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Hue: Philips neue iLampen in der Praxis

31.10.2012 | 18:31 Uhr |

Helles Arbeitslicht, gemĂŒtliche Beleuchtung fĂŒr den Videoabend oder entspannte AtmosphĂ€re zum Lesen: Philips hat ein neues Lichtsystem mit vielen Funktionen herausgebracht, das sich nur per App steuern lĂ€sst. Wir haben es ausprobiert.

Apps ersetzen das Navi, den Wecker, den MP3-Player und den Notizzettel. Jetzt sollen Apps auch noch den Lichtschalter ersetzen – zumindest, wenn es nach Philips geht. Das neue Lichtsystem Hue verbindet das iPhone ĂŒber eine eigene App mit der Steuerung der Beleuchtung zuhause. Helles Arbeitslicht, gemĂŒtliches Schlummerlicht oder bunte Farbeffekte, Hue soll all dies auf App-Knopfdruck beherrschen.

Wir konnten das neue Lichtsystem bereits vorab ausprobieren und den Verantwortlichen bei der offiziellen Premiere Löcher in den Bauch fragen. Lesen Sie, wie das System funktioniert, was es kann und wie es uns gefÀllt.

Was ist Hue?

Hue ist ein LED-Lichtset, das direkt per iPhone oder iPad gesteuert wird, etliche Farben ermöglicht und dazu dimmbar ist. Es basiert auf einem SteuergerĂ€t, das an den heimischen WLAN-Router andockt. Die einzelnen LED-Birnen passen in jede Lampe mit E27-Gewinde, dem typischen GlĂŒhbirnen-Format. Weitere GrĂ¶ĂŸen sollen folgen. Über das iPhone und iPad können Sie mittels einer App auf verschiedene Lichtsituationen umschalten und die Beleuchtung dimmen.

Einfach loslegen

Im Starterpaket stecken ein SteuergerĂ€t mitsamt Netzteil und LAN-Kabel, sowie drei LED-Birnen. Die Einrichtung ist erfreulich simpel: Einfach die Birnen in vorhandene Lampen schrauben, die App auf dem iPhone installieren und das SteuergerĂ€t an Steckdose und Router anschließen. Schließlich die App starten und den Knopf auf dem Hue-SteuergerĂ€t drĂŒcken, fertig. Jetzt ist das iPhone ein multifunktionaler Lichtschalter, bestimmt ĂŒber Helligkeit und Farbe des Raumes. So kommt Hue ganz ohne Bedienungsanleitung aus.

In der App gibt es verschiedene Voreinstellungen. Darunter Beispiele wie "Energie", "Konzentration" oder "Entspannung". Diese zeigen: Hue kann ganz verschiedene Farbtemperaturen wiedergeben. Vom gedÀmpft-warmen Licht bis hin zur AtmosphÀre einer Zahnarztpraxis. Laut Philips sollen sich die Farbtemberaturen auf das Wohlbefinden auswirken. "Mehr Energie" wirkt aber subjektiv ein wenig wie bei einer Zahn-OP.

Im Lieferumfang sind drei Lampen und das Steuergerät enthalten.
VergrĂ¶ĂŸern Im Lieferumfang sind drei Lampen und das SteuergerĂ€t enthalten.
© Philips

Neben den pragmatischen Voreinstellungen finden sich aber auch Einstellungen mit Foto-Icons und malerischen Titeln wie "Beach" oder "Deep Sea". Diese ergeben oft wild-buntes Licht: Violett-GrĂŒn zum Beispiel. Hier fragen wir uns zunĂ€chst, ob diese Einstellungen eine bestimmte natĂŒrliche Lichtstimmung darstellen sollen und dafĂŒr die Lampen in einer bestimmten Konstellation dafĂŒr aufgebaut werden mĂŒssen. SpĂ€ter zeigt sich schnell: nein, es geht bei diesen Foto-Motiven nur darum, die Farben bestimmter Bereiche des Fotos mit den Lampen nachzubilden.

Hue in der Praxis

Nach der einfachen Einrichtung fragen wir uns, wie praktikabel es wirklich ist, seine Beleuchtung nur noch mittels iOS-GerĂ€t statt Lichtschaltern zu regeln. Denn alle Lichtschalter stehen mit Hue im Idealfall immer auf "an". Alles andere lĂ€uft ĂŒber die App. Drei Tage probieren wir das Lichtsystem in der Praxis im Alltag aus.

Am Anfang steht der Spieltrieb: Hell, dunkel, warm, kalt oder furchtbar bunt, Hue lĂ€sst dem Nutzer viele Möglichkeiten. Die Lampen kann man dabei einzeln steuern. Die App erlaubt es, eigene Einstellungen zu erstellen. Dabei kann man auswĂ€hlen, welche Leuchten damit angesteuert werden (wichtig bei mehreren Zimmern), regelt die Helligkeit und natĂŒrlich die Farbe. Hue erlaubt es auch, Fotos als Vorlage zu nutzen und Markierungen auf die entsprechenden Stellen zu legen, Hue ahmt dann diese Farbe nach. Schnell zeigt sich jedoch, dass bunte Farben zwar witzig, aber wenig alltagstauglich sind.

