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Schnelle Datenspeicher mit Thunderbolt 3 für den stationären Einsatz

29.10.2020 | 09:47 Uhr |

Thunderbolt 3 ist vielseitig und sehr schnell. Wir haben externe Gehäuse für den Mac auf den Prüfstand gestellt.

Das iPhone ist immer dabei, um die Familie oder die Impressionen einer Reise festzuhalten. Da kommen jede Menge Bilder und Videos zusammen, gespeichert auf dem Mac wird selbst dort jede SSD oder Festplatte schnell zu klein. Erst recht, wenn Sie Profi sind und die Bilder und Videos ihrer Kunden bearbeiten. Da hilft nur ein externer Speicher und da Geschwindigkeit nie verkehrt ist, ist die Thunderbolt-3-Schnittstelle perfekt für schnelle Speicher geeignet.

Wir haben uns eine Auswahl an spannenden Produkten ins Testlabor geholt um zu sehen, welche Lösung für welchen Einsatz passend ist. Mit dabei sind sowohl Gehäuse für Festplatten als auch für SSD-Speicher. Dabei haben wir auch ein Augenmerk auf interessante Extras wie zusätzliche Anschlüsse gelegt. Als Vergleich zu den Laufwerksgehäusen, die man selbst ausbauen kann, haben wir auch ein paar ausgewählte fertig konfigurierte Lösungen aufgenommen.

Thunderbolt 3 ist aber nicht die einzige schnelle Schnittstelle am Mac, es gibt da auch USB-C. Daher kann man sich durchaus die Frage stellen, ob nicht ein USB-C Datenträger den Anforderungen an Bildbearbeiter und Videofilmer auch genügt.

In diesem ersten Teil schauen wir uns RAID-Gehäuse für mehr als ein Laufwerk und Docks mit integriertem Laufwerk an. Im folgenden zweiten Teil kümmern wir uns um Gehäuse mit nur einem Laufwerk.

 

Unser Testfeld für SATA-Laufwerke

Starten wir mit den Klassikern im professionellen Umfeld, RAID-Gehäuse für maximal zwei Laufwerke. Warum nur zwei Laufwerke? Damit der Lärm am Arbeitsplatz nicht störend wird, denn jede zusätzliche Festplatte erhöht die Lautstärke, erst recht die großen Lüfter zur Kühlung.

Im unteren Preissegment liegt das Terramaster TD2 . Für einen günstigen Preis von 260 Euro bekommt man Aluminiumgehäuse mit Handgriff, zwei Festplatteneinschübe, zwei Thunderbolt-3-Buchsen und einen DisplayPort. Auf die zwei Einschübe kann man sowohl 2,5-Zoll- als auch 3,5-Zoll-Laufwerke verschrauben. Passende Schrauben und Schraubendreher werden mitgeliefert. Die Montage geht leicht von der Hand und auch das Betätigen der Einschübe erfolgt problemlos. Mit an Bord ist ein Hardware-RAID-Controller mit den RAID-Modi RAID0, RAID1, JBOD und Single. Die Einstellung erfolgt über einen Drehschalter auf der Rückseite, wie das gemacht wird, beschreibt ein Aufkleber auf dem Gehäuse. Da hat jemand mit gedacht und da verwundert es auch nicht, dass ein passender Minischraubendreher und ein Stift für den Reset-Schalter mit dabei sind.

Das Terramaster TD2 macht trotz des günstigen Preises von 260 Euro einen sehr guten Eindruck. Zwei Laufwerke werden von Vorne über Schlitten zugeführt.
Vergrößern Das Terramaster TD2 macht trotz des günstigen Preises von 260 Euro einen sehr guten Eindruck. Zwei Laufwerke werden von Vorne über Schlitten zugeführt.
© Thomas Bergbold
Die Rückseite prägt der große Lüfter, der erfreulicherweise sehr leise ist. Damit ist das TD2 eines der leisesten RAID-Gehäuse, die wir je im Testlabor hatten.
Vergrößern Die Rückseite prägt der große Lüfter, der erfreulicherweise sehr leise ist. Damit ist das TD2 eines der leisesten RAID-Gehäuse, die wir je im Testlabor hatten.
© Thomas Bergbold
Laufwerke mit 2,5 Zoll und 3,5 Zoll werden mit Schrauben auf den Laufwerksschlitten befestigt.
Vergrößern Laufwerke mit 2,5 Zoll und 3,5 Zoll werden mit Schrauben auf den Laufwerksschlitten befestigt.
© Thomas Bergbold

Unser zweiter Vertreter für zwei 3,5 Zoll Laufwerke ist das Mercury Elite Pro Dual Dock von OWC . Mit einem Preis von 392 Euro ist es deutlich höher angesiedelt, hat aber, wie der Zusatz „Dock“ im Namen andeutet, deutlich mehr zu bieten.

