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Smartwatches der Mittelklasse im Vergleich: Apple Watch SE, Fitbit Sense, Garmin Venu SQ

28.10.2020 | 15:22 Uhr | Halyna Kubiv

Wer nicht unbedingt ein Vermögen für eine Smartwatch ausgeben will, findet im mittleren Preis-Segment gute Geräte.

Wollte man früher eine Apple Watch haben, musste man recht tief in die Tasche greifen: Unter 300 Euro gab es praktisch nur gebrauchte oder recht alte Modelle. Mit der Apple Watch SE gibt es nun ein Gerät, das diese Grenze nicht überschreitet. Die Apple Watch ist noch billiger, aber leider nicht mehr zukunftssicher, bereits mit watchOS 7 sind ihr einige Funktionen verwehrt, wie das Alway-On-Display und das EKG. Im mittleren Preissegment – von knapp 150 Euro bis 300 Euro gibt es aber noch weitere interessante Angebote, die durchaus mit der Apple Watch SE aufnehmen können, wir haben dafür die neue Fitbit Sense und Garmin Venu SQ gleichzeitig mit der SE getestet.

Während in der Vergangenheit bei unseren Tests schon zwei Uhren gleichzeitig für reichlich verwirrte Blicke sorgten, waren die drei Smartwatches an zwei Armgelenken gleich ein Gesprächsstoff für sich. Da war noch ein Blick aus dem Augenwinkel und eine gelassene Bemerkung, der Trend gehe eindeutig zu einer Zweit-Uhr, das Harmloseste, was wir in den vergangenen drei Wochen gehört haben. Die Mädels aus der Tanzgruppe, in der wir uns beteiligen, haben flinke Beine, aber auch freche Mundwerke, so mussten wir uns allerlei anhören, etwa dass wir bei den drei Uhren erst gar nicht wissen, wie spät es ist.

Design, Abmessungen, Ausstattung

Während im oberen Preissegment immer noch der Krieg der Formsprache tobt – rund oder eckig, herrscht im mittleren Preissegment Einigkeit – eine smarte Uhr darf jede Form haben, solange diese auf vier abgerundeten Ecken beruht. (Den Sonderfall Withings lassen wir hier außen vor: Der Hersteller bietet damit immer noch ein analoges Display mit rudimentärer LCD-Anzeige.) Auch bei den Abmessungen sind alle drei Hersteller einig, die Smartwatch muss nicht riesig sein. Fitbit hat mit der neuen Sense die größte Uhr im Angebot (40,37 mm × 40,37 mm × 12,45 mm), Garmin ist etwas kleiner (40,6 mm × 37,0 mm × 11,5 mm), die Apple Watch SE ist davon die kleinste, wenn man die 40-mm-Variante nimmt (40 mm × 34 mm × 10,7 mm). Die 44-mm-Variante der Apple Watch SE wird etwas größer sein als Fitbit Sense (44 mm × 38 mm × 10,7 mm), die Uhr von Apple bleibt jedoch bei der größeren Variante auch die dünnste, was bei schmalen Ärmeln nicht zu unterschätzen ist.

Apple Watch SE

Garmin Venu SQ

Fitbit Sense

Preis

291 Euro

194 Euro

329 Euro

Breite (mm)

34

37

40,37

Höhe (mm)

40

40,6

40,37

Tiefe (mm)

10,7

11,5

12,45

Akkulaufzeit

≈ 1 Tag

≈ 4 bis 6 Tage

≈ 4 bis 6 Tage

Herzfrequenz

ja

ja

ja

EKG

nein

nein

ja

Sauerstoffsättigung

nein 

ja

ja

Always-On-Display

nein

nein

ja

Digitale Assistenz

Siri

nein

Alexa, Google

Automatische Trainingserkennung

Gehen, Laufen, Crosstrainer

Gehen, Laufen

Gehen, Laufen, Radfahren, Crosstrainer, Aerobic, Schwimmen

Whatsapp & Co.

aktiv

passiv

passiv

Plattform

iOS

iOS, Android

iOS, Android

Alle drei Hersteller haben in diesem Jahr gleichgezogen: In der Verpackung findet sich neben der Bedienungsanleitung und dem Armband nur noch ein Ladekabel ohne Netzteil. Für Apple ein Novum, Fitbit hat konsequent keine Netzteile geliefert. Bei allen drei Uhren endet das Ladekabel auf USB-A, etwas enttäuschend, wenn man bedenkt, dass der Umstieg auf USB-C gerade im vollen Gange ist und die Smartwatch gegebenenfalls in einem oder zwei Jahren mit einem Adapter oder mit einem alten Netzteil aufgeladen werden muss. Vielleicht vor dem Kauf wichtig zu wissen: Während die Apple Watch SE ohne Mucks an dem kleinen 5-Watt-Adapter ihren Strom zapfte, meldeten sich sowohl Garmin Venu SQ als auch Fitbit Sense mit einer Fehlermeldung. Fünf Watt als Leistung sind offenbar für das Aufladen der beiden Smartwatches nicht genug, erst mit einem Netzteil mit 10 Watt wurden die beiden aufgeladen. Garmin weist in seiner Bedienungsanleitung darauf hin, dass die Uhr am Rechner aufgeladen werden soll.