Die wirklich praktikablen Einstellungen sind beispielsweise helles, kĂŒhles Arbeitslicht oder gemĂŒtliches Licht fĂŒr den Abend. Dies alleine ist jedoch schon ein großer Vorteil gegenĂŒber klassischer Beleuchtung. Das aktuelle Licht kann man jederzeit verĂ€ndern, beispielsweise dimmen oder einzelne Lampen ausschalten.

Die Stärke von Hue: Verschiedene Lichttöne wie dieses warmweiße Licht abbilden.
VergrĂ¶ĂŸern Die StĂ€rke von Hue: Verschiedene Lichttöne wie dieses warmweiße Licht abbilden.

Bei mehreren RĂ€umen wird es etwas komplizierter. Denn hier muss sich der Hobby-Lichttechniker jeweils eigene Einstellungen anlegen. So muss man sich dann Optionen wie "Wohnzimmer hell", "Badezimmer gemĂŒtlich" basteln. Immerhin: jede Lampe behĂ€lt solange ihre letzte Einstellung, bis ein anderes Lichtsetting fĂŒr diese Hue-Birne gewĂ€hlt wird. Das heißt: Im Bad bleibt das Licht an, wenn Sie das Wohnzimmer umschalten – sofern diese Option nicht auch die Lampen im Bad mit einschließt. Zum GlĂŒck kann man die Namen der Lampen in der App editieren und so leicht zuordnen. Einen "Alles aus"-Schalter hat die App ebenfalls.

Im Alltag fehlt manchmal aber doch ein einfacher Schalter fĂŒr die Lieblingseinstellung oder eine Fernbedienung, damit man nicht zum Smartphone greifen und die App starten muss. Laut Philips ist nichts Derartiges in Planung, man setzt ganz auf die App-Steuerung. Wer möchte, kann Hue aber auch als ganz normales Licht benutzten und per Lichtschalter ein- und ausschalten. Dann leuchten die LED-Birnen immer ganz regulĂ€r warm-weiß, als wĂ€ren sie eine normale GlĂŒhbirne, haben ihre letzte Einstellung jedoch vergessen. Die Lichtverteilung von Hue-Birnen ist ĂŒbrigens sehr gut – kein konzentrierter "Spot" wie bei billigen LED-Lampen. Über einen Online-Dienst in der App kann man Hue auch von unterwegs steuern, beispielsweise im Urlaub Anwesenheit simulieren.

Die Technik

Jede Hue-Birne ist aus LED-Chips in rot, grĂŒn und blau (RGB) aufgebaut, erklĂ€rt Jeroen de Waal, Marketingchef bei Philips Lighting. Alle zusammen ergeben weiß, verschiedene Mischungen die bunten Farben. Farben wie rot oder blau strahlen dadurch aber dunkler als das volle weiß, weil dabei weniger LEDs arbeiten. Generell ist Hue weniger farbintensiv als beispielsweise die bekannten "Living Colors"-Farblampen des gleichen Herstellers. Sattes GrĂŒn oder Gelb bekommt Hue nur ansatzweise hin.

Eine einzene Birne kostet 60 Euro. Leider sieht das silberne Plastikgehäuse etwas billig aus. Sehr positiv: Das Licht breitet sich sehr gleichmäßig aus - für LED-Birnen längst nicht selbstverständlich.
VergrĂ¶ĂŸern Eine einzene Birne kostet 60 Euro. Leider sieht das silberne PlastikgehĂ€use etwas billig aus. Sehr positiv: Das Licht breitet sich sehr gleichmĂ€ĂŸig aus - fĂŒr LED-Birnen lĂ€ngst nicht selbstverstĂ€ndlich.

Die einzelnen Lampen leisten 8,5 Watt und entsprechen damit jeweils einer klassischen GlĂŒhbirne mit 50 Watt. Das SteuergerĂ€t, das immer an ist, verbraucht relativ wenig Strom: maximal drei Watt. Das SteuergerĂ€t, bei Philips "Bridge" genannt, kann bis zu 50 Hue-Birnen ansteuern.

Die Hue-Zentrale spricht ĂŒber den "Zigbee"-Funkstandard mit den LED-Birnen, die auch untereinander kommunizieren. So soll die Reichweite problemlos ĂŒber mehrere Zimmer reichen. Dazu ist Zigbee ein ĂŒblicher Standard fĂŒr Hausautomatisierung. Das bedeutet aber nicht, dass bald auch andere Hersteller Controller dafĂŒr anbieten können. Stattdessen will Philips ein Entwicklungskit (SDK) fĂŒr App-Anbieter veröffentlichen, damit auch andere Apps Hue steuern können oder das Licht beispielsweise als Signal nutzen können.

Was noch kommen soll

Philips sagt, dass die Hue-Serie erst ganz am Anfang stĂŒnde. So sollen 2013 noch Lampen fĂŒr andere Fassungen kommen. Auch die Funktionen der App werden zunehmen. Automatische Farbwechsel stehen beispielsweise noch auf der Liste der Erweiterungen. Trotz der Apple-Partnerschaft wird es in KĂŒrze auch eine Android-App fĂŒr Hue geben.

 

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