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Heos-Multiroom von Denon und Marantz im Test

17.10.2019 | 13:20 Uhr |

Sound in allen Räumen: Im Test ein Verstärker und ein Lautsprecher, die sich auf Stremingdienste verstehen. Leider nicht auf Apple Music.

Mit dem Label Heos versehen die japanischen Hersteller Denon und Marantz alle ihre Produkte, die sich auf Musikstreaming verstehen. Das sind neben Lautsprechern auch viele ihrer Stereo-Verstärker und Surround-Receiver. Die Bedienung der Geräte erfolgt über die Heos-App. Streaming-Musikdienste, Internetradiosender oder die eigenen Musikkollektionen lassen sich hiermit einfach auswählen und auf ausgewählte oder alle Heos-Geräte verteilen.

Die Auswahl an Streaming-Musikdiensten lässt kaum Wünsche offen, so sind Spotify, Amazon Music, Deezer, TIDAL, Napster, Juke, TuneIn, SoundCloud und Mood Mix direkt ansprechbar. Aber eben nicht Apple Music. Zumindest nicht direkt.

Man sieht es der Heos 7 gar nicht an, aber da steckt eine richtige Stereo-Bestückung unter der Abdeckung. Einen Subwoofer in der Mitte flankiert von je zwei Hochtönern und Mitteltönern.
Vergrößern Man sieht es der Heos 7 gar nicht an, aber da steckt eine richtige Stereo-Bestückung unter der Abdeckung. Einen Subwoofer in der Mitte flankiert von je zwei Hochtönern und Mitteltönern.
© Denon

Wir haben uns für unseren Vergleich zwei ganz unterschiedliche Geräte ausgesucht. Einmal von Denon den WLAN-Lautsprecher Heos 7 HS2 und den kleinen Stereoverstärker Melody X von Marantz.

Neben dem Zugriff auf die Streaming-Musikdienste mit der Heos-App, unterstützen sie auch das Musikstreaming vom iPhone beziehungsweise iPad, auf denen die Heos-App läuft, und DLNA-Server im eigenen Hausnetz. Ein besonderes Feature ist der eingebaute Streaming-Server für Musik. Verbindet man einen USB-Stick mit Musik mit einem Heos-Gerät, fungiert es mit dem USB-Stick als Musik-Server für andere Heos-Geräte.

Die Heos-Lautsprecher Linie von Denon gibt sich sehr modern. Zu haben sind die Lautsprecher auch in Weiß.
Vergrößern Die Heos-Lautsprecher Linie von Denon gibt sich sehr modern. Zu haben sind die Lautsprecher auch in Weiß.
© Denon

Der USB-Stick darf aber nur im FAT formatiert sein, auf ExFat versteht sich Heos nicht. Wer jetzt auf die Idee kommt, seine komplette Musikbibliothek auf eine USB-Festplatte zu kopieren und anzuschließen, wird enttäuscht. Diese Funktion ist nur für USB-Sticks mit maximal einigen Hundert Musiktiteln gedacht. Einen leistungsfähigen Musikserver kann man also nicht ersetzen.

Die Melody X ist eine sehr elegante Stereoanlage und überzeugt durch feinen Klang und tolle Verarbeitung.
Vergrößern Die Melody X ist eine sehr elegante Stereoanlage und überzeugt durch feinen Klang und tolle Verarbeitung.
© Marantz

Die Steuerung mit der HEOS-App

Man merkt der Melody X an, das sie ein klassischer Hifi-Verstärker ist, denn sie lässt sich komplett über die klassische Fernbedienung bedienen, sogar der Zugriff auf Internetradio und Musikserver. Das Display ist dafür gar nicht mal so schlecht, man fühlt sich jedoch wieder zurück in die Streaming-Steinzeit versetzt. Es gibt nur einen kleinen Unterschied, es geht wirklich flott und die Melody X reagiert sehr schnell auf Befehle der Fernbedienung.