Gesundheitsfunktionen

Neben den Fitness-Tracking beim Sport, dazu später mehr, ist eine Smartwatch wegen ihrer Gesundheits-Sensoren und Auswertungen interessant. Hier ist wohl die Apple Watch SE das am einfachsten ausgestattete Gerät: Neben einem Herzfrequenzsensor, der zugegeben sehr gut ist, kann die Watch Stürze erkennen und gegebenenfalls einen Notruf tätigen, wenn sich der Nutzer nicht rührt. Zu hohe oder zu niedrige Herzfrequenzwerte kann die Uhr ebenfalls melden wie einen unregelmäßigen Herzrhythmus. Der immer aktive Höhenmesser ist wahrscheinlich für Outdoor-Sportler interessant, ansonsten haben die beiden Konkurrenz-Modelle in diesem Aspekt die Nase vorn: Fitbit Sense bietet seit wenigen Wochen EKG-Messung, die Smartwatch kann ebenfalls die Körpertemperatur des Nutzers überwachen. Hier muss man anmerken: Die Smartwatch ist kein Ersatz für einen Thermometer, die Temperatur wird nur im Schlaf gemessen und nicht in absoluten, sondern in Vergleichswerten angegeben, also beispielsweise 0,5 Grad Celsius mehr als im Normalbereich. Der Normalbereich wird anhand der letzten drei bis dreißig Nächte bestimmt. Fitbit hat seine Sense bei der Ankündigung als erstes Gerät gepriesen, das auch das Stresslevel anhand der elektrodermalen Aktivität messen kann. Ab und zu meldet sich die Uhr und verlangt vom Nutzer ein Feedback zu seinem seelischen Zustand, ansonsten kann man in der Fitbit-App den eigenen Stressmanagement-Index nachverfolgen. Dieser ist genau so wie die Temperaturmessung nur nach einiger Zeit aussagekräftig, denn Fitbit verwendet hier genauso wie Garmin eine recht proprietäre Auswertung. Man kann sich im Vergleich orientieren, wann die Smartwatch einem ein hohes Stresslevel verzeichnet hat.

Temperatur, Stresslevel und Herzfrequenzmessungen in der Fitbit-App
Vergrößern Temperatur, Stresslevel und Herzfrequenzmessungen in der Fitbit-App
© Macwelt

Fitbit wie Garmin messen ebenfalls die Sauerstoffsättigung, was die Apple Watch SE nicht kann. Für wen diese Informationen nützlich sein können, haben wir hier beschrieben: " Blutsauerstoffmessung: Die Einschätzung eines Arztes ". Die Pulsmessung von Garmin Venu SQ ist jedoch wohl am sensibelsten: In einer wirklich angespannten Stresssituation hat uns nur dieses eine Gerät eine zu hohe Herzfrequenz gemeldet, sowohl Fitbit als auch die Apple Watch SE haben geschwiegen. Dies ist natürlich nur eine Anekdote während eines relativ kurzen Tests von zwei Wochen und soll nicht als wissenschaftlicher Beweis bewertet werden.

Smarte Funktionen

Wer eine echte Smartwatch mit der Interaktivität direkt am Handgelenk will, soll zu der Apple Watch SE greifen. Schließlich hat Apple seine Wearables ursprünglich als Ersatz-iPhone und Mode-Accessoir gedacht. Die Gesundheit- und Fitness-Funktionen wurden nach und nach immer stärker implementiert, als das Nutzer-Feedback überraschend für Apple eben in diese Richtung wies. Mit der Apple Watch SE ist es zum Beispiel möglich, vom Handgelenk aus zu telefonieren, auf Whatsapp zumindest rudimentär zu antworten , und nicht zuletzt Siri unterschiedliche Aufgaben zu erteilen.

Apple Watch SE für 291 Euro bei Saturn anschauen
Garmin Venu SQ für 188 Euro bei Saturn anschauen
Fitbit Sense für 321 Euro bei Saturn anschauen

Die Grundfunktionalität, nämlich den Nutzer über neue Mails, Chat-Nachrichten, Neues bei Whatsapp etc., bieten alle drei Smartwatches. Die Einstellung der Benachrichtigungen funktioniert übrigens am leichtesten bei Garmin Venu SQ: Bei der Einrichtung musste man die Smart Notification freigeben, die Smartwatch stellte zuverlässig alle Benachrichtigungen durch. Bei Fitbit funktioniert es anders: Die App am Smartphone registriert zunächst eingehende Nachrichten, der Nutzer kann danach in der Liste nach und nach die Regler freischalten. Am Beispiel von Benachrichtigungen wird deutlich, dass nur die Apple Watch SE eine "echte" Smartwatch ist, die beiden Konkurrenten sind sehr schlaue Fitness-Tracker.

Fitness-Funktionen

Wer beim oder nach dem Sport einen umfassenden Bericht will, wird wohl am besten mit Garmin oder Fitbit bedient. Die beiden Apps stellen auch bei einem Yoga-Training Analysen zusammen, die in einem DAX-Unternehmen zum Jahresabschluss sich schön machen würden. Besonders bei Garmin Venu SQ merkt man, dass der Hersteller aus der Sport-Ecke kommt. Nicht nur kann man in der App sich seinen Golfplatz anlegen, der Nutzer kann auch Ausrüstung wie Schuhe oder Fahrräder hinzufügen. Der Verlauf der Herzfrequenz ist für alle drei Uhren selbstverständlich, Garmin und Fitbit teilen die Trainingsminuten in die Aktivitätszonen ein, je nachdem wie hoch der Puls war und ob sich der Nutzer demnach in seiner Cardio- oder Höchstleistungszone befand. Am rundimentärsten ist wohl eine solche Auswertung bei der Apple Watch in der Fitness-App. Wollen Sie also wissen, wie viel Schweiß Sie bei einem Training voraussichtlich verlieren, müssen Sie zu Garmin greifen.

Trainings-Auswertung in der Garmin-App
Vergrößern Trainings-Auswertung in der Garmin-App
© Macwelt

Akkulaufzeit

Die Apple Watch SE ist die Smartwatch im Test mit der kürzesten Akkulaufzeiten: Jede Nacht bzw. jeden Abend muss die Uhr an das Ladekabel. Die beiden anderen Hersteller weisen bei Sense und Venu SQ bis zu sechs Tagen Akkulaufzeit, wenn sich die Uhr permanent an das Smartphone anbindet. Wenn man damit alleine joggen geht, verringern sich diese Angaben. In unserem Praxistest haben beide Geräte knapp vier Tage mit einer Ladung ausgehalten. Fitbit Sense hat jedoch noch eine Besonderheit, die sich auf die Akkulaufzeiten auswirken kann, – das Always-On-Display. Ist dieses Feature aktiviert, kann der Akku noch schneller leer werden.

Fazit

Obwohl die drei getesteten Smartwatches sogar sehr ähnlich aussehen und sich im ähnlichen Preissegment bewegen, haben sie unterschiedliche Stärken. Die Entscheidung beim Kauf wird sich wahrscheinlich nach Prioritäten von diesen Aspekten richten. Die Apple Watch bietet das meiste bei den Smartwatch-Funktionen, neben den klassischen Nachrichten-Lesen und -Beantworten kann man über Siri bequem ein paar weitere Aufgaben erledigen (Termine anlegen, Erinnerungen erstellen etc.), die dann nahtlos am iPhone übernommen werden. Wer viel fotografiert, wird die Fernauslösung-Funktion der Uhr schätzen: Bei einem Gruppenfoto das iPhone auf eine feste Unterlage aufgestellt, wird die Kamera über eine entsprechende App auf der Uhr ausgelöst, sogar eine rudimentäre Vorschau des Suchers ist verfügbar.

Wer auf seine Gesundheit verstärkt achten möchte, wird wahrscheinlich am ehesten zu Fitbit Sense greifen. Ein Alleinstellungsmerkmal der Uhr ist die bereits freigeschaltete EKG-Messung. Die Pulsoximetrie gibt es bei anderen Uhren ebenfalls, aber die Temperaturmessung ist ebenfalls recht selten. Nicht zu unterschätzen ist das Always-On-Display. Nach unseren Umfragen ist das mit das stärkste Argument beim Umstieg auf neue Modelle der Apple Watch.

Für Sportler ist wohl die Garmin Venu SQ die beste Wahl. Die Anzahl an Parameter , die beim Laufen, Schwimmen, Radfahren etc. gemessen werden, ist schier unermesslich. Garmin erkennt wie die Konkurrenz die Trainings wie Laufen oder Gehen automatisch, die restliche Sportarten muss man manuell starten.

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