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Lightwave Lighting & Power Starting Kit: Zu viel versprochen

05.08.2019 | 08:30 Uhr | Peter Müller

Elektrik für das Smart Home, flexibel bei der Anbindung an intelligente Systeme und unauffällig in die Wand eingebaut: Das klingt nach einem guten Angebot. Es hat aber einen gewaltigen Haken – und ist an sich nur für neuere Bauten geeignet.

Der Test stand von Anfang an unter keinem guten Stern, rückblickend scheint der Ausgang fast zwangsläufig. Das Fazit deshalb schon vorab:  Dass mir das Testszenario ein wenig misslingt, liegt nicht am Produkt allein. Die Einfachheit, die der Hersteller verspricht und die wir von HomeKit-kompatiblen Geräten erwarten, ist aber definitiv nicht gegeben. Denn "einfach" solle das aus einer Bridge, einer smarten Wandsteckdose und einem Dimmer bestehende Lighting & Power Starter Kit von Lightwave zu installieren und zu bedienen sein, davon kann hier aber nicht die Rede sein. Die Erwartung: Siri einfach mal sagen, sie solle das Licht auf 12 Prozent Helligkeit herunter stellen und doch bitte die TV-Anlage einschalten, die komplett an der smarten Steckdose hängt. Oder mit der App von Lightwave und Apples Home-App Szenarien programmieren. Die Realität ist weit komplizierter - und die gewünschten Funktionen kann man mit weit bequemer zu handhabenden Geräten herbei konfigurieren.

Smarte Dimmer - statt herkömmlichen - besser nur im Neubau

Mag sein, dass es für Neubauten sinnvoll sein könnte, statt herkömmlicher Lichtschalter smarte Dimmer einzubauen und statt normaler Steckdosen solche in die Wand zu verbauen, die auf Zuruf den Strom ein- oder ausschalten. In einem Altbau ist das alles andere als einfach. Lightwave verspricht auch nicht, mit seinen Systemen aus einem alten Haus ein komfortables und sicheres Smarthome machen zu können. Ich hätte auch stutzig werden sollen, als ich in der Produktbeschreibung las, man könne bestehende Dimmer und Steckdosen einfach mit der vorhandenen Verkabelung austauschen. Steckdosen habe ich zwar, aber nirgends einen Dimmer.

Probleme voraus ahnend haben mir bereits mehrere Autoren für das Thema abgesagt, die ähnliche Bedenken hegten wie ich: Selbst an der Elektrik in einem alten Haus herumschrauben? No way! Die meisten hätten das auch mit ihrem Vermieter klären müssen, also ließ ich mich dann doch breit schlagen, es in meinem Haus auszuprobieren. Einem Altbau aus dem Jahr 1969 mit einer in den letzten 50 Jahren organisch gewachsenen Elektrik, an die ich lieber nur noch Profis heranlasse.

Einen solchen hat mir der Hersteller Lightwave über den Dienst Mila vermittelt, es ist in diesen Zeiten schwer, einen Elektriker für Privathaushalte zu bekommen, wenn man nicht gerade einen Großauftrag hat – das ist in anderen Gewerken genau so.

Leider ist bei mir auch die Beleuchtung organisch gewachsen, kaum noch eine Leuchte mit E27- oder E14-Fassung, in die man zu Testzwecken mal eine dimmbare LED reinschrauben könnte. Denn auch das verspricht Lightwave: Der Dimmer arbeite mit dem Großteil von dimmbaren LED-Lampen zusammen. Wohl gemerkt: Nicht mit allen - das soll gleich noch eine wesentliche Rolle spielen.

Das Licht will nicht dimmen

Ich habe dann aber doch noch einen Raum ausgemacht, der sich für eine Umgestaltung eignen würde, ich müsste ja mindestens eine Leuchte austauschen: Der Keller, in dem ich auch meinen Schreibtisch und meine Gitarren stehen habe. Ich wollte ohnehin schon längst die veraltete Leuchtstoffröhre gegen ein moderneres Leuchtmittel austauschen. Also kaufte ich mir für den niedrigen Raum eine recht flache Deckenleuchte mit dimmbaren LEDs - damit müsste es doch funktionieren. Aber leider gibt es noch keinen Standard, der "dimmbar" definiert.

