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Lacie 2big Raid im Test: Rasant und viel Speicher

27.06.2019 | 08:30 Uhr | Stephan Wiesend

Das neue Raid-System Lacie 2big Raid schlägt manche SSD und bietet ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.

"Warum nicht lieber eine externe SSD?" fragt sich wohl mancher beim Anblick von Lacies 2big RAID. Festplatten kommen einem im Zeitalter immer günstigerer SSDs ja fast schon veraltet vor. Benötigt man aber sehr viel Speicherplatz und konstant hohe Leistung, sind sie noch immer sehr leistungsfähig. So gibt es das neue RAID 2big von Lacie mit bis zu 16 TB Kapazität, bei SSDs für Endanwender endet die Speicherkapazität dagegen schon bei 4 TB. Mit Preisen ab 400 Euro ist das 2big für ein ein echtes RAID-System außerdem fast schon günstig zu nennen. Gedacht ist das Gerät vor allem für den preissensiblen Video- oder Foto-Anwender, als Time-Machine-Medium oder als Datenarchiv ist es fast schon zu schade.

Erster Eindruck

Packt man das kompakte Speichergerät aus, kann man es sofort in Betrieb nehmen. Bis auf die Farbe gleicht das Gehäuse dem altvertrauten Lacie 2big mit Thunderbolt, es standen aber einige Funktionen auf der Einspar-Liste: So ist die neue Einsteigerversion nur mit einer USB-C-Schnittstelle versehen und bietet im Unterschied zum Schwestermodell auch keine Zusatzfunktionen wie  Kartenleser oder Displayport-Schnittstelle. Das USB-C-Modell ist außerdem nur in Versionen mit 4, 8 und 16 TB zu haben, die teurere Thunderbolt-Version zusätzlich mit 12, 20 und 28 TB Kapazität.

Das neue Modell wirkt solide und hochwertig und passt nebenbei farblich gut zu unserem Testgerät, einem Mac Mini von 2018. Mit 540 Euro ist unser Testgerät mit 8 TB zwar weit teuer als eine externe Festplatte mit 8 TB Kapazität, im Vergleich zu Lacies Profi-RAID-Systemen 5Big oder gar 12big ist es aber fast schon günstig zu nennen. Immerhin bietet Lacie ein echtes Hardware-RAID und hochwertige Festplatten mit hoher Leistung und vollen fünf Jahren Garantie. Die aus dem Gerät herausziehbaren Laufwerke sind  zwei hochwertige Seagate Ironwolf Pro 4 TB – für die man im Fachhandel knapp 170 Euro pro Stück zahlt. Ein Gutschein für fünf Jahre Datenrettung ist ebenfalls enthalten. Für die Stromversorgung liegt ein kompaktes Netzteil bei, per USB-C-Kabel oder USB-3.0-Kabel muss man es nur noch mit einem Mac oder PC verbinden. Vorformatiert ist es als RAID0 und dem für Mac und PC tauglichen Format ExFAT. Für unsere Tests formatieren wir es aber in das Mac-Standardformat HFS Plus um.

Im Gerät stecken zwei schnelle Desktop-Festplatten von Seagate.
Vergrößern Im Gerät stecken zwei schnelle Desktop-Festplatten von Seagate.

Performance

Erstklassig ist die Performance als RAID0, in unserem Testgerät stecken schließlich zwei moderne und leistungsfähige Festplatten. Mit Blackmagic Disk Speed Test messen wir per USB-C als Maximalleistung 428 MB/s beim Schreiben und 430 MB/s beim Lesen. Etwas niedriger ist die Leistung über USB 3.0, hier erreichen wir maximal 384 bzw. 409 MB/s. Das ist deutlich langsamer als die interne SSD eines aktuellen Macs oder einer Thunderbolt-3-SSD, aber recht nah an beliebten externen SSDs wie der Samsung T5 oder der kürzlich von uns getesteten Lacie Portable . Das RAID hat hier sogar einen Vorteil: Während eine externe SSD ihre hohen Schreibraten oft nur dank eines Cache-Speichers erreicht und diese oft schnell sinkt , kann es große Datenmengen mit hohem Tempo übertragen. Dies zeigt ein Test mit AJA System Test Lite, bei dem wir eine Testdateigröße von 16 GB wählen: Auch hier messen wir stabile 428 MB/s beim Schreiben und 430 MB/s. Gute Zugriffszeiten bieten die beiden schnellen Festplatten ebenfalls, mit Amorphous Diskmark messen wir bei sequenziellen Lesezugriffen (1Mib) 438,8 IOPS. Da schafft auch eine Samsung SSD T5 mit 503,1 IOPS kaum mehr.

Als letzten Test erstellen wir mit Carbon Copy Cloner eine Kopie unseres Testrechners: Nach 16 Minuten und 41 Sekunden ist der komplette Rechner mit knapp 92 GB an Daten geklont – ein hervorragendes Ergebnis.