Ein „normales“ Dock kann es nämlich vollständig ersetzen, zumindest fast, dazu aber später mehr. Es bietet zwei USB-3.0-Anschlüsse, einen Gigabit-Ethernet-Anschluss und einen Displayport-Anschluss. Die Anschlüsse sind alle auf der Rückseite des Metallgehäuses, zusammen mit den zwei Thunderbolt-3-Anschlüssen. Daisy-Chain ist daher kein Problem.

Auf der Vorderseite befindet sich ein SD-Speicherkartenleser – und wie es sich gehört, ist dieser für die schnellen UHS-II-Karten ausgelegt.

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Dass es ein Dock nicht ganz ersetzen kann, liegt einzig alleine am internen Netzteil, das nämlich „nur“ 27 Watt Leistung liefern kann. Das reicht nicht für ein Macbook Pro.

Mit an Bord ist aber ein Hardware-RAID mit den Modi Einzellaufwerk, RAID 0, RAID 1 und Span, also dem Zusammenschluss beider Laufwerke. Die Konfiguration erfolgt einfach über einen Drehschalter auf der Rückseite. Besonders interessant ist aber der Vorgang der Konfiguration, denn der RAID-Controller erkennt automatisch einen Wechsel und stellt sich entsprechend um. Das bedeutet: Kein manuelles Drücken eines Reset-Schalters. Tolle Idee, die auch in der Praxis super funktioniert. Neben Festplatten kann das Mercury Elite Pro Dual Dock auch SSDs nutzen. Für unseren Test kommen diese auch von OWC.

Das Mercury Elite Pro Dual Dock macht mit seinem Metallgehäuse einen sehr robusten und professionellen Eindruck. Sehr praktisch ist der schnelle UHS-II SD-Speicherkartenleser auf der Vorderseite.
Vergrößern Das Mercury Elite Pro Dual Dock macht mit seinem Metallgehäuse einen sehr robusten und professionellen Eindruck. Sehr praktisch ist der schnelle UHS-II SD-Speicherkartenleser auf der Vorderseite.
© Thomas Bergbold
Ein volle Dockausstattung findet man auf der Rückseite, das wird speziell Macbook Pro Anwender freuen. Leider ist der Lüfter etwas laut.
Vergrößern Ein volle Dockausstattung findet man auf der Rückseite, das wird speziell Macbook Pro Anwender freuen. Leider ist der Lüfter etwas laut.
© Thomas Bergbold
Die Montage der 2,5 Zoll oder 3,5 Zoll Laufwerke erfolgt mit Schrauben direkt im Gehäuse.
Vergrößern Die Montage der 2,5 Zoll oder 3,5 Zoll Laufwerke erfolgt mit Schrauben direkt im Gehäuse.
© Thomas Bergbold

Unser Testfeld für NVMe SSDs

NVMe bietet durch seine direkte Anbindung an den Prozessor des Macs eine viel höhere theoretische Geschwindigkeit als SATA. Daher gehört ihnen die Zukunft. Das merkt man auch an dem Angebot an fertigen Laufwerken mit verbauten NVMe-SSDs. Unser Testmuster von Lacie , das 1big Dock SSD Pro , ist so ein Laufwerk. Wahlweise mit 2 TB oder 4 TB zu haben, empfiehlt es sich für den 8K-Videoschnitt. In dem schicken spacegrauen Gehäuse ist aber nicht nur eine Seagate FireCuda NVMe SSD verbaut, sondern auch je ein SD-4.0-, CFast-2.0- und CFexpress-Kartensteckplatz und ein USB-3.0-Anschluss, alles praktischerweise von vorne zugänglich. Zusätzlich hat Lacie auch an einen DisplayPort für einen 4K-Monitor gedacht.

Ein spannendes Detail ist der Laufwerkschlitten, auf dem die FireCuda NVMe SSD montiert ist. Dieser Laufwerkschlitten lässt sich leicht herausziehen und beispielsweise gegen einen mit Festplatte austauschen oder gegen eine größere NVMe SSD. Wobei die NVMe SSD keine klassische Bauform hat, sondern eine für Server.

Alternativ zur SSD-Version bietet Lacie auch eine Version mit HDDs an. Die HDD-Version mit 4 TB startet bei 388,66 Euro, die SSD-Version mit 2TB bei 1389,- Euro.

Mit seiner spacegrauen Farbe passt das Lacie 1big Dock SSD Pro perfekt zum Mac Mini oder iMac Pro.
Vergrößern Mit seiner spacegrauen Farbe passt das Lacie 1big Dock SSD Pro perfekt zum Mac Mini oder iMac Pro.
© Thomas Bergbold
Die Laufwerke sind wie hier die SSD auf einem Schlitten montiert. Das gibt die Möglichkeit des späteren Ausbaus oder dem Wechsel der Laufwerke.
Vergrößern Die Laufwerke sind wie hier die SSD auf einem Schlitten montiert. Das gibt die Möglichkeit des späteren Ausbaus oder dem Wechsel der Laufwerke.
© Thomas Bergbold
Lacie_1bigDock_06.jpg Der kleine Lüfter auf der Rückseite ist kaum wahrnehmbar, was perfekt für den Einsatz auf dem Schreibtisch auch beim Videoschnitt ist.
Vergrößern Lacie_1bigDock_06.jpg Der kleine Lüfter auf der Rückseite ist kaum wahrnehmbar, was perfekt für den Einsatz auf dem Schreibtisch auch beim Videoschnitt ist.
© Thomas Bergbold

Aber auch für das Nachrüsten gibt es jetzt immer mehr Gehäuse auf dem Markt.

Unser erster Vertreter kommt von Raidsonic , die ICY BOX IB-2811M-TB3 . Das Aluminiumgehäuse ist ganz im schwarzen Industriedesign gehalten und besitzt zwei große Kühlrippen, sowie auf einer Seite ein Lochblech. Damit sollte es keine thermischen Probleme geben. Auf einen Lüfter konnte Raidsonic daher verzichten.

Das recht große Gehäuse bietet Platz für zwei PCIe NVMe SSDs, die Steckplätze sind für PCIe 3.0 x2 spezifiziert. Ein Hardware-RAID hat Raidsonic nicht verbaut, hier setzt man auf die Möglichkeiten des Festplattendienstprogramms von macOS. Dank eines zweiten Thunderbolt-3-Anschlusses ist Daisy-Chain kein Problem und der integrierte DisplayPort ist gut für 4K mit 60Hz. Die ICY BOX wird im Handel für rund 325 Euro angeboten.

Für unseren Test setzten wir die brandneuen KC2500 NVMe PCIe SSDs von Kingston ein Die KC2500 gehört zu den High-Performance-SSDs mit einer angegebenen Lese-/Schreibgeschwindigkeiten von bis zu 3.500/2.900MB/s. Die 1-TB-Version kostet rund 192 Euro.

Im schlichten Industriedesign hat Raidsonic seine ICY BOX IB-2811M-TB3 verpackt. Auf einen Lüfter konnte Raidsonic verzichten, die ICY BOX ist daher lautlos.
Vergrößern Im schlichten Industriedesign hat Raidsonic seine ICY BOX IB-2811M-TB3 verpackt. Auf einen Lüfter konnte Raidsonic verzichten, die ICY BOX ist daher lautlos.
© Thomas Bergbold
Die Ausstattung der ICY BOX ist mit zwei Thunderbolt 3 Anschlüssen und einem DisplayPort ausreichend.
Vergrößern Die Ausstattung der ICY BOX ist mit zwei Thunderbolt 3 Anschlüssen und einem DisplayPort ausreichend.
© Thomas Bergbold
Das recht große Gehäuse bietet Platz für zwei PCIe NVMe SSDs. Wir haben zwei schnelle KC2500 von Kingston verbaut. Da die ICY BOX nur Steckplätze für PCIe 3.0 x2 hat, sind die KC2500 eigentlich zu schnell für das Gehäuse.
Vergrößern Das recht große Gehäuse bietet Platz für zwei PCIe NVMe SSDs. Wir haben zwei schnelle KC2500 von Kingston verbaut. Da die ICY BOX nur Steckplätze für PCIe 3.0 x2 hat, sind die KC2500 eigentlich zu schnell für das Gehäuse.
© Thomas Bergbold

Unser zweites Testmuster ist das OWC Express 4M2 . Im Gegensatz zur ICY BOX finden hier gleich vier NVMe-SSDs ein Zuhause. Das Gehäuse ist sehr kompakt und kommt mit zwei Thunderbolt 3 Anschlüssen, sowie mit einem DisplayPort für 4K bei 60 Hz. Auch das Express 4M2 hat kein Hardware-RAID, sondern wird mit der speziellen RAID-Software SoftRAID Lite XT von OWC ausgeliefert. Das Express 4M2 unterstützt die Betriebsarten Single, RAID 0 oder RAID 1.

Für die Konfiguration des RAID Modus mit SoftRAID Lite XT muss ein Treiber installiert werden. Unschön ist, dass für die Installation die Sicherheitseinstellungen bei Macs mit T2-Chips auf „ohne Sicherheit“ geändert werden müssen. Da man aber SoftRAID Lite XT eigentlich nur für die Konfiguration des RAIDs benötigt sowie bei der Wiederherstellung, kann man die Sicherheit direkt danach wieder ändern.

SoftRAID Lite XT ist recht einfach in der Bedienung und bietet eine ausführliche Hilfe, leider in Englisch. Die Benutzeroberfläche ist aber in Deutsch.

Unser Testmuster kommt mit vier 480 GB Aura P12 NVMe von OWC. Natürlich kann man auch andere NVMe verwenden. OWC gibt allerdings an, das von Samsung die 970 EVO und 970 EVO+ nur ab einer bestimmten Firmware kompatibel sind. Wir haben auch unsere Kingston KC2500 ausprobiert. Als maximaler Speicherausbau sind 16 TB möglich. Die Steckplätze sind für PCIe 3.0 x1 spezifiziert, können also unsere schnellen PCIe 3.0 x4 Karten von Kingston nicht ausnutzen. Als maximale Geschwindigkeit gibt OWC eine Datenrate von 2.800 MB/s an.

Das Gehäuse besitzt einen großen internen Lüfter, der nicht geregelt ist. Das mitgelieferte Thunderbolt 3 Kabel hat eine Länge von 70 cm.

Auch das Express 4M2 von OWC kommt im schlichten Industriedesign. Das Gehäuse ist sowohl für eine aufrechte wie eine liegende Aufstellung ausgelegt.
Vergrößern Auch das Express 4M2 von OWC kommt im schlichten Industriedesign. Das Gehäuse ist sowohl für eine aufrechte wie eine liegende Aufstellung ausgelegt.
© Thomas Bergbold
Auch die Express 4M2 ist mit zwei Thunderbolt 3 Anschlüssen und einem DisplayPort ausgestattet. Der Lüfter ist auf der Unterseite ist deutlich zu hören.
Vergrößern Auch die Express 4M2 ist mit zwei Thunderbolt 3 Anschlüssen und einem DisplayPort ausgestattet. Der Lüfter ist auf der Unterseite ist deutlich zu hören.
© Thomas Bergbold
In dem sehr kompakten Gehäuse ist Platz für vier PCIe NVMe SSDs der Spezifikation 3.0 x1. Dadurch reichen auch die günstigsten SSDs für den Ausbau.
Vergrößern In dem sehr kompakten Gehäuse ist Platz für vier PCIe NVMe SSDs der Spezifikation 3.0 x1. Dadurch reichen auch die günstigsten SSDs für den Ausbau.
© Thomas Bergbold
Die Oberfläche von SoftRAID lite XT ist einfach gehalten und gibt sehr gute Infos über den Zustand der NVMe SSDs.
Vergrößern Die Oberfläche von SoftRAID lite XT ist einfach gehalten und gibt sehr gute Infos über den Zustand der NVMe SSDs.
Die Konfiguration eines RAID geht mit SoftRAID lite XT leicht von der Hand.
Vergrößern Die Konfiguration eines RAID geht mit SoftRAID lite XT leicht von der Hand.
Nicht selbstverständlich bei externen SSDs ist die Unterstützung des TRIM-Befehl. Durch den installierten Treiber mit seinem kleinen Hilfsprogramm, ist eine permanente SMART-Überwachung möglich.
Vergrößern Nicht selbstverständlich bei externen SSDs ist die Unterstützung des TRIM-Befehl. Durch den installierten Treiber mit seinem kleinen Hilfsprogramm, ist eine permanente SMART-Überwachung möglich.

Reicht auch USB-C?

Zur Abrundung und um die Leistung besser einordnen zu können, haben wir uns auch zwei RAID Gehäuse mit USB-C zum Vergleich mit dazu genommen. Beide kommen von Raidsonic und wurden bereits im Artikel „ Macbook Pro: RAIDs für USB-C und Thunderbolt 3 “ genau besprochen.

Die ICY BOX IB-RD2253-U31 für 44,- Euro ist ein sehr kompaktes Gehäuse für 2,5 Zoll Laufwerke, die ICY BOX IB-RD3662-C31 für 89,- Euro ist das Gegenstück für 3,5 Zoll Laufwerke. Beide sind mit einem Hardware RAID-Controller ausgestattet.

Die kleine ICY BOX IB-RD2253-U31 ist nur etwas größer als zwei Festplatten. Komplett Lüfterlos ist es sehr leise und trotzdem schnell.
Vergrößern Die kleine ICY BOX IB-RD2253-U31 ist nur etwas größer als zwei Festplatten. Komplett Lüfterlos ist es sehr leise und trotzdem schnell.
© Thomas Bergbold
Praktisch an der ICY BOX IB-RD3662-C31 sind die zwei Schächte für Laufwerke, die komplett ohne Schlitten auskommen. Der Lüfter ist allerdings immer Präsent.
Vergrößern Praktisch an der ICY BOX IB-RD3662-C31 sind die zwei Schächte für Laufwerke, die komplett ohne Schlitten auskommen. Der Lüfter ist allerdings immer Präsent.
© Thomas Bergbold

Thunderbolt-3-Laufwerke im Praxiseinsatz

Jede Menge an Mehrwert bekommt man mit vielen zusätzlichen Schnittstellen. So bieten alle unsere Testteilnehmer einen zusätzlichen DisplayPort-Anschluss.

