2605395

Parallels Desktop 17 im Test: Windows 11 auf dem M1-Mac

17.08.2021 | 15:00 Uhr | Stephan Wiesend

Die neue Version von Parallels liefert erstmals Unterstützung von Windows 11 und Monterey und muss aktuell keine Konkurrenz fürchten – zumindest bei neuen Macs.

Ohne Windows kommt man nicht immer aus: Mal ist das Firmwareupdate eines Zubehörs nur am PC möglich oder eine Spezialsoftware wie DIALux existiert nur als Windows-App. Als Lösung hat sich am Mac eine Virtualisierungssoftware wie Parallels bewährt. Hier kann man Windows wie eine eigene Mac-App starten und Windows-Programme parallel zu Mail und Safari nutzen. In Sekunden hat man das gewünschte Programm vor sich und kann parallel weiter unter macOS arbeiten. Das ist weit bequemer als einen Windows-Laptop in Reserve zu halten oder ein Bootcamp-System zu booten.

Alternativen

Auf dem Intel-Mac hat Parallels starke Konkurrenz: Neben Bootcamp gibt es die alternativen Virtualisierungslösungen Virtual Box und Vmware Fusion – beide sogar kostenlos. Bootcamp scheidet aber auf dem M1-Mac aus und auch Virtual Box und Vmware haben bisher keine ARM-Version ihrer Apps vorgestellt. Hier hat nun Parallels die Nase vorn und bietet schon seit Parallels Desktop 16.5 native M1-Unterstützung. Die neue Version 17 geht dabei noch einen Schritt weiter: Neben zahlreichen Verbesserungen und neuen Funktionen werden erstmals auch Monterey und das kommende Windows 11 unterstützt – sowohl auf Intel- als auch M1-Macs.

Bessere Leistung

Parallels bietet zahlreiche Komfortfunktionen, die eine Zusammenarbeit zwischen Mac und virtuellen PC ermöglichen. So kann man über Systemerweiterungen Daten bequem zwischen den Systemen austauschen, die Zwischenablage nutzen – in der neuen Version ist sogar Drag-and-Drop möglich.  Zusätzlich zu der Unterstützung der neuen Systeme verspricht Parallels bei fast jedem Update auch eine verbesserte Performance. Die für viele Windows-Programme wichtige OpenGL-Grafikleistung soll sich in der aktuellen Version um bis zu den Faktor 6 verbessert haben, die 2D-Grafikverarbeitung ist laut Hersteller um 28 Prozent beschleunigt worden. Der neue Display-Treiber verbessert außerdem das Gaming-Erlebnis: Viele Spiele laufen nun mit höherer Bildfrequenz, was das Spielerlebnis deutlich verbessert. Standards wie das Fortsetzen von Windows, Linux und macOS laufen um 38 Prozent schneller die Datenspeicherperformance stieg um 20 Prozent und die DirectX11-Leistung um 28 Prozent.

Mac M1 Parallels 16.5

Mac M1 Parallels 17

Mac Mini Intel Parallels 16.5

Mac Mini Intel Parallels 17

Basemark

894,31

889,53

216

207

3DMark11

3304

4161

1050

1051

Geekbench

1505

1520

883

908

Geekbench MP

4675

5056

1664

1708

Neustart (Sekunden)

16

14

20

19

Zu den Bewertungenn. Bei den Benchmarkt bedeutet eine höhere Punktzahl eine bessere Leistung, Ausnahme ist die Dauer des Neustarts

Wir haben dies sowohl und Intel als auch M1-Macs nachgeprüft und können einen deutlichen Leistungssprung bestätigen. Die neue Version liefert gegenüber dem Vorgänger messbar bessere Leistungen, auch der Systemstart ist um einige Sekunden schneller.