Was man nicht vergessen sollte: Im Unterschied zu einer passiv gekühlten externen SSD oder Festplatte werden die Festplatten und der Controller aktiv gekühlt: Ein temperaturgeregelter Lüfter der Marke Noctua schützt vor Überhitzung. Gut: Bei zu hoher Temperatur wird man außerdem von einer LED darüber informiert, bei externen SSDs merkt man eine Überhitzung oft erst durch das Abmelden des Datenspeichers.

Für Kühlung sorgt ein leiser Lüfter
Vergrößern Für Kühlung sorgt ein leiser Lüfter

Die Lautstärke bewegte sich bei unserem Test im Rahmen einer externen Festplatte. In einem leisen Büro ist dabei der Lüfter kaum hörbar, akustisch machen sich bei Zugriffen vor allem die beiden Festplatten bemerkbar – die eher auf hohe Leistung als niedrige Lautstärke ausgelegt sind. Laut Lacie liegt die Lautstärke aber maximal bei 34dBA, bei normaler Nutzung bei guten 23 dBA

Auch bei großen Datemengen bleibt die hohe Transferrate stabil.
Vergrößern Auch bei großen Datemengen bleibt die hohe Transferrate stabil.

Warum ein RAID?

Interessant ist das Lacie 2big RAID nach unserer Einschätzung für Video/Audio/Foto-Profis und -Amateure, die vor einem bestimmten Problem stehen: Ihre Datenmengen sind zu groß für Apples interne SSD oder eine externe SSD, eine herkömmliche externe Festplatte würde aber die Arbeit stark ausbremsen. Als RAID0 ist das System dagegen weit schneller als jede externe Festplatte und sollte auch für den Schnitt von 4K-Video tauglich sein. Ausgeliefert wird das Gerät als RAID0, was bei zwei 4TB Festplatten eine Speicherkapazität von 8 TB mit maximaler Performance und maximalem Speicherplatz bedeutet. Mit der Bediensoftware Lacie RAID Manager könnte man alternativ aber auch das sichere RAID1 wählen. Bei Letzterem werden alle Daten automatisch auf jeder Festplatte doppelt gespeichert, wodurch sich leider nicht nur die Performance halbiert, sondern auch der Speicherplatz: Statt 8 TB verblieben bei RAID1 nur noch 4TB nutzbares Volumen.

Die meisten Anwender werden das Lacie wohl als RAID0 nutzen. Dann sollte man sich jedoch trotz Datenrettungs-Gutschein eine Backup-Strategie überlegen – beispielsweise eine regelmäßige Datensicherung auf eine externe Festplatte.

Verwaltungssoftware

Der Lacie RAID Manager ist eine einfache Verwaltungssoftware, möglich ist damit unter anderem das Umwandeln von einem RAID0 in ein RAID1. Bei leerem Datenträger eine Sache von Sekunden. Zusätzlich kann das Tool aber auch die Firmware aktualisieren und den Hardwarezustand überprüfen.

Für die Verwaltung dient das Tool Lacie RAID Manager.
Vergrößern Für die Verwaltung dient das Tool Lacie RAID Manager.

USB-C oder Thunderbolt 3?

Thunderbolt 3 ist dem lahmeren USB-C klar überlegen, bei vielen Anwendungen aber fast schon überdimensioniert – kosten die Brückenchips für Thunderbolt doch deutlich mehr. Vorteile wie Daisy-Chaining, die Möglichkeit, einen Monitor anzuschließen, und höhere Ladeströme wiegen die höheren Kosten nicht für alle Anwender auf und bei Transferraten von knapp 400 MB/s genügt eigentlich auch USB als Schnittstelle. Nicht zuletzt kann man ein Thunderbolt-Gerät nur an einem Mac oder PC mit Thunderbolt-Schnittstelle verwenden, dank beiliegendem Adapterkabel läuft unser Testgerät auch an älteren Macs und PCs.

Fazit:

In unserem Test macht das Gerät von Lacie einen hervorragenden Eindruck und zeigt, dass man Festplatten noch lange nicht abschreiben sollte. Lautlos ist das Gerät leider nicht, dafür bietet das Gerät eine erstklassige Kombination aus hoher Leistung und massig Speicher. Trotz gutem Eindruck: Genügen für die Projekte 1TB oder gar 500 GB Speicherplatz, würden wir eher zu einer guten externen SSD greifen.

Lacie 2big RAID

Hersteller: Lacie

Vorzüge: Hohe Performance, Hardware-RAID

Nachteile: Nur eine USB-C-Schnittstelle, Festplatten bei Zugriffen recht lautstark

Note: 1,5 gut

Preis: Euro 439 (4TB), Euro 559 (8TB), Euro 779 (16TB)

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