Bei Nutzern mobiler Rechner kann es ganz praktisch sein, wenn das Thunderbolt-3-Gehäuse gleich genug Strom mitbringt. Das ersetzt ein zusätzliches Netzteil und macht aus dem Thunderbolt-3-Gehäuse auch gleich eine Docking-Station. Vor allen, wenn das Thunderbolt-3-Gehäuse auch gleich noch viele Anschlüsse wie Ethernet, DisplayPort und USB 3.0 mitbringt.

Keines unserer Testmuster ist jedoch von sich aus in der Lage, das Macbook Pro ausreichend mit Strom zu versorgen. Das Lacie liefert maximal 45 Watt, wenn kein weiteres Gerät am zweiten Thunderbolt-3-Anschluss angeschlossen ist und 30 Watt, wenn man beispielsweise ein weiteres Laufwerk angeschlossen hat. Das OWC Mercury Elite Pro Dock liefert nur 27 Watt und die Gehäuse von Raidsonic und Terramaster nur 15 Watt. 27 Watt reichen aber schon für den Betrieb eines Macbook Pro mit einfachen Anwendungen, die dem Prozessor keine Leistung abverlangen. Beim Videoschnitt auf einem 13 Zoll Macbook Pro reichte die Leistung hingegen nicht aus. OWC macht bei seinem Express 4M2 keine Angaben.

Lacie hat sich aber eine Besonderheit ausgedacht: Power-Pass-Through. Hierbei wird an den zweiten Thunderbolt-3-Anschluss des 1big Dock ein USB-C Netzteil angeschlossen, zum Beispiel das Original-Apple-Netzteil. Dadurch erhöht sich die Leistung des 1big Dock und es liefert bis zu 70 Watt, ausreichend, um ein Macbook Pro mit Strom zu versorgen. Natürlich fällt bei Power-Pass-Through der zweite Thunderbolt-3-Anschluss für ein weiteres Laufwerk weg.

Neben der Ausstattung ist ein weiterer Punkt die Lautstärke und hier können Gehäuse überzeugen, die ohne Lüfter auskommen. Bei Gehäusen für herkömmliche Festplatten ist das natürlich kaum möglich. Dafür produzieren zwei Festplatten einfach zu viel Abwärme.

Hier kann man auch gleich den ersten positiven Punkt setzen, das Terramaster hat trotz seines geringen Preises einen sehr leisen Lüfter. Auf dem Schreibtisch stehend ist er leicht zu vernehmen, unter dem Schreibtisch stört er schon nicht mehr. Unsere IronWolf-Festplatten sind mit ihrer hohen Drehzahl von 7.900 U/m da schon lauter. Die OWC-Gehäuse sind leider keine Leisetreter und setzen beide ungeregelte Lüfter ein. Natürlich ist ein Lüfter extrem wichtig für ein kompaktes Gehäuse, aber direkt neben dem Rechner stehend ist leider keine Audio- oder Videobearbeitung möglich. Das Mercury Elite Pro Dual Dock ist dabei sogar noch lauter, als das sehr kompakte Express 4M2.

Komplett auf Lüfter verzichten Raidsonic bei seiner IYC BOX IB-2811M-TB3. Daher ist es konkurrenzlos leise. Das Lacie hat zwar einen Lüfter, aber man hört ihn nicht. Die Abwärme ist bei der recht großen IYC BOX IB-2811M-TB3 Gehäuse kaum zu spüren. Bei den Gehäusen mit Lüfter ist Abwärme eh kein Thema.

Datenraten HDD

Wir starten mit der langsamsten Kategorie an Datenträgern, den Festplatten. Die Datenrate haben wir einmal mit Aja System Test Lite gemessen und das Schreiben eines Ordners mit Bildern und Videos (in Unterordnern verteilt) von Hand gestoppt. Die Daten umfassten zusammen rund 75 GB.

Für unseren Test nutzen wir zum einen eine 2,5 Zoll Toshiba SL200 mit 2 TB und 3,5 Zoll Seagate IronWolf mit 14 TB.