Kurzfassung: Die M1-Mac Minis sind deutlich schneller
Vergrößern Kurzfassung: Die M1-Mac Minis sind deutlich schneller

Windows auf ARM-Macs

Was für viele aber vielleicht wichtiger ist, ist die störungsfreie Nutzung von Windows auf Apples neuen ARM-Macs. Hier gibt es eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute: Auch das virtuelle System profitiert von dem schnelleren  M1-Macs. Vor allem bei nativer Windows-Software ist die Leistungssteigerung enorm. Mit der Windows-Version von Geekbench messen wir auf dem Intel-Rechner mit Quadcore-CPU 1708 Punkte, der M1-Mac ist mit 5056 mehr als doppelt so schnell. Auch die Grafikleistung ist enorm, 3DMark 11 bescheinigt dem Intel-Rechner (mit integrierter Intel-Grafik) 1051 Punkt, dem M1 4161. Schade ist nur, dass Parallels bisher nur DirectX11 unterstützt, was viele neuere Spiele und Apps ausschließt und uns zur Nutzung eines recht alten Grafikbenchmarks zwang.

Schlecht: Die ARM-Versionen von Windows 10 und 11 lassen sich nicht so problemlos wie die Intel-Versionen nutzen. Sie unterstützten neben ARM-Versionen von Windows-Apps zwar viele alte sogenannte x86-Apps, die sie emulieren können. In der Praxis gibt es aber doch immer wieder Kompatibilitätsprobleme : So wollten wir eigentlich Adobe Photoshop für Performance-Messungen nutzen, eine ARM-Version ist schließlich nicht nur für den Mac, sondern auch für PC verfügbar. Leider war aber die für unsere Messungen erforderliche Photoshop-Erweiterung nicht mit ARM-Systemen kompatibel und konnte trotz langer Konfigurationsversuche nicht verwendet werden. Das ist leider kein Ausnahmefall – oft sind es solche Erweiterungen, Plug-ins oder ein Treiber, der für Probleme sorgt – hier kann man in der Praxis nur seinen Workflow ausprobieren und bei Problemen auf Updates hoffen. Viele Tipps liefert etwa das Nutzerforum von Parallels.

Bei Problemen mit Software oder dem System darf man zudem keine Unterstützung von Microsoft erwarten – offiziell handelt es sich bei den ARM-Systemen schließlich um Testversionen für Entwickler ohne Support. Ein Problem, das vor allem Unternehmensanwender betreffen könnte. Eine Anfrage bei Microsoft blieb bisher unbeantwortet, ebenso eine Anfrage bei Parallels zu diesem Thema.

Neue Funktionen

Gut für Notebook-Nutzer: In der neuen Version kann das virtuelles Windows-System den Akkustand des Macbooks erkennen und gegebenenfalls einen Energiesparmodus aktivieren. Der ebenfalls erstmals auch auf M1-Macs zur Verfügung stehende TPM-Chip ermöglicht die Nutzung von Bitlocker und Secure Boot. Weitere Verbesserungen betreffen die Produktivität: Der sogenannte Coherence Modus wurde erweitert, so kann man jetzt per Drag-and-Drop Inhalte zwischen der (virtuellen) Windows-App und einer Mac-App austauschen.

Der Speicherbedarf von Snapshots wird jetzt erläutert.
Vergrößern Der Speicherbedarf von Snapshots wird jetzt erläutert.

Neu ist zudem die Unterstützung von USB 3.1, bisher wurde nur USB 3.0 unterstützt, was weitere Peripheriegeräte wie bestimmte Speichermedien  kompatibel macht. Auch der Platzbedarf von sogenannten Snapshots wird nun erstmals angezeigt werden: Diese praktischen Snapshots speichern ältere Systemzustände und belegten oft unerkannt viel Speicherplatz. Ebenfalls neu: Bei der Konfiguration einer virtuellen Maschine wählt ein Nutzer die Zahl der CPU-Kerne und Arbeitsspeicher selbst aus, Unterstützung bietet nun eine neue Automatik. Die App analysiert das Gastsystem analysieren und wählt die optimale bestimmte Konfiguration.

Die ideale Hardware-Konfiguration kann Parallels jetzt selbst wählen.
Vergrößern Die ideale Hardware-Konfiguration kann Parallels jetzt selbst wählen.

Mehr Optionen für Unternehmen und Entwickler

Für die an Unternehmen adressierten Versionen Pro und Business gibt es weitere neue Funktionen. So kann man hier erstmals verknüpfte Klone in eine eigenständige Maschine umwandeln und nun auch auf M1-Macs ein spezielles  Visual Studio Plug-in von Parallels nutzen – mit dem man beispielsweise bequem eine neue App unter Windows 10- und Windows 11-Maschinen testen kann.

