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Unschärfe erwünscht

21.09.2009 | 16:51 Uhr |

Unschärfe erwünscht

Wer mit mehreren Objekten in der Tiefe arbeitet, kann neuerdings auch den Fokus der Kamera setzen. Hierfür stehen sowohl Einstellungen für den Fokusversatz und die Tiefenschärfe als auch für die Nähe und Ferne des Fokus zur Verfügung. Außerdem entscheidet der Anwender, ob der Weichzeichnungs-Effekt des Fokus ein Gaußscher-Blur oder eine "normale" Unschärfe ist. Entsprechend der Bewegung von Objekten und Kamera kann der Fokus auch animiert werden.

Wer viel mit der Kamera-Funktion von Motion arbeitet, wird sich über die Framing-Funktion freuen (zu deutsch: Gerüst). Wendet man dieses Verhalten auf eine Kamera an, lässt sich ein Ziel-Objekt per Drag-and-Drop definieren, das von der Kamera inklusive aller Bewegungen verfolgt wird. Wo sich das Gerüst am Anfang und Ende befindet (Versatz), welche Bewegungsachsen (X, Y, Z) verfolgt, und ob die Bewegung abgeschwächt oder härter sein soll, bestimmt man in den Verhaltenseinstellungen.

Was man in After Effects unter dem Begriff "Parenting" kennt, nämlich das Verbinden einer Objekt-Bewegung mit einer anderen, lässt sich in Motion 4 mittels des Verhaltens "Verknüpfung" durchführen. Ist dieser Effekt auf einem Element angewandt, reicht das Drag-and-Drop des übergeordneten Objekts in das Quellobjekt-Feld, um zwei Bewegungen miteinander zu verheiraten. Ändern man jetzt das Quellobjekt, folgt das Zielobjekt nach. Parameter wie ein zeitlicher Versatz oder eine Multiplikation lassen sich in den Verhaltenseinstellung definieren.

Ein neues 3D-Textwerkzeug in Motion 4 ist "Glyph anpassen". Mittels dieses Tools kann man jeden Buchstaben eines Textes anfassen und frei im zwei- und dreidimensionalen Raum bewegen. Hierdurch erspart man sich aufwendiges Animieren einzelner Buchstaben-Objekte in der Timeline, da trotz Änderung des Buchstaben-Parameters dieser noch immer Teil des gesamten Textobjektes bleibt. Änderungen, die man am Gesamttext durchführt, werden auch auf das individuell durch das Glyph-Werkzeug angepasste Objekt übertragen.

Neue Text-Funktionen

Im Textbereich hat Apple stark nachgebessert. Wer zum Beispiel einen Abspann generieren möchte, erstellt diesen zunächst in einem Textprogramm, zum Beispiel Text Edit. Ein im Rich-Text-Format gespeicherter Text kann unter Beibehaltung der Formatierungen wie Font, Größe und Ausrichtung importiert und sogar editiert werden. Wendet man anschließend das Verhalten "Abspanntext" auf das Element an, wird der Text automatisch von unten nach oben durch das Bild gezogen. Optionen wie eine Flicker-Reduktion oder die Geschwindigkeitskontrolle findet man, wie üblich, in den Verhaltenseinstellungen.

Mittels vier neuer Generatoren kann man Zahlen in fast beliebiger Reihenfolge und Formatierung erstellen und animieren. Zu den neuen Textgeneratoren gehören ein Timecode-Zähler, ein "freier" Zahlengenerator ohne Formatierung sowie ein Generator für Zeit- und Datumsanzeige. Die Generatoren sind frei formatierbare Texte, die sich auf Basis einer Anfangs- und End-Einstellung animieren lassen. Indem man den Start und das Ende per Zeitangabe eingibt, berechnet Motion automatisch alle Zwischenschritte und stellt diese, basierend auf der Dauer des Objekts in der Timeline dar. Dies kann zum einen natürlich ein Echtzeit-Generator sein, zum anderen kann der Anwender aber auch von heute bis Sylvester 2099 in zehn Sekunden hochzählen.

Weitere Neuerungen zum Thema Textanimation finden sich in den 149 Textverhalten, die Apple nach eigener Aussage komplett neu gestaltet hat. Zum einfachen Ein- und Ausblenden eines Textes beispielsweise zieht man das gewünschte Verhalten auf den Text in der Ebenenliste oder Timeline, und der Text wird über die im Verhalten gespeicherten Attribute und Keyframes animiert. Je nach Verhalten stehen dem Anwender mehr oder weniger Parameter für die Feinjustierung der Animation zur Verfügung. Neu ist unter anderem das Verhalten "Sequenztext", welches die über das Glyph-Werkzeug veränderten Parameter auf alle anderen Buchstaben eines Textelements überträgt.

Filter und Generatoren

Motion verfügt in der Version 4 nun über einen "Beschädigter Film"-Filter, um ehemals gutes Material wie alte Archiv-Aufnahmen aussehen zu lassen. Die Einstellungen für Flicker, Fokus, Kratzer und Staub sind hierbei vielfältig und bis zu einem gewissen Grad sogar Echtzeit-fähig. Erst wenn man es mit virtuellem Staub und Kratzern übertreibt, fängt die Wiedergabe an zu ruckeln.

Ebenfalls neu ist der Polar-Filter, der eine extreme Bildverzerrung von 360° ermöglicht. Zwar sind die Einstellungen sehr eingeschränkt, der Effekt aber, je nach Material, umso erstaunlicher.

Bei den Generatoren finden sich die neuen Spiralen und konzentrische Objekte. Wer seine Mitmenschen gerne visuell in den Wahnsinn treiben möchte, kann die Spiralen entsprechend einfärben und animieren. Auch bei den konzentrischen Generatoren sind umfangreiche Einstellungen für Form, Farbe, Rotation sowie Breite und Kontrast enthalten, die besonders in der Kombination mit der Spirale viel Freude bereiten.

Sonstiges

Zu den weiteren Neuerungen gehört die Unterstützung der aktuellen Pro-Res-Codec-Familie, inklusive Pro Res 4444 mit Alpha-Kanal, sowie die Verbesserung der Retiming-Funktion bei Zeitlupen. Ebenso wie Final Cut Pro 7 verfügt auch Motion 4 über eine Senden-Funktion für den direkten Upload auf Youtube, Mobile Me, iPhone/iPod sowie zum Master von DVDs und Blu-ray-Disks.

In puncto Hardware unterstützt Motion 4 neuerdings Multi-Touch Gesten auf den Trackpads der Macbook-Pro-Modelle und kann im 3D-Raum mit einem 3Dconnexion Navigator gesteuert werden. Die Steuerung funktioniert akkurat über alle Achsen wie Zoom, Bewegung und Rotation, allerdings nur für die Ansicht Kamera/Perspektive. Einzelne Objekte kann man leider nicht auf den Navigator legen.

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