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Yamaha YH-L700A – die Alternative zu den Airpods Max?

30.05.2022 | 17:00 Uhr |

Yamaha ist bei Musikfreunden bekannt nicht nur durch hochwertige Audioelektronik, sondern auch durch Musikinstrumente. Was kann man also von einem Bluetooth-Over-Ear Kopfhörer erwarten, der den Apple Airpods Max Paroli bieten möchte? Wir waren neugierig und verraten es Ihnen in diesem Testbericht.

Zunächst erwartet uns klassisches Kopfhörer-Design mit hochwertiger Verarbeitung und schönem Softtouch-Kunststoff. Der Kopfbügel ist angenehm mit Stoff gepolstert und die Lederohrpolster sind angenehm auf der Haut. Nett anzusehen ist auch die mit Leder bezogenen Taster. Doch darauf kommen wir später noch mal zurück.

Yamaha YH-L700A

Hersteller:

Yamaha

Preis:

479,99 Euro

Note:

4,5 Sterne

Vorteile:

voller Klang, klanglich ordentlicher ANC, gutes Preis-Leistungsverhältnis, Klangoptimierer lassen sich abschalten

Nachteile:

Tasten zur Musiksteuerung kaum zu ertasten, mit Klangoptimierer zu scharfe Höhen

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Technisch gibt es erst einmal standesgemäße 40-mm-Treiber und Bluetooth V5.0 mit AAC Codec für Apple-Geräte. Ein analoger Audioanschluss ist natürlich dabei.

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Apple hat es mit seinem Over-Ear-Kopfhörer vorgemacht und auch Yamaha packt viele elektronische Spielereien in sein Bluetooth-Spitzenmodel. Die nennen sich “Advanced ANC”, “Ambient Sound”, “Listening Care”, “Listening Optimizer” und “3D Sound Field”. Im Prinzip geht es darum, mithilfe der Mikrofone und ausgeklügelte Algorithmen immer einen optimalen Sound zu kreieren. Bei der aktiven Geräuschreduzierung ANC genauso wie bei geringer Lautstärke „Listening Care“ oder einer Anpassung an die eigenen Ohren „Listening Optimizer“.

Im Lieferumfang des YH-L700A ist eine gute Transportbox.
Vergrößern Im Lieferumfang des YH-L700A ist eine gute Transportbox.
© Yamaha

Laut Yamaha soll der Akku maximal 34 Stunden durchhalten, das haben wir nicht ganz geschafft. Ein aktuelles Firmware-Update soll aber die Laufzeit optimieren. Ein Problem, das wir mit der Akkulaufzeit hatten, lag darin, dass wenn man vergisst, den Kopfhörer auszuschalten, er fröhlich weiter Strom verbraucht, solange eine Bluetooth-Verbindung aktiv ist. Um das zu vermeiden, solle man sofort nach dem Auspacken in der Headphones-App den Auto-Power-Off-Timer auf die gewünschte Zeit einstellen. Dann sind auch 30 Stunden ohne Raumklang und ANC realistisch. Den Akkustand bekommt man beim Einschalten angesagt oder kann ihn in der iOS-Batterieanzeige ablesen.

Damit der Akku auch lange durchhält, ist es wichtig, die automatische Abschaltung in der App zu aktivieren.
Vergrößern Damit der Akku auch lange durchhält, ist es wichtig, die automatische Abschaltung in der App zu aktivieren.

Bedienung mit Hindernissen

Die Ein/Aus-Taste, die Taste für den 3D-Sound und den ANC ist leicht gefunden, schwieriger wird es bei Lautstärke und Wiedