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Magisto: Im Web oder per App flott professionelle Videoclips erstellen

08.05.2019 | 15:13 Uhr | Thomas Hartmann

Magisto setzt für Videos der User auf Online-Gestaltung und künstliche Intelligenz. Das klappt gut – hat aber seinen Preis.

Gern möchte man seine Urlaubsvideos, die man mit dem Smartphone gedreht hat, oder auch geschäftliche Clips etwa für Werbung ohne großen Umstand und ausufernde Kosten in einen ansprechenden Film verwandeln. Dazu gibt es durchaus zahlreiche Tools auch für den Mac oder für iOS-Geräte, oft sogar mit lizenzfreier Musikuntermalung und – wie man es früher von Apples iMovie (”Magic Movie”) kannte – der Option, Videos auch automatisch generieren zu lassen.

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Magisto: Überzeugende Videos für Web & Co.

Dennoch – wirklich coole und äußerst professionell wirkende Filme kommen dabei nicht immer heraus. Das genau aber ist Sinn und Zweck von Magisto, mit dem man seine Bilder und Videoclips egal aus welcher Quelle in überzeugende Videos verwandeln lassen kann, inklusive schicken Hintergründen, beeindruckenden Übergängen und lizenzfreier Hintergrundmusik. Auch eigene Tracks kann man integrieren, muss hier aber auf die Lizenzrechte bei Veröffentlichung achten.

Fürs Magisto-Video lassen sich etwa Fotos aus Apple Fotos auf dem Mac nutzen oder natürlich aus der Magisto-iOS-App auf iPhone oder iPad, auch für Android gibt es entsprechende Möglichkeiten. Jetzt wird auch Google Photos unterstützt. Und auch vom Mac-Finder oder Windows Explorer aus lassen sich Bilder und Videos markieren. Man wählt die gewünschten Bilder und Videos für ein bestimmtes Projekt aus, lädt sie hoch und lässt sie automatisch anordnen. Dies kann man jederzeit verändern. Anschließend sucht man sich einen der zahlreichen vorgeschlagenen ”Smart Editing“-Stile aus, die eine kurze Vorschau bieten, in welche Richtung es geht.

Differenzierte Gestaltungsmöglichkeiten

Bei Videos bestimmt man optional, ob deren eigener (selbst aufgenommener) Ton abgespielt wird. Nutzt man die lizenzfreie Musik von Magisto, wird diese passend ausgeblendet oder herunter gepegelt. Man kann Texte und Titel hinzufügen, das Startbild (Thumbnail) bestimmen und vieles andere mehr. Wichtig ist es, vorher die gewünschte maximale Länge des Videos festzulegen. Hierzu gibt es abhängig vom gebuchten Abo mehrere Optionen, dazu später. Ist man im teuersten Business-Account, lassen sich zusätzlich Fotos und Videos aus der iStock-Library hinzufügen. Dann kann es in die Verarbeitung geben, die Magisto selbstständig online und per KI bewerkstelligt, während man sich selbst um andere Dinge kümmert. Wunschgemäß erhält man eine Mail-Benachrichtigung, meistens nach wenigen Minuten, sobald die Produktion des Films fertig ist.

Im Web noch mehr Funktionen

Der fertige Film lässt sich auch nachträglich verändern und anpassen, auch durch neue Bilder oder Szenen. Übrigens bietet der Zugang über den Web-Account einige Funktionen mehr als die Apps, aber auch damit lassen sich ansehnliche Filme erstellen. Ist man zufrieden, kann man sein mithilfe von künstlicher Intelligenz entstandenes Werk auf den üblichen Kanälen teilen, etwa in sozialen Netzwerken wie Facebook, über E-Mail oder auch als Download auf den eigenen Rechner. Hier erhält man das Video dann auch in der besten verfügbaren Qualität, abhängig vom gebuchten Abo. Beim Business-Account sind das 1080 Pixel, bei den günstigeren Professional 720p (HD), und für den Standard-Account wird einfach nur ”HQ”, also hohe Qualität der Auflösung angegeben. Auch die maximale Länge der Videos richtet sich nach der Buchung. Aufsteigend sind es 2:30, fünf und bis zu 10 Minuten Länge. Auch die Anzahl der Fotos und Videos, die man dafür verwenden darf, unterscheidet sich, ein genauer Vergleich findet sich hier . Ein wichtiges Ziel von Magisto ist es, die User-Clips auch auf der eigenen Plattform online zu veröffentlichen, dort kann man auch ”Likes” und Kommentare abgeben wie in einem sozialen Netzwerk. Es ist aber auch möglich, die Filme lediglich im eigenen privaten Ordner abzulegen, ohne Zugriff durch andere.

Hoppla – ein unerwarteter Film aus unseren Fotos

Überrascht waren wir jedoch, als plötzlich, vergleichbar etwa den Rückblicken von Google Photos oder entsprechend Apple Fotos eine Nachricht kam: ”Magisto hat automatisch einen Film von Deinen Fotos und Videos erstellt!”, mit einem zugegebenermaßen cool gemachten Clip aus Bildern früherer Jahre, die es bei uns offensichtlich aus der Fotomediathek gezogen hat – aber ohne, dass wir hierzu explizit unsere Zustimmung gegeben hätten. Dies ist eine Option, die man jedoch in den Kontoeinstellungen von Magisto abstellen kann. Insofern kein Problem – man hat die Wahl, und das ist gut so.

Systemvoraussetzungen und Verfügbarkeit

Magisto gibt es als iOS-App ab iOS 11.0, für Android im Google Play Store findet man sie hier , oder direkt über die Homepage fürs Web via Browser. Die Kosten richten sich nach der siebentägigen Testphase wie erwähnt je nach der Buchung des entsprechenden Abos und reichen beim teuersten, dem Business-Account mit allerdings sämtlichen Optionen bis 70 US-Dollar pro Monat. Zahlt man jährlich sind es immer noch 35 US-Dollar monatlich. Am günstigsten ist der Premium-Account, bei jährlicher Zahlung sind es fünf US-Dollar monatlich, mit freilich deutlich weniger Gestaltungsmöglichkeiten. Unter anderem fehlt die lizenzierte Musik, die Videos gibt es in geringerer Auflösung, und sie dürfen unter Verwendung von weniger Material auch nur zweieinhalb Minuten lang sein. Was für viele Zwecke im Web freilich völlig ausreicht.

Fazit und Empfehlung

Magisto ist ein handwerklich sehr gutes Angebot, mit dem man schnell zu ansehnlichen und ”cool” gemachten Resultaten kommt. Auch die Verwendung auf verschiedenen Plattformen, insbesondere App oder Web, ist überzeugend gelöst, sodass man seine Videos hier wie dort nahtlos weiterverarbeiten und veröffentlichen kann. Magisto zeigt, was mit KI heute schon möglich ist. Der Preis dafür ist freilich ebenso beeindruckend – für die meisten User dürfte der Professional-Account am interessantesten sein, der aber dann auch schon mit zehn US-Dollar monatlich (bei jährlicher Zahlung!) zu Buche schlägt. Dafür kann man hier immerhin ein eigenes Logo und Text hinzufügen. Toll wäre es, wenn man statt Abo auch für einzelne Filme in unterschiedlicher Qualität und Ausführung zahlen könnte. Das Abo in welcher Form auch immer lohnt sich nämlich nur, wenn man davon regelmäßig Gebrauch macht. Auf jeden Fall ist Magisto ein äußerst versiertes Angebot mit leider recht hohen Kosten, wenn man es richtig nutzen will.

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