Die Ergebnisse mit Aja System Test Lite gemessen liegen alle recht nahe beieinander. Das entspricht den Erwartungen, sind Festplatten doch zu langsam, als dass sie an die Grenzen des Thunderbolt-Anschlusses kommen. Die kleine 2,5 Zoll Festplatte von Toshiba zeigt nur wenige Ausreißer. Als Einzellaufwerk schafft sie maximal 140 MB/s und im RAID0 fast doppelt so viel. Im RAID1 ist nur die Lesegeschwindigkeit gegenüber dem Einzellaufwerk reduziert.

Sehr enttäuschend sind die Ergebnisse im Praxistest mit den knapp 75 GB Daten. Hier sinkt die Datenrate mit zunehmender Datengröße. Während es beim RAID1 mit rund 116 MB/s noch zu verschmerzen ist, ist es im RAID0 mit unter 80MB/s extrem niedrig. Dabei machte es keinen Unterschied, welches Gehäuse man nimmt.

Da wir dachten, es liege an den Toshiba-Festplatten, brachte ein kurzer Vergleich mit älteren Seagate Momentus das gleiche Ergebnis. Hier scheint die Leistungsgrenze bei den kleinen Festplatten im RAID0 erreicht zu sein. Als Einzellaufwerk ist nur das Terramaster eine positive Ausnahme, das Raidsonic fällt hingegen stark ab.

Die große IronWolf zeigt hingegen genau das Bild, was wir uns erwartet haben. Als Einzellaufwerk sind Datenraten um die 250 MB/s möglich. Bei RAID1 ist es mit unter 240 MB/s etwas geringer und bei RAID0 mit über 470MB/s sehr schnell. Dabei liegen die Thunderbolt-3-Gehäuse auf Augenhöhe, während das USB-C Gehäuse von Raidsonic leicht abfällt.

Spannend war hier das Ergebnis des Praxistests mit 75 GB Daten. Wie zu erwarten, waren sie geringer als der Benchmark mit Aja System Test Lite. Im RAID1 waren es nur rund 10 MB/s weniger, im RAID0 dafür um die 40 MB/s. Das sind gute Ergebnisse, der beiden Thunderbolt 3 Gehäuse. Mit Einzellaufwerken gemessen, zeigt sich das OWC leicht im Vorteil und verliert nur rund 20 MB/s.

Das Raidsonic verliert hier deutlicher. Als Einzellaufwerk schafft die IronWolf im USB-C Gehäuse noch 201 MB/s und damit vergleichbar mit dem Terramaster. Bei RAID1 sind es jedoch schon 40 MB/s weniger und bei RAID0 sogar mehr als 130 MB/s weniger.

Datenraten mit SSD-Laufwerken

Die besten Datenraten sind natürlich mit SSD-Laufwerken zu erzielen. Hier starten wir mit der langsamsten Kategorie, den 2,5 Zoll SATA SSDs. Als SSDs nehmen wir die Mercury Extreme Pro 6G von OWC.

Als Einzellaufwerk sind die Datenraten im zu erwartenden Rahmen von um die 500MB/s. Im sicheren RAID 1 Modus fällt die Datenrate für das Schreiben relativ stark, beim OWC zum Beispiel von sehr guten 490 MB/s als Einzellaufwerk auf 341 MB/s im RAID1. Beim Terramaster sind es sogar nur 291 MB/s. Das ist ein schlechter Wert. Im Vergleich dazu kommt die ICY BOX IB-RD2253-U31 auf sehr gute 481MB/s. Dafür fällt die ICY BOX beim Lesen deutlich ab.

Noch deutlicher ist das schlechte Abschneiden des Hardware RAID von Terramaster mit SSDs im RAID 0 Modus, hier fällt er auf 567 MB/s. Das OWC ist hier mit 670 MB/s beim Schreiben wesentlich besser. Die Werte für das Lesen liegt für beide Gehäuse bei rund 730 MB/s, ein sehr guter Wert. Die ICY BOX schlägt sich hier wieder wacker und ist beim Lesen etwas schlechter und beim Schreiben sogar etwas besser.

Wie schon bei den Festplatten ist der Praxistest besonders aufschlussreich. Als Einzellaufwerk liegen alle drei Gehäuse mit maximal 318MB/s sehr nahe beieinander. Im RAID1 liegt nur das Terramaster unter 300 MB/s und beim RAID0 liegt das OWC deutlich in Führung.

