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Remarkable 2 im Test: Das Tablet für Papierliebhaber

01.08.2021 | 09:15 Uhr | Jérémie Kaiser,

Ein E-Ink-basiertes "Papier-Tablet", das die Haptik von Papier für alle Schreib-, Lese- und Illustrationszwecke nachahmt.

Papierliebhaber, die beim Schreiben und Zeichnen das Gefühl von Papier bevorzugen und nach einem Tablet suchen, um Notizbücher und gedruckte Dokumente zu ersetzen, können mit dem Remarkable 2 den Übergang schaffen. Das Gerät ist im Wesentlichen ein großes E-Ink-Tablet (wie ein Kindle ), das dank wenig Schnickschnack eine fokussierte Arbeit ermöglicht. Unser ausführlicher Test zeigt viele Stärken, aber auch Schwächen.

Das Remarkable 2 im Praxis-Test

Das große 10,3-Zoll-Display des Remarkable 2 mit einer Auflösung von 1872×1404 (226 DPI) funktioniert wie ein E-Ink-Display und hat alle Vor- und Nachteile eines solchen Systems. Eine Überanstrengung der Augen war während unseres Tests nie ein Problem, was ein wichtiges Verkaufsargument gegenüber einem traditionellen Tablet-Bildschirm wie beim iPad ist (mehr dazu später). Leider bedeutet dies auch, dass es keine Hintergrundbeleuchtungstechnologie gibt, was die Verwendung in bestimmten Situationen einschränkt. Der Fokus des Remarkable 2 liegt darauf, ein hervorragendes Schreiberlebnis zu bieten, daher würde ein Beleuchtungssystem das Gerät in dieser Hinsicht beeinträchtigen.

reMarkable 2
Vergrößern reMarkable 2
© reMarkable

Das "hervorragende Schreiberlebnis" ist dem Hersteller gelungen. Mit dem „Marker“ – dem Stift – auf dem Remarkable 2 zu schreiben, fühlt sich erstaunlich gut an. Es gibt gerade genug Textur auf der Oberfläche des Displays, um Reibung und das taktile Feedback zu bieten, das beim Schreiben auf Papier existiert. Die Spitze des Markers selbst ist fest und geschmeidig, nutzt sich aber mit der Zeit ab und muss irgendwann ersetzt werden. Jeder Marker wird mit neun zusätzlichen Spitzen geliefert. Wir haben etwa alle vier bis sechs Wochen eine Spitze verbraucht. Ihr Verbrauch variiert je nach Nutzung. Zusätzliche Spitzen können direkt im Remarkable-Shop erworben werden.

reMarkable 2 Zubehör
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© Adam Patrick Murray/IDG

Sowohl der Marker als auch der Marker Plus müssen nicht aufgeladen oder eingerichtet werden und funktionierten sofort nach dem Auspacken einwandfrei. Sie haben eine schöne Textur auf der Oberfläche, und das kreisförmige Design wird durch eine flache Kante durchbrochen, die es ermöglicht, die Marker dank Magneten an der Seite des Remarkable 2 zur sicheren Aufbewahrung zu befestigen. Beim Halten des Stifts während langer Schreib-Sessions bietet die Kante zudem extra Halt und fühlt sich sehr angenehm an. Mit dem Marker Plus kann man mit dem Hinterteil radieren, wie bei einem Bleistift.

reMarkable 2 Marker Plus
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© Adam Patrick Murray/IDG

Mit 403 Gramm Gewicht und einer Dicke von 4,7 Millimetern (bei einer Breite von 187 mm und einer Höhe von 246 mm) lässt sich das Tablet sehr gut halten und in einer Aktentasche oder einem Rucksack verstauen. Das Gerät ist größtenteils in einem gebrochenen Weiß, das von einem asymmetrischen grauen Rand in Rotgussoptik umgeben ist.

Unten an der dicken linken Umrandung befindet sich der USB-C-Anschluss zum Aufladen des 3.000-mAh-Akkus – mit einer Akku-Laufzeit bis zu zwei Wochen und einem Standby von bis zu neunzig Tage – während sich oben die Ein/Aus-Taste befindet. Die obere Taste ist mit der Oberseite des Geräts sehr bündig.

Auf der Rückseite des Remarkable 2 befinden sich vier kleine Füße, die ein Verrutschen des Geräts verhindern. Wenn man auf das Gerät drückt, während es flach auf dem Tisch liegt, gibt es etwas nach. Es fühlt sich stabil genug für das tägliche Schreiben und wie ein Premium-Gerät an. Der Preis liegt bei 399 Euro.

