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Test iHealth View: Blutdruckmessung am Unterarm

25.01.2017 | 12:53 Uhr | Thomas Hartmann

Beim iHealth View handelt es sich um ein MessgerĂ€t fĂŒr das Handgelenk. Das View speichert bis zu 120 Messungen, die automatisch via Bluetooth 4.0 mit der iHealth MyVitals-App synchronisiert werden können.

Ein BlutdruckmessgerĂ€t sollte jeder zu Hause vorrĂ€tig haben, der schon einmal mit dem Verdacht oder dem Nachweis von zu hohem Blutdruck in BerĂŒhrung kam. Als Standardwert fĂŒr einen gesunden Menschen gilt dabei 120 zu 80 fĂŒr den arteriellen Blutdruck, gemessen in mmHg (ursprĂŒnglich Millimeter auf der QuecksilbersĂ€ule als Maßeinheit des Drucks). Unterschieden werden der systolische Druck, wĂ€hrend das Herz pumpt und der Druck grĂ¶ĂŸer ist (die Herzkammern ziehen sich zusammen), dies ist der obere oder höhere Wert. Und der diastolische Druck, wĂ€hrend das Herz entspannt, als unterer oder niedrigerer Wert. Der Wert sollte jedenfalls regelmĂ€ĂŸig unter 140/90 mmHg liegen. Ein paar Hintergrundinformationen zu den Werten und zum Blutdruckmessen erhĂ€lt man hier .

Unterarmmessung tendenziell ungenau

Prinzipiell gilt es als gĂŒnstiger, weil genauer, den Blutdruck am Oberarm zu messen, wie es in der Arztpraxis in der Regel auch geschieht. Wichtig ist vor allem, dass die Messung auf Höhe des Herzens oder leicht darĂŒber geschieht, damit man einen verlĂ€sslichen Referenzwert erhĂ€lt. Dagegen gilt die Blutdruckmessung an der Arteria radialis, also am Unterarm, wo man gewöhnlich auch den Puls misst, als fehlerbehaftet. Wichtig ist auch hier, den Unterarm so zu halten, dass die Blutdruckmessung mit der Manschette in Herzhöhe geschieht. Doch auch dies ist nicht ideal, weil, wie wir uns von einem befreundeten Arzt (Internist) haben aufklĂ€ren lassen, die Arterie vom Knochen geschĂŒtzt und daher oft schlecht komprimierbar ist – das verursacht leicht falsch zu hohe Werte.

Genau dies stellen wir bei unseren zahlreichen Messungen mit dem an sich sehr schicken und in der Anzeige ĂŒbersichtlichen BlutdruckmessgerĂ€t fĂŒr den Unterarm iHealth View fest: Im Vergleich zu jeweils parallel vorgenommenen Blutdruckmessungen am Oberarm mit einem handelsĂŒblichen BlutdruckmessgerĂ€t von Sanitas liegen die Werte des iHealth View meist deutlich darĂŒber, sogar, wenn es die zweite Messung in Folge ist, die normalerweise niedrigere Werte ergibt als die erste. Systolisch betrug der Unterschied oft bis zu 20 mmHG, diastolisch um die 10 mmHG und darĂŒber.

Das ist also ein echtes Problem und sollte nicht unterschĂ€tzt werden – immerhin hĂ€ngt davon auch die Einstellung der Medikamentengaben zur UnterdrĂŒckung eines zu hohen Blutdrucks ab. Zwar misst der Arzt oder die Ärztin in der Praxis realere Werte (wenn auch mit dem typischen ” Weißkitteleffekt-Aufschlag ”). Doch immerhin ist das iHealth View auch so gedacht, dass man ĂŒber die Bluetooth-Anbindung an die App die Werte prinzipiell an die Arztpraxis ĂŒbermitteln könnte. Dort wĂŒrde man sich dann unnötig große Sorgen machen mit den entsprechenden Folgen, etwa die scheinbar viel zu hohen Werte mit einer 24-Stunden-Blutdruckmessung zu ĂŒberprĂŒfen.

Ansprechendes Design, ĂŒbersichtliche Anzeige

Technisch verfĂŒgt das iHealth View ĂŒber ein integriertes Display, das sich beim Umbinden einschaltet und angibt, welche Position des Handgelenks optimal fĂŒr die Messung ist. Bevor nicht in etwa die Herzhöhe erreicht ist, fĂ€ngt es mit der Messung erst gar nicht an. Die Werte werden in gut ablesbarem GrĂŒn auf dem lackierten weißen Hintergrund dargestellt. Das BlutdruckmessgerĂ€t ist so anzulegen, dass die Displayseite am Unterarm nach unten zeigt, also wie manche eine Armbanduhr an der Arminnenseite ”falsch” herumtragen. Als wir das GerĂ€t einmal in iWatch-Manier anlegten, funktionierte es auch, pumpte sich auf der Suche nach der auf der anderen Seite liegenden Arterie aber so sehr auf, dass es weh tat. Nun, das war eine Fehlbedienung unsererseits und lĂ€sst sich dem GerĂ€t nicht anlasten.

