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Parallels Access 3.1 bringt den Desktop auf das iPad Pro

07.06.2016 | 13:39 Uhr | Stephan Wiesend

Die Fernsteuerungssoftware Parallels Access erlaubt die einfache Fernsteuerung von Mac und PC per iOS-App oder Webbrowser.

Verwendet man sein iPad beruflich, st√∂√üt man √∂fter an die Grenzen des iOS-System: Beispielsweise wenn die Projektdatenbank auf Access basiert oder eine Web-Anwendung Flash voraussetzt. In solchen F√§llen hilft eine Fernsteuerungssoftware wie Parallels Access weiter, die vom iPad oder iPhone auch den Zugriff auf Mac und PC¬† erm√∂glicht. Die komfortable und zuverl√§ssige L√∂sung von Parallels ist f√ľr kleine Firmen und Privatanwender gedacht, pro Jahr Nutzung kostet der webbasierte Dienst 20 Euro.

Konfiguration von Parallels Access

Besonders einfach und komfortabel gelingt die Verbindungsaufnahme zwischen zwei Ger√§ten. Nach der Installation der Desktop- und iOS-App muss man sich nur an seinem Parallels-Access-Account anmelden. Alle registrierten Desktops und Notebooks sind hier aufgef√ľhrt und k√∂nnen ausgew√§hlt werden. Dank diesem zentralen ‚ÄěVermittlungsdienst‚Äú ist die Fernsteuerung selbst √ľber ein Firmennetz oder fremdes WLAN kein Problem. Gesch√ľtzt wird die Verbindung per AES-Verschl√ľsselung. Auf dem Desktop muss die Software nun st√§ndig im Hintergrund aktiv sein, ein Symbol in der Men√ľleiste zeigt den Status der Verbindung an.

Performance der Fernsteuerung

Typische Probleme bei der Nutzung von Fernsteuerungssoftware sind Bildqualit√§t und die Latenz bei der Eingabe ‚Äď selbst bei der schnellsten Internetanbindung kommen vor allem Open-Source-L√∂sungen wie VNC schnell an ihre Grenzen. Parallels Access geh√∂rt dagegen zu den performantesten L√∂sungen, die wir kennen. In unseren Tests greifen wir problemlos von einem iPad Pro auf einen entfernen Mac zu und k√∂nnen fast wie an einem Desktop Excel, Photoshop und Word verwenden. Die Verz√∂gerung bei Eingaben ist selbst per Webzugriff kaum st√∂rend, auch Texteingabe ist kein Problem. Als Standard √ľbertr√§gt das System den Ton ebenfalls. Kleinere Darstellungsfehler beim Scrollen durch ein Textdokument lassen sich manchmal allerdings nicht vermeiden und einmal m√ľssen wir uns neu anmelden, weil das Bild schwarz wurde ‚Äď wohl ein Verbindungsfehler. Noch besser sind Latenz und Performance nat√ľrlich, wenn sich Mac und iPad im gleichen WLAN-Netz befinden. Das Abspielen von HD-Videos ist in einem WLAN-Netz ebenfalls m√∂glich, die Bildqualit√§t leidet jedoch sp√ľrbar. Zwischen drei Darstellungsmodi kann man auf dem Mobilger√§t w√§hlen, so kann man als Nutzer eines iPad Pro auf die volle Aufl√∂sung zur√ľckgreifen oder eine auf Performance optimierte verkleinerte Darstellung w√§hlen. Auch ein iPhone funktioniert mit Parallels Access, die Verwendung per iPad ist aber ungleich komfortabler. Es werden zwar √§ltere iPhones und iPads unterst√ľtzt, wir w√ľrden aber ein schnelles iOS-Ger√§t und einen aktuellen Mac empfehlen.

Grunds√§tzlich w√ľrden wir den Fernzugriff nur als erg√§nzende Ma√ünahme ansehen, beispielsweise um auf entfernte Dokumente zuzugreifen oder Korrekturen vorzunehmen. Mehrere Stunden w√ľrden wir dann doch nicht an einem entfernten Excel- oder Word-Dokument arbeiten wollen. Nicht untersch√§tzen sollte man √ľbrigens die zus√§tzliche CPU-Last durch die Fernsteuerungssoftware. Auf einem √§lteren Macbook Pro lie√ü der Fernzugriff schnell die L√ľfter anspringen.

