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Fitbit Charge 4 im Test: Selbstständig dank GPS

10.05.2020 | 17:30 Uhr | Halyna Kubiv

Der Fitness-Tracker Charge 4, der neueste Zugang in der Fitbit-Familie, hat an der Hardware-Seite eine wichtige Neuerung – einen eigenen GPS-Chip. Somit ist Joggen ohne iPhone möglich.

Vor einigen Wochen hat Fitbit den Neuzugang im Charge-Portfolio vorgestellt, den Charge 4. Neben einigen Neuerungen an der Software-Seite hat der neuen Fitness-Tracker ein eigenes GPS-Modul eingebaut, auch die Möglichkeit, mit dem Fitness-Tracker kontaktlos zu bezahlen, ist neu. Vormals wurde Fitbit Pay, so heißt der Bezahldienst von Fitbit, nur auf den teureren Ionics und Versa freigegeben, nun ist es auch bei der Mittelklasse im Fitbit-Portfolio angekommen.

Fazit

Optisch hat sich Charge 4 nicht geändert, auch die Armbänder der Vorgänger würden dem neuen Gerät passen. Der eingebaute GPS-Modul ist jedoch ein gewichtiges Kaufargument, besonders für diejenigen, die viel Sport im Freien treiben, und dies ohne klobige Arm-Halter oder Tragetaschen tun wollen. Zudem werden die modernen Smartphones nicht gerade kleiner, der Trend geht in die entgegengesetzte Richtung. Wenn ein Fitness-Tracker selbstständiger wird, ist das nur noch zum Vorteil der Nutzer.

Aktivzonenminuten statt Schritte

Mit der aktuellen Fitbit-App verabschiedet sich der Hersteller vom etwas veralteten Paradigma, die zurückgelegten Schritte mit der allgemeinen Aktivität gleichzusetzen. Zwar wird in den meisten Fällen die Annahme stimmen, dass je mehr der Mensch zu Fuß geht, desto mehr bewegt dieser sich im Allgemeinen, doch das ist nicht gleich sportliche Betätigung. Darauf setzt beispielsweise Apple bei der Apple Watch und ihren Trainingsminuten: Nur wenn der Herzschlag über eine bestimmte Grenze steigt, wird dies als Training gezählt, da kann schon mal ein gemütlicher Verdauungsspaziergang mit fünf Trainingsminuten zu Buche schlagen, obwohl man knapp eine halbe Stunde unterwegs war. In der Fitbit-App bei den Geräte-Einstellungen kann man als Hauptziel statt Schritten nun Aktivzonenminuten einstellen. Zwar benachrichtigt der Tracker nach wie vor, wenn man die 10 000 Schritte erledigt hat, es kommt aber eine neue Auszeichnung hinzu – für die Aktivzonenminuten. Fitbit orientiert sich dabei an einer WHO-Richtlinie, diese empfiehlt rund 150 Minuten gemäßigte Sporttätigkeit wie Joggen, Radfahren, Wandern etc. Mit dem Charge 4 kann man sich diese 150 Minuten noch schneller verdienen, indem man "gemäßigt" aus der Empfehlung streicht und ein High-Intensity-Interval-Training oder ein Cardio-Training mit hohem Tempo macht. Charge 4 erkennt beim Sport vier Zonen: Ruheherzfrequenz, Fettverbrennung, Cardio und Höchstleistung. Im Cardio- und Höchstleistungsbereich rechnet der Fitness-Tracker gleich zwei Aktivminuten statt einer, das ist an sich nachvollziehbar, verbrennt man doch dabei mehr Kalorien, auch der eigene Kreislauf läuft auf Hochtouren. Hat man ein paar Mal mit dem Charge 4 trainiert, legt die App die individuellen Herzfrequenzzonen fest. Fortan kann man sich benachrichtigen lassen, wo man gerade im Training steht, beispielsweise ob der eigene Herzschlag hoch genug ist, um in der Cardio-Zone zu trainieren.

Diese Philosophie spiegelt sich ebenfalls in der App wider: Aus der Heute-Übersicht kann man in die Auswertung der Zonenminuten gelangen, dort zeigt die Fitbit-App den chronologischen Mitschnitt der eigenen sportlichen Betätigung: Auf die Minute genau in der Tagesauswertung oder zusammengefasst in der Wochen- oder Monatsauswertung.

Die Herzzonen-Auswertung mit den individuellen Angaben der jeweiligen Zone, Aktivitätsverlauf nach Zeit und Erklärung, warum das Ganze.
Vergrößern Die Herzzonen-Auswertung mit den individuellen Angaben der jeweiligen Zone, Aktivitätsverlauf nach Zeit und Erklärung, warum das Ganze.