Spannender wird es mit den neueren NVMe-PCIe-SSDs, die so langsam die SATA SSDs ablösen sollen. Wir messen als erstes die ICY BOX mit den schnellen Kingston KC2500 und sind erst einmal enttäuscht. Bei einer einzelnen NVMe kommen wir nur auf Messwerte von 1150 MB/s beim Schreiben und 1480 MB/s beim Lesen. Eigentlich müsste die NMVe das Doppelte schaffen. Das Geheimnis liegt im verwendeten Steckplatz. Es handelt sich um PCIe 3.0 x2 und unsere KC2500 sind für den doppelt so schnellen PCIe 3.0 x4 gedacht. Die ICY BOX kann daher die Leistung der NVMe PCIe SSDs nicht ausnutzen. Die Steckplätze der OWC Express 4M2 sind sogar nur PCIe 3.0 x1. Daher liegt die Datenrate auch nur bei 670 MB/s fürs Schreiben und 759 MB/s beim Lesen.

Im RAID1 liegen die Schreibwerte der ICY BOX mit 840 MB/s noch darunter und beim Lesen erstaunlicherweise mit über 2200 MB/s sehr hoch. Das OWC liegt beim Schreiben mit 674 MB/s wie als Einzellaufwerk und beim Lesen geht es auf gute 1300 MB/s nach oben. Das OWC kann man mit zwei und vier Laufwerke als RAID1 konfigurieren. Zu beachten ist, dass das Spiegeln auf mehr als ein Laufwerk die Datenrate deutlich reduziert.

Beim RAID0 kommen wir dann endlich an hohe Werte heran, über 2300MB/s beim Lesen war zu erwarten. Der Wert für das Schreiben fällt nur bei der ICY BOX mit rund 1600MB/s etwas niedrig aus.

Als RAID0-Referenz haben wir im Diagramm das G-Technology G-SPEED Shuttle SSD angegeben.

Das 1big DOCK SSD PRO von Lacie fällt ein wenig aus dem Rahmen, da es nur eine einzelne NVMe besitzt, wie unsere Einzellaufwerks-Referenz das G-Technology G-Drive mobile PRO SSD, das wir zusätzlich im Diagramm angegeben haben. Beim Schreiben liegt das Lacie bei guten 1929 MB/s und toppt unsere Referenz beim Lesen mit rund 2600 MB/s.

Die Praxismessung zeigt wieder teilweise deutliche Unterschiede. Während das OWC die Geschwindigkeit als Einzellaufwerk halten kann, liegen die Mitbewerber teilweise deutlich darunter. Bei RAID1 ist der Unterschied erfreulicherweise nicht so stark, dafür bei RAID0 wieder sehr deutlich. Trotzdem sind Datenraten von knapp 1400 MB/s wie beim OWC sehr erfreulich bei großen Datenmengen.

Datenraten mit SD-Karten

Zwei der Testteilnehmer sind mit Speicherkartenleser ausgestattet und wie es sich gehört mit einer Kompatibilität zu UHS-II. Gemessen haben wir mit Speicherkarten von ADATA, Sandisk und Kingston. Mit Datenraten beim Lesen von bis zu 275 MB/s, entsprechen diese den Werten, der besten Speicherkartenleser von Raidsonic und Sandisk aus unserem Test im Artikel Mac Mini erweitern Teil 3 .

Das 1big Dock SSD Pro wie auch das OWC Mercury Elite Pro Dock sind mit schnellen Speicherkartenleser ausgestattet.
Vergrößern Das 1big Dock SSD Pro wie auch das OWC Mercury Elite Pro Dock sind mit schnellen Speicherkartenleser ausgestattet.

Was passiert bei Daisy Chaining?

Eigentlich ist es ja toll, dass man mehrere Laufwerke hintereinander schalten kann. Doch wie wirkt sich das auf die Datenrate aus?

Genau dieser Frage sind wir auch nachgegangen. Für unseren Test haben wir das G-Drive mobile Pro SSD und die WD_BLACK P50 an den zweiten Thunderbolt 3 Anschluss gehängt. Die Datenrate haben wir dann wieder mit Aja Systemtest gemessen.

Im Ergebnis hat die Datenrate sehr deutlich nachgelassen. Bei unserem USB-C Laufwerk um rund 70 MB/s, sowohl beim Schreiben als auch beim Lesen. Das sind rund 7 Prozent.

Aber auch beim Thunderbolt 3 Laufwerk ging die Datenrate zurück. Beim Schreiben mit rund 6 Prozent und beim Lesen teilweise fast gar nicht.

Vorteile Mac Mini

Wer jetzt glaubt, der Mac Mini ist doch mit seinen zwei USB-3.0 -und vier Thunderbolt-3-Anschlüssen super ausgestattet, wird beim Schreiben einer Liste mit Geräten, die er anschließen möchte, schnell ins Grübeln kommen. Zwei Monitore (einer am internen HDMI und einer über eine eGPU) und zwei schnelle Thunderbolt-3-Laufwerke, da bleibt nur noch einer übrig. Und auch zwei USB-3.0-Anschlüsse reichen meist nicht weit. Daher sind Hubs immer eine der ersten Anschaffungen.

