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Sonos Amp & One im Test – Multiroom mit Anspruch

26.08.2019 | 08:12 Uhr |

Sonos wird gerne in einem Atemzug mit Multiroom-Audio genannt. Das Ergebnis einer guten Positionierung im Markt.

In unserer Testreihe von zu Multiroom-Lautsprechern darf also Sonos nicht fehlen. Wie gut, das Sonos gerade das komplette Portfolio runderneuert hat. So haben wir uns den brandneuen Verstärker Amp zusammen mit dem kleinen One ins Testlabor geholt um zu sehen, wie er sich gegen die Mitbewerber schlägt.

 

Multiromm-Lautsprecher im Test

Vifa Copenhagen 2.0 und Stockholm 2.0

Sonos Amp & One

Bei der Sonos-Premiere im Jahr 2005 war der Verstärker Zone Player eines der ersten Geräte eines neuen Multiroom-Audio-Systems. Jetzt läutet Sonos mit dem neuen Amp eine neue Ära ein und öffnet sich für Apples Standard Airplay 2 . Ein Grund mehr, sich das neue Gerät genauer anzusehen.

Der Amp findet mit seinem modernen und kompakten Gehäuse überall einen Platz.
Vergrößern Der Amp findet mit seinem modernen und kompakten Gehäuse überall einen Platz.
© Sonos

Der Amp wird hauptsächlich über eine App gesteuert und ist gedacht, vorhandene Lautsprecher zu nutzen. Am Gehäuse selbst sind aber noch drei Sensortasten für Wiedergabe/Pause und Lauter beziehungsweise Leiser. Wischt man über die Tasten springt man zum nächsten oder vorherigen Titel. Der Verzicht auf Tasten und Regler sorgt für ein ästhetisches und minimalistisches Design.

Den Ästheten spricht auch die Rückseite an, vor allem, wenn man die Buchsen für Lautsprecher-Bananenstecker sieht. Für alle, die keine der praktischen Bananas einsetzen, gibt es aber Adapter, um blanke Kabel zu verdrahten. Sehr clever gedacht. Ebenfalls Clever ist die zweite Ethernetbuchse für einen weiteren Sonos-Player oder -Lautsprecher, somit lässt sich das WLAN entlasten. Digitale Audioquellen finden Anschluss über die HDMI-Buchse, zum Beispiel lässt sich so ein Fernsehapparat verbinden. Mit einer Klinkenbuchse denkt Sonos auch an analoge Musikquellen und der Subwooferanschluss ist wichtig beim Einsatz von kleinen Lautsprechern. Apropos Lautsprecher, ein Klasse-D-Verstärker mit zweimal 125 W an 8 Ohm sorgt für meist ausreichend Leistung.

 

Bei den Anschlüssen hat Sonos richtig mitgedacht. Ein analoger Eingang, HDMI für Fernsehton und eine zweite Ethernetbuchse für einen weiteren Sonos Player sind nicht die einzigen praktischen Extras. Besonders gefallen haben uns die integrierten Buchsen für Bananenstecker und die Adapter für lose Kabel.
Vergrößern Bei den Anschlüssen hat Sonos richtig mitgedacht. Ein analoger Eingang, HDMI für Fernsehton und eine zweite Ethernetbuchse für einen weiteren Sonos Player sind nicht die einzigen praktischen Extras. Besonders gefallen haben uns die integrierten Buchsen für Bananenstecker und die Adapter für lose Kabel.
© Sonos

Unser zweites Testmuster von Sonos ist der nur 16 cm hohe One. Der kompakte Zwerg besitzt auf der Oberseite die gleichen Steuerungstasten wie der Amp. Da sie auf der Oberseite sind, fällt einem das Wischen für die Titelsteuerung natürlich viel einfacher. Doch leider nicht wirklich einfach, denn das Wischen hat so seine Tücken und klappt nicht immer auf Anhieb.

