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Hey! – Neues E-Mail-Konzept mit frischen Ideen

08.07.2020 | 13:30 Uhr | Thomas Hartmann

Der E-Mail-Anbieter Hey hat sich wegen des Vertriebs im App Store mit Apple angelegt. Was der Dienst für elektronische Post auf Mac und für iOS zu bieten hat, haben wir uns angesehen.

E-Mail-Clients für den Mac oder iOS gibt es inzwischen zahlreiche. Verschiedene Alternativen wie Outlook, Spark oder Postbox sind bekannte Mitbewerber zu Apples vorinstallierter Mail-App. Inzwischen ist es meistens sehr einfach, seine(n) E-Mail-Account(s) mit allen Einstellungen an den Start zu bringen. Man kennt die Aufteilung der meisten Clients zwischen Posteingang, Gesendet, Papierkorb und Archiv etc. zu Genüge. Jedes Programm versucht ein paar eigene Akzente zu setzen. Doch im großen Ganzen findet man sich in vertrauter Aufgliederung schnell zurecht.

Man merkt gleich: Hey ist anders

Ganz anders geht der Anbieter Hey heran . Sobald man sich für eine 14-tägige kostenlose Testphase anmeldet, gibt man seinen Namen ein, auf dessen Grundlage eine E-Mail-Adresse erstellt wird. Diese lässt sich aber auch anpassen. Eine Tour erklärt, wie es funktioniert. Bisher ist alles lediglich englischsprachig verfügbar.

Am Anfang steht die E-Mail-Adresse, die sich am eingegebenen Namen orientiert
Vergrößern Am Anfang steht die E-Mail-Adresse, die sich am eingegebenen Namen orientiert

Bekommt man nun seine erste E-Mail an die neue Hey-Adresse geschickt – und der Anbieter sorgt dafür, dass man zunächst welche von ihm erhält, um das Ganze auszuprobieren und tiefer in das System einzudringen – landen die erst einmal unter einem Button, der zum sogenannten ”Screener” gehört. Hier entscheidet man einzeln für jeden Absender, ob man dessen E-Mails jetzt und künftig im normalen Posteingang haben möchte oder nicht. Bei ”Yes” kommen die erwünschten Mails in die ”Imbox”, die ganz bewusst nicht wie sonst im Englischen üblich ”Inbox” heißt, denn es geht hier um das, was ”important” ist, also wichtige Post, die immer in diesem Haupteingangsfach landen soll. Hat man E-Mails aus diesem Fach erst einmal ausgeschlossen, lässt sich dies jederzeit ändern. Praktisch ist es, dass man sämtliche neuen Mails wahlweise in einem einzigen Fenster öffnen und nacheinander lesen kann. Das erspart viel Geklicke.

Coole und praktische Funktionen

Sehr cool gemacht ist die Option, auf eine Nachricht erst später zu antworten. ”Reply Later” heißt dafür der Befehl, doch verschwindet dann die E-Mail nicht einfach in einem anderen Fach, sondern setzt sich an den unteren Rand des Bildschirms gemeinsam mit anderen, auf die man später eingehen möchte. Dort bildet sich ein Stapel (Stack), der sich mit der Maus auffächern lässt, um auf eine bestimmte Mail einzugehen, oder um ein Fach zu öffnen, in der alle noch offenen Mails warten, um direkt beantwortet zu werden. Das ist nach unserem Eindruck eine der stärksten Funktionen von Hey.

Hey zeigt sich sehr aufgeräumt. Interessant sind die Stapel unten im Fenster, wie im Test beschrieben
Vergrößern Hey zeigt sich sehr aufgeräumt. Interessant sind die Stapel unten im Fenster, wie im Test beschrieben

Ferner gibt es eigene Fächer, in die man Newsletter ablegt (The Feed), oder spezielle Mails wie Rezepte, Bestätigungen für Reisen oder was immer – diese landen, wenn man das möchte, im Paper Trail.

Will man bestimmte Inhalte wie Nummern, Adressen oder was immer eigens und schnell auffindbar ablegen, markiert man die Stelle und übernimmt sie ins Clips-Fach. Und so vieles andere mehr kann man mit Hey machen, man muss es im Grunde selbst erleben, denn das Konzept ist wirklich neuartig.

Auf dem iPhone funktioniert es genauso, hier mit Anzeige der Fächer
Vergrößern Auf dem iPhone funktioniert es genauso, hier mit Anzeige der Fächer

Wirkt überschaubar, hat aber Power

So unscheinbar und aufgeräumt der Client zunächst wirkt – beispielsweise im Systemmenü kann man fast gar nichts machen. Doch Hey bringt seine eigene integrierte Menüstruktur mit, die ziemlich wirkungsvoll ist. Der Zugang zu Befehlen und Einstellungen ist verborgen unter dem im Fenster befindlichen Logo Hey – ein Klick darauf zeigt Optionen inklusive Volltextsuche. Weitere Zugänge etwa zu den Clips, zu den Kontakten, Sicherheitseinstellungen und anderes ergibt sich, wenn man seine Initialen im Fenster oben rechts anklickt.

Ein Klick auf die eigenen Initialen öffnet weitere Optionen
Vergrößern Ein Klick auf die eigenen Initialen öffnet weitere Optionen

Für die Details muss man sich dann also doch etwas einarbeiten. Prinzipiell jedoch ist Hey so intuitiv gemacht, dass es einfach Spaß macht, jetzt ganz anders mit seinen E-Mails zu arbeiten. Bisher wurde größtenteils die Bedienoberfläche und Nutzung des Mac-Clients beschrieben. Doch die iOS-App, die wir auf dem iPhone getestet haben, funktioniert im Wesentlichen genauso, es ergeben sich kaum Probleme beim Übergang.

Möchte man aufgrund der vielen Vorzüge Hey tatsächlich als seinen Haupt-E-Mail-Account nutzen, ist es leicht möglich, E-Mails von anderen Konten an Hey weiterzuleiten – umgekehrt ist das genauso möglich. Der Entwickler gibt dazu leicht umsetzbare Hilfestellungen.

0Sehr praktisch hilft Hey bei der Umleitung aus anderen E-Mail Konten
Vergrößern 0Sehr praktisch hilft Hey bei der Umleitung aus anderen E-Mail Konten

Hey, das auf den ersten Blick so einfach daherkommt, bietet bei näherer Beschäftigung sehr viel mehr Möglichkeiten und Neuerungen. Wer es genauer wissen möchte, gerade auch in der eigenen Testphase, kann sich etwa dieses Entwickler-Video  von knapp 40 Minuten ansehen. Auch die FAQs ( ”F-HEY-Qs” genannt )  sind unbedingt lesenswert. Einziger Pferdefuß bleibt – das alles gibt es bisher nur auf Englisch. Hat man damit keine Probleme, ist die Hürde allerdings gering. Auch Fragen, ob der Provider die persönlichen E-Mails mitlesen kann, werden dort beantwortet (Antwort: Technisch gesehen ja, doch wird nachdrücklich versichert, dass es dafür strenge Protokolle, Audits und interne Kontrollen gibt. Das gilt für andere Anbieter jedoch auch ).

Systemvoraussetzungen und Verfügbarkeit

Hey lässt sich einerseits im Browser nutzen. Doch besser ist der spezielle Client, den es für alle verbreiteten Plattformen gibt ( Mac , Windows , Linux , iPhone , iPad   und Android ). Speziell zur iOS-App gibt es Streit mit Apple wegen der Provision, die Cupertino einstreichen will. In unserem Artikel findet man die Hintergründe . Zwei Wochen lang lässt sich Hey kostenlos testen. Doch dann kommt der eigentliche Haken: die Kosten für Hey. Diese liegen nämlich bei 99 US-Dollar zuzüglich Mehrwertsteuer – jährlich! Dafür kann man den Dienst über sämtliche Plattformen hinweg nutzen.

Im Entwickler-Screenshot sieht man sehr schön den Fächer für die Mails in Warteschleife
Vergrößern Im Entwickler-Screenshot sieht man sehr schön den Fächer für die Mails in Warteschleife

Fazit und Empfehlung

Ganz klar, Hey ist ein frischer Ansatz, der sich völlig neu anfühlt, als ob man das erste Mal mit E-Mails arbeiten würde. Und das äußerst intuitiv (sofern einen Englisch nicht stört) und vielfältig. Man entdeckt immer noch etwas Neues, wenn man damit arbeitet, was richtig Spaß macht und zugleich praktisch ist. Dagegen stehen Einschränkungen wie, dass es keine Lesebestätigungen gibt, keine Integration von Kalendern. Auch werden neu eingetroffene E-Mails nicht im System (Benachrichtigung) oder Dock angezeigt. Da kommt sicher mit der Zeit noch was nach an Updates. Doch dann die immensen Kosten für den Standard-E-Mail-Account, mehr als 99 US-Dollar jährlich – das ist schon eine Menge ”Holz”.

Wir selbst waren arg am Schwanken – mal wenigstens für ein Jahr ausprobieren oder nicht? Letztlich haben wir uns persönlich dagegen entschieden. Schließlich haben wir schon genügend E-Mail-Adressen und Clients am Start. Der Preis für die zweifellos coole und frische E-Mail-Erfahrung war uns dann doch zu hoch. Zumal man in vielen Bereichen zunehmend auf andere noch ”flottere” Kommunikationsmittel wie Messenger umsteigt. Doch wer wirklich Gefallen daran findet und wem der Preis nicht zu hoch ist – der möge zugreifen. Eine exklusive hey.com-E-Mail-Adresse mit eigenem Namen gibt es dazu. Dieser werden wir eine kleine Träne nachweinen. Und uns an einen Test erinnern, der wirklich Freude bereitet hat. Bis es an die Kasse gegangen wäre …

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