Drucker, Grafiktablet und Bedienkonsolen wie ein Loupedeck wollen auch angeschlossen werden. Also können sich auch am Mac Mini die zusätzlichen Anschlüsse schnell bezahlt machen. Ethernet und DisplayPort werden am Mac Mini weniger gebraucht, da sind es eher USB3.0, USB-C oder ein Speicherkartenleser.

Vorteile Macbook Pro

Mit mobilen Rechnern hat man immer ein Problem: Man kommt ins Büro oder nach Hause und stöpselt erst einmal jede Menge Geräte an. Ob das der Monitor, das Laufwerk mit den Arbeitsdaten, das Time-Machine-Laufwerk oder Peripherie wie Eingabegeräte sind.

Daher haben Docking Stations eine große Daseinsberechtigung, nur ein Kabel zu verbinden ist nun mal einfacher. Auch kann man sich dann die vielen Adapter beispielsweise für USB 3.0 und Ethernet sparen.

Einige der Laufwerksgehäuse erfüllen tatsächlich diese Aufgabe, so wie das sehr gut ausgestattete OWC Mercury Elite Pro Dual Dock. Den Namen Dock trägt es nicht ohne Grund. Ist das WLAN zu Hause nicht stabil genug – gerade bei den vielen Videokonferenzen konnte man hier die Grenzen feststellen – ist ein Ethernet-Anschluss für Macbooks eine tolle Sache. Ebenfalls als Dock geeignet ist das Lacie 1big DOCK SSD Pro.

Vorteile iMac

Der iMac ist eigentlich ein Paradebeispiel für einen stationären Rechner: Alles drin und alles dran, sogar ein Monitor. Schaut man sich aber die vorhandenen Schnittstellen an, schielt man als iMac-User neidisch auf den Mac Mini mit seinen vier Thunderbolt-3-Buchsen.

Der iMac besitzt derer nur zwei und wenn einer davon für einen zweiten Monitor genutzt wird, ist es nur noch einer. Ein zweiter Monitor ist gar nicht so abwegig, für Bildbearbeiter wäre das der kalibrierte Monitor und für Videofilmer der Videobildschirm für die Voransicht. Also sind Laufwerksgehäuse mit einem zusätzlichen DisplayPort Anschluss perfekt für iMac Nutzer.

Damit bleibt noch ein weiterer Thunderbolt 3 Anschluss frei und da die Thunderbolt 3 Laufwerksgehäuse meist einen weiteren Thunderbolt 3 für Daisy-Chain haben, sind es wieder zwei.

Ethernet ist wie auch beim Mac Mini eher uninteressant, ein Speicherkartenleser hingegen sehr.

Fazit

Laufwerke mit den neuen PCIe NVMe’s begeistern durch ihre Geschwindigkeit. Datenraten von bis zu 2600MB/s kannte man bisher nur von internen SSDs. Jetzt werden nicht nur die Gehäuse bezahlbar, sondern auch die NVMe selbst.

Gerade die Gehäuse ohne Lüfter, wie die ICY BOX IB-2811M-TB3 begeistern hier auf dem Schreibtisch. Schade nur, das Raidsonic an der Technik gespart hat und die ICY BOX nur für die PCIe x2 NVMe – also mit zwei Lanes - ausgelegt hat. Daher konnten unsere Kingston KC2500 nicht ihr ganzes Potential ausnutzen. Wer sich also für die ICY BOX entscheidet, muss nicht zu den teuren NVMe greifen, sondern kann hier sparen und beispielsweise die preisgünstigen WD blue nehmen.

Die Gehäuse von OWC bieten Top Performance zu einem fairen Preis. Gerade die Ausstattung des Mercury Elite Pro Dock begeistert. Durch den deutlich hörbaren Lüfter müssen sie aber unter den Schreibtisch verfrachtet werden. Empfindliche Ohren sowie Audio- und Videobearbeiter werden sich daran unter Umständen stören.

Das Terramaster TD2 schlägt sich gut und liegt mit Festplatten auf Augenhöhe zu den Mitbewerbern. Nur bei SSDs fällt es etwas ab. Dafür ist der große Pluspunkt der sehr leise Lüfter.

Kann jetzt ein USB-C-Gehäuse eine Alternative sein? Ja und Nein. Brauche ich die zusätzlichen Schnittstellen nicht und möchte meinen Mac einfach nur um zwei Laufwerke erweitern, sind sie schon eine Überlegung wert. Die maximale Performance bekommt man nur mit Thunderbolt. Der große Preisunterschied kann jedoch je nach Einsatzzweck ein USB-C Gehäuse wie die ICY BOX IB-RD3662-C31 oder ICY BOX IB-RD2253-U31 attraktiver machen.

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