Wer lieber auf modernes schwarz setzt, bekommt die Melody X auch dieser bevorzugten Farbe.
Vergrößern Wer lieber auf modernes schwarz setzt, bekommt die Melody X auch dieser bevorzugten Farbe.
© Marantz

Natürlich geht es mit der App viel komfortabler und nur mit einem iPhone oder iPad hört der Verstärker auch auf Siri.

Die Heos-App ist in drei Rubriken gegliedert: "Räume", "Musik" und "Aktuelle Wiedergabe". Unter "Räume" stehen alle Heos-kompatiblen Geräte und lassen sich dort auswählen, gruppieren oder umbenennen.

Unter "Musik" findet sich die Musikauswahl. Hier sind sowohl die Onlinedienste wie Spotify, TuneIn und Amazon Music, als auch die Musik auf dem iPhone oder einem Musik-Server im Netz zu finden. Die Heos-Geräte unterstützen den DLNA Standard, was eine sehr große Auswahl an möglichen Musikservern bietet. Von Software-Server für den Mac (beispielsweise Serviio oder Linn Kazoo Server), über NAS (Synology oder Qnap) bis zu Routern (AVM). Besitzt das Heos-Gerät auch verschiedene Eingänge, so lassen sich diese auch mit der App schalten. Bei unserem Melody X ist das neben dem USB-Port, ein Tuner, der CD-Player und Line-Eingänge.

Für einen Stereo-Verstärker ist die Ausstattung sehr gut. Neben analogen Eingängen finden sich auch zwei digitale optische Eingänge auf der Rückseite.
Vergrößern Für einen Stereo-Verstärker ist die Ausstattung sehr gut. Neben analogen Eingängen finden sich auch zwei digitale optische Eingänge auf der Rückseite.
© Marantz

Als zusätzliches Extra findet sich unter Musik auch Playlisten, der Verlauf und Favoriten. Die Funktionen sind nur leider auf lokale Quellen beschränkt. Favoriten von Streaming-Diensten lassen sich nicht anlegen. Unter Musik findet sich oben links auch ein Zahnradsymbol für Einstellungen. Hier werden neue Heos-Geräte hinzugefügt und konfiguriert, ebenso wie die Anmeldung und Anzeige der Streaming-Dienste in der Musik Rubrik.

In der letzten Rubrik "Aktuelle Wiedergabe" ist die Musiksteuerung zu finden. Neben der klassischen Titelsteuerung mit Zufall und Endlos, wird hier auch der Klang und die Lautstärke eingestellt. Bei gruppierten Lautsprechern kann die Lautstärke selbstverständlich getrennt geregelt werden. Spielt man Musik vom lokalen Netzwerk ab, gibt es in dieser Rubrik auch eine Abspielliste. Auf Wunsch lässt sich diese Abspielliste als Playlist abspeichern, das hat nur leider bei uns im Test nicht funktioniert.

Etwas nervig an der App ist, das man beispielsweise den Button für die Zurück-Navigation genau treffen muss. Auf ein schnelles Spulen muss man auch verzichten.

Typisch Stereoanlage, man kann die Melody X auch komplett über die Fernbedienung steuern.
Vergrößern Typisch Stereoanlage, man kann die Melody X auch komplett über die Fernbedienung steuern.

Auf den ersten Blick gibt sich die Bedienung über die Heos-App sehr reduziert, doch man muss sich mit ihr beschäftigen, da sie nicht komplett selbsterklärend ist. Das größte Manko ist, das sie nicht sehr gut an iOS angepasst ist. Es fehlt sowohl die Unterstützung der Hardwaretasten von iPhone und iPad zur Lautstärkeregelung als auch die Bedienung im Sperrbildschirm. Das schränkt den Einsatz als Fernbedienung etwas ein.

Wie klingt Heos?

Marantz ist einer der Hersteller, die einen besonders guten Ruf bezüglich einer feinen Klangabstimmung haben. Daher fangen wir bei unserem Soundcheck mit der Melody X an. Unsere Referenz-Lautsprecher sind wieder von Piega, die bekanntlich hohe Ansprüche an einen Verstärker stellen. Aber sie sind wegen ihres besonderen Hochtöners perfekt, für eine Analyse der Klangeigenschaften. Damit der Klang auch unverfälscht an den Verstärker kommt, kommt nur unkomprimierte Musik zum Einsatz. Da die Heos-Komponenten auch hochaufgelöste Musik mit bis zu 24Bit/192kHz wiedergeben können, kommen unsere Jazz-Titel in HighRes. HighRes-Audiotitel bekommt man zum Beispiel bei deutschen Onlineshop Highresaudio .

