2572953

Tiles Bluetooth-Tracker im Test: Objekte suchen, iPhone finden

09.03.2021 | 11:53 Uhr | Thomas Hartmann

Tiles sind hilfreich, um per Bluetooth Objekte wie Schlüssel oder Portmonees zu finden, oder umgekehrt das iPhone auch bei Stummschaltung laut klingeln zu lassen. Apple soll demnächst eine ganz ähnliche Lösung vorstellen …

Während man immer noch auf Apples spekulierte Airtags wartet, die Gegenstände ebenfalls über Bluetooth tracken könnten – und vielleicht noch im März kommen –, sind die Tiles längst etabliert. Wir haben das in der Praxis mit einigen Tiles – Pro und Slim – ausprobiert.

Die Einrichtung geht abgesehen von der leider obligatorischen Registrierung einfach: App installieren, Tile über den integrierten Button aktivieren. Bluetooth muss natürlich eingeschaltet sein, schon kann man eine solche ”Kachelverbindung” mit einem Hinweis oder Zweck benennen, zum Beispiel Schlüssel, Brieftasche, Rucksack und anderes, und sollte das gewünschte Objekt, mit dem man ein Tile verbunden hat, über das Smartphone finden. Das funktioniert ein bisschen wie das Kinderspiel  "Topfschlagen":  Hinweise wie ”kalt”, ”warm” und ”heiß” bekommt man dabei je nach Entfernung. Nur dass es hier um die Verbindung zwischen Handy und Tile geht, die per Anzeige ”schwach”, ”mittel” oder ”stark” sein kann, bis man direkt dran ist.

Überblick Tiles. Manche Geräte unterstützen sie direkt
Vergrößern Überblick Tiles. Manche Geräte unterstützen sie direkt

Klingelt am Tile, oder klingelt am Handy

Dabei gibt das Tile einen Klingelton von sich, den man in der App anpassen kann. Umgekehrt funktioniert es auch – wenn man die entsprechenden Freigaben erteilt hat, wozu auch unbedingt die Standortfreigabe ”immer” für die App gehört, kann man auf die Suche nach dem iPhone gehen, das, wenn es in Reichweite ist, laut klingelt – selbst, wenn es eigentlich stumm geschaltet ist. Und das ist äußerst cool.

Auch unser Tile gibt ein Suchgeräusch von sich, bis es die Verbindung mit dem iPhone hergestellt hat. In seltenen Fällen hat das nicht gleich geklappt, weil die Bluetooth-Connection schwach war oder neu gestartet werden musste. Auch eine Neuinstallation der App oder ein Neustart des iPhones konnte nötig sein. Was den Gesamteindruck leider etwas stört, zumal nicht klar ist, woran das liegen mag. Doch in der Regel funktionierte es einwandfrei.

Man wird elegant zum Ziel gelockt
Vergrößern Man wird elegant zum Ziel gelockt

Dicke Mauern stören, sonst gute Reichweite

Freilich ist der Erfolg nicht nur von der Entfernung abhängig – bei den Pro-Tiles sind es laut Hersteller 120 Meter, bei dem Slim lediglich 60 Meter, über welche die Bluetooth-Verbindung einwandfrei funktionieren soll. Zumindest im Freien können wir das bestätigen. Sobald aber dickere Mauern oder Stahlbetondecken im Haus stören, relativiert sich das, und man muss wie mit der Wundergabel auf die Suche gehen, bis der Kontakt stattfindet.

Der letzte Tile-Standort wird festgehalten
Vergrößern Der letzte Tile-Standort wird festgehalten

Zu schwach für flotte Hunde

Wen das Thema Haustier interessiert, insbesondere Hund, bei dem man einen solchen Tile ans Halsband stecken kann, um das Tier aufzuspüren – dem sind enge Grenzen gesetzt. Denn auch gute 120 Meter wie bei dem Pro sind bei einem schnellen Hund, der im Wald, hinter Büschen oder auf der Jagd nach einem Reh verschwindet, viel zu wenig. Da hilft entweder, sein Tier gut zu erziehen, etwa über die Hundeschule. Oder es gleich professioneller über GPS-Tracker wie diesen   zu probieren, was dann freilich deutlich teurer ist. Ein Praxisbericht mit den Tiles findet sich hier .

Weltweite Tiles-Community hilft

Allerdings bietet Tile auch eine eigene Community, die helfen kann, verlorene Gegenstände bzw. mit ihnen verbundene Tiles aufzuspüren. Je nach lokaler Verbreitung ist das aber Glücksfall – außerdem kostet es extra, wie wir gleich noch sehen werden.

