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Sensei: Tuning-Tool sorgt für bessere Mac-Performance

20.01.2020 | 16:20 Uhr | Stephan Wiesend

Bessere Mac-Performance und detaillierte Systeminformationen verspricht das neue Tool Sensei, in unserem Test zeigt es das dazu einige interessant Ansätze.

Update vom 4.2.:

Ein Update der Software ist erschienen und hat eine Reihe an Fehlern behoben, so funktioniert etwa die SMART-Funktion zuverlässiger. Auch die im Test erwähnte SSD von Crucial wird jetzt korrekt bewertet.

Ursprünglicher Artikel:

Verspricht eine Software, dass sie die Leistung eines Macs verbessert, wird zu Recht manche misstrauisch. Solche Versprechen machen schließlich meist Betrugs-Tools, unter Kennern auch „Schlangenöl“ genannt. Das gilt aber nicht für das neue Tool Sensei von Cindori , wenn es auch einige Nutzer etwas enttäuschen könnte: Es setzt nämlich nicht auf geheime Systemeingriffe oder Künstliche Intelligenz, sondern kombiniert eine Reihe altbekannter Optimierungen: Das Entlasten des Systems von Dateien und bewährte Anpassungen des Systems. Zusätzlich bietet das Tool noch eine zweite Funktion: Es liefert eine interessante Kombination aus Systemanzeigen und Benchmarks, die bei der Analyse von Performance-Problemen helfen.

Zusätzlich zu Tools für die Systemanalyse sind mehrere Aufräumfunktionen wie auch SSD-Optimierungen geboten. Die Funktionsweise und Oberfläche erinnern uns dabei an Konkurrenten wie das Tuning-Tool CleanMyMac X, aber auch Tools wie iStat Menus. Schade: Das Tool läuft erst ab macOS 10.15 Catalina.

Mac bereinigen mit CleanMyMac X

System analysieren

Bei der Lösung von Performance-Problemen steht die Analyse an erster Stelle – behebt man das Problem, läuft der lahme Mac schließlich wieder wie neu. Dazu bietet die Software zahlreiche gute Analysefunktionen, mit denen auch ein Einsteiger zurechtkommen sollte. In jedem Fall sollte ein Mac-Neuling damit weniger Probleme haben, als mit Apples etwas komplizierteren Dienstprogramm Aktivitätsanzeige. Gelungen finden wir, wie Sensei diese Systeminformationen anzeigt. Viele andere Tools wie iStat setzen auf Menüleistentools, die Systemdaten wie CPU-Last oder Speicherverbrauch permanent in der Menüleiste einblenden.

Sensei setzt dagegen auf eine einzelne großformatige Übersicht, das sogenannte Dashboard. Auf einen Blick sieht man hier die RAM-Auslastung, CPU-Last und Grafikkarten-Auslastung. Macbook-Nutzer erfahren außerdem ihre verbleibende Akku-Kapazität, Nutzer einer externen GPU Last und Temperatur auch dieser zusätzlichen Grafikkarten. Die aktuelle Temperatur der Komponenten wird hier ebenso angezeigt wie weitere Systemdaten. So erhält man einen guten Überblick und kann sehen, welche Systemkomponente gerade den Mac ausbremst. Blockiert etwa ein Hintergrundprozess die CPU, sieht man hier die aktuelle CPU-Last, die Lüfterdrehzahl und in einer Liste die dafür wohl verantwortliche App mit der höchsten CPU-Last – beispielsweise den Browser Firefox. Über die per Seitenleiste aufrufbaren Funktionen Storage, Graphics, Battery und Cooling kann man weiterführende Hardware-Analysen anzeigen: Über Storage hat man Zugriff auf die SMART-Gesundheitsdaten der SSD oder HD und kann einen Performance-Test starten. Sind doch manchmal weder CPU noch Grafikkarte überfordert, sondern die zu stark befüllte und lahme Festplatte bremst das System aus.

Das Tool wertet die Temperatursensoren aus und zeigt eine übersichtliche List aller Sensoren.
Vergrößern Das Tool wertet die Temperatursensoren aus und zeigt eine übersichtliche List aller Sensoren.

Akku-Status und den Status der Lüfter prüft man über die beiden letzteren Module. Eine Stärke gegenüber Apples Aktivitätsanzeige: Auch die Temperaturdaten von Komponenten wie RAM, Netzteil oder WLAN-Modul kann das Tool auslesen, allerdings sieht man nur den aktuellen Zustand – kann keine Langzeitdaten sammeln. Die Grafikkarte(n) des Mac kann ebenfalls näher unter die Lupe nehmen, eine Grafik zeigt die Auslastung und eine Übersicht weitere Detailinformationen.

