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Macbook Air 2019 im Test

22.07.2019 | 12:40 Uhr |

Wow, das neue Macbook Air ist nicht einmal ein Jahr alt, und schon bringt Apple eine neue Version. Das hat wohl kaum jemand erwartet. Doch was ist wirklich neu am Macbook Air 2019? Wir probieren es aus.

Nun, ganz neu ist das Macbook Air aus dem Modelljahr 2019 nicht. Die Veränderungen beschränken sich im wesentlichen auf drei Dinge: Es ist billiger geworden (etwa 100 Euro), es hat nun ein True-Tone-Display (dazu später mehr) und Apple hat die Tastatur überarbeitet, die schon länger einen eher zweifelhaften Ruf aufweist, da manche Tasten nach einiger Zeit ausfallen oder Hänger aufweisen. Apple selbst gibt hier lediglich an, man verwende nun neue Materialien, die zuverlässiger sein sollen. Allerdings gibt der Mac-Hersteller gleichzeitig an, dass die Tastatur nach wie vor unter ein spezielles Reparaturprogramm fällt, das den Austausch leichter ermöglichen soll. So richtig vertraut also selbst Apple den neuen Tasten nicht und in einem kurzen Test wie diesem, können wir die Zuverlässigkeit der Tasten schlecht überprüfen, das würde deutlich mehr Zeit in Anspruch nehmen. Die Tasten klingen jedenfalls etwas gedämpfter als beim Vorgänger, am haptischen harten Anschlag und dem sehr kurzen Hub ändert sich aber nichts.
Wenden wir uns also dem einzigen wirklich neuen Feature zu, dem True-Tone-Display.

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Das True-Tone-Display

True Tone bedeutet: Ein Sensor im Display misst ständig das Umgebungslicht, aber eben nicht nur die Helligkeit (wie bei allen vorherigen Modellen) sondern auch die Farbe. Dementsprechend passt es die Farbdarstellung auf dem Bildschirm dem Umgebungslicht an. Die Folge: Arbeitet man daheim unter warmem Kunstlicht, erscheinen auch die Farben am Bildschirm etwas wärmer, also leicht gelblicher oder rötlicher. Bei blauem Himmel im Biergarten dagegen wird die Darstellung eher bläulicher. Technisch verschiebt das True-Tone-Display den Weißpunkt der Darstellung. In der Praxis funktioniert das prima, besonders im direkten Vergleich mit einem Modell ohne True-Tone-Display fällst auf, dass die Farbdarstellung meist angenehmer, manchmal sogar satter und voller wirkt. Doch Vorsicht: Falls man auf möglichst reproduzierbare Farben angewiesen ist, weil man beispielsweise Fotos oder Layouts für die Druckvorstufe aufbereitet, sollte man den True-Tone-Modus besser ausschalten (was zum Glück in den Monitoreinstellungen geht), denn der Farbeindruck kann sich jederzeit mit dem Umgebungslicht ändern.

Deutlich über 400 cd/qm liefert das verbesserte Display des Macbook Air nun, das sind immerhin 100 cd/qm mehr als beim Vorgänger. Auch die Homogenität ist mit 86 Prozent sehr gut.
Vergrößern Deutlich über 400 cd/qm liefert das verbesserte Display des Macbook Air nun, das sind immerhin 100 cd/qm mehr als beim Vorgänger. Auch die Homogenität ist mit 86 Prozent sehr gut.

Insgesamt aber ist das Display ein Fortschritt, zumal es auch in Sachen Helligkeit und Farbraum Verbesserungen gibt. Unsere Messungen bescheinigen dem True-Tone-Display eine maximale Helligkeit von über 400 cd/qm, der direkte Vorgänger schaffte bei unserem Test im Oktober nur 300 cd/qm. Jedoch hatte Apple diesen Wert bereits mit dem Update auf macOS 10.14.4 auf 400 cd/qm angehoben . Der Farbraum ist  beim neuen Modell nur marginal größer geworden.

Im Vergleich zum 2018er Modell konnte Apple das Display etwas verbessern, es ist nun gut 100 cd/qm heller und liefert einen leicht größeren Farbraum.
Vergrößern Im Vergleich zum 2018er Modell konnte Apple das Display etwas verbessern, es ist nun gut 100 cd/qm heller und liefert einen leicht größeren Farbraum.

CPU-Leistung

An der CPU ändert Apple nichts. Es kommt nach wie vor ein Intel Core i5 der achten Generation „Amber Lake“ zum Einsatz. Der Chip verfügt über zwei physikalische Kerne, Hyperthreading und eine integrierte Grafikeinheit und fungiert unter der Bezeichnung „Core i5-8210Y“. Der Basistakt liegt bei 1,6 GHz.

Wir testen die Rechenleistung unter anderem anhand des neuen 3D-Rendering-Benchmarks von Maxon, Cinebench R20. Der Test verlangt der CPU alles ab. Im Vergleich zu Cinebench R15 braucht die 3D-Szene wesentlich mehr Rechenpower, entsprechend länger dauert der Benchmark. Leider sind die Ergebnisse nicht mehr mit Cinebench R15 vergleichbar, weswegen wir keinen direkten Vergleich mit dem Vorgänger-Modell durchführen können, aber wir führen auch noch einen Test mit der R15 durch (siehe Benchmark-Resultate).

