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Parallels Desktop 15 vs. VMware Fusion 11: Hat Parallels mit der neuen Version die Nase vorn?

21.08.2019 | 13:28 Uhr | Stephan Wiesend

Wollen Sie Windows-Programme auf dem Mac zu nutzen und Betriebssysteme testen, haben sich Parallels und Fusion bewährt. Die neue Version Parallels 15 unterstützt erstmals DirextX 11.

Für einige Windows-Programme gibt es leider noch immer keine Mac-Alternative, hier haben sich Virtualisierungsanwendungen wie Parallels und VMware Fusion bewährt. Man kann zwar Windows auch auf eine Bootcamp-Partition installieren, muss dann aber bei jedem Zugriff auf ein Windows-Programm – etwa eine Eingabe in die Buchhaltungsapp der Firma – den Rechner neu booten. Mit der Zeit recht lästig... Gegenüber Bootcamp bietet ein solches „Huckepack-System“ weitere Vorteile, so kann man damit Windows-Apps parallel zu Mac-Apps nutzen und kann das System auf externe Speichermedien auslagern. Die neue Version von Parallels Desktop 15 bietet außerdem viele Komfortfunktionen und bekam in der aktuellen Version wichtige neue Features. Interessant ist vor allem eine verbesserte Grafikleistung  – letzteres ist die größte Schwäche einer Virtualisierungslösung. Diese kann nämlich zwar direkt auf die CPU zugreifen, nicht jedoch auf eine Grafikkarte – diese muss in Software nachgebildet werden, was die Leistung beeinträchtigt.

Wichtigste Neuerung: DirectX 11

Trotz grundsätzlicher Leistungs-Einbußen nutzen viele Anwender Parallels für Spiele, beispielsweise einen alten PC-Klassiker wie "Age of Empires". Andere nutzen mit Parallels Profi-Grafikanwendungen aus dem CAD- und CAM-Bereich, die es nur als Windows-Version gibt. Wie seine Konkurrenten VMware Fusion und Virtual Desktop unterstützte Parallels bis Version 14 nur DirectX 10, was die Kompatibilität mit neueren Grafikprogrammen stark beeinträchtigte – so setzt Autodesk 3ds Max 2020 DirectX 11 zwingend voraus. Erstmals unterstützt Parallels 15 jetzt DirectX 11, wodurch Programme wie die Architekturvisualisierung Lumion, ArcGIS Pro 2.3 und Master Series (auch Architektur) genutzt werden können. Zahlreiche Spiele wie "Anno 2205", "Frostpunk" und "Age of Empires: Definitive Edition" werden ebenfalls erstmals nutzbar. Möglich machte dies der Wechsel von OpenGL zu Metal, auch DirectX 9 und DirectX 10 basieren jetzt nicht mehr auf dem von Apple zu obsolet erklärten OpenGL, sondern auf der neuen Apple-Schnittstelle. Besonders performant soll die Grafik übrigens unter macOS Catalina arbeiten, Mindestvoraussetzung ist aber macOS 10.14.

VMware gerät dadurch etwas in Hintertreffen, ist doch aktuell Parallels 15 einen Schritt vorn. Laut einem Foreneintrag arbeitet allerdings auch VMware offenbar schon seit Jahren an der Unterstützung von DirectX 11 – ein Datum für die Einführung gibt es allerdings nicht, allerdings gibt es vielleicht sogar zur VMworld Ende August mehr Information dazu.

Spiele und Performance

Die Spieleperformance verbessert sich deutlich. Laut Parallels sind 3D-Grafiken bis zu 15 Prozent schneller – da hätten wir eigentlich mehr erhofft. Grundsätzlich beschleunigen sich aber viele Apps und Spiele allein durch die Unterstützung von DirectX 11. Die Leistungsverbesserungen sind aber stark von den jeweiligen Programmen abhängig. So sollen beispielsweise Microsoft-Office-Anwendungen um bis zu 80 Prozent schneller starten.

Vor allem DirectX 10 ist eigentlich steinalt, für einen Vergleich mit VMware Fusion müssen wir deshalb auf relativ alte Benchmarks zurückgreifen, neuere würden nicht funktionieren. So wird der Benchmark 3D Mark 06 nicht mehr vom Hersteller unterstützt und auch 3D Mark Vantage erschien bereits zu Zeiten von Windows Vista. Parallels kann sich hier klar absetzen, in beiden Benchmarks liegt Paralles deutlich vorne. In unserem Test nutzen wir einen Mac Mini von 2018 mit integrierter Intel-Grafik unter Mojave, für optimale Grafikleistung empfiehlt Parallels aber einen Mac mit Radeon-Grafikkarte und Catalina. Der direkte Vergleich zwischen Fusion und Parallels ist aber trotzdem recht eindeutig.

Bei der Grafikleistung liegt Parallels klar vorne
Vergrößern Bei der Grafikleistung liegt Parallels klar vorne

Das macht sich auch bei der täglichen Nutzung bemerkbar. Etwas langsamer ist Fusion zudem nicht nur bei grafiklastigen Aktionen, sonden ebenso bei Aktionen wie dem Starten der virtuellen Umgebung oder einem .

Allzuviel sollte man aber nicht erwarten, bei einem Test mit dem Benchmark 3DMark11 erzielen wir gerade einmal 981 Punkte – unter einem nativen Windows sollte die Intel-Grafik die doppelte Punktzahl liefern.

Unter Parallels 15 können wir erstmals den Benchmark 3DMark11 nutzen.
Vergrößern Unter Parallels 15 können wir erstmals den Benchmark 3DMark11 nutzen.

Parallels Desktop

Vmware Fusion

3D Mark 06

9811

7442

3D Vantage

934

664

Komfort und Funktionsumfang

Viel Wert legte Parallels bei einer Vorab-Demonstration auf die gute Unterstützung von iPad und Windows-Technologien. Im Vergleich mit Fusion ist Parallels bisher klar überlegen, wenn es um die Integration von Windows in macOS geht. Datenaustausch zwischen Mac und Windows ist nach der Installation bei beiden Lösungen problemlos möglich, bei der täglichen Nutzung bietet Parallels aber zahlreiche praktische Zusatzfunktionen. So hat man etwa über einen automatisch ergänzten Ordner im Dock direkten Zugriff auf alle Windows-Apps, man kann Cortana nutzen und die bei virtuellen Maschinen oft lästigen Wartungsvorgänge von Windows 10 manuell starten oder verschieben. Selbst die Touchbar kann man dank speziellem Editor nutzen und konfigurieren. Erstellt man unter Windows ein Bildschirmfoto, kann man es nun sofort unter macOS in der Screenshot-Vorschau nutzen und etwa per Apple Mail versenden.

Auch die Lösung von Vmware ist einfach bedienbar und bietet ein nützliches Kontrolleistentool.
Vergrößern Auch die Lösung von Vmware ist einfach bedienbar und bietet ein nützliches Kontrolleistentool.

Offenbar verwenden viele Parallels-Nutzer einen Windows-E-Mail-Client, die Integration wurde deshalb verbessert. Man kann etwa nun Dateien über das Freigabemenü des Finders mit Mail oder Outlook unter Windows versenden. Eine vollständige Liste der Neuerungen und auch Kürzungen ist hier verfügbar . Gut gefällt uns bei Parallels die einfache Installation neuer Systeme, so kann man aus dem Installationsassistent aus mehreren kostenlosen Systemen auswählen und sofort eine Windows-Entwicklungsumgebung, Microsoft-Edge-Testumgebung oder auch macOS installieren. Profis sollten sich die Pro-Version ansehen, so bietet Parallels bei Kauf der Pro-Version eine Reihe an Developer-Tools.

Auch Sidecar wird unter Catalina von Parallels unterstützt: Man kann dann etwa eine Windows-App auf seinem iPad nutzen und etwa mit dem Apple Pencil Windows-Apps wie Corel Painter und Express bedienen.

Ergänzt hat Parallels die im Lieferumfang enthaltene Tool-Sammlung Toolbox. Dabei handelt es sich um eine Sammlung an Hilfsprogrammen für Mac und Windows, die auch als separates Produkt erhältlich ist. Sowohl unter Windows als auch auf dem Mac kann man die nützlichen Tools installieren und verwenden. Einen zweiten Blick ist außerdem die Lösung Parallels Access wert, eine firmeneigene Remote-Lösung für den Fernzugriff auf Macs, PCs und eine virtuelle Maschine – auch vom iPad aus.

Unterstützung von Catalina

Nützlich ist eine Virtualisierungssoftware nicht nur für Windows, auch um kommende Betriebssystemversionen und Linux zu testen und benutzen. Auch die kommende macOS-Version Catalina kann bereits als virtuelles System installiert werden. Kurz nach der Veröffentlichung von macOS Catalina soll man das neue System als virtuelles System nutzen können – bisher gibt es offensichtlich noch kleinere Probleme, vor allem offenbar mit der Nutzung unter Catalina als Host-System. Parallels verspricht aber, komplette  Kompatibilität mit Catalina kurz nach Erscheinen der Finalversion zu gewährleisten.

Will man Catalina unter Fusion ausprobieren, muss man dagegen aktuell noch zu einigen Workarounds greifen (so muss man hier etwa Windows 10 x64 als Gastsystem vorgeben). Eine ganze Liste an Workarounds gibt es ebenso für Parallels 14, also die Vorversion der neuen Ausgabe.: Sowohl für die Nutzung als Gastgeber-System und als virtuelles System – immerhin vom Hersteller selbst erstellt . Die hier aufgelisteten Probleme sollen bei Version 15 aber bereits behoben sein.

Neue Hardware

Was die Entwicklung einer Virtualisierungssoftware so aufwendig macht: Jedes Hardware-Modul des virtuellen Systems muss in Software emuliert werden, nicht nur die Grafikkarte, auch das Bluetooth-Modul und der Festplattencontroller. Auch hier sind beide Lösungen aber auf annähernd dem gleichen Stand und werden ständig aktualisiert.

