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Fire TV Cube: Fernsehen à la Amazon mit Sprachbefehlen

28.10.2019 | 13:29 Uhr | Peter Müller

Der Fire TV Cube kann an sich auch nicht viel mehr als der Fire TV Stick. Das aber ohne Fernbedienung, theoretisch. Aber das soll noch alles werden.

Nein, hier sprechen wir nicht darüber, ob es das braucht: Ein weiteres Gerät in der Wohnung, das theoretisch auch als Wanze dienen kann, weil es ständig auf unsere Sprachkommandos wartet. Auch Amazon hat diverse Sicherheitsfunktionen in sein Alexa-Echo-Fire-TV-Universum eingezogen, einige Einstellungen muss man eben vornehmen – oder die Sache mit dem auf Sprachkommando reagierenden Assistenten ganz sein lassen.

Testfazit Fire TV Cube

Hat man ein Smart TV, braucht man den Fire TV Cube nicht. Hat man ein Apple TV, eigentlich auch nicht. Und ganz sicher nicht, wenn man schon einen Fire TV Stick im Einsatz hat. Ansonsten: Durchaus der Überlegung wert, vor allem, wenn man bald auch den neuen Lautsprecher Echo Studio sich neben den "dummen" Fernseher stellt, denn der ist auch und gerade für die Soundausgabe von Filmen konzipiert. Aber das ist eine andere Testsituation und über die werden wir ein andermal berichten.

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Wir fragen uns nur, ob es denn ein Fire TV Cube anstatt eines Fire-TV-Sticks sein muss, um Fernsehen im Stream auf den großen Apparat in das Wohnzimmer zu bekommen. Denn im Grunde erledigen beide Geräte den gleichen Job: Sie bringen uns vor allem unsere Amazon-Prime-Videothek auf das große TV-Gerät, an das sie sich per HDMI anstöpseln. Dazu bietet Amazon auch noch jede Menge Apps von Dritten, etwa die Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Sender, TV-Streamer wie Waipu oder Zattoo oder auch Angebote privater Sender wie Joyn. So werden auch "doofe" Fernsehapparate früherer Zeiten (also von vor drei bis acht Jahren …) zu Smart-TVs. Und das Beste ist ja: Auch Apples TV-App findet sich nun auf den Fire-TVs , ein Apple TV braucht es dann nicht mehr zwingend. Außer, man will Apple-Arcade-Spiele auf dem TV zocken.

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Sprachkommandos statt Fernbedienung

Dem Fire-TV-Stick liegt noch eine Fernbedienung bei, die wie jene für das Apple TV auch einen Knopf mit Mikrofonsymbol bietet: Per Sprachkommando kann man sich bestimmte Sendungen auf den Schirm bringen oder auch Songs aus der eigenen Bibliothek auf Amazon Music (oder der Erweiterung Unlimited) abspielen lassen – wenig empfehlenswert, wenn nicht gerade eine vernünftige Soundbar oder dergleichen am TV hängt.

Der wesentliche Unterschied: Der Fire TV Cube hört auch so auf die Stimme seines Meisters, ohne Fernbedienung. In der Theorie eine gute Sache: Bevor man in der Dunkelheit des Fernsehzimmers erst einmal mühsam nach der Fernbedienung kramt, spricht man nun einfach in Richtung TV-Gerät, dass der Film nun zu stoppen habe oder die Lautstärke bitte mal zurückgehen solle. Ebenso verspricht der Hersteller, man könne mit einfachen Befehlen den HDMI-Eingang wechseln und so etwa vom Cube zum Apple TV zum Entertain-Receiver der Telekom oder dem Satellitenanschluss (falls vorhanden). Und dort etwa das ZDF einschalten – das heute journal fängt ja gleich an.

Theorie und Praxis

Funktioniert leider noch nicht ganz so, wie es sollte und Amazon behauptet: Tausende von Geräten könne man über Alexa ansteuern, wenn auch nicht sämtliche Sprachkommandos verstehen. Zunächst stellen wir aber auf Rat des Herstellers das Codewort von "Alexa" auf "Amazon" um ("Computer" ginge auch), schließlich stehen in unserem Haushalt noch zwei auf "Alexa" reagierende Geräte. Und während Siri-Geräte (ein paar mehr als nur zwei bei uns) an sich immer zu wissen scheinen, welche Instanz denn nun gemeint ist, hat es uns schon öfter irritiert, stellten wir in der Küche einen Timer für die Nudeln und der Hi-Fi-Lautsprecher im Wohnzimmer fühlte sich angesprochen. Diese Irritation lösen wir durch diejenige ab, die uns befällt, wenn wir über den Versandhändler sprechen und der Cube sich angesprochen fühlt …

Dabei reagiert auch mit dem Wake-Word "Amazon" der Cube nicht immer zufriedenstellend. Etliche falsch positive Ergebnisse störten uns letztens den Tatort, denn wenn sich der Cube angesprochen fühlt, schaltet er natürlich erst mal den Ton des TV ab, um besser zuzuhören. Aber wie kann man "1985" als "Amazon" verstehen? Anders herum hält sich das Gerät bei geschätzt einem Fünftel bis einem Viertel aller Ansprachen nicht für zuständig. Richtig, genau deshalb schickt Amazon derartige Sprachfetzen zur Kontrolle an menschliche Ohren, die herausfinden sollen, warum das System unter- und überreagiert, um es zu verbessern. Mittlerweile bietet Amazon dafür einen Optout an – das könnte auf Dauer alles etwas schwieriger machen.