Maxons neue Cinebench-Test verlangt dem Dual-Core-Chip alles ab. Eine ausgesprochene Rendermaschine ist das Macbook Air nicht, aber das soll es auch nicht sein.
Vergrößern Maxons neue Cinebench-Test verlangt dem Dual-Core-Chip alles ab. Eine ausgesprochene Rendermaschine ist das Macbook Air nicht, aber das soll es auch nicht sein.

Das Macbook Air ist in Cinebench R20 ganze 20 Minuten beschäftigt, um den Multi-CPU-Test fertigzustellen. Schon nach etwa zwei Minuten springt der interne Lüfter lautstark an. Das macht uns stutzig und wir checken während des Test die CPU-Temperatur und die Taktfrequenz mit dem Intel-Tool „Power Gadget“ .

Mit Intels Tool „Power Gadget“ überprüfen wir die thermische Belastung der CPU. Bereits nach ein paar Sekunden Volllast aller Kerne steigt die CPU-Temperatur auf 100 Grad an. Zum Schutz fährt die Taktfrequenz auf 2,2 GHz herunter. Die maximal Mögliche Frequenz von 3,6 GHz erreicht das Macbook Air nur sehr selten.
Vergrößern Mit Intels Tool „Power Gadget“ überprüfen wir die thermische Belastung der CPU. Bereits nach ein paar Sekunden Volllast aller Kerne steigt die CPU-Temperatur auf 100 Grad an. Zum Schutz fährt die Taktfrequenz auf 2,2 GHz herunter. Die maximal Mögliche Frequenz von 3,6 GHz erreicht das Macbook Air nur sehr selten.

Unter Volllast liegt die Taktfrequenz in unserem Test durchschnittlich bei etwa 2,2 GHz, was ein guter Wert ist. Bei Vollast nur eines Kerns messen wir maximal 2,9 GHz. Die theoretischen 3,6 GHz erreicht das Macbook Air allenfalls nur sehr kurzzeitig. Das Thermal Throttling scheint bei dieser Macbook-Air-Generation, trotz derselben CPU-Bezeichnung leicht restriktiver zu arbeiten, als beim Vorgänger. Ab 100 Grad CPU-Temperatur setzt es gnadenlos ein und fährt die Taktfrequenz herunter. Deshalb sinkt die Gesamtleitung bei CPU-intensiven Prozessen gegenüber dem Vorgänger etwas ab, was wir bei allen rechenintensiven Tests feststellen.

Grafikleistung

Ähnliches gilt für die Grafikleistung. Der Unterschied ist nicht groß, aber die Bildraten des neuen Macbook-Air liegen leicht unter denen des direkten Vorgängers. Besonders fällt das unter dem Open-CL-Test „Gaston“ auf, der den Grafikchip für Berechnungen einer Mandelbrot-Menge nutzt. Insgesamt kommt das neue Macbook Air nicht mehr an die 240 GFLOPS des Vorgängers heran. Auch hier greift offensichtlich das Thermal Throttling früher ein, um Überhitzung zu verhindern. Das kann natürlich auch an einem Betriebssystem-Update liegen, das Apple zwischenzeitlich herausgebracht hat. Es würde dann also auch auf das 2018er Modell Auswirkungen haben, das wir leider nicht nachtesten können.

SSD etwas langsamer

Interessant ist, dass sich auch die Geschwindigkeit der SSD im direkten Vergleich verlangsamt hat. Statt gut 2 GB/s erreicht das neue Modell nur noch knapp 1,3 GB/s. Das kann allerdings am verwendeten SSD-Hersteller und dem eingesetzten Controller-Chip liegen.

Mit einer Leserate von knapp 1,3 GB/s ist die interne SSD recht flott, doch der Vorgänger schaffte noch gut 2 GB/s.
Vergrößern Mit einer Leserate von knapp 1,3 GB/s ist die interne SSD recht flott, doch der Vorgänger schaffte noch gut 2 GB/s.

Apple gibt keine Auskunft über den Hersteller der Flash-Chips. Es kann also durchaus sein, dass unterschiedliche Versionen im Umlauf sind. Man kann hier also Glück haben oder eben nicht.

Akkulaufzeit

Schwerer wiegt, dass sich auch die Akkulaufzeit leicht verringert hat. Ganz genau lässt sich das nur schwer reproduzieren doch sowohl im Worst-Case-Szenario unter voller Helligkeit, als auch im Wlan-Surftest bei 50 Prozent Helligkeit bleiben die Laufzeiten hinter denen des direkten Vorgängers zurück. Das neue Display scheint hier offensichtlich Tribut zu zollen. 100 cd/qm mehr Helligkeit brauchen eben auch mehr Strom. Wer länger arbeiten will, sollte also die Helligkeit manuell etwas zurückdrehen.

Fazit

Wer bereits das 2018er Macbook Air besitzt, muss es nicht gleich aufs Altenteil schicken, es dürfte noch viele Jahre gute Dienste leisten. Das 2019er-Modell ist allerdings besonders in punkto Display ein Fortschritt, wenngleich die Verbesserungen nicht gewaltig sind und teilweise sogar Nachteile mit sich bringen können (siehe Akkulaufzeit). Dennoch: Nachdem Apple das 12-Zoll-Macbook beerdigt hat, ist das aktuelle Macbook Air im Moment die günstigste Möglichkeit, einen mobilen Mac zu betreiben und somit auch der beste mobile Einsteiger-Mac.

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