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HiFi-Receiver Pioneer VSX-934 vs. Onkyo TX-8250 im Vergleich

05.06.2020 | 10:14 Uhr |

Pioneer und Onkyo sind zwei Audio-Hersteller mit einer langen Erfahrung in der Entwicklung von hochwertigen Hifi-Komponenten zu einem fairen Preis.

Reichte es zu Zeiten der Audio-CD noch, das der Hifi-VerstĂ€rker gute analoge EingĂ€nge hatte, so sind die Anforderungen heute viel umfangreicher. An erster Stelle steht hier natĂŒrlich die NetzwerkfĂ€higkeit, also der Zugriff auf Audio-Streaming Dienste wie Spotify und Amazon Music. Aber auch das Abspielen von Musik von einem zentralen Server im eigenen Haus, meist von einem Netzwerkspeicher (NAS) wie einer Synology DS. Als Musikfreund im Apple-Universum soll der neue VerstĂ€rker natĂŒrlich auch Airplay 2 können.

Möchte man jetzt den VerstĂ€rker aber nicht nur fĂŒr die Musikberieselung in der KĂŒche einsetzen, sondern auch zum gepflegten Musikhören, kommt noch ein weiteres Stichwort ins Lastenheft: Highres Audio. Also die FĂ€higkeit mit einer MusikqualitĂ€t wie im Studio, mit mehr als 16Bit und 44kHz umgehen zu können.

Setzt man sich ein Limit von 600,- Euro fĂŒr einen NetzwerkfĂ€higen VerstĂ€rker, so hat man grundlegend die Wahl zwischen Stereo und Surround.

In genau diesem Preisrahmen bewegen sich der Surround Receiver Pioneer VSX-934 und der Stereo-Receiver Onkyo TX-8250. Derzeit gibt es beide GerĂ€te sogar fĂŒr unter 500,- Euro.

Ausstattung

Was bekommt man eigentlich fĂŒr einen so gĂŒnstigen Preis?

Die Ausstattungsliste beider Receiver liest sich jedenfalls schon einmal beeindruckend. Beim Audio-Streaming ist das neben dem Pioneer/Onkyo eigenen Multiroom-System FlareConnect, DTS Play-Fi, DLNA, Apple Airplay 2, Sonos Connect, Amazon Music, Spotify, TIDAL, Deezer und TuneIn Internet Radio.

Neben Ethernet und WLAN nehmen die beiden auch Kontakt zu einem Smartphone via Bluetooth entgegen. Sogar zwei USB-AnschlĂŒsse gibt es, aber leider nur fĂŒr FAT32 und nicht fĂŒr Festplatten. An Musik-Formate werden dekodiert FLAC, WAV, ALAC, DSD, AIFF, WMA, MP3 und AAC. Das ganz mit bis zu 24Bit und 192 kHz, also Highres Audio.

Der Pionier VSX-934 überzeugt mit einer aufgeräumten Front. Trotzdem ist er direkt am Gerät bedienbar.
VergrĂ¶ĂŸern Der Pionier VSX-934 ĂŒberzeugt mit einer aufgerĂ€umten Front. Trotzdem ist er direkt am GerĂ€t bedienbar.
© Pionier

Gesteuert wird die ganze Vielfalt entweder ĂŒber eine klassische Fernbedienung, wobei hier die großen Displays helfen, oder ĂŒber eine Smartphone-App – bei beiden im identischen Look.

Unterschiede gibt es erst beim Radio und natĂŒrlich bei der Elektronik wie dem VerstĂ€rker. WĂ€hrend der Pioneer VSX-934 sich mit UKW/RDS Radio begnĂŒgt, liegt dem Onkyo ein DAB+-Dongle bei. Auf der Elektronik-Seite protzt der Pioneer mit sieben KanĂ€len mit je 170 Watt und den ĂŒblichen Surround Audio-Formaten wie Dolby Atmos und DTS:X. NatĂŒrlich gibt es auch 4K-UnterstĂŒtzung an den HDMI-Ports und ein Upscaling.

Das große Display ist praktisch bei der Bedienung über die Fernbedienung.
VergrĂ¶ĂŸern Das große Display ist praktisch bei der Bedienung ĂŒber die Fernbedienung.
© Pionier

Der Onkyo TX-8250 richtet sich direkt an Stereo-Hörer mit seinem hochwertigen 384-kHz/32-Bit-DA-Wandler und hat sogar einen Phone-Eingang fĂŒr einen Plattenspieler. Der VerstĂ€rker leistet „nur“ zweimal 135 Watt.