App mit hohem Bedienkomfort

Sehr gut gef√§llt uns der Bedienkomfort der App. So bietet Parallels einige n√ľtzlich Funktionen, um Maus und Tastatur zu ersetzen. Mit einfachen Gesten kann man eine Maus simulieren und beispielsweise Rechtsklicks durchf√ľhren oder durch Klicken und Halten gezielt Textstellen ausw√§hlen. Auf Wunsch arbeitet man auf dem iPad in einer Art Ein-Programm-Modus, Finder und andere Programme bleiben dabei ausgeblendet. Der ebenfalls m√∂gliche Desktop-Modus wirkt zwar vertrauter, ist bei der Fernsteuerung per Touchscreen aber weniger komfortabel.

Eine eigene Programm√ľbersicht und eine ausgereifte Dateiverwaltung hat die iOS-App ebenfalls zu bieten. Das Freigeben von Dateien ist au√üerdem m√∂glich, ebenso das Einbinden von Cloud-Diensten. Ein √úbertragen der Zwischenablage zwischen Mac und iPad wird dagegen nicht unterst√ľtzt.

Am iPad Pro l√§sst sich in der neuesten Version der App auch der Apple Pencil verwenden. Das Eingabeger√§t ist nach unserem Eindruck aber vor allem als Mausersatz n√ľtzlich, beispielsweise beim schnellen Ausw√§hlen einer bestimmten Excel-Zelle. Als Zeichenger√§t, etwa in Photoshop, funktioniert die Umsetzung dagegen weniger gut.¬† Gut: Nutzer von Windows 10 k√∂nnen den Tabletmodus aktivieren und ihren Rechner mit Gesten steuern. F√ľr Gamer besteht au√üerdem die Option, ein Gamepad zu simulieren.

Die aktuelle Version 3.1 bietet neben Unterst√ľtzung f√ľr iPad Pro und Pencil weitere neue Funktionen, so ist der Fernzugriff erstmals √ľber einen beliebigen HTML5-Browser m√∂glich ‚Äď beispielsweise um an einem fremden Rechner auf seine Daten zuzugreifen. Man meldet sich dazu √ľber seinen Parallels-Account an und kann ohne Software-Installation auf seinen Rechner zugreifen. Das funktioniert sehr gut, beim Zugriff per iOS-App stehen aber weit mehr Funktionen zur Verf√ľgung.

Was man wissen sollte: Im Unterschied zu einer Fernzugriffs-App wie Teamviewer¬† steht hier die volle Kontrolle √ľber das zu steuernde Ger√§t im Vordergrund. F√ľr die gemeinsame L√∂sung eines IT-Problem ist das Tool weniger gedacht, so fehlt etwa eine Chat-Funktion. Eine brauchbare Android-App ist ebenfalls verf√ľgbar, die iOS-Version machte auf uns aber den ausgereifteren Eindruck.

Ein Problem, das Parallels mit allen Remote-L√∂sungen teilt: Damit das Tool den fernen Rechner erreichen kann, muss dieser aktiv sein. Das Aufwecken aus dem Ruhezustand ist zwar theoretisch m√∂glich, aber problematisch. So muss der Mac per Ethernet mit dem Router verbunden sein und der Router Wake-on-LAN als Funktion bieten. Die Einzelplatzversion kostet ab 20 Euro im Jahr, der Preis ist angemessen. So ist ja auch der Konkurrent Teamviewer nur f√ľr Privatanwender kostenlos.

Fazit

Unschlagbar ist eine Fernsteuerungssoftware, falls man doch einmal schnell auf die Lightroom-Datenbank mit allen Foto-Daten zugreifen muss oder dringend die Excel-Datei von 2009 benötigt, die nur auf dem Heimrechner liegt. Will man dabei gute Performance und hohe Zuverlässigkeit, ist Parallels Access eine hervorragende Wahl. Vor allem die ausgereifte iOS-App macht die Software empfehlenswert.

Parallels Access 3.1

Hersteller: Parallels

Preis: ab Euro 20 (Jahresgeb√ľhr)

Note: 1,6 gut

Vorz√ľge: Gute Performance und Zuverl√§ssigkeit, einfache Bedienung

Nachteil: Schnelle Netzanbindung empfehlenswert, keine Chat-Funktion

Systemanforderungen: Ab iOS 8, Windows 7 bzw. OS X 10.7

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