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Kopfhörer Shure Aonic 40 im Test: Sound wie im Studio?

14.01.2022 | 12:40 Uhr |

Mit dieser Ansage preist Shure seinen neusten Over-Ear-Kopfhörer an. Dieser Frage werden wir im Laufe des Tests nachgehen, ob der Nachfolger des Aonic 50 das Versprechen halten kann.

Bevor wir den Soundcheck machen können, schauen wir uns den Aonic 40 genauer an. Auf den ersten Blick ist er von seinem Vorgänger nicht zu unterscheiden. Eine große robuste Transportbox liegt zusammen mit einem Klinkenkabel und einem USB-C bei. Was dieses Kabel noch Besonderes kann, dazu später mehr.

Zusammengefaltet wird aus dem großen Over-Ear-Kopfhörer kein platzsparendes Modell, doch das erwartet man von Kopfhörern dieser Klasse auch nicht. Das Gewicht ist mit nur 315 Gramm nicht zu groß und sorgt zusammen mit den angenehmen Ohrpolstern für einen hervorragenden Tragekomfort. Dass der Kopfhörer trotzdem robust ist, sorgt glasfaserverstärktes Nylon und eine Aluminiumlegierung in Flugzeugqualität.

Das bietet der Aonic 40 noch: aktive Geräuschunterdrückung mit drei Modi, USB-C-Audioübertragung und Bluetooth 5.0. Tasten dienen zur Musiksteuerung und eine App ist für Konfiguration und dem Highres-Musikplayer.

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Keine Überraschungen in der Praxis

Es sind manchmal die einfachen Dinge, über die man sich in der Praxis freut. Sei es eine große Markierung für linken und rechten Ohrhörer oder eindeutige Tasten, die man auch blind bedienen kann.

Gute Verarbeitung und angenehmer Sitz, der Aonic 40 überzeugt uns im Praxistest. Schön auch, dass er eine deutlich erkennbare Rechts-Links Markierung aufweist.
Vergrößern Gute Verarbeitung und angenehmer Sitz, der Aonic 40 überzeugt uns im Praxistest. Schön auch, dass er eine deutlich erkennbare Rechts-Links Markierung aufweist.
© Shure

Shure sammelt die Tasten für die Musikteuerung auf der rechten Seite und etwas abseits die Taste für die aktive Geräuschunterdrückung. Die aktive Geräuschunterdrückung macht einen guten Job und gehört eher zu den unauffälligen Vertretern. Da hilft auch die Konfigurierbarkeit in der App sehr. Was wir jedoch vermissen, ist eine Ansage, in welchem Modus wir nach Tastendruck gelandet sind. Es lässt sich in der App nur ein Ton einschalten.

Für den ANC benötigt man Mikrofone, die man aber auch für Sprache einsetzen kann. Die Qualität kann sich hören lassen. Verzerrungen gibt es nicht, die Sprachverständlichkeit ist für einen Kopfhörer gut und die Lautstärke typisch für einen solchen Kopfhörer nicht sehr hoch. Den Aonic 40 kann man zeitgleich mit zwei Geräten verbinden, das ist für alle sehr praktisch, die beispielsweise zwischen iPhone und iPad wechseln.

Für einen modernen Kopfhörer ist der Akku mit einer maximalen Laufzeit von 25 Stunden nur durchschnittlich. Man sollte aber bedenken, dass der Aonic 40 auch nicht besonders schwer ist. Ein weiterer Punkt, der entschädigt, ist die kurze Ladezeit. Nach rund 15 Minuten sind mehr als 4,5 Stunden Musikgenuss drin.

Was aber wieder enttäuscht ist eine fehlende automatische Abschaltung, um den Akku zu schonen. Abgeschaltet wird erst, wenn das verbundene Gerät, etwa das iPhone, ausgeschaltet wird.

Wie man das schon gewohnt ist, bietet die Shure Play App Einstellungsmöglichkeiten für den ANC und Equalizer. Einziger Haken an der App, sie läuft noch nicht ganz rund mit dem Aonic 40. Der Kopfhörer ist aber gerade erst wenige Tage auf dem Markt.

Die Shure Play App ist übersichtlich und bietet praktischerweise direkt auf dem Homescreen die Einstellungen für die aktive Geräuschunterdrückung.
Vergrößern Die Shure Play App ist übersichtlich und bietet praktischerweise direkt auf dem Homescreen die Einstellungen für die aktive Geräuschunterdrückung.

Ein großes Versprechen in Sachen Sound

Shure spricht von Sound wie im Studio, aber kann das ein Bluetooth-Kopfhörer überhaupt? Wir müssen hier anmerken, dass Shure nicht sagt, in welchem Modus der Aonic 40 das Versprechen einlösen soll. Neben Bluetooth unterstützt der Aonic 40 auch analog Klinke und digital USB-C. Eine weitere Spezialität ist die unkomprimierte Audio-Übertragung über die hauseigene Play-App. Damit umgeht Shure den verlustbehafteten Weg über AAC bei Bluetooth.