Das hat der Mann vom Elektrofach auch als Ursache des später folgenden Hauptproblems ausgemacht. Zunächst entsetzte er sich völlig zurecht über das Kabelflickwerk im Keller, fand aber eine Lösung, wie man Dimmer, Steckdose und Leuchte miteinander verbinden konnte, damit die Schaltung auch immer Strom hat. Nachteil: Jetzt liegt auch Spannung an der Leuchte an, wenn der Lichtschalter auf "Aus" steht, aber wenn ich selbst mal eine Deckenlampe tausche, drehe ich grundsätzlich die Sicherung heraus. Aber vielleicht lasse ich das nach dem Test wieder zurück bauen.

Bei der Verdrahtung passt aber alles, die Deckenleuchte bekommt Strom, jetzt geht der Ärger aber los.

Zunächst verbinde ich die Basisstation des Systems mit dem Router per Kabel, den Rest wird sie über eine Funkstrecke verbinden, das geht soweit auch problemlos, die Bassisstation lässt sich auch ohne Weiteres in die Home App integrieren. Aber dann: Sobald die Sicherung für den Keller wieder eingeschraubt ist, beginnt die Deckenleuchte zu blinken, mit ihr die LEDs des Dimmers. Das soll so, lernt man aus der Kurzanleitung, der Dimmer versucht sich an der Kalibrierung der Leuchte, die Elektronik klärt dabei vor allem die Frage, bei welcher Spannung die untere Grenze der Helligkeit sein sollte und bei welcher die obere. Nach einigen Versuchen gelingt es mir dann auch, den Dimmer in den Pairing-Modus zu versetzen und in die Lightwave-App einzubinden.

Das Vergnügen ist aber von kurzer Dauer, denn die Kalibrierung gelingt weder über die App noch über eine manuelle Steuerung am Schalter, die mitgegebene Kurzanleitung hilft hier auch nicht weiter - zu kurz gefasst. Mehrere Versuche schlagen also fehl, das System kommt mit der Kalibrierung nicht zum Ende, die Leuchte an der Decke blinkt in Sekundenabständen auf und schaltet sich wieder aus. Am Schalter zu drücken hilft zwar, die Lampe komplett zu deaktivieren, auch auf den entsprechenden Befehl der App reagiert sie, aber das war nicht das Ziel.

Beim Einrichten ein Problem übersehen? Das Ganze noch mal auf den Start zurück: Die Kellerleuchte aus der App entfernt und gemäß derer Anweisungen den Speicher gelöscht. Aber: Das dauerhafte Drücken des Ein- und des Aussschalters gleichzeitig führt jetzt nicht mehr zum gewünschten Ergebnis, nämlich in den Pairingmodus. Und die manuelle Kalibrierung funktioniert auch nicht, so dass wir wenigstens mit der Hardeware allein das Licht im Keller ein- und ausschalten könnten.

Inkompatibel und schlecht vernetzt

Die App zeigt noch einen weiteren Fehler: Es gelingt uns nicht, den Raum von "default room" umzubenennen. Was aber wirklich nicht gefällt: Die Kurzanleitung ist derart kurz und klein gedruckt, dass sie nur dann sinnvoll wäre, wenn alles funktioniert. Aber ein Troubleshooting fehlt vollkommen: Was ist zu tun, wenn das System nicht wie erwartet reagiert? Etwa wie in unserem Fall die Kalibrierung nicht zum Ende kommt und in einer Schleife verharrt, in der die LED am Dimmer einfach nur im Wechsel grün und blau blinkt?

Was nun, hilft uns die Hotline des Herstellers weiter oder muss der am Ende noch einen eigenen Techniker aus Großbritannien schicken? Ich bekomme einen Draht zu Lightwave in Birmingham, respektive dessen Technikabteilung. In den Midlands sprechen sie einen recht reizenden Dialekt, aber immerhin verstehe ich so viel: Der Verdacht des Elektrikers sei wohl der richtige, die Lampe aus China ist eher nicht kompatibel, für passende solle ich bitte die FAQ auf der Herstellerwebsite konsultieren . Dort heißt es auch explizit: Viele LEDs können Schwierigkeiten beim Dimmen haben. Schade: Das klingt doch etwas anders als "Großteil der dimmbaren LED-Lampen", wie es in der Pressemitteilung noch stand.

