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Klassiker auf absteigendem Ast: Cleaner

29.01.2007 | 13:44 Uhr |

Klassiker auf absteigendem Ast: Cleaner

Cleaner: Im Vorschaufenster von Cleaner kann man den Film direkt beschneiden, während man im unteren Bereich die Kompressionsgröße der einzelnen Frames ersehen kann.
Vergrößern Cleaner: Im Vorschaufenster von Cleaner kann man den Film direkt beschneiden, während man im unteren Bereich die Kompressionsgröße der einzelnen Frames ersehen kann.

Für knapp ein Jahrzehnt, von Mitte der Neunziger Jahre bis vor zwei, drei Jahren, war Cleaner das Standardwerkzeug zur Kompression von Videofilmen für das Netz, CD oder DVD. Innovativ, leicht zu bedienen und voller neuer, spannender Formate haben die damaligen Entwickler Terran Interactive die Quicktime-Welt revolutioniert. Mit dem Verkauf des Programms an Media 100 und dem Erscheinen des kostenlosen Compressors begann auch der Niedergang von Cleaner. Nur wenige Aktualisierungen und ein mittlerweile liebloses Nischendasein beim CAD-Spezialisten Autodesk führen dazu, dass Cleaner seinen Status als Platzhirsch verloren hat.

Trotzdem bietet Cleaner auch heute noch Funktionen, die man bei vergleichbaren Programmen vergeblich sucht, zum Beispiel eine Frame-by-Frame-Vorschau, den direkten Bildbeschnitt mittels Rahmen im Vorschaufenster, die grafische Darstellung der encodierten Bitrate oder einen Watchfolder. Die Balkendarstellung der jeweiligen Bildgröße ist sehr hilfreich, besonders wenn es sich um temporäre Codecs wie Sorenson oder MPEG-2 handelt, bei denen nicht jeder Frame gleich groß ist, sondern sich unterschiedliche Größen zwischen den Keyframes ergeben. Die Watchfolder von Cleaner helfen vor allem in Netzwerken und/oder bei weniger erfahrenen Anwendern, schnell und präzise Encodings durchzuführen, denn ein vorher definierter Encoding-Prozess startet automatisch dann, wenn man eine Film- oder Tondatei in den Ordner legt.

Obwohl Cleaner eine Vielzahl auch nicht Mac-spezifischer Formate unterstützt, sind die von uns erzielten Testergebnisse weniger positiv. Bei einem Standard MPEG-2-Encoding mit VBR bis 8,0 MBit braucht Cleaner rund viermal so lange wie die Konkurrenz, erzielt dabei jedoch mit das qualitativ schlechteste Ergebnis. Auch ein einfaches Konvertieren von HD auf PAL liefert gerade mal ausreichende Bildqualität, wobei das Bild im Vergleich zu anderen Kompressoren mit identischen Einstellungen (Blackmagic 8 Bit YUV) sehr hell und mitunter unscharf wirkt. Komplett versagt Cleaner bei der Kompression eines HDV-Clips für den iPod, da die Software für eine Minute Film über eine Stunde rechnet, während Episode Pro den Miniclip in weniger als vier Minuten komprimiert.

Seit dem letzten Update auf 6.5.1 stürzt Cleaner zumindest nicht mehr nach jedem durchgeführten Encoding unter Mac OS X 10.4 sang- und klanglos ab, hier hat Autodesk Abhilfe geschaffen, was ja auch auch schon ein Fortschritt ist.

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