Erstmals unterstützt Desktop Business zudem, dass ein Unternehmen vorkonfigurierte virtuelle Maschinen sowohl für M1-Macs als auch Intel-Macs bereitstellt. Auch die Bereitstellung von Parallels Desktop selbst ist jetzt mit einem einzigen Paket möglich.       

Problem ARM-Windows

Apples neue ARM-Plattform ist für Virtualisierungssoftware ein Problem: Der Grund für die hohe Leistung von Lösungen wie Parallels und Fusion ist, dass die Software die CPU direkt nutzen kann. Nur Peripherie wie Netzwerkkarte, Grafikkarte und USB-Controller werden in Software nachgebildet. Auf einem M1-Mac steht dadurch aber der virtuellen Version von Windows eine ARM-CPU zur Verfügung – was die Nutzung auf die ARM-Versionen von Windows beschränkt, sowie die ARM-Versionen von Linux und macOS.

Microsoft hat schon sehr lange ARM-Versionen von Windows im Programm, leider werden diese Systeme nur an die Hersteller von ARM-Notebooks verkauft. Über das Entwicklerprogramm Microsoft Insider kann man aber problemlos eine sogenannte Insider Preview von Windows 10 oder Windows 11 beziehen. Man meldet sich mit einem Microsoft-Account an und kann danach ein Installationsimage von Windows 10 oder Windows 11 für ARM herunterladen.

Monterey und Windows 11

Bei Erscheinen der finalen Version soll Parallels Desktop sowohl auf einem Mac mit macOS 12 Monterey laufen, auch als virtuelles System wird man die kommende Mac-Version nutzen können – etwa um die Funktionen vorab zu testen. Bei der Unterstützung von Monterey gibt es aktuell noch Einschränkungen. Auch für Entwickler, die Anwendungen unter mehreren Systemen testen müssen, ist Parallels sein Geld wert. Die aktuell verfügbaren Preview-Versionen von Monterey und Windows 11 kann man über den Installationsassistenten von Parallels installieren und nutzen, muss sie aber vorher selbst als Image herunterladen. Das gerade erst vorgestellte Windows 11 wird sowohl auf Intel- als auch M1-Macs unterstützt.

Ein Problem, das die Entwickler lösen mussten: Die neue ARM-Plattform erforderte viele Anpassungen, auch für die Kompatibilität mit Windows 11 musste viel Aufwand betrieben werden. So setzt Windows 11 ein Hardwaremodul namens TPM voraus, das die Systemsicherheit erhöht. Dieses Modul gibt es in der Intel-Version schon länger, nun kann es erstmals die ARM-Version von Parallels Desktop bieten. In unserem Test funktionierte Windows 11 recht problemlos, allerdings handelt es sich hier noch um erste Beta-Versionen des Systems.

Versionen und Preise

Die Preise bleiben unverändert, Parallels Desktop ist in drei Versionen verfügbar: Desktop, Desktop für Mac Pro und Desktop für Mac Business Edition. Die Standard-Version kostet 80 Euro pro Jahr, die besser ausgestatteten Pro Edition und Business-Edition 100 Euro pro Jahr. Die Standard-Version ist als einzige auch als unbefristete Lizenz zu haben und kostet dann 100 Euro. Ein Upgrade von einer früheren Version ist für 50 Euro zu haben.

Zusätzlich zur neuen Parallels-Version gibt es neue Versionen von Parallels Toolbox und Parallels Access, einer interessanten Tool-Sammlung und eine gute Fernsteuerungssoftware. Bei den Abo-Versionen gehören die Tools zum Lieferumfang.

 Empfehlung

Parallels Desktop 17 ist eine erstklassige Virtualisierungslösung und ermöglicht exklusiv auf M1-Macs die Nutzung von Windows. Leider müssen wir warnen: Die Nutzung von Windows auf einem M1-Mac ist nicht so problemlos wie auf einem Intel-Mac. Schuld daran sind aber weniger macOS oder Parallels Desktop, als die ARM-Version von Microsoft.

Macwelt Marktplatz

2605395