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Test: Insta 360 Nano - Rundumblick für das iPhone

19.01.2017 | 16:18 Uhr |

360-Grad-Kameras liegen im Trend. Die Insta 360 Nano spielt speziell mit dem iPhone zusammen.

Seit 2016 kann man auf Facebook auch 360°-Panorama-Aufnahmen hochladen, ein Feature, von dem immer mehr Leute Gebrauch machen, ergibt eine schnelle Recherche in der eigenen Timeline. Freundlicher Service etwa von verreisenden Kollegen und Freunden, uns über ein Rundumbild einen Eindruck davon zu verschaffen, dass es wo anders auch schön sein kann.

Das Thema virtuelle Realität wird auch im Apple-Umfeld immer interessanter, auch wenn der iPhone-Hersteller selbst trotz aller Gerüchte und Spekulationen noch kein derartiges Produkt im Angebot hat. Dabei könnte die Idee für die Insta360 Nano aus Cupertino stammen, so bequem verbindet sich die 360°-Kamera mit dem iPhone, das ihr als Monitor, Internetzugangsgerät und sogar als Projektor für einen virtuellen Rundumblick mittels einer Cardboard-VR-Brille Bilder liefert. Es fehlt dem Mac jedoch an Bordmitteln, etwas damit anzufangen, dazu aber später mehr.

Die etwa 70 Gramm wiegende Kamera lässt sich einfach auf das iPhone mit Lightning-Anschluss und ab der Modellreihe iPhone 6 (mit iOS 8.1 oder höher) anstöpseln - das iPhone darf aber in keiner Hülle stecken, iPhone 5 und 5S scheitern auch nicht an ihrer Software- und Hardwareausstattung, sondern schlicht an ihrer Dicke.

Unkomplizierte Kopplung an die App, aber...

Sofort, nachdem wir die Insta360 Nano an den Lightningport unseres iPhone 7 angestöpselt haben, bittet uns die Kamera, die passende kostenlose App aus dem App Store zu laden. Diese dient nicht nur wie bereits erwähnt für das Erstellen, Betrachten und Teilen der Aufnahmen, sondern auch der Konfiguration des Gerätes. Wir wollen gleich mal auswählen, ob die Kamera in ihrem iPhone-freien Modus bei dreifachem Drücken auf ihren Ein/Aus-Schalter ein Zeitraffer-Video aufnimmt und nicht einen Selbstauslöser aktiviert (dazu später...) und stellen fest, dass wir hierfür erst einmal eine neue Firmware benötigen. Diese ist innerhalb kurzer Zeit geladen und installiert, anschließend melden wir uns zu unseren Testzwecken beim Dienst des Anbieters Insta360 an. Das ist keineswegs obligatorisch, kann aber praktisch sein, wenn man die Kamera verliert - Fotos und Videos bleiben uns erhalten. Ansonsten speichert die App die Aufnahmen in ihrem eigenen Bereich, in der Kamera-Roll unseres iPhones tauchen sie nicht auf.

Die App dient auch zur Konfiguration der Kamera, über kleine Schwächen bei der Lokalisierung sehen wir hinweg.
Vergrößern Die App dient auch zur Konfiguration der Kamera, über kleine Schwächen bei der Lokalisierung sehen wir hinweg.

Kein iPhone benötigt

Aber auch separat kann man die Kamera nutzen, das iPhone dient gewissermaßen als Monitor und Bedienelement und nicht zuletzt als Speicher und Verteiler. Eine TF-Karte mit bis zu 64 GB Kapazität eingesetzt, kann man die Kamera aber auch ohne iPhone zum Aufzeichnen von Bildern und Videos verwenden, die Aufnahmen werden dann zunächst auf der Karte gespeichert und erst bei der nächsten Verbindung mit dem Telefon auf dessen Speicher übertragen. Aber auch der Anschluss via USB an einen Rechner ist möglich. Nur erkennen die Mac-Programme "Fotos" und "Digitale Bilder" das Format auf der Karte nicht, was auch nicht weiter verwundert. Für das Abspielen der Panorama-Fotos und -Videos bietet der Hersteller auf seiner Website aber die kostenlosen Programme Insta360Player und Insta360 Studio an.

Für den Mac benötigt man (kostenlose) Zusatzsoftware
Vergrößern Für den Mac benötigt man (kostenlose) Zusatzsoftware

Über die Micro-USB-Buchse bezieht die Insta360 Nano auch ihren Energie für den laut Hersteller 800 mAh Stunden fassenden Akku. Das ist nicht üppig, und reicht in unserem Test für nicht besonders viele Videos und Bilder, bevor die App mit einem gelben Symbol meldet, dass es wieder Zeit für die Steckdose wird. Am Gerät selbst ist keine Akkuanzeige. Ein Ladegerät ist nicht dabei, aber mit einem Micro-USB-Kabel lässt es sich mit beliebigen Energielieferanten verbinden.