Eine weitere coole Sache sind die integrierten Siri-Shortcuts. Hier kann man einen Siri-Kurzbefehl definieren und zu Siri hinzufügen, um etwa zu sagen ”Suche meinen Schlüssel”, sodass diese Aktion anschließend ausgeführt wird. Die Tiles funktionieren außerdem mit Amazon Alexa und dem Google Assistant. Praktisch ist ferner, dass sich die App den letzten Standort eines Tiles merkt und in der Karte anzeigt, was die Suche deutlich vereinfacht.

In den Einstellungen lässt sich eine Menge anpassen
Vergrößern In den Einstellungen lässt sich eine Menge anpassen

Systemvoraussetzungen und Verfügbarkeit

Es gibt verschiedene Modelle mit unterschiedlicher Reichweite. Am günstigsten (alle folgenden Angaben laut Hersteller) ist der Mate   für 25 Euro, der ”wasserbeständig” ist, eine austauschbare Batterie mit einjähriger Lebensdauer hat und über eine Reichweite von 61 Metern verfügt. Seine Abmessungen: 35 x 35 x 8,2 Millimeter. Diesen muss man wie die meisten anderen Tiles an einem Ring oder Ähnlichem befestigen. Am variabelsten ist in dieser Hinsicht der wasserdichte Sticker , den es im Zweierpack für 40 Euro gibt und der sich mit einer Batterielebensdauer von drei Jahren praktisch überall anbringen lässt – der Hersteller zeigt als Beispiele einen Fotoapparat und eine Fernbedienung, die man ja auch mal verlegen könnte. …Oder Kopfhörer. Die Sticker haben eine Reichweite von 46 Metern bei einer Größe von 27 x 7,3 Millimeter.

Dazu gibt es die Tiles, die wir für den Test nutzten, der flache Slim für 30 Euro , ebenfalls wasserdicht mit Abmessungen von 86 x 54 x 2,4 Millimetern und einer Reichweite von 61 Metern. Und schließlich die Pro-Ausgabe zum Preis von 35 Euro , Abmessungen 42 x 42 x 6,5 Millimeter, Batterielaufzeit ein Jahr, austauschbar und die größte Reichweite mit 122 Metern.

Alle Tiles unterstützen ”lautes” (Sticker) bis ”lautestes” (Pro) Klingeln und laufen mit iPhones ab iOS 13.0 sowie mit Android-Smartphones (Mindestanforderungen variieren je nach Gerät).

Zum Stückpreis kommt optional Tile Premium , das etwa warnt, wenn man ohne ein ”gechiptes” Gerät das Haus verlässt, jährlich kostenlose Ersatzbatterien bietet, einen 30-Tage-Standortverlauf und unbegrenztes Teilen mit Familienmitgliedern und Freunden bei der Suche nach einem Gegenstand unterstützt. Das kostet freilich nach einer 30-tägigen Testperiode 35 Euro pro Jahr oder 3 Euro im Monat. Wer häufig etwas zu Hause vergisst oder ständig auf der Suche ist, kann das sicherlich gebrauchen.

Darüber hinaus gibt es spezielle Angebote wie Kombipacks oder Limited Editions, die man ebenfalls auf der Homepage des Herstellers findet.

Inklusive Siri-Shortcuts
Vergrößern Inklusive Siri-Shortcuts

Fazit und Empfehlung

Wenn man nicht zu viel erwartet – zu große Reichweiten auch in geschlossenen Räumen durch dicke Mauern hindurch, oder Aufspüren entlaufener Hunde – sind die Tiles genau richtig, um sich im Alltag das Leben zu erleichtern. Verlegte Gegenstände in Verbindung mit einem Tile lassen sich leicht aufspüren, und auch ein stummes iPhone ist flott auf Klingeln gestellt, wenn es in der Nähe ist. Im Zweifel hilft die Community, hierzu konnten wir aber keine Erfahrungen sammeln.

Solange es von Apple kein vergleichbares Angebot gibt, lässt sich auch über den Preis kaum meckern. Das ausgeklügelte System scheint uns das Geld wert zu sein. Dass man vor Benutzung eine Registrierung mit E-Mail-Adresse durchführen muss, finden wir weniger überzeugend. Warum darf man die gekauften Tiles nicht einfach für sich nutzen, ohne sich einzutragen? Und dass die Klingelfunktion zum Auffinden von iPhones in unserem Test nicht immer zuverlässig klappt, ärgert ebenfalls.

Für viele Fälle mögen die fast überall anheftbaren Sticker wenn auch mit der geringsten Reichweite, dafür zum günstigsten Preis pro Stück im Haus völlig ausreichen. Wir empfehlen für unterschiedliche Anwendungsfälle das Essentials 4-Pack mit zwei Stickern, Slim und Mate, was für 75 Euro ( bei Amazon, wo es auch die anderen Tiles günstiger gibt, schon für knapp 64 Euro ) auch ein ziemlich gutes Geschenk für viele Anlässe ist. Vom Ansatz her jedenfalls ein tolles System, das Apple erst mal besser machen muss.

Macwelt Marktplatz

2572953