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Soundboks: Lautester Bluetooth-Lautsprecher

30.09.2021 | 09:00 Uhr | Peter Müller

Wir kennen Boxen dieses Formats von anderen Einsatzzwecken, als sie per Bluetooth mit Musik zu beschicken. Aber es geht ja beides.

Ja, der Lautstärkeregler geht bis 11. Wer hier nur mit den Schultern zuckt, möge sich den fiktionalen Dokumentarfilm " This Is Spinal Tap " von Rob Reiner aus dem Jahr 1984 ansehen. In einer der Szenen erklärt der fiktive Gitarrist Nigel Tufnel dem ebensolchen Reporter seine Gitarren und Verstärker. Besonders stolz ist er auf Exemplare, deren Lautstärkeskala bis 11 reicht. Weil, wenn man auf der Bühne stehe und schon voll bis zehn aufgedreht habe, wo könne man dann noch hin? Aber – fragt der Reporter – wenn man einen herkömmlichen Verstärker bei neun betreibe, dann könne man doch auch noch lauter werden? Nigel Tufnel stutzt kurz und meint dann im Brustton der Überzeugung: "Diese hier gehen bis 11."

Die hier geht bis 11.
Vergrößern Die hier geht bis 11.
© Macwelt

Vermutlich kommt die Reverenz an die gut erfundene Heavy-Metal-Band "Spinal Tap" und ihren durchgeknallten Gitarristen nicht von ungefähr oder warum entscheidet man sich, eine Lautstärkenskala von null bis elf gehen zu lassen? Vermutlich, um die Zielgruppe zu definieren: Die Soundboks des gleichnamigen Herstellers aus Santa Monica , Kalifornien, richtet sich an die, die es gerne laut haben. Uns liegt die Soundboks der dritten Generation zum Test vor und wir können bestätigen: Ja, dieses Versprechen erfüllt sie voll und ganz – und das sogar bei Einstellungen weit unter der 11er-Marke.

Damit wir nicht unser Bürogebäude zum Wackeln bringen, machen wir unseren Hörtest mit dem Regler aber zunächst zwischen drei und vier. Was da aus den beiden 10-Zoll-Treibern (96 dB) und dem 1-Zoll-Hochtöner (104 dB) kommt, hört sich bei geringen und mittleren Lautstärken recht knackig an. Der Bass ist aufgrund der großen Membranen und des integrierten Verstärkers natürlich weit wuchtiger als bei allen anderen Bluetooth-Lautsprechern (inklusive des Homepod), die wir je getestet haben. Aber er ist nicht überbetont, Mitten und Höhen bleiben klar und geschmeidig. Der Hersteller gibt einen Frequenzbereich von 40 Hz bis 20 kHz an, das ist weit mehr, als die meisten Menschen bewusst hören können. Die Lautstärke soll maximal 126 dB betragen – da hält kein Symphonieorchester im Fortissimo mehr mit, das ist Kettensägeniveau, wenn auch angenehmer.

Handhabung unproblematisch

Die Maße von 66 cm x 43 cm x 32 cm sind die einer PA-Box, wie sie in nicht zu großen Konzerthäusern zum Einsatz kommen. Sprich: Mit zwei Soundboks auf Boxenständern könnte man beinahe die örtliche Konzerthalle beschallen, für die Dreifachturnhalle oder die Musikkneipe reicht das definitiv.

Nur: Live-Musik und Bluetooth, geht das zusammen? Nein, wegen der Latenzen natürlich nicht. Aber die Soundboks hat auch Anschlüsse für Profis und könnte auch per XLR- oder Klinkenkabel von einer PA aus zur Tonausgabe betrieben werden. Für den Zweck ist das Gewicht der Soundboks geradezu attraktiv: Die 15 Kilogramm kann man zur Not auch alleine durch die Gegend und auf den Hochständer wuchten, dank praktischer Tragegriffe und guter Austarierung wird das Boxenschleppen beinahe zum Vergnügen. Und wenn die Band pausiert, lässt sich die Soundboks vom iPhone aus mit Musik beschicken. Bis zu fünf Sounboks kann man per SKAA-Network miteinander koppeln. Ist aber nicht nur für Ska-Bands geeignet ( Wir bitten den Kalauer zu entschuldigen, Anm. d. Red.) . Wenn wir damals schon Soundboks und iPhone gehabt hätten, ginge es dem Rücken heute besser. Und vor allem ging unser Marshall damals nur bis 10 …

Leistung hat ihren Preis

Die Aktivbox hat natürlich ihren Haken, anders als die passiven, die wir sonst immer an die PA hängen, benötigt sie eigene Energie. Die kommt von einem nach Herstellerangaben 99,84 Wattstunden fassenden Akku, der bei voller Lautstärke immerhin fünf Stunden halten soll und bei moderatem Lärm bis zu 40 Stunden Musikgenuss ermöglicht. Praktisch ist daran aber, dass es sich um einen externen Akku handelt, der in einem seitlichen Schubfach Platz und Anschluss findet. Im Zweifelsfall bestellt man pro Soundboks noch je einen Ersatzakku dazu. Wir haben einen leeren innerhalb von zwei Stunden am Netzteil aufgeladen, der Hersteller gibt 3,5 Stunden Dauer für eine volle Ladung an.

Doch der Batteryboks genannte Akku hat seinen Preis: 149 Euro. Immerhin ist einer im Paket, das insgesamt 899 Euro kostet, schon dabei, dazu noch ein Ladegerät . Neben dem Schwarz, das wir für eine seriöse PA für alternativlos halten, gibt es die Soundboks noch in Orange, Weiß, Blau oder Orange. Das ist dann eher was für die Disco oder die Garten- und Strandparty.

Fazit

Es fällt uns schwer, eine sinnvolle Bewertung für die Soundboks zu geben. Für die meisten Parties tun es auch weit kleinere und nicht so teure Bluetooth-Lautsprecher, die Band greift eher zu anderen Lösungen für die Soundausgabe, passive Boxen sind weit günstiger . Dass die Soundboks aber beides könnte, die Nachbarschaftsparty beschallen und der Band in der Musikkneipe als Lautsprecher dienen, hat gewissen Charme.

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