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Schrifterkennung auf dem iPad mit Memos

25.06.2019 | 16:42 Uhr | Thomas Hartmann

Anstatt Bilder umständlich zu scannen, erkennt Memos Text und Schrift in Fotos automatisch und lässt sie kopieren oder teilen.

Dafür ist nicht viel zu tun – die iOS-App von No Mad Sky findet Text in Bildern selbsttätig, hebt diese mit einem grünlichen Rahmen hervor und bietet die Möglichkeit, den erkannten Text in die Zwischenablage zu kopieren, oder auch das umrahmte Bild, ferner den Text oder das komplette Foto über verschiedene Dienste zu teilen. Das Finden klappt sogar über Spotlight und auch mit neu aufgenommenen Fotos. Ist man mit der automatischen Suche nicht zufrieden, gibt es den Button ”Custom“, mit dem sich gezielt ein Bereich durch einen etwas widerspenstig verschiebbaren Kasten auswählen lässt.

Im Idealfall erkennt "Memos" Text auf Fotos perfekt.
Vergrößern Im Idealfall erkennt "Memos" Text auf Fotos perfekt.

App-Funktion nur lokal

Der Entwickler verspricht ausdrücklich, dass die Suche und Textauswahl ausschließlich auf dem Gerät und nicht über Internet und Kontakt zu einem externen Server stattfindet. Dennoch beschwert sich zumindest ein Nutzer im App Store darüber, dass doch eine externe Verbindung fürs ”App-Measurement” stattfindet.

Hier werden immerhin einige der Schildernamen richtig markiert.
Vergrößern Hier werden immerhin einige der Schildernamen richtig markiert.

Tippt man auf einen eingerahmten Text in der App, bekommt man ein Vorschaubild angezeigt, was Memos erkannt haben will. Das sind manchmal aber nur Muster wie Meander oder andere Ornamente, die Schrift bei etwas unscharfer Darstellung nur ähnlich sehen, aber kein Text sind. Interessant ist, dass "Memos" von sich aus versucht, die Fotos einer Kategorie zuzuordnen, wie zum Beispiel (immer auf Englisch) Buildings oder Road, Facebook oder Leisure (Freizeit). Und das klappt im Großen und Ganzen auch recht gut, auch wenn die Zuordnungen oft sehr allgemein sind und auch völlig daneben liegen können.

Bei diesem Beispiel dagegen weiß man nicht, was sich die App sozusagen gedacht hat.
Vergrößern Bei diesem Beispiel dagegen weiß man nicht, was sich die App sozusagen gedacht hat.

Nach Stichworten (Text und Bildinhalt) durchsuchen

Screenshots zum Beispiel erkennt Memos sehr zuverlässig. Und die Bilder lassen sich per Stichwort etwa nach ”Hotel” durchsuchen, und zwar in diesem Beispiel nach Text oder Gebäude, also dem Bildinhalt. Weniger gut gefällt uns, dass man immer nur ganze Bilder über das Display scrollen kann, wir also nicht mehrere Bilder im Überblick angezeigt bekommen, um gezielt auf eins zuzugreifen. So muss man sich jedes Mal durch die komplette Bildersammlung bemühen, und das funktioniert meist nur mit ärgerlichen Sprüngen oder einem ziemlichen ”Gewackel”. Wir haben auf dem iPad getestet, wo es im Hochformat allerdings etwas besser klappt als quer. Als einzige Option lässt sich einstellen, dass auch Bilder ohne Text angezeigt werden, aber das macht die Übersicht nur noch mühevoller.

Fototext suchen, kopieren oder Anmerkungen erstellen sind die grundsätzlichen Funktionen der App.
Vergrößern Fototext suchen, kopieren oder Anmerkungen erstellen sind die grundsätzlichen Funktionen der App.

Langwierige Katalogisierung

Die Texterkennung ist, wenig überraschend, je besser, desto klarer die Vorlage die Schrift hervor- oder sich vom Hintergrund abhebt. So lässt sich "Memos" auch als elementarer Textscanner einsetzen, obwohl die Erkennung nur begrenzt gut klappt und der Text innerhalb der App auch nicht editier-, sondern nur kopierbar ist. Doch das ist ja an sich nicht der Zweck von "Memos". Kleine Texteinheiten auf Fotos sind eindeutig die Stärke der App. Überträgt man sie in Apps wie Pages oder in eine Mail, sind sie selbstverständlich voll editierbar.

Passende Bilder in Memos lassen sich auch per Spotlight finden.
Vergrößern Passende Bilder in Memos lassen sich auch per Spotlight finden.

Bevor man die beschriebenen Funktionen für alle Bilder nutzen kann, müssen diese erst einmal von der App erfasst sein. Bei uns sind das in Apple Fotos über 11.000 – am Ende des Tests hatte Memos erst etwas über 1100 erkannt.

Systemvoraussetzungen und Verfügbarkeit

"Memos – Private Search" gibt es im App Store ab iOS 12.0 für kompatible iPhones, iPads und iPod Touch, der Preis dafür liegt bei 5,49 Euro.

Auf das Versprechen, Daten nicht zu übermitteln, kann man sich nur verlassen.
Vergrößern Auf das Versprechen, Daten nicht zu übermitteln, kann man sich nur verlassen.

Fazit und Empfehlung

"Memos" ist eine gute Idee, weil man Fotos auf diese Weise ohne große Umstände gezielt nach Text und Schrift durchsuchen kann. An der Umsetzung hapert es freilich noch etwas – es ist zu langsam und oft zu ungenau. Das Potenzial ist da, aber auch angesichts des Preises sollten die Entwickler rasch nachbessern. Wer mit den Einschränkungen leben kann, wird trotzdem interessante Text-Entdeckungen in seinen Fotos machen respektive sie auch selbst verschlagworten können.

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