Klassisches Verstärker-Design das keine Fragen aufwirft. So ist der Onkyo auch direkt am Gerät einfach zu bedienen. Neben schwarz, gibt es den TX-8250 auch in Silber.
VergrĂ¶ĂŸern Klassisches VerstĂ€rker-Design das keine Fragen aufwirft. So ist der Onkyo auch direkt am GerĂ€t einfach zu bedienen. Neben schwarz, gibt es den TX-8250 auch in Silber.
© Onkyo

Nutzt man den TX-8250 beispielsweise fĂŒr das Abmischen von Videos am Schnittrechner und auch zum gepflegten Musikhören im gleichen Raum, ist der Anschluss fĂŒr den zweiten Lautsprecher sehr praktisch.

Auf der Rückseite finden sich für moderne Verstärker viele wichtige Anschlüsse. Neben Eingängen für USB, Ethernet und WLAN, alleine vier digitale Eingänge.
VergrĂ¶ĂŸern Auf der RĂŒckseite finden sich fĂŒr moderne VerstĂ€rker viele wichtige AnschlĂŒsse. Neben EingĂ€ngen fĂŒr USB, Ethernet und WLAN, alleine vier digitale EingĂ€nge.
© Onkyo

Was sie wieder beide haben, ist der Pure Audio Modus, bei dem alle „Klang-Verbesserer“ abgeschaltet werden. Also fĂŒr den „reinen“ Klang. Und genau in diesem Modus teste ich die zwei Receiver fĂŒr Euch.

DTS Play-Fi und Google Chromecast

In einem Punkt heben sich Pioneer und Onkyo von den Mitbewerbern ab, sie unterstĂŒtzen DTS Play-Fi und Google Chromecast . Der Vorteil liegt darin, dass man als Hardwarehersteller nicht fĂŒr jeden Streamingdienst eine eigene UnterstĂŒtzung einbauen muss. So klingt sich beispielsweise Qobuz ĂŒber DTS Play-Fi ein. Wie das funktioniert, ist einfach erklĂ€rt: In der DTS Play-Fi App konfiguriert man alle Streamingdienste, die man verwenden möchte und steuert den VerstĂ€rker dann komplett ĂŒber die DTS Play-Fi App. Die App von Pioneer oder Onkyo braucht man dann eigentlich nicht mehr.

Neben dem von mir getesteten Qobuz, sind unter anderem auch Amazon Music, Spotify und Tidal mit dabei. Eine vollstÀndige Liste gibt es auf https://play-fi.com/de/ .

Positiv an DTS Play-Fi ist auch die Multiroom UnterstĂŒtzung und Highres-Audio bis 24Bit/192kHz. DarĂŒber hinaus ist eine laufende Musiksteuerung auf einem iOS-GerĂ€t auch auf dem Sperrbildschirm möglich. Das Userinterface könnte allerdings ĂŒbersichtlicher sein und eine Highres-Audio-Wiedergabe hat beim TX-8250 nicht geklappt. FĂŒr Highres-Audio muss man dann auf DLNA ausweichen.

Google Chromecast hat einen anderen Ansatz und tritt in Konkurrenz zu Apple Airplay und DLNA. Es ist also eine Möglichkeit Musik im lokalen Netzwerk zu streamen. Am Beispiel der macOS-App von Qobuz erklĂ€rt, muss Qobuz weder Apple Airplay noch DLNA lizenzieren und nutzt stattdessen das in Pioneer und Onkyo eingebaute Google Chromecast. Was fĂŒr die Entwickler von Apps einfach ist, gestaltet sich aber in der Umsetzung nicht ganz ĂŒberzeugend. So ist die Reaktionszeit auf Befehle ĂŒber Google Chromecast sehr viel langsamer – um nicht zu sagen schlicht unertrĂ€glich langsam – im Vergleich zu Apple Airplay und DLNA. Des Weiteren wird kein Highres-Audio unterstĂŒtzt. Es ist daher aus heutiger Sicht noch Luft nach Oben.