Aber auch bei vollständiger Stile im Raum und konzentrierter Aussprache macht der Fire TV Cube nicht das, was er sollte, und zwar in einigen Fällen systematisch. Denn wir wollen schon auf das heute journal umschalten, ohne uns vom Sofa zu begeben oder nach der Fernbedienung zu tasten. Aber weit gefehlt: Befehle wie "Schalte um auf HDMI 3 und zeige mir ZDF" führen nur zu Unverständnis. Einmal auf dem Kanal des Entertain-Receivers angekommen, versagt auch die Methode, einen Kanal hoch oder runter zu schalten. "Kannitverstan" würde der Cube sagen, hätte er Bert Brecht gelesen.

( Apropos lesen: Doch, das geht, sich das jüngst in der Kindle-App aufgeschlagene Buch weiter vorlesen zu lassen. Das kann aber auch der Echo, respektive ein jeder Lautsprecher, der mit Alexa funktioniert. Generell lesen wir ja lieber selbst, anstatt uns vorlesen zu lassen – vor allem im Wohnzimmer. )

Das soll aber besser werden, versichert uns Amazon auf Nachfrage. Gerade bei auf Sprache reagierenden Geräten sei die Lokalisierung komplex, vieles werde nachgezogen. Wir werden den Fire TV Cube noch eine Weile behalten und das später überprüfen.

Nicht immer das gewollte Resultat

Bleiben wir bei dem, was der Cube heute schon kann. Nach Filmen eines Genres suchen, auf der Fundseite oder der Startseite hoch und runter scrollen und einen bestimmten Inhalt in der Rasterdarstellung öffnen, zeilenweise von links nach rechts nummeriert. Auch hier immer wieder Verständnisprobleme, die uns dann doch wieder zur Fernbedienung greifen lassen – entweder der des Fire TV Cube oder der unseres Smart-TV von Samsung. An dieser Stelle ein Zwischenfazit: Hat man schon einen Smart-TV, braucht es weder einen Stick noch einen Cube, ja nicht einmal mehr ein Apple TV: Die Apps sind schon alle drauf. Erschwerend hinzu kommt, dass sich weder Apple TV noch Entertainment-Receiver per Sprache einschalten lassen. Kann aber auch an unserer Konfiguration des ebenso smarten Fernsehapparates liegen.

Noch so ein Missverständnis zwischen den schlauen Geräten: Die Lautstärke. "Amazon, leiser" funktioniert zwar, aber nur in recht kleinen Schritten. Antwort auf die Bitte, man möge doch auf das Niveau 38 stellen beantwortet die Computerstimme mit: "Ich kenne nur eins bis zehn". Na, gut dann halt 3? Aber anstatt auf 3 von 100 oder auf 30 von 100, also 3 von 10, zu schalten – beides erwartbare Werte – einfach nur Ignoranz und weiter bei 55 gebrüllt. Wo ist die Fernbedienung?

Die brauchen wir auch für den vorerst letzten TV-Test. Denn in "Good Omens" ist überraschender Weise die Kindersicherung aktiv. Wegen der paar Dämonen, Höllenhunden, schwatzhaften Nonnen und dem Weltuntergang? Im Ernst? Na gut, uns erscheint durchaus sinnvoll, dass wir eine PIN nicht per Sprachkommando eingeben, die Kinder könnten ja mithören. Mittlerweile sind sie alt genug, dass wir uns den Schutz sparen können. An Halloween schauen wir heuer vielleicht mal "Halloween" …

Auch bei den "Good Omens" laufen wir in Missverständnisse. "Stop" funktioniert, bei "Weiter" schaltete der TV dann aber gleich mal von Mitte der ersten Fassung auf den Beginn der zweiten, Vor- und Zurückspulen ging dann aber ganz gut.

Freilich: An Sprachbedienung muss man sich erst einmal gewöhnen. Und wie bei der Kommunikation mit fremden Menschen muss man ein gemeinsames Modell zwischen Sender und Empfänger etablieren, damit man sich verständigen kann – auch wenn man an sich die gleiche Sprache spricht. Nicht nur Amazon hat noch ein paar Hausaufgaben beim Fire TV Cube zu erledigen, auch seine Kunden müssen damit umzugehen lernen, eine gemeinsame Aufgabe.

Fazit

Hat man ein Smart TV, braucht man den Fire TV Cube nicht. Hat man ein Apple TV, eigentlich auch nicht. Und ganz sicher nicht, wenn man schon einen Fire TV Stick im Einsatz hat. Ansonsten: Durchaus der Überlegung wert, vor allem, wenn man bald auch den neuen Lautsprecher Echo Studio sich neben den "dummen" Fernseher stellt, denn der ist auch und gerade für die Soundausgabe von Filmen konzipiert. Aber das ist eine andere Testsituation und über die werden wir ein andermal berichten.

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