Für die Sprachassistenten von Amazon und Google verfügt der One auch über ein Mikrophon. An Anschlüssen gibt es sonst nur noch einen Ethernetanschluss, mehr braucht es aber für einen so kompakten Lautsprecher auch nicht. Sein Einsatzort kann ja durch aus flexibel sein und ein iPhone kann seine Musik ja über das WLAN an den One schicken.

Zwei Verstärker für Hoch- und Mitteltieftöner sorgen für ausreichend Antrieb, um den kleinen One erstaunlich Laut betreiben zu können.

 

Über den analogen Anschluss kann man auch sehr gut einen Plattenspieler mit Line-Ausgang anschließen.
Vergrößern Über den analogen Anschluss kann man auch sehr gut einen Plattenspieler mit Line-Ausgang anschließen.
© Sonos

Musik aus vielen Quellen erwünscht

Neben dem Abspielen von Musik aus dem lokalen Netzwerk via Airplay 2, kann die Sonos-App auf eine Vielzahl an Download- und Streaming-Diensten zugreifen. Das sind zum Beispiel Qobuz, 7digital und Amazon Music. Bei den Streaming Diensten dürfen neben Apple Music und Amazon Music natürlich Tidal und Deezer nicht fehlen. Das sind aber noch lange nicht alle Musikdienste, in der Liste stehen über 70 Anbieter, das hat kaum ein Mitbewerber zu bieten. Freunde von Webradiostationen, freuen sich über TuneIn und radio.net. Aber auch der direkte Weg zu Radiostation wie beispielsweise Antenne Bayern wird angeboten.

Möchte man die Musik aus dem eigenen Netzwerk abspielen, ist es natürlich wichtig, welche Dateiformate Sonos unterstützt. Das ist sehr einfach, beispielsweise von den verlustbehafteten MP3 und AAC bis zu den verlustfreien Apple Lossless und FLAC. Aber, und hier kommt die große Einschränkung, nur maximal in CD-Qualität, also 16 Bit und 48 kHz. HighRes-Audio unterstützt Sonos leider nicht.

Die App – das Steuerungsherz

Das Herz des Sonos-Systems ist die App für iOS. Wie schon bei seiner Entwicklung Anfang der 2000er legt Sonos auf eine einfache Steuerung großen Wert. Der erste eigene Hardwarecontroller gab ein Zeugnis davon. Über mehrere Generationen arbeitet jetzt schon Sonos an seiner App für iOS. Um es vorweg zu nehmen: Das hat sich gelohnt. Klar gegliedert hat man immer einen direkten Zugriff auf die vier Hauptmenüpunkte „Mein Sonos“, „Durchsuchen“, „Räume“ und „Suchen“. Für die Konfiguration, Wecker und Hilfe gibt es den Menüpunkt „Mehr“.

Den ersten Kontakt mit der App bekommen die Nutzer bereits bei der Ersteinrichtung. Wie so oft bei modernen Systemen, verlangt auch Sonos eine Registrierung beim eigenen Dienst, sonst verweigert die App die weitere Einrichtung.

Lange hat es gedauert, aber jetzt untersetzten alle neuen Lautsprecher AirPlay 2.
Vergrößern Lange hat es gedauert, aber jetzt untersetzten alle neuen Lautsprecher AirPlay 2.
© Sonos

Der erste Menüpunkt „Mein Sonos“ ist der Sammelpunkt für alle Favoriten. Favoriten lassen sich aus allen zur Verfügung stehenden Quellen bilden. Also beispielsweise Playlisten von Amazon Music genauso, wie Radiostationen oder die Einkäufe bei Qobuz. Das findet sich sonst bei keinem Mitbewerber.

Hat man in der Konfiguration die gewünschten Musikdienste hinzugefügt, lassen sie sich im Menü „Durchsuchen“ erkunden. Das Schöne daran ist die sehr hohe Geschwindigkeit mit der das vonstatten geht. Man merkt kaum, dass man sich hier eigentlich online bewegt. Der Menüpunkt „Suchen“ kommt ganz unscheinbar daher, hat es aber in sich. So wird nicht einfach auf dem iPhone nach Musik gesucht, sondern in allen Musikdiensten, die man zu seinem Sonos-System hinzugefügt hat. Die Ergebnisse sind übersichtlich nach Diensten gruppiert.

Der letzte wichtige Menüpunkt ist „Räume“. Wie der Name schon andeutet, geht es hier um Multiroom und zwar nicht Airplay-2-Multiroom, sondern hier werden alle Sonos-Lautsprecher aufgeführt. Es lassen sich Gruppen bilden oder Lautsprecher einzeln ansprechen.

Der Sonos One ist ein kleiner Lautsprecher mit großem Klang. Neben schwarz ist er auch in weiß zu haben.
Vergrößern Der Sonos One ist ein kleiner Lautsprecher mit großem Klang. Neben schwarz ist er auch in weiß zu haben.
© Sonos

Klang

Klanglich entspricht der Amp den Erwartungen an einen Klasse-D-Verstärker mit zweimal 125 W. Klarer Sound ohne Verfärbung, so lässt sich unser Eindruck kurz beschreiben.

Differenzierter ist die Langfassung, die wir mit ein paar anspruchsvollen Lautsprechern von Piega durchführen.

Wir starten mit leichtem Jazz zum Sommer mit dem Album " ThatSummer " von Till Brönner. Was zuerst auffällt, ist die Leichtigkeit, mit der der Sonos Amp spielt. Die Stimme von Till steht wunderbar frei im Raum, sehr klar sind die Instrumente abtrennbar. Das wunderbare Trompetenspiel von Till macht einfach Freude. Wo wir schon bei Brönner sind, schlagen wir gleich die Brücke zu Elektro Pop von Yello. Auf dem Album " Touch " spielt nämlich ebenso meisterlich Till Brönner mit. In " Till Tomorrow " wird die „rauchig, schmutzige“ Trompete sehr schön aufgelöst, da merkt man, der Sonos Amp spielt sehr verfärbungsfrei.

Rhythmisch beschwingt lassen wir uns von Melody Garbot weiter durch den Sommer treiben. Wie eine Liebeserklärung umschmeichelt einen die Darbietung im Titel "Lisboa". Die vielen feinen Details von den Glocken über die Becken oder dem Klavier, arbeitet der Sonos Amp sehr schön heraus.

Fein, leicht und rhythmisch kann der Sonos Amp, kann er auch Party und Rock?

Nun legen wir Party-Musik der 80er und 90er auf. Hat man Original-Aufnahmen aus der Zeit, fällt einem der etwas schwache Bass auf. Zur damaligen Zeit wurde nur wenig mit Loudness gearbeitet. So zieht sich auf der einen Seite von New Order über Cure bis Run DMC eine schöne leichte Spielweise durch die Musik, doch an Bass fehlt es. Also schalten wir um auf aktuellen Pop und lassen Mark Ronson zusammen mit Miley Cyrus aufspielen. Da ist er nun der Druck, der uns zuvor gefehlt hat. Ob Robin Schulz oder Imagine Dragons, der Sonos liefert eine überzeugende Vorstellung.

Und wie schlägt sich der Zwerg One?

Dass der One kein Feuerwerk beziehungsweise keine Party anfeuern kann, dürfte bei den Abmessungen einleuchten. Trotzdem ist es erstaunlich mit wie viel Power der One ans Werk geht, als ob er von Anfang an klarstellen möchte: „Ich bin wer, mich kann man nicht überhören!“

Die Prioritäten des One liegen eindeutig im Pop und Elektro. Relativ klar und frisch spielt er aktuelle Charts, von einem erstaunlich kräftigen Bass unterstützt. Das hier die Mittendifferenzierung ein wenig unter geht, dürfte man dem One verzeihen. Der Einsatz liegt nicht im gepflegten Musikhören, sondern in der angenehmen Musikuntermalung. Ob das in der Küche beim Kochen oder beim Abendessen mit Freunden im Esszimmer ist.