Schneller durch Aufräumen

Nimmt man es ganz genau, kann das Tool einen Mac nicht wirklich schneller machen. Es kann aber dafür sehr gut  Performance-Bremsen erkennen und beheben. Die sinnvollste Methode, seinen Mac zu beschleunigen, ist meist das Freigeben von Speicher. Bremst doch eine fast volle Festplatte oder SSD ein System gewaltig aus. Dazu bietet das Tool ein Deinstallationsprogramm, mit dem man nicht mehr benötigte Programme löschen kann – inklusive Systemdaten und Hilfstools. Das Löschen alter Platzfresser übernimmt die Funktion „Clean“. Hier listet das Tool große Dateien, Downloads, Disk Images und weitere Dateien auf. Beeindruckend finden wir diese Funktion allerdings nicht, kann man doch für das Aufräumen der Festplatte  ebenso gut Apples integriertes Tool „Speicherverwaltung“ verwenden.

Mit der Funktion "Clean" kann man schnell Platz auf der SSD schaffen.
Vergrößern Mit der Funktion "Clean" kann man schnell Platz auf der SSD schaffen.

Besser gefällt uns die Funktion „Optimize“: Hier bietet nämlich Sensei eine simple Möglichkeit, Startobjekte aufzuräumen. Programme, die bei jedem Systemstart im Hintergrund starten, werden hier aufgelistet. Diese Hintergrundprozesse sind meist harmlos, sie können aber auch Probleme verursachen. Wahlweise kann man sie komplett löschen oder nur deaktivieren – Einsteigern empfehlen wir letzteres. Ein Schönheitsfehler: Das Programm kann die Startobjekte auflisten und löschen, erklärt aber weder ihre Bedeutung noch ihren Autor. Meist kann man die Herkunft über den Dateinamen erkennen, manchmal aber auch nicht. Dies kann die Freeware KnockKnock besser, wenn auch etwas mehr Einarbeitung nötig ist. Eine ausführlichere Erklärung dieser Funktionen war bei Erscheinen der App allerdings nicht verfügbar, Hilfstexte will der Hersteller aber über seine Webseite nachliefern.

Eine Besonderheit ist eine SSD-Optimierung, so war der Vorgänger des Tools „Disk Sensei“ ja ursprünglich ein reines SSD-Optimierungstool. Über ein Performance-Tool kann man die Leistung der SSD testen, per SMART die Gesundheit überprüfen und per TRIM-Enabler alte SSDs beschleunigen: Indem man die sogenannte TRIM-Funktion aktiviert, eine Wartungsfunktion der SSD. Letzteres ist aber nur für Macs mit nachgerüsteter SSD sinnvoll, bei Apple-SSDs ist diese Funktion automatisch aktiv. Ist TRIM nicht aktiv, kann nach längerer Nutzung die Schreibrate stark sinken. Die Aktivierung der TRIM-Funktion ist sinnvoll, sie sorgt dafür, dass Daten nach dem Löschen aufgeräumt werden. Das Tool installiert dazu einen speziellen Treiber, der diese Wartungsfunktion aktiviert. Allerdings kann man die gleiche Wirkung mit einem kleinen Terminalbefehl erzielen.

Interessant: Eine kommende Version soll die Lüfterdrehzahl kontrollieren können, sind doch Macs eher auf niedrige Lautstärke optimiert. Das ist für Profi-Anwender interessant, die etwa über Stunden große Filmdateien rendern sollen und so Thermal Throttling und überhitzte Komponenten vermeiden wollen. Ähnlich dem neu entdeckten Pro-Modus würde das Tool dann wirklich die Leistung steigern können.

Kleine Mängel hat die aktuelle Version aber doch noch: Nutzt man Microsoft OneDrive und die Funktion zum Auslagern von Dateien, scheint die Aufräumfunktion (Clean)  diese ausgelagerten Dateien ungewollt auf den Mac herunterzuladen. Auch die Smart-Funktion ist nicht perfekt: Bei einer völlig intakten Crucial SSD MX500 behauptete sie, diese stünde kurz vor dem Ausfall. Grund ist vermutlich ein Bug in der Firmware der SSD, dies sollte aber vom Hersteller korrigiert werden.

Bei der Preisgestaltung hat sich der Hersteller an seiner Konkurrenz wie CleanMyMac X  oder iStat orientiert: 34,51 Euro zahlt man für eine Jahreslizenz, eine uneingeschränkt lauffähige Version kostet 70,21 Euro. Für Nutzer des Vorläufers Disk Sensei gibt es 50 Prozent Rabatt.

Fazit

Das Tool macht uns eine Bewertung nicht einfach: Die Funktionen für die Performance-Verbesserung sind altbekannt, Apps für die Anzeige von Systeminfos gibt es schon in großer Menge. Die Benutzeroberfläche ist aber gut gelungen und vor allem das Dashboard gefällt uns sehr gut. Kleinere Fehler sollten aber noch korrigiert werden, auch die fehlende Dokumentation ist ein Manko. Liefert der Hersteller aber auch die versprochene Lüfter-Kontrollfunktion nach, könnte sich das Tool als sehr nützliches Tuning-Tool etablieren. Aber auch so erhält das Tool von uns die Note „gut“.

Sensei

Hersteller: Cindori

Preis: Euro 34,51 (pro Jahr)

Systemanforderungen: macOS 10.15

Wertung: 2,0 (gut)

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