Wir wollen es nun genauer wissen, wie lange der Akku durchhält und stellen die Kamera solo in unsere Bleistiftdose auf dem Schreibtisch und lassen sie ein Zeitraffervideo aufnehmen - jede Sekunde ein Bild. Der Test bricht nach einer Viertelstunde ab, da die Aufnahmezeit auf diese 15 Minuten beschränkt ist. Wir setzen das Limit in den Einstellungen auf 60 Minuten hoch und beginnen nochmals mit vollem Akku. Siehe da: Nach einer Stunde zeigt die Kamera kein Statuslicht mehr an und verbindet sich beim Anschluss an das iPhone auch nicht mehr mit der App - Akku leer. Zum Aufladen schließen wir das Gerät an unser Macbook an und extrahieren dabei auch gleich den Zeitrafferfilm von der Speicherkarte. Er zeigt in der Tat einen Zeitraum von einer Stunde. Der Hersteller versichert uns auf Nachfrage, dass der Akku 60 bis 70 Minuten lange Aufzeichnungen gewährleisten kann, unabhängig davon, ob die Kamera an das iPhone angeschlossen ist oder nicht. Wir verifizieren das am folgenden Tag mit einer Videoaufnahme, respektive mehreren. Denn bei Videos ist ab Werk ein Limit von 15 Minuten eingestellt, das sich nur abschalten lässt, die maximale Zeit beträgt dann 29 Minuten. Die versprochene Stunde Film bekommen wir aber bei weitem nicht zusammen, nach zwei regulär beendeten 15-Minütern ist beim dritten Film schon nach gut zehn Minuten Schluss. Und nicht nur der Akku der Insta360 Nano ist dann leer, sondern auch der des iPhone 7 etwa zur Hälfte geleert. Powerfilmer sollten also immer an die Powerbank in der Zubehörtasche denken.

Rundumblick mit einem blinden Fleck

Rundumkameras gibt es in vielen Ausführungen, je mehr Objektive sie einsetzen, desto besser wird das Bild. Denn beim Stitching, also der Zusammenführung der Einzelbilder, entstehen zwangsweise Artefakte etwa in Form von Randlichtabfall oder tonnenförmigen Verzerrungen. Je mehr Objektive im Einsatz sind, desto geringer fallen die aus, doch auch schon mit zwei gegenüber liegenden Weitwinkelobjektiven lassen sich 360-Grad-Panoramen aufnehmen. Die Insta360 Nano kommt mit exakt zwei Objektiven aus, die mit ihrer Fischaugenobtik jeweils 210 Grad abdecken. Auch in den Randbereichen der Gesichtsfelder fallen uns keine störenden Fehler auf.

Was aber auf den (bewegten) Bildern stets zu sehen ist: Der Kameramann. Mit einem meist angestrengten Gesichtsausdruck. Unschön. Daher gibt es also auch einen Selbstauslöser. Verstanden! Die Kamera näht die beiden Einzelbilder in Echtzeit zusammen, so sind auch Live-Videos via Facebook mit Rundumsicht möglich. Nicht zu sehen sind in der Komposition freilich die Kamera und das optional angeschlossene iPhone. Um diesen blinden Fleck ein wenig zu überdecken, bietet die App drei Überblendoptionen mit und ohne Logo an.

In der Insta-App stehen für die Bilder und Videos drei Ansichten parat: Fischauge...
Vergrößern In der Insta-App stehen für die Bilder und Videos drei Ansichten parat: Fischauge...
... Perspektive ...
Vergrößern ... Perspektive ...
... und Planet. Hübsch. Mal abgesehen vom Motiv. Aber man könnte die Kamera auch in einen Ständer stellen und den Selbstauslöser nutzen.
Vergrößern ... und Planet. Hübsch. Mal abgesehen vom Motiv. Aber man könnte die Kamera auch in einen Ständer stellen und den Selbstauslöser nutzen.

Die Bildqualität ist anständig, der Hersteller gibt eine Auflösung von 3.040 x 1.520 Pixeln und 30 Frames pro Sekunde für Videos an. Wer will, kann seine Bilder mit einer Reihe von Effekten schon bei der Aufnahme versehen, ebenso sind Einstellung der Belichtung möglich oder HDR-Aufnahmen.

Gleich mal anschauen

Wer die Insta360 Nano begeistert auspackt, Kabel und Stofftasche dem Karton entnimmt und diesen sofort entsorgt, begeht einen schweren Fehler. Denn der Clou des Karton ist, dass er auch als Cardboard-VR-Brille dient. Dazu steckt man das iPhone mit dem Bildschirm nach unten in den Deckel, nachdem man den VR-Modus an der App eingeschaltet hat. So kann man wieder mitten in die Szene eintauchen, die man selbst vorher fotografiert oder mit Ton gefilmt hat.

Mit dem mitgelieferten Cardboard wird daraus eine VR-Szene.
Vergrößern Mit dem mitgelieferten Cardboard wird daraus eine VR-Szene.

Fazit und Empfehlung

Ob sich 360-Grad-Fotografie auf breiter Basis durchsetzen wird oder Spezialisten und Enthusiasten vorbehalten bleibt, lässt sich schwerlich sagen. Mit der Insta360 Nano gelingt aber der Einstieg ohne Reue, die Kamera ist mit ihrem Preis von 240 Euro bestens dafür geeignet. Die Qualität der Bilder weiß zu überzeugen, einzig die Akkuleistung lässt ein wenig zu wünschen übrig. Da aber Rundumfotos und Videos ohnehin eher die Ausnahme bleiben dürften, sollte die Kamera im Normalfall nicht schon vor iPhone und/oder Apple Watch abends wieder an die Stromversorgung müssen.

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