Joggingrunde ohne iPhone

Verzichtet man bei der geplanten Joggingrunde auf die Unterhaltung mittels Musik in den Kopfhörer und womöglich einen kurzen Abstecher in den Supermarkt, kann man mit der Charge 4 das eigene Smartphone zu Hause lassen und nur mit dem Trecker laufen gehen.

Musik möglich, aber nur zu Hause

Zwar kann sich der Charge 4 mit den üblichen Bluetooth-Kopfhörern verbinden, die Spotify-App verlangt für den Stream einen Premium-Account, sie ist außerdem eine reine Steuerungs-App für andere Geräte. Dazu fehlt dem Charge 4 ein Modem, um mobile Daten unterwegs zu beziehen.

Bezahlen mit dem Charge 4

Der Hersteller hat ebenfalls die Unterstützung von Fitbit Pay bei dem neuen Fitness-Tracker angekündigt. Allerdings sind wir bei der Einrichtung unseres Kontos vor der Test-Joggingrunde gescheitert. Fitbit Pay unterstützt in Deutschland  acht Anbieter, dazu kann man direkt beim Hersteller eine Fitbit Visa Card beantragen.

Fitbit Pay Anbieter in Deutschland

BW-Bank/LBBW (Visa)
Boon von Wirecard
Mercedes-Benz Bank (Visa)
Revolut
TransferWise (Mastercard)
Bunq (Mastercard und Maestro)
Commerzbank
Vimpay (Mastercard)

Wir haben versucht, unser Vimpay-Konto dem Fitbit Pay hinzuzufügen, das System hat die Überprüfung immer wieder abgebrochen. Apple Pay dagegen hat das Konto wenige Minuten später anstandslos angenommen und unserer Wallet hinzugefügt. Ob die Bezahlfunktion auf dem Charge 4 funktioniert, konnten wir nicht überprüfen.

Verzichtet man aber auf Musik und späteres Einkaufen, kann man mit dem neuen Tracker wunderbar laufen gehen und nur Hausschlüssel mitführen. Am Anfang verwirren etwas die Mitteilungen zu den Herzfrequenzzonen, die können nach einer Ampel beispielsweise gleich nacheinander zweimal kommen, dass man zunächst in der Cardio-Zone ist, danach in der Höchstleistungszone. Diese kann man nach Wunsch in den Einstellungen der App abschalten. Fitbit hat auch eine Möglichkeit, Sprachhinweise beim Training wiederzugeben, beispielsweise Infos zur Zeit, Strecke, Durchschnittstempo und Teilstreckentempo, diese werden aber nur über das verbundene iPhone oder die gekoppelten Kopfhörer wiedergeben.

Ansonsten kann man sich das mitgeschnittene Training in der Chronik der Aktivzonenminuten anschauen, neben den üblichen Daten wie Zeit, Strecke, Herzfrequenz gibt es eine Karte der Runde, die nach Wunsch genaue Geschwindigkeit der Abschnitte oder auch das Herztempo auf bestimmten Strecke anzeigen kann. Die Daten sind in etwa vergleichbar mit unserer Referenz-Apple-Watch. Die Fitbit-App bietet zudem deutlich mehr Datenpunkte als die Aktivitäts-App auf dem iPhone.

Eine Runde im Olympiapark, man kann sich nach Strecke Tempo- und Herzfrequenzauswertung anschauen. Das iPhone blieb bei diesem Training zu Hause.
Vergrößern Eine Runde im Olympiapark, man kann sich nach Strecke Tempo- und Herzfrequenzauswertung anschauen. Das iPhone blieb bei diesem Training zu Hause.

Akkulaufzeiten

Bei den Akkulaufzeiten hat der Hersteller die gleiche Wochenmarke angepeilt wie bei dem Vorgänger. Bei der alltäglichen Nutzung kommen wir in etwa auf die versprochenen sieben Tage, je nachdem, wie oft wir auf den kleinen Bildschirm schauen. Es gibt aber einen Haken, betreibt man den Charge 4 ohne das iPhone im GPS-Modus, gibt der Hersteller die Akkulaufzeit mit nur knapp fünf Stunden an. Bei unserer Stichprobe hatte eine halbe Stunde im GPS-Modus knapp 15 Prozent an der Akkuladung (von 84 % auf 70 %) verbraucht. Geht man also öfters joggen, muss das Gerät deutlich öfter an die Ladedose als sonst.

Benachrichtigungen

Die Steuerung der Benachrichtigungen aus den Apps heraus hat sich seit dem letzten Herbst etwas geändert, Fitbit App stellt zwar alle verfügbaren Mitteilungen aus den Apps unter "Mitteilungen – App-Benachrichtigungen" dar, man muss sie aktiv freischalten, sonst bleibt beispielsweise Whatsapp auf dem Charge stumm. 

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