Die Software des Remarkable 2

Auf dem Remarkable 2 läuft ein Linux-basiertes "Codex OS". Das Einrichten des Remarkable 2 ist ein Kinderspiel. Um das Beste aus dem Gerät herauszuholen, sollten Sie sich für ein „My Remarkable“-Online-Konto anmelden. So ermöglichen Sie dem Gerät sein eingebautes 2,4/5GHz-WLAN zu nutzen und Ihre Dateien in der Cloud zu synchronisieren. Der Startbildschirm des Remarkable 2 verfügt über Kurzanleitungen, die Sie durch alles führen, von der Navigation bis zum Umschalten der Farboptionen.

Apropos Navigation: Fast alles lässt sich auch mit dem Finger erledigen, so dass der Marker sich um das eigentliche Schreibgefühl kümmern kann. Beim Navigieren gibt es eine kleine Verzögerung zwischen dem Fingerdruck und der Aktion, aber beim Schreiben gibt es die nicht. Die leichte Verzögerung fühlt sich ähnlich wie bei der Verwendung eines Kindles an. Dies ist also eher eine Einschränkung bei E-Ink. Es kann somit nicht sonderlich viel mehr getan werden, um den Prozess auf dem Gerät selbst zu beschleunigen, das einen 1,2 GHz Dual-Core-ARM-Prozessor, 1 GB LPDDR3 SDRAM und 8 GB Speicher verwendet.

Das Erstellen von Dokumenten, Umbenennen oder Ablegen in Ordnern ist kinderleicht. Es gibt eine große Anzahl von Vorlagen, aus denen man bei der Erstellung eines Dokuments wählen kann, und jede Seite innerhalb des Dokuments kann ein anderes Layout für noch mehr kreative Kontrolle bieten.

reMarkable 2 Vorlagen
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© Adam Patrick Murray/IDG

Durch das Verbinden des Geräts mit einem „My Remarkable“-Online-Konto erhalten Sie Zugriff auf den Cloud-Speicher. Mit der Desktop-Anwendung können Sie EPUB- oder PDF-Dateien per Drag-and-Drop in einen Ordner ziehen und sie sofort auf das Remarkable 2 herunterladen. Alles wird automatisch mit der Cloud synchronisiert und ist innerhalb weniger Augenblicke verfügbar. Von jedem Dokument aus haben Sie die Möglichkeit, es per E-Mail als PDF zu teilen oder Ihre Handschrift vor dem Teilen in Text umwandeln zu lassen. Das geht zwar erstaunlicherweise besonders gut, leider gibt es hier einen großen Kritikpunkt. Bei der Einstellung auf deutscher Sprache werden beispielsweise französische Accents bei der Konvertierung von Handschrift zum Text nicht erkannt und weggelassen ("é" wird zu "e"). Spezielle Namen, eventuell mit zwei aufeinanderfolgenden i’s werden zu einem einzigen i korrigiert. Das ist nervig und kann zu großen Problemen führen, wenn man in mehreren Sprachen schreiben will. Bei der Spracheinstellung Französisch wurden alle Accents richtig erkannt und umgewandelt.

reMarkable 2 ePub und PDF
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© Adam Patrick Murray/IDG

Innerhalb eines Dokuments gibt es praktische Werkzeuge, um Ihre Arbeit zu verbessern. So finden Sie acht Spitzen (wie z.B. Kugelschreiber, Fineliner, Bleistift oder auch Kalligrafie-Stift), deren Strich (Dicke) pro Typ eingestellt werden kann. Einige sind neigungs- und druckempfindlich auf 4.096 Stufen. Es gibt eine Radiergummi-Option zum Korrigieren von Fehlern (falls sie nicht den Marker Plus benutzen), die könnte etwas besser funktionieren. Eine Selektier-Möglichkeit um Text oder Gezeichnetes zu verschieben, ist ebenfalls vorhanden. Sie können sogar mit Ebenen arbeiten (wie in Photoshop).

Beim Schreiben oder Zeichnen erscheint die Tinte sofort unter der Spitze des Markers – und das sehr genau. Die offizielle Latenzzeit liegt bei 21 ms, und der Remarkable 2 hatte kein Problem, mit den schnellsten Schreibvorgängen mitzuhalten.