Die Shure Play App bietet einen eigenen Higres Audio Player. Das macht aber nur Sinn, wenn man in der Musikbibliothek von iOS auch Highres Audio hat.
Vergrößern Die Shure Play App bietet einen eigenen Higres Audio Player. Das macht aber nur Sinn, wenn man in der Musikbibliothek von iOS auch Highres Audio hat.

Wir starten erst einmal über den Weg, den die meisten Nutzer gehen werden: Bluetooth mit der Musik-App von iOS oder dem Streaminganbieter der Wahl, bei uns wegen Highres Musik als Quelle Qobuz .

Studio Sound? Da machen wir es dem Aonic 40 gleich zu Beginn mit akustischer Musik richtig schwer. Letztes Jahr brachte Katie Melua ihr Album No. 8 als Acoustic-Version heraus. Nur sie, eine Gitarre und das Klavier, in Joy zeigt der Aonic 40, dass eine tolle Stimme auch von einem Bluetooth-Kopfhörer gut getragen werden kann. Eine Spur angespannter, die Band näher zusammen als mit unserer Kabel-Referenz von Beyerdynamic. Aber hier würden wir auch Äpfel mit Birnen vergleichen.

Wer an Katie denkt, der denkt auch an Norah Jones. Also nochmal das 2021er-Weihnachtsalbum virtuell rausgeholt. Der Klassiker "White Christmas", mit einem wunderbaren Klavier und dieser tollen Stimme. Das lässt einen von weißer Weihnacht träumen – zumindest dort, wo der Autor dieser Zeilen lebt, gibt es das nie. Eine warme Grundstimmung des Aonic 40 passt wunderbar zu dem Titel und Norah sowieso. Norah steht schön präsent im Vordergrund, ihre toll aufspielende Band im Hintergrund. Das passt gut, da kommt Stimmung auf.

Wenn der Artikel erscheint, ist Weihnachten vorbei, also wechseln wir zu einer weiteren starken Stimme mit Gregory Porter. "Hey Laura" ist zwar ein älterer Titel, doch der Aonic 40 schaffte es, Gregory die nötige Tiefe zu geben, die seiner Stimme angemessen ist. Große Band gleich große Bühne? Das schafft der Aonic 40 nicht so ganz.

Wir verlassen die Pfade der akustischen Musik und wechseln in ein Genre, das komplett im Studio entsteht. Die Klangpioniere Yello haben mit "Waba Duba" so einen Ohrwurm geschaffen, der zeigt, was ein Kopfhörer zu leisten vermag. So sind wir von einer schon fast neutralen Abstimmung überrascht. Der Bass, gerne von den Mitbewerbern stark erhöht, zeigt sich human zum Zwerchfell. Trotzdem fehlt es den Titeln auf dem Album "Point", das wir direkt durchhören, an nichts. Ganz im Gegenteil, wir hören uns intensiver in das Album hinein. Da muss man Shure eine wirklich gute Abstimmung attestieren.

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Empfehlung

Kein übertriebenes Soundtuning und ein sehr angenehmer Sitz, das sind Zutaten für langen Hörgenuss. Hier muss man Shure attestieren, dass sie einen wirklich ausgereiften Kopfhörer geschaffen haben. Akustik, Elektronic, R&B und Disco, da hört man gerne hin und wenn es denn sein muss, kann man mit dem Equalizer in der App der Sound nach eigenen Vorstellungen tunen.

Es gibt aber noch einen Punkt, der klanglich für den AONIC 40 spricht – der digitale USB-C-Anschluss. Da zeigt sich dann wirklich, was klanglich in ihm steckt. Benötigt man kein Bluetooth, kann man hier den Sound frei atmen lassen. Somit ist der Aonic 40 ein zwei-in-eins Kopfhörer. Als Quelle kann hier auch ein iPad Pro dienen, wir haben das direkt mit der Qobuz-App ausprobiert und waren begeistert.

Dass er auch eine gute aktive Geräuschreduzierung hat, nimmt man auf Reisen im Flug oder Zug gerne mit, ansonsten ist man froh, dass sie nur auf Wunsch zugeschaltet wird.

An der App muss Shure noch etwas feilen, bis der Aonic 40 gefunden wird, dauert es doch recht lange. Wir hatten das Testmuster allerdings direkt zur Markteinführung.

Auf den ersten Blick mag die Akkulaufzeit von maximal 25 Stunden mit Blick auf die Mitbewerber enttäuschen. Doch das relativ geringe Gewicht entschädigt hierfür.

Aonic 40

Hersteller:

Shure

Preis:

249,99 Euro

Note:

4,5 Sterne

Vorteile:

sehr guter voller Klang, toller Klang mit USB-C Audioübertragung, leicht und hochwertig, angenehmer Sitz

Nachteile:

App noch nicht rund, keine Sprachansage zum ANC Modus

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