Neu ist bei Parallels die Unterstützung von Bluetooth LE, wodurch mehr Bluetooth-Geräte unter Windows verwendbar sind: Etwa Logitech Craft, IRISPen,  Xbox-Controller und Geräte aus dem IoT-Bereich. Erstmal nutzt die neue Version von Parallels NVMe-Controller und Intels HDA-Audiokarte – was ebenso Unterstützung für bis zu 8/2-Kanälen als auich besser VoIP-Tonqualität garantieren soll.

Stärke von Fusion ist die gute Kompatibilität mit anderen VMware-Lösungen wie Workstation.
Vergrößern Stärke von Fusion ist die gute Kompatibilität mit anderen VMware-Lösungen wie Workstation.

Wichtig für viele Fusion-Nutzer ist die gute Einbindung ins VMware-Ökosystem, so kann man sich mit einem vSphere/ESXi-Server verbinden oder vSphere Remote View nutzen. Zahllose Anwendungsvorlagen im als Standardformat OVF kann man direkt  nutzen wie das REST API von VMware. Fusion 11 nutzt außerdem die gleiche Hardware-Plattform (Virtual Hardware Version 16) wie die Windows-Version Workstation Pro 15 was den Austausch von virtuellen Maschinen erleichtert.

Standard vs. Pro

Die beiden Pro-Versionen Parallels Desktop Pro und Business Edition bieten erstmals Unterstützung für ein Virtual Trusted Platform Module auch vTPM. Dabei handelt es sich um eine spezielle Sicherheitsfunktion für Unternehmen, das für manche Unternehmensanwendungen zwingend vorausgesetzt wird. Auch Bitlocker kann man nun aktivieren und eine sichere Version von Windows Hello verwenden. Schade: Die Standard-Version von Parallels unterstützt maximal 8 GB RAM und vier CPUs, die  beiden Pro-Versionen bis zu 128 GB und 32 CPU-Kerne. Bei VMware unterstützten übrigens auch nur die Pro-Version Funktionen wie vSphere, Secure VM und Co. NVMe und Unterstützung für das Trusted Platform-Modul bietet Fusion ebenfalls.

Warum nicht Virtual Box?

Eigentlich gibt es ja drei Virtualisierungslösungen auf dem Mac: Die kostenpflichtigen Lösungen Parallels Desktop, VMware Fusion und das kostenlose Virtual Box von Parallels. Ganz mithalten kann Virtual Box aber nicht, so ist die Lösung sowohl bei der Performance als auch beim Bedienkomfort deutlich zurück. Gerade ein Einsteiger oder unerfahrener Büroanwender hat es mit den beiden kostenpflichtigen Lösungen einfach leichter. Ist man aber bereit ein paar Nachteile zu schlucken, ist Virtual Box durchaus brauchbar und bietet interessante Profi-Funktionen.

Preise

Wie bisher gibt es eine uneingeschränkt lauffähige Standard-Version von Parallels, die für 100 Euro zu haben ist. Die beiden Versionen Parallels Desktop Pro und die Business Edition bieten weitere Funktionen und kosten 100 Euro pro Jahr. Ein Upgrade auf Parallels 15 ist für 50 Euro bzw. von der Standard auf die Abo-Version für 50 Euro Pro Jahr zu haben. Ab macOS X 10.12 kann man Parallels Desktop nutzen, 4 GB RAM sind erforderlich. Mindestens 8 GB RAM sind aber empfehlenswert und auch ein SSD-Laufwerk und eine schnelle Grafikkarte sind zu empfehlen.

Fusion gibt es ebenfalls als Standard- und Pro-Version : Die Standard-Version Fusion 11 startet bei 88,95 Euro, die Pro-Version kostet 176,95 Euro – Upgrades sind für 54,95 bzw. 131,95 Euro zu haben. Systemvoraussetzung ist macOS 12.5 und Macs ab 2011. Tipp: Für Parallels-Kunden gibt es bis zu 40 Prozent Rabatt. Achtung: Die Standard-Version sind bei beiden Anwendern unterschiedlich beschnitten: Bei Parallels nutzen sie nur eine bestimmte Anzahl an CPUs und RAM, bei VMware unterstützt nur die Pro-Version Funktionen wie vSphere, Secure VM und Co.

Unsere Empfehlung:

Parallels Desktop ist mit der neuen Version an Fusion vorbeigezogen, bietet wie bei früheren Vergleichen bessere Performance und Bedienkomfort. Stärke von Fusion ist aber die Unterstützung der Vmware-Familie und das Tool ist eine solide Lösung mit guter Kompatibilität. Parallels Desktop ist die schnellere und komfortablere Lösung und bleibt deshalb weiterhin unsere Kaufempfehlung. Vor allem durch die Unterstützung von DirectX 11 hat Parallels aktuell einen klaren Vorsprung, das kann sich aber schnell ändern.

Parallels Desktop: Note 1,5

VMware Fusion: Note 1,7

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