Remarkable 2 vs. iPad

Warum sollten Sie sich ein Remarkable 2 zulegen anstatt eines iPads, das so viel mehr kann? Wir alle kennen die Funktionen eines iPads, aber das Remarkable-Erlebnis ist für einen konzentrierten und fokussierten Anwendungsfall gedacht. Es gibt keine Benachrichtigungen, um die man sich kümmern muss, keine Apps, zu denen man wechseln muss, und kein Surfen im Internet, das von der Arbeit ablenkt. In einer Zeit, in der wir immer bewusster mit Bildschirmzeit und ablenkenden Arbeitsumgebungen umgehen, ist das Remarkable 2 ein Gerät, das sich auf das Lesen, Schreiben und Visualisieren konzentriert, und das macht es bemerkenswert gut. Wenn Sie jedoch mehr Funktionalität benötigen, dann entscheiden Sie sich für ein iPad.

Apple hat zwar den Apple Pencil, der ein iPad in ein Handschrift- und Illustrationsgerät verwandeln kann, aber die Erfahrung im Vergleich zum Remarkable 2 ist wie Tag und Nacht. Das Glasdisplay des iPads ist hart und glatt, während das Remarkable 2 eine strukturierte Oberfläche hat, die Papier imitiert. Selbstverständlich gibt es hier auch Folien, die Papier imitieren, dennoch ist es nicht das Gleiche. Ein weiterer Unterschied ist, wie stark die iPad-Oberfläche reflektiert, was in bestimmten Lichtsituationen das Schreibgefühl beeinträchtigen kann. Es gibt auch einen spürbaren Unterschied zwischen der Dicke des Glas-Displays auf einem iPad und dem E-Ink-Display des Remarkable 2. Der Marker fühlt sich viel näher an der "Tinte" an als der Apple Pencil am LCD-Bildschirm. Es sind diese kleinen Dinge, die dem Remarkable 2 ein viel besseres Schreiberlebnis schenken, als es das iPad bietet.

Das Remarkable 2 Zubehör

Wenn Sie sich für einen Remarkable 2 entscheiden, können Sie aus verschiedenen Zubehöroptionen wählen. Lassen Sie uns zunächst über die beiden Marker-Optionen sprechen, den Marker und den Marker Plus. Es gibt einige subtile Unterschiede zwischen den beiden; die Plus-Version ist nur eine Prise länger (zirka 2 mm) und der Übergang des Körpers zur Spitze hat einen größeren Winkel. Keine der kleinen Nuancen macht einen Unterschied im täglichen Gebrauch, so dass der einzige wirkliche zu berücksichtigende Faktor die eingebaute Radiergummifunktion des Marker Plus ist. Das ist nützlich, aber nicht unbedingt ein Muss. Ob die 40 Euro Aufpreis das wert sind, muss wohl jeder für sich entscheiden.

reMarkable 2 Marker Plus
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© reMarkable

Es gibt auch zwei Möglichkeiten, wie Sie Ihr Remarkable 2 Gerät schützen können. Die erste Option ist eine Hülle, die aus einem grauen Polymer-Gewebe besteht. Sie hat einen praktischen Platz für die Aufbewahrung des Markers und das Tablet lässt sich leicht hineinschieben. Leider war zum Zeitpunkt des Tests diese Hülle im Store nicht vorhanden und somit der Preis nicht ermittelbar. Ob und wann sie wieder erhältlich sein wird, haben wir vorerst nicht in Erfahrung bringen können.

reMarkable 2 Book Folio auf dem standard Folio.
Vergrößern reMarkable 2 Book Folio auf dem standard Folio.
© Adam Patrick Murray/IDG

Das „Book Folio“ kommt in einer ähnlichen grauen Polymer-Gewebe-Option, hat aber auch zwei Premium-Leder-Optionen: schwarz und braun. Es fixiert das Tablet magnetisch an der linken Seite und bietet Schutz für die Vorder- und Rückseite des Geräts. Der Magnet ist sehr stark und wir haben uns nie Sorgen gemacht, dass er sich lösen könnte. Dennoch gibt diese Hülle insgesamt weniger Schutz, da drei Seiten des Geräts frei liegen. Die obere Klappe öffnet sich wie ein Buch, kommuniziert aber nicht mit dem Gerät, das immer noch durch Drücken der oberen Taste aufgeweckt werden muss. Die Klappe biegt sich rundherum, um bequem flach an der Rückseite des Geräts anzuliegen. Sie war nie im Weg. Das Book Folio kostet 99€, bzw. 149 für die Premium-Leder-Variante.

reMarkable 2 Book Folio
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© reMarkable

Ein Artikel mit Ausschnitten von unserer englischsprachigen Schwesterpublikation Macworld .

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