Der Zugriff auf die zur Verfügung stehenden Quellen ist sehr übersichtlich gestaltet.
Vergrößern Der Zugriff auf die zur Verfügung stehenden Quellen ist sehr übersichtlich gestaltet.

Wir starten sanft mit Sade und weil das Wetter so toll ist, ist "No Ordinary Love" unser erster Song. Sehr schön löst sich die sanfte Stimme von Sade von den Lautsprechern, keine Schärfe trübt die Wiedergabe, das ist schon mal ein überzeugender Einstand.

Wir bleiben weiblich und gehen mit Alicia Keys zu starkem R&B über. Alicia spielt Unplugged und ihr Song "Diary" kommt fast wie ein „Hautnah-Konzert“ rüber. Wenn wir uns vorher bei Sade etwas mehr Tiefgang gewünscht hätten, ist hier das Schlagzeug schön kräftig und präsent.

Ein kräftiges Schlagzeug hat auch Corinne Bailey Rae in "Trouble Sleeping" zu bieten. Hier fällt auf, wie die Melody X Schlagzeug, Stimme und Trompeten sehr schön auflöst.

Musik in mehreren Räumen parallel abspielen ist für die Heos-App kein Problem. Selbstverständlich lässt sich die Lautstärke auch getrennt einstellen.
Vergrößern Musik in mehreren Räumen parallel abspielen ist für die Heos-App kein Problem. Selbstverständlich lässt sich die Lautstärke auch getrennt einstellen.

Mit einem richtigen Orchester und Michael Bublé wollen wir etwas mehr auf den Grund gehen, wie gut die Melody X die einzelnen Musiker von den Lautsprechern trennen kann. Das gelingt ihr nicht so gut. Das Orchester sitzt sehr kompakt, Michael und seine Duett-Partnerin sind fast eins.

Das wollen wir doch noch mit einem anderen Stück überprüfen. Jetzt darf Till Brönner uns "Good Life" in HighRes präsentieren. Und auch hier sitzen alle Musiker sehr kompakt, HighRes sorgt für eine nochmals verbesserte Auflösung und tolle Musikalität.

Wir ändern die Musikrichtung, bleiben mit Simple Minds aber bei HighRes. Das Album "Acoustic" ist ein wunderbares Beispiel für ein Neu erleben alter Hits. Der Frontmann Jim Kerr steht wunderbar im Raum und singt sehr stark sein „The American“, das macht viel Spaß. Beim nächsten Titel „Promised you a Miracle“ wird die Gitarre sehr gut aufgelöst, das Schlagzeug spielt aber ein wenig schwach. Das fällt auch bei dem Alltime Klassiker „Alive and Kicking“ auf. Hier merkt man, dass die Meldody X mit den Piegas zwar sehr musikalisch spielen, aber unten raus zu schwach ist.

Über die Heos-App geht das Konfigurieren des Verstärkers sehr einfach.
Vergrößern Über die Heos-App geht das Konfigurieren des Verstärkers sehr einfach.

Jetzt testen wir normalerweise immer, in dem wir alle Klangregler auf Null setzten und Equalizer deaktivieren. Gibt es ein Source Direct, so schalten wir das ein. Ab jetzt haben wir dann doch eine Ausnahme gemacht, weil wir sehen wollten, wie die Schaltung Dynamic Bass Boost wirkt. Und siehe da, jetzt passt auch das Schlagzeug zur kräftigen Stimme von Jim Kerr.

Wir beenden unseren Soundcheck mit elektronischer Musik von Thievery Corporation. Ihr letzten Album "Treasures from the Temple" passt mit seinem Reggae-Rhythmus so wunderbar in den ausgehenden Sommer. Hier passt wieder alles sehr gut, keine Schärfe in den Höhen, schöne Musikalität. Da wird man sofort von dem groovigen Rhythmus mitgenommen und wippt in den Sonnenuntergang.

