers gesehen: Während die einen den Perlglanz des Hahnemühle als ideal empfinden, können die anderen eher dem fast strukturlosen Harman etwas abgewinnen. Komplett durchgefallen ist nur das charakterlose Papier von Moab.

Ein Bild an der Wand zu betrachten ist schön, es in die Hand zu nehmen und zu fühlen, erschließt eine neue Dimension. Vor allem bei Bildbesprechungen, Begutachtungen und bei Wettbewerben werden Bilder herumgereicht. Wenn sich ein Bild dann nicht auch gut anfühlt, fällt es durch. Hier spielen die neuen Fine-Art-Papiere ihre zweite Trumpfkarte aus.

Eindeutig gefallen hier die Papiere von Crane, Sihl und Tecco. Die Papiere sind angenehm weich auf der Unterseite und vermitteln ein hochwertiges Gefühl. Dieses hochwertige Gefühl wird durch die sehr gute Steifigkeit bei den Papieren von Crane und Sihl unterstrichen. Das Papier von Tecco ist etwas zu dünn. Komplett durchgefallen ist hierbei wieder das Moab; es fühlt sich nach Plastik an und ist sehr lapprig.

Die Entscheidung fällt der Expertengruppe nicht leicht. Die Top Favoriten sind das sehr spezielle Papier von Crane, das universell für Farbe und Schwarz-Weiß einsetzbare Papier von Hahnemühle und das sehr gelbe und daher am besten für Schwarz-Weiß geeignete Papier von Sihl. Dicht darauf folgt das Papier von Monochrom mit seiner deutlichen Papierstruktur und das fast strukturlose Papier von Harman, welches gerade bei Landschaften in Farbe gefällt. Als Universalpapiere folgen danach die Vertreter von Epson und das Tecco.

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