Soundcheck

Was einem beim VSX-934 direkt auffĂ€llt ist, dass man den LautstĂ€rkeregler ein StĂŒck weiterdrehen muss, um eine zu anderen VerstĂ€rkern vergleichbare LautstĂ€rke zu erreichen. Das ist ungewohnt, hat aber nichts mit einer zu geringen Leistung zu tun, sondern mit der logarithmischen Skalierung.

Heute ist Party angesagt – Elektro-Pop von den 80zigern bis heute. Und so bringen uns die Pet Shop Boys auf Touren. „Love Etc.“ ist so ein typischer Party-Song. Sehr klar und erstaunlich hell spielt der Pioneer auf. Das ist mir schon fast ein wenig zu direkt und so gilt der erste Blick auf die Klangregler, aber nein alles auf Null. Der Bass kommt nicht wirklich ĂŒberzeugend – hier sind klar unseren anspruchsvollen Piegas keine optimale Kombination mit dem Pioneer. Etwas besser schlĂ€gt sich hier der Onkyo. Sehr analytisch mit etwas mehr Bass.

Wir schwenken ĂŒber zu Rock-Pop mit Depeche Mode. Live sind Depeche Mode eine Wucht, Live in Berlin spielen die Jungs wie junge Götter. „A Paint hat IÂŽm used to“ versöhnt uns wieder mit unserer Pioneer-Kombination. Dave Gaham steht wunderbar prĂ€sent im Vordergrund, das Schlagzeug und die Gitarre treiben schön das Publikum an. Den Titel spielt man gerne richtig laut. Leider kommt man dann auch schon bald an die Leistungsgrenzen des VerstĂ€rkers, Verzerrungen sind wie immer die Folge. Das spielt der Onkyo wesentlich souverĂ€ner, bevor Verzerrungen zu hören sind, streikt der Redakteur.

Also schwenken wir weg von leistungshungriger Party-Musik hin zu Schmuse-Musik. „Big Love“ von Simply Red ist unser erster Titel aus der soften Kategorie. Sehr angenehm die Wiedergabe, schön aufgelöst die Stimme von Mick und auch die akustischen Instrumente lassen einen schön mitschunkeln. Mit mehr Schmelz und musikalischerer Interpretation zeigt uns der Onkyo, was ein auf Stereo-Musik optimierter Receiver kann. Wunderbar – hier vergisst man die Zeit.

Jetzt suchen wir etwas aus der Fraktion hoch aufgelöst in 24Bit/48kHz, das können unsere beiden nĂ€mlich auch. Diana Krall liefert uns mit „I CanÂŽt tell you why“ genau den richtigen Titel. Wieder zuerst der Pioneer. Dianas Stimme wird sehr gut aufgelöst, man kann sehr schön mitverfolgen, wie sie mit ihrer Stimme spielt. Ihre kleine Band sitzt direkt dahinter, was ein wenig eng wirkt. Eine viel freiere BĂŒhne zaubert der Onkyo. Bedarf es noch eines Beweises, dann ist spĂ€testens jetzt klar, sucht man einen Receiver zum gepflegten Musikhören, ist der Onkyo eine hervorragende Wahl.

Wir beenden die Schmuse-Sitzung mit George Michaels toller Interpretation des Police-Hits „Roxanne“. Sehr hell und klar schmettert George uns "Roxanne" mit dem Pioneer entgegen, das ist schon sehr direkt. Hier spielt der Onkyo wieder in einer anderen Liga und gibt George mehr GefĂŒhl in die Stimme. Ein wunderbarer Song zum Abschluss.

Dieser Audiotest hat wieder eindeutig gezeigt, die Wahl der richtigen Lautsprecher entscheidet maßgeblich, wie ein VerstĂ€rker perfomt. Die Piegas sind sehr anspruchsvolle Lautsprecher, aber gerade deswegen und wegen der einmaligen Hochtöner so besonders geeignet fĂŒr einen Test.

VerlÀsst man den Pure Audio Modus, ist es kein Problem mit dem Bassregler einen volleren Sound zu zaubern. Auf der Suche nach einem vollen Sound habe ich auch ein paar andere Lautsprecher angeklemmt. Und siehe da, die mochte der Pioneer wesentlich mehr.

Die App

Pioneer und Onkyo sind aus dem gleichen Hause, das merkt man auch an der App fĂŒr iOS. Sie ist fĂŒr beide GerĂ€te identisch, nur mit dem Unterschied, dass bei der einen App Pioneer und der anderen Onkyo steht.