Aus dem Heos-Lautsprecher Programm von Denon hören wir jetzt genauer beim Heos 7 HS2 hin. Den stattlichen Lautsprecher füttern wir als Erstes mit der Playlist Chillout-Lounge von Amazon Music. Sehr angenehm und kräftig hören wir andächtig "Roads" von Portishead. Da wir zuvor die Melody X mit Highend-Boxen von Piega gehört haben, fällt einem jetzt die etwas reduzierte Hochtonauflösung auf.

Damit wir sicher gehen, dass es nicht an der komprimierten Musik liegt, schalten wir um auf unkomprimiert und natürlich das gleiche Lied. Die Grundstimmung mit einem sehr kräftigen Bass bleibt, die Höhen sind jetzt aber deutlich klarer. Das Musikgenre scheint der Heos 7 zu liegen, also machen wir weiter mit The XX. Der markante Bass bei "I See You" kommt wunderbar kräftig und so lange man bei Zimmerlautstärke bleibt, auch nicht überzogen.

Unser Abschluss spielt Massive Attack. Auch hier ist der kräftige Bass sehr präsent, Pop, Elektro, Rock und Alternative liegen der Heos 7 sehr, Party ist also garantiert.

Ein kurzer Check noch mit HighRes Audio aus dem Jazz-Lager. Auch das lässt sich hören. Die Klangabstimmung sorgt allerdings für einen kompakten Orchesteraufbau. Es fehlt ein wenig die Auflösung in den Mitten, es ist halt „nur“ ein kompakter Lautsprecher, der von seiner Klangabstimmung eher in Richtung Party geht.

Fazit

Die Heos-App hat noch Luft nach oben. So fehlen leider wichtige Bedienhilfen wie die Bedienung auf dem Sperrbildschirm oder die Lautstärkeregelung über die Lautstärketasten am iPhone. Aber auch die App selbst könnte noch besser werden. So würde ich Einstellungen unter den Räumen suchen und der Zugriff auf die Inhalte der Streaming-Dienste ist auch etwas zäh. Ebenso möchte ich unter den Favoriten auch meine Lieblingsradiosender oder Alben auf Tidal finden. Da die App nicht selbsterklärend ist, muss man sich erst in die Bedienung einfinden. Die Onlinehilfe auf der Homepage von Denon hilft hier sehr. Wie das vorbildlich funktionieren kann, sieht man bei einem Mitbewerber aus den USA.

Musikalisch kann die kleine Melody X überzeugen, auch wenn sie nicht so kräftig spielt, wie der Sonos-Amp aus unserem letzten Test . Erfreulich unspektakulär liefert sie ein Klangbild, das für alle Musikgenres gepasst hat. Rock, Pop, Elektronik, Jazz, man kann nicht sagen, dass die Melody X ein Genre bevorzugt. Bei Pop und Partymusik gibt es zum Glück die Klangregler, die man nicht nur über die große Fernbedienung, sondern auch über die App steuern kann. Man sollte – wie bei jedem Verstärker – mehrere Lautsprecher probe hören. Nur so findet man den perfekten Spielpartner.

Die Denon Heos 7 Lautsprecher gehören eindeutig in die Kategorie „Ich will Party“. Kräftiger Klang mit reduzierten Mitten und klaren Höhen, das passt super zu Pop, Rock und Hitparaden. Für das feine Musikhören bei einem Glas Rotwein und Schokolade ist sie nicht gemacht. Leider ist man bei den Heos 7 auch auf die Heos-App angewiesen, Airplay 2 unterstützen sie nämlich nicht.

Marantz Melody X (M-CR612)

Preis:

699,- Euro

Vorteile:

toller Klang, kräftiger Verstärker, sehr gute Verarbeitung und Ausstattung, HighRes Audio fähig

Nachteile:

keine

Denon HEOS 7 HS2

Preis:

400,- Euro

Vorteile:

kräftiger Sound, HighRes Audio fähig

Nachteile:

kein Airplay 2

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