MitteilungsbedĂŒrftige App im Hochformat

Doch auch ĂŒber die kostenlose App iHealth MyVitals im App Store   (ab iOS 7) sind wir nicht ganz glĂŒcklich. ZunĂ€chst kann man diese auch auf dem iPad nur im Hochformat nutzen. Bevor man sie aber ĂŒberhaupt einsetzen kann, muss man sich mit seinen persönlichen Daten registrieren. Und zwar nicht nur mit Name und E-Mail-Adresse, sondern auch mit Geburtsdatum, GrĂ¶ĂŸe, Gewicht und anderes mehr. An dieser Stelle hĂ€tten wir den Test fast abgebrochen. Warum ĂŒberlĂ€sst man dem Nutzer, der immerhin das teure GerĂ€t gekauft hat, zu dem die App gehört, nicht selbst die Entscheidung, ob er seine Daten ĂŒber die Cloud des Entwicklers sichern will, oder diese lieber nur lokal auf seinem iPad oder iPhone behĂ€lt? Wir haben uns dann entschlossen, fĂŒr diesen Test doch einen Fake-Account anzulegen, mit dem Nutzername ”Macwelt Test” (als Vor- und Nachname) und nur teilweise zutreffende Daten (bei ”mĂ€nnlich” haben wir nicht geschwindelt) einzutragen. Die App selbst ist dann recht komfortabel. Nach der Verbindung mit dem iHealth View werden die im GerĂ€t gespeicherten Messergebnisse synchronisiert und in einer Liste dargestellt. Die App ist auch fĂŒr andere Funktionen vorgesehen, wie etwa der Überwachung von Gewicht, AktivitĂ€t und Schlaf und Vitalwerten. Dazu benötigt man jeweils das passende GerĂ€t des Herstellers.

Wer's will – Blutdruckmesswerte auch ĂŒber Twitter und Facebook

Die Liste selbst ist ĂŒbersichtlich, mit den freilich meist viel zu hohen Werten des BlutdruckmessgerĂ€ts am Unterarm. Zur ErgĂ€nzung, praktisch fĂŒr die spĂ€tere Kontrolle oder den Arzt, sind ErgĂ€nzungen mit Emoticons fĂŒr die Stimmung zum Zeitpunkt der Messung oder auch der AktivitĂ€t hilfreich, denn damit schwankt auch der Blutdruckwert, ob man gerade sitzt und entspannt ist oder auf dem Heimtrainer strampelt oder einfach akut gestresst ist. Von dem Listenscreen aus lassen sich die Daten optional ĂŒber E-Mail versenden – wer will, kann sie sogar ĂŒber Twitter oder Facebook teilen. Dazu aber braucht es wohl schon ein ĂŒberbordendes MitteilungsbedĂŒrfnis.

VerfĂŒgbarkeit

Das iHealth View ist Nachfolger des iHealth Sense und seit Januar zum Preis von 80 Euro verfĂŒgbar. Bestellen lĂ€sst es sich beispielsweise direkt auf der Site des Herstellers . Im Lieferumfang enthalten ist insbesondere das Mini-USB-Kabel, das man zum Aufladen am Mac benötigt. Die GrĂ¶ĂŸe das iHealth View betrĂ€gt 72 x 74 x 17,6 Millimeter, das Gewicht 120 Gramm. Die Armbandmanschette ist geeignet fĂŒr GrĂ¶ĂŸen zwischen 13,5 und 22 Zentimeter am Unterarm.

Fazit und Empfehlung

Die App ist aufgrund der beschriebenen EinschrĂ€nkungen oder Voraussetzungen, insbesondere der Notwendigkeit zum Datenaustausch mit dem Entwickler vor Gebrauch, nicht sehr zu empfehlen. Der Hersteller sollte hier schleunigst die Möglichkeit einbauen, eigene Daten auch privat zu halten oder sie zumindest nur ĂŒber die iCloud zu sichern. Auch das BlutdruckmessgerĂ€t, das durchaus schick aussieht und auch funktionell durchdacht ist, lĂ€sst sich dennoch aus unserer Sicht nicht guten Gewissens empfehlen – die Werte liegen einfach zu stark ĂŒber denjenigen, die nach der Standardmethode mit einem BlutdruckmessgerĂ€t am Oberarm gemessen wurden. Vielleicht erhalten wir mal die Gelegenheit, spĂ€ter im Jahr ein neues BlutdruckmessgerĂ€t von iHealth zu testen, das fĂŒr den Oberarm geeignet ist. So lange sollte man lieber handelsĂŒblichen MessgerĂ€ten den Vorzug geben.

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