Für mich ist der Test an dieser Stelle erst einmal beendet, noch eine andere Lampe zu besorgen (oder eine passende Leuchte in eine einfache Fassung schrauben) mache ich nicht - aus oben genannten Gründen der Elektrik. Denn klar, der Dimmer braucht permanent Strom, im Keller haben wir aber - wie fast überall im Haus - nur zwei Adern zur Verfügung anstatt dreien. Die an sich sichere Lösung mit dem gefährlichen Nebenaspekt lasse ich dann später wieder rückbauen.

Warum verbindet sich der Dimmer aber nicht wieder mit der App verbinden lässt, weil er nicht mehr in den Pairing-Modus springt, bleibt ein Rätsel. Aber er funktioniert bei mir im Keller ohnehin nicht.

Warum man den Raum nicht umbenennen kann, ist nur eines der Rätsel. Die Verknüpfung der Lightwave-Bridge mit der HomeApp hat auch nicht auf Anhieb geklappt.
Vergrößern Warum man den Raum nicht umbenennen kann, ist nur eines der Rätsel. Die Verknüpfung der Lightwave-Bridge mit der HomeApp hat auch nicht auf Anhieb geklappt.

Fazit

Für ein objektive Aussage über das Preis/Leistungsverhältnis des Lightwave-Kits Ergebnis ist der Test nicht weit genug gediehen. Ich kann nicht überprüfen, welche der durchaus sinnvollen Funktionen wirklich mit dem System funktionieren und welche nicht. Sicher, die smarte Steckdose funktioniert so wie sie sollte, über die App und auch über Home, inklusive Siri. Alexa, Google Assistant und IFTT stünden auch noch für intelligente Verknüpfungen und/oder Sprachbefehle bereit. So sind mit Lightwave-Produkten komplexe Vorgänge automatisierbar: Wenn man das Haus verlässt, alle Lichter aus etwa. Oder wenn man TV sehen will: Deckenlicht reduzieren bis auf einen Rest, TV-Anlage an der smarten Steckdose an. Zudem zeigt uns die App pro Gerät auch die aktuell genutzte elektrische Leistung und die Gesamtleistung seit dem letzten Zurücksetzen des Timers, das ist schön und hilft beim Stromsparen.

Aber das System kommt eben mit Einschränkungen. Schon das Starter-Kit mit Bridge, Dose und Dimmer kostet 400 Euro, da ist der Elektriker noch nicht eingerechnet – und natürlich auch nicht die etwaige Neuanschaffung von kompatiblen Leuchtmitteln. Für Haushalte mit modernen Elektroinstallationen bietet das System natürlich Vorteile: Die schlauen Steckdosen stecken direkt in der Wand und sind ebenso wie der Dimmer sowohl per Hardware (was sich auch abschalten lässt), per App oder Sprachkommando steuerbar. Für letzteres gibt es aber unkompliziertere Lösungen, wir hatten etwa von Osram das System Smart+ getestet , eine dimmbare bunte LED-Birne, ebenso den LED-Streifen für Außen und eine dimmbare Filament-LED . Und schlaue Steckdosen bekommen wir auch bei Mehrfachsteckdosen , von denen müssen wir in unserem beinah antiken Haus ohnehin mehr nutzen, als wir sollten (wir achten aber auch ausreichende Kabelquerschnitte und auch darauf, nicht zu viel Leistung darüber abrufen zu lassen).

Wer aber dem Lightwave-System eine Chance geben will – die große Vielfalt hinsichtlich smarter Steuerung ist gewiss ein Pluspunkt – sollte vorher genau überprüfen, ob die dafür gedachten Lampen und Leuchtmittel auch tatsächlich zum System passen. Hilfreich wäre gewiss auch ein deutschsprachiger Support, der in diesem speziellen Fall aber auch nicht hätte weiter helfen können.

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