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Fotoprofis über das Macbook Pro Retina

13.07.2012 | 16:14 Uhr | Markus Schelhorn

Fotoprofis über das Macbook Pro Retina

Pavel Kaplun , www.kaplun.de

Pavel Kaplun
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© Pavel Kaplun

Das Retina Display des Macbook Pro ist sicherlich nett gemeint, ist meiner Meinung nach allerdings etwas überbewertet. Aus Erfahrung weiß ich, dass die meisten Nutzer zirka 50 bis 60 Zentimeter Abstand zu dem Display haben und so in den Genuss der besseren Auflösung kaum kommen können. Viele arbeiten mit dem zweiten größeren Bildschirm, was für die Bildbearbeitung viel wichtiger ist, als das Retina Display. Bei dem neuen Macbook Pro ist der SSD-Speicher sicher ein Argument für den Kauf, der Preis schreckt aber etwas ab.

Ondro Ovesny , www.hochzeitsfotograf-ondro.de

Ondro Ovesny
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© Ondro Ovesny

Ich hasse es, was Apple gerade praktiziert. Anstatt unnütze Dinge wie Macbooks mit Spiegeldisplays und Retina-Auflösung vorzustellen, die kein Mensch braucht, sollten sie lieber mal den Mac Pro updaten. Das letzte Update war lächerlich. Ich habe das Gefühl, dass Apple die Ideen und Möglichkeiten ausgehen, etwas bahnbrechendes auf den Markt zu bringen. Da aber neue Produkte auf den Markt müssen, wird einfach bestehendes "verbessert". Oder wenigstens dem iMac ein entspiegeltes Display geben, der die Kontraste und Helligkeit einigermaßen korrekt anzeigt. Apple ist vollkommen in den Consumer-Markt eingestiegen, weil da mehr Geld zu holen ist. Aber den Bereich, der sie jahrelang, als es schlecht lief, über Wasser gehalten hat, wird einfach vernachlässigt. Der Pro-Anwender-Bereich findet bei Apple quasi nicht mehr statt. Retina ist nur ein funky Gimmick. Aber tatsächlich positiv zum Workflow beitragen tut es nicht wirklich. Wer etwas anderes behauptet, ist ein Schwätzer und oder Blinder.

Susanne Stemmer , www.susannestemmer.com

Susanne Stemmer
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© Susanne Stemmer

Verspiegelte Monitore mögen zwar bessere Kontraste darstellen können als matte, sind in der Bildbearbeitung aber eher mühsam. Entspannt arbeiten lässt sich nur unter optimalen Lichtverhältnissen. Wir shooten on location direkt auf ein Macbook, im Studio (wenn es geht) auf ein Fixgerät mit Hardware-kalibrierbarem Monitor. Eine anschließende Bildbearbeitung am Macbook ist auf gar keinen Fall zu empfehlen: Die Bearbeitung auf Monitoren unter 19 Zoll ist schrecklich, man hat keinerlei Überblick über das Bild, Photoshop-Paletten und Werkzeuge decken den halben Monitor ab. Eine Profilierung von Macbooks war bisher immer schwierig und an die Qualität eines Hardware-kalibrierbaren Monitors reichen sie keines Falls heran. Das Retina-Display ist natürlich eine Bereicherung, nett fürs Auge, wird die professionelle Bildbearbeitung aber sicher nicht revolutionieren.

Uli Staiger , www.dielichtgestalten.de

Uli Staiger
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© Uli Staiger

Eigentlich war es nur eine Frage der Zeit, bis das Retina Display das Macbook Pro erreicht. Und mal ehrlich: Gegen die atemberaubend hohe und wirklich gestochen scharfe Auflösung kann man nicht wirklich etwas Sinnvolles einwenden. Doch wenn ich die Gesamtentwicklung betrachte, gibt es schon ein paar Punkte, die mich grübeln lassen: Als erstes wäre da der Preis. Der liegt mit fast 2300 Euro klar über dem, was Apple bisher für das Macbook Pro aufgerufen hat. Auch die deutlich flachere Bauform, die auf den klassischen Netzwerkstecker und den Firewire-Port verzichtet, ist mir ehrlich gesagt zu viel Design bei zu wenig Funktionalität. Werde ich mir so ein Ding trotzdem kaufen? NATÜRLICH! Zu verführerisch ist die Aussicht auf eine Bildwiedergabe, die man bisher nur vom iPhone und iPad 3 her kannte.

Jamari Lior , http://www.jamari-lior.de/

Jamari Lior
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© Jamari Lior

Für jemanden wie mich, der viel unterwegs ist und sich viel mit Bildsichtung und -bearbeitung befasst, ist das Retina-Display natürlich perfekt! Aber einen Wunsch hätte ich schon noch: da mich die Akkulaufzeiten nach wie vor nicht beeindrucken und ich daher unterwegs nicht immer auf voller Helligkeit arbeiten kann, möchte ich es gerne mit mattem Display sehen!

Calvin Hollywood , www.photoshopfreaks.de

Calvin Hollywood
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© Calvin Hollywood

Als ich zum ersten mal davon hörte, dass es ein neues Macbook mit Retina Display gibt, war die Verlockung schon sehr groß und ich hätte fast zugeschlagen. Ohne das ich es getestet habe, bin ich aber der Meinung das es nicht vorteilhaft ist eine hochwertige Retusche mit einem Retina-Macbook durchzuführen. Wirkt es nicht besser als es eigentlich ist? Haben denn die Kunden auch Retina Displays? Ich habe mich entschlossen, darauf zu verzichten, da ich meine hochwertigen Retuschen sowieso auf einem Mac Pro mache. Aber die Verlockung ist nach wie vor noch nicht ganz verschwunden :-)

Video-Profi Christoph Gripentrog , www.gripentrogfilm.com

Christoph Gripentrog
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© Christoph Grientrog

Die Tatsache, dass man Filme in voller HD- und darüber hinaus sogar 2K-Auflösung ansehen kann, ist gerade bei der Beurteilung der Schärfe im Bild sehr hilfreich. Bislang musste Final Cut Pro das Material in Echtzeit herunter skalieren, was der Darstellungsqualität abhängig vom verwendeten Rechner manchmal nicht unbedingt zuträglich war. Beeindruckend ist auch, dass HD-Filme nicht den Vollbildmodus der Schnittsoftware nutzen müssen, um die gesamte Auflösung zu sehen.

Gerade wenn man keinen externen Monitor angeschlossen hat, ist das sehr praktisch, denn so hat man sowohl alle Werkzeuge und Paletten und gleichzeitig auch das Bild im Blick. Dennoch kann das Display meiner Meinung nach auf Dauer einen zusätzlichen Vorschaumonitor nicht ersetzen, denn der Eindruck eines bildschirmfüllenden Bildes ist ein ganz anderer als mit Programmumgebung, die unter Umständen gerade bei der Beurteilung von Schnitt und Dramaturgie sehr ablenken kann.

Nach wie vor schade finde ich, dass Apple nunmehr ausschließlich auf Glossy-Displays setzt. Auch wenn diese mittlerweile weniger Reflexionen aufweisen als früher, bleibt eine Beurteilung unter freiem Himmel / am Set manchmal schwierig.

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