Die Apps von Pioneer und Onkyo geben sich schwarz, sind aber dadurch nicht immer einfach zu bedienen. Es nerven gelegentliche Abstürze und teilweise verzögerte Reaktion.
VergrĂ¶ĂŸern Die Apps von Pioneer und Onkyo geben sich schwarz, sind aber dadurch nicht immer einfach zu bedienen. Es nerven gelegentliche AbstĂŒrze und teilweise verzögerte Reaktion.
© Thomas Bergbold

Der Look ist auf den ersten Blick modern schwarz mit weißer Schrift. In der Praxis ist dem Nutzer allerdings nicht immer alles sofort klar. Die Auswahl der Musikquelle sowie der Zugriff auf die Musik auf dem Server ist noch klar und einfach. Was die Benutzung etwas schwierig macht, ist die Tatsache, dass die App gelegentlich verzögert reagiert oder sogar abstĂŒrzt.

Über die App kann man sehr einfach den Audio-Modus ändern und den Ton anpassen.
VergrĂ¶ĂŸern Über die App kann man sehr einfach den Audio-Modus Ă€ndern und den Ton anpassen.
© Thomas Bergbold

Ein weiterer Punkt darf bei einer iOS App eigentlich auch nicht mehr fehlen, die Musiksteuerung ĂŒber den Sperrbildschirm. Das bieten die Apps von Pioneer und Onkyo leider nicht.

Fazit

Pioneer hat mit dem VSX-934 den Spagat geschafft, einen sehr preisgĂŒnstigen Surround Receiver zu schaffen, ohne auf die wichtigsten Streaming-Features zu verzichten.

Gespart wurde am VerstĂ€rker, was aber abhĂ€ngig von den Lautsprechern mehr oder weniger ins Gewicht fĂ€llt. Mit meinen Piegas, hat es im Test nicht so gut harmoniert, mit kleinen Regalboxen schon eher. Im Vergleich zur Melody X aus unserem letzten Test ist der Sound etwas dĂŒnner, die Melody X ist aber auch ein klassischer Stereo-VerstĂ€rker. Wer mehr Leistung braucht und klanglich einen deutlichen Sprung machen möchte, findet in der LX-Serie von Pioneer sehr gut klingende Surround-Receiver.

Was man eindeutig sagen muss, wir haben hier mit unter 500,- Euro Straßenpreis einen absoluten Preisbrecher vor uns und das auch noch mit nicht nur zwei KanĂ€len, sondern mit sieben. Der Streaming-Player kann absolut ĂŒberzeugen, bietet er doch nicht nur Airplay 2, sondern auch HighRes Wiedergaben bis 24 Bit und 192 kHz. Das ist schon klasse. Da kann man ĂŒber den schwachen VerstĂ€rker hinwegsehen, oder greift etwas tiefer in die Tasche, beziehungsweise spendiert ihm noch einen Subwoofer.

Klanglich kann der Onkyo TX-8250 absolut punkten. Als reiner Stereo-Receiver hat er zwar auf dem Papier mit 2x135 Watt eine geringere Leistung, in der Praxis hat er meine Piegas aber viel besser im Griff und spielt sehr musikalisch auf. FĂŒr den reinen Musikgenuss ist er daher die viel bessere Empfehlung.

Die Streaming-Features sind genauso umfangreich und beeindruckend wie beim VSX-934. Schade ist nur, dass die USB-AnschlĂŒsse kein ExFat unterstĂŒtzen – auch beim Pioneer nicht. DafĂŒr ist sein großes Plus die vier digitalen EingĂ€nge. Zum Beispiel fĂŒr Highres USB-Digital Adapter, die am Mac oder iPad angeschlossen sind.

Infos Pioneer

Modell: VSX-934
Preis: 419,- Euro
Vorteile: guter Klang, viele Streaming-Formate und Dienste, HighRes-Audio fĂ€hig, gĂŒnstiger Preis
Nachteile: schwache Endstufen

Infos Onkyo

Modell: TX-8250
Preis: 475,- Euro
Vorteile: toller Klang, krÀftiger VerstÀrker, sehr gute Ausstattung, viele Streaming-Formate und Dienste, HighRes-Audio fÀhig
Nachteile: keine

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