Fazit

Sonos ist vor vielen Jahren mit dem Anspruch angetreten, Multiroom besser zu machen als alle Mitbewerber. Die Anfänge waren vielversprechend, mit ihrem geschlossenen System war es aber nahezu unmöglich Sonos in ein vorhandenes System einzubinden.

Das hat sich nun geändert und mit der Öffnung zu AirPlay 2 kann man auch als Mac-User leicht sein vorhandenes System erweitern. Der eigene Sonos-Server ist nicht mehr nötig, iTunes reicht vollkommen. Doch bei uns im Test hat das an einem Punkt gehakt, Musik von einem Mac mit iTunes wurde gelegentlich kurz unterbrochen. Das Problem konnten wir bei mehreren Macs feststellen. Vom iPhone, iPad oder einer Synology liefen die Lieder unterbrechnungsfrei, ebenso wie von allen Diensten aus dem Internet. Ob es an unserem Netzwerk oder dem Testmuster liegt, konnte noch nicht geklärt werden.

Was wirklich überzeugend ist und ein deutlicher Sprung nach vorne, ist die iOS-App. Sehr nutzerfreundlich, mit einem direkten Zugriff auf Streamingdienste. Sehr gut hat uns das Menü „Mein Sonos“ mit der Möglichkeit, Favoriten anzulegen gefallen. So hat man im direkten Zugriff auf einer Seite Alben, Playlisten und Radiosender die man gerne hört. Ebenfalls super und so auch nicht bei den Mitbewerbern zu finden, ist die Einblendung der Steuerelemente auf dem Sperrbildschirm. Das macht den Einsatz eines iPhones oder iPads als Fernbedienung um ein Vielfaches leichter. Ansonsten müsste man immer erst die App öffnen. Über die App lässt sich auch der Klang verändern und damit auch der Bass erhöhen. Wir haben jedoch auf so etwas im Test verzichtet.

Bei allem Positiven gibt es aber auch Negatives und das hat sich seit dem ersten Sonos-Gerät nicht geändert: Es fehlt ein Ausschalter. Die Sonos-Geräte sind permanent am Netz und so ziehen der Amp und der One im Ruhezustand 3,6 Watt Leistung. Im laufenden Betrieb benötigt der Amp unter 10 Watt, der One unter 7 Watt.

Beim ersten Anblick auf das Preisschild von 699,- Euro für den Amp wundert man sich über den recht hohen Preis. Bekommt man doch für das gleiche Geld schon einen sehr ordentlich ausgestatteten Surround-Receiver mit eingebautem Streaming-Audioplayer.

Jetzt ist Sonos nicht unbedingt für Schnäppchenpreise bekannt, doch für das System sprechen ein sehr guter Klang und eine tolle App. Da können gleich bepreiste Receiver nicht unbedingt mithalten.

Die tolle App ist natürlich auch ein Argument für den Lautsprecher One. Der Preis von 229,- ist für den kleinen Lautsprecher durchaus gerechtfertigt.

Amp

Hersteller:

Sonos

Preis:

699,- Euro

Vorteile:

sehr guter natürlicher Klang, ausgezeichnete App, praxisnahe Anschlüsse

Nachteile:

Nutzung erst nach Zwangsregistrierung, für sehr anspruchsvolle Lautsprecher etwas zu wenig Leistung, kein HighRes Audio, kein Ausschalter

One

Hersteller:

Sonos

Vorteile:

kräftiger Sound, ausgezeichnete App

Nachteile:

Nutzung erst nach Zwangsregistrierung, Wischgesten klappen nicht immer fehlerfrei, kein HighRes Audio, kein Ausschalter

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