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Gravastar: Spaciger Bluetooth-Lautsprecher mit etwas dünnem Klang

20.03.2019 | 13:33 Uhr | Peter Müller

In unserem Soundregal im Wohnzimmer ist ein Raumschiff gelandet. Der Gravastar von Zoeao beeindruckt durch sein Aussehen – beim Klang gibt es Abstriche.

Ein Gravastar oder GRAvitational VAcuum STAR  ist ein hypothetisches kosmisches Objekt: Ein schwerer Stern, der nach seinem Ausbrennen nicht zu einem Schwarzen Loch kollabiert, sondern zu einem nicht punktförmigen Gebilde, gewissermaßen einem Schwarzen Loch mit Ausdehnung, das von Dunkler Energie am Kollaps gehindert wird. Der Theorie fehlt es leider an Beweisbarkeit, da die von einem solchen Objekt ausgehende Wirkung nicht von der eines Schwarzen Lochs unterschieden werden kann, auch sind die für das Modell notwendigen Interpretationen der Quantengravitation vor allem hoch spekulativ. Wir haben uns dennoch einen Gravastar in das Wohnzimmer gestellt.

In Aktion: Das grüne Licht lässt sich auch abschalten - außer am Lautstärkeregler (Mitte)
Vergrößern In Aktion: Das grüne Licht lässt sich auch abschalten - außer am Lautstärkeregler (Mitte)

Denn so nennt der Hersterl Zoeao im Crowd-Sourcing-Projekt auf Indiegogo sein Produkt: Gravastar. Es handelt sich hierbei um einen Bluetooth-Lautsprecher, dessen Design und Name nicht von ungefähr an Science Fiction erinnern soll. Die Form: Eine schwarze Kugel auf drei Spinnenbeinen. Könnte ein Raumschiff sein oder eine Kreuzung aus Mike Glotzkowski und Henry J. Waternoose III. aus der Monster AG, nur eben in schwarz – mit grünen Lichtern. Wäre das Gerät weiß und leuchtete rot, fühlten wir uns an die Komet erinnert – dem Raumschiff von Captain Future.

Fantasievolle Optik, etwas dünner Klang

Es ist schon mal verdächtig, wenn ein Lautsprecherhersteller erst einmal mit der Optik überzeugen will, als ob der Klang nicht wichtig wäre – aber der Gravastar ist nicht für die Wohnzimmer von High-End-Freunden gebaut, sondern eher für jüngeres und hipperes Publikum, für die Party, für den Strand. Das charakteristische grüne Leuchten kann mit einem der drei Knöpfe auf der Oberseite der Kugel abschalten, nur auf dem Lautstärkeregler, der sich per Touch bedienen lässt, bleiben die grünen Lichter an.

Unser Testfeld: Gegen den Riva Audio (im Hintergrund) chancenlos, nicht viel besser als der kleine Wonderboom (links)
Vergrößern Unser Testfeld: Gegen den Riva Audio (im Hintergrund) chancenlos, nicht viel besser als der kleine Wonderboom (links)

Nach dem Einschalten begrüßt uns der Gravastar mit einer blechernen Stimme, die uns auch darüber informiert, dass die Bluetooth-Kopplung erfolgreich war. Das ging auch überraschend schnell, der Lautsprecher versteht sich bereits auf Bluetooth 5, die Reichweite beträgt über zehn Meter.

Harte Konkurrenz im Hörtest

Besser wird der Klang natürlich, schickt man Musik vom iPhone oder iPad auf den Gravastar. Wir lassen ihn im subjektiven Hörtest aber zunächst gegen harte Konkurrenz antreten, gegen Apples Homepod und den neuen Concert von Riva Audio . Hier zeigt der Gravastar deutliche Schwächen, es fehlt ihm nicht nur an Wärme und Klarheit, wie wir es von den Riva-Audio-Lautsprechern gewohnt sind, die um die 400 Euro kosten. Auch im Bass ist nicht so viel los, wie wir erwartet hätten, schon gleich gar nicht im Vergleich zum zugegebenermaßen sehr wuchtigen Homepod. Das überrascht angesichts der Ausmaße des Lautsprechers dann doch ein wenig.

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Etwas fairer ist der Vergleich mit dem Wonderboom von Ultimate Ears . Dieser bietet zwar einen Rundumklang – der Gravastar ist nach vorne gerichtet – ist aber deutlich kompakter und bietet sich vor allem in der Preisklasse unter 100 Euro als Top-Lösung an. Wir verwenden den kleinen, wasserdichten Speaker gerne in Küche und Bad, für das Wohnzimmer ist er uns unterdimensioniert. Und doch ist der Klangunterschied zum futuristischen Gravastar nicht mehr so groß, beide kommen uns im Vergleich zu unseren hochwertigeren Lautsprechern etwas dünn und blechern vor. Der Gravastar bietet allenfalls ein klein wenig mehr Fülle, bleibt aber hinter den Erwartungen zurück – als ob der Sound komprimiert wäre.

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In Sachen Lautstärke hat der Gravastar aber kaum Schwächen – am Maximum verzerrt uns der Bass aber zu sehr. Anders als der zum Vergleichstest herangezogene Wonderboom kann man zwei Gravastars nicht nur einfach miteinander verknüpfen, sondern sie mit der Technik TWS (True Wireless Stereo) auch zu einem Stereopaar zusammenschließen. Dies konnten wir im Test indes nicht nachstellen, da wir nur einen der Lautsprecher zur Verfügung hatten.

Auf die Angaben des Herstellers verlassen wir uns auch in Sachen Akkulaufzeit, hier werden wir aber ein Ergebnis nachreichen: Für 20 Stunden Musikgenuss sollen die 10.000 mAh des Akkus ausreichen – das macht den Gravastar deutlich mobiler als den nur wenige Stunden mit Akku durchhaltendem Riva und vor allem den kabelgebundenen HomePod. Beim Aufladen beschreitet der Hersteller Zoeao neue Wege und legt ein USB-C-Kabel bei. Ein Ladegerät finden wir nicht in der Schachtel, die Gebrauchsanweisung empfiehlt uns einen herkömmlichen 5-Watt-Adapter. Mit im Lieferumfang ist ein AUX-Kabel, man ist also nicht auf Bluetooth als einzige Klangquelle angewiesen.

Fazit

Der Gravastar von Zoeao schindet Eindruck – aber vor allem wegen seines Aussehens. Der Klag ist für einen Bluetooth-Lautsprecher der Preisklasse von 100 bis 200 Euro in Ordnung, aber eben etwas dünn. Vor allem im Bass fehlt es an Wucht, aber womöglich sind wir schon zu sehr an die etwas übertriebenen Tieftöner des Homepod gewöhnt. In den Handel soll der Gravastar in Kürze gehen, der Hersteller gibt einen Retail-Preis von 250 US-Dollar an , nennt aber noch keine konkreten Bezugsquellen. Für das Aussehen ein angemessener Preis, für den Klang ein wenig zu hoch.

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