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Test: Online Diktieren mit Dictanote

22.02.2019 | 11:48 Uhr | Thomas Hartmann

Für Mac-User wird die Luft dünner, was die Vielfalt für Spracherkennungsprogramme betrifft. Da ist jedes neue Angebot willkommen.

Früher einmal gab es IBM Via Voice als Spracherkennungs- und Diktatprogramm für den Mac. Dazu gab es von Macspeech iListen und Dictate, das später von Nuance übernommen und zuletzt als Dragon 6.0.8 für einen satten Preis von über 200 Euro angeboten wird. Doch dieses wird für den Mac nicht weiter entwickelt, wir berichteten . Noch funktioniert es auch unter dem aktuellen macOS Mojave 10.14, auch dieser Testbericht wird damit per Sprache erstellt. Doch irgendwann könnte mit der Kompatibilität Schluss sein. Siri ist nur ein geringer Trost, weil die Worterkennung nicht durchgängig Freude macht, und man auch keine neuen Vokabeln hinzufügen oder trainieren kann.

Dictanote nur mit Google Chrome

Nun gibt es seit einiger Zeit Dictanote, das ausschließlich im Chrome Web Store oder direkt über die Anbieterseite https://dictanote.co erhältlich ist. Voraussetzung ist aber der Betrieb im Google Chrome-Browser, und es funktioniert grundsätzlich nur online. Dafür aber ziemlich gut, wie die Worterkennungsrate in unserem Test zeigt. Hier müssen wir zwar auch immer mal wieder korrigieren, aber insgesamt lässt sich ein Text mit Durchschnittsvokabular gut diktieren. Korrekturen sind möglich, indem man ein fehlerhaft erkanntes oder geschriebenes Wort anklickt und neu einspricht. Trainieren oder gezielt Vokabeln hinzufügen, wie von Dragon gewohnt, geht damit allerdings auch nicht.

Sehr gute Formatierungsfunktionen

Dafür bietet Dictanote nicht nur diverse Formatierungsmöglichkeiten wie Titel, Zitate, Kursiv-, Fettdruck, Schriften und Größen, dazu das Einfügen von Bildern, Videos und Hyperlinks und anderes mehr. Dictanote ist obendrein kostenlos verfügbar, wenn man auf ein paar Komfortfunktionen verzichten will. So etwa das Speichern von Dokumenten in einem neuen Notebook. Oder das Hinzufügen von Sprachkommandos, welche aber im Wesentlichen nur Diktat-interne Optionen betreffen wie Sonderzeichen oder  typografische Anführungszeichen und anderes mehr. Außerdem lässt sich ein Text eben nur im Chrome-Browser diktieren, von dort aus übernimmt man ihn per Copy-and-Paste in beliebige andere Anwendungen. Herunterladen oder per Link mit anderen Usern teilen lässt sich ein Dokument ebenfalls.

Diktieren in zahlreichen Sprachen

Der eigentliche Clou ist aber die einfache Wahl, in zahllosen anderen Sprachen ebenfalls zu diktieren. Wir haben immerhin Englisch, Französisch und Italienisch ausprobiert und sind damit recht zufrieden. Natürlich gibt es je nach Aussprache einiges zu korrigieren, aber prinzipiell lässt sich damit die Grundlage auch für einen längeren Text in diversen Sprachen legen. Die entsprechenden Satzzeichen, die man diktieren will, werden einem ebenfalls auf Wunsch in der passenden Sprache angezeigt.

Obwohl wir uns für diesen Test einen Monat lang die Bezahlversion gegönnt haben, können wir leider nicht nahtlos auf einem anderen Rechner, in diesem Fall einen Windows-PC, am Testdiktat weiter machen, denn dieses eigentlich gespeicherte Notebook wird uns dort im Chrome-Browser erst gar nicht angezeigt, weil es angeblich auch nach Tagen noch nicht mit dem Server synchronisiert wurde. Das ist ziemlich schwach. Auch auf dem iPad, wie wir es eigentlich vorhatten, geht es mit dem Chrome-Internetclient nicht – dort wird uns stattdessen empfohlen, doch den Browser von Google herunterzuladen, den wir ja aber in der iOS-Version schon installiert haben. Insofern können wir hier leider keinen Vergleich mit Siri erstellen.

Systemvoraussetzungen und Verfügbarkeit

Voraussetzung ist ein Desktop-Mac mit aktuellem Chrome-Browser, auf dem iPad funktioniert es auch damit nicht. Die Erweiterung ist kostenlos erhältlich, für Sonderfunktionen und das Speichern eines Notebooks zahlt man im Abonnement 36 US-Dollar pro Jahr. Bei dem Online-Diktiersystem meldet man sich mit seinem Google-Account oder über Facebook an. Andere Optionen sind nicht vorgesehen.

Fazit und Empfehlung

Das einfache Diktieren mit Dictanote klappt gut, die Erkennungsquote ist in unseren Testläufen im Schnitt etwas besser als im Vergleich zu Siri. Für ein paar Dollar im Monat erhält man sogar zusätzliche Funktionen. Freilich, gezielt Wörter hinzufügen, analysieren oder trainieren geht auch damit nicht. Und was mit den Daten passiert, die man über den Chrome-Browser und den Anbieter von Dictanote notwendigerweise über das Internet laufen lässt, bleibt offen.

Siri auf dem Mac funktioniert immerhin auch offline, und man kann damit anders als mit Dictanote grundsätzlich in jede Mac-App hinein diktieren. Und zweifellos haben Mac-User zu Apple allein prinzipiell mehr Vertrauen. So ist es für manchen wohl eine Gewissensfrage, ob er sich für eine leicht bessere Erkennungsquote einem bislang recht unbekannten Anbieter anvertraut.

Wer Dragon 6 besitzt (offiziell kann man es nicht mehr kaufen), sollte damit einfach weiter diktieren, solange es auch nach Betriebssystem-Updates geht. Es ist im Vergleich die weitaus beste Möglichkeit, auf dem Mac Texte zu diktieren und das System per Stimme zu steuern. Schade trotz mancher Mängel auch bei diesem zudem viel zu teuren Programm ist, dass Nuance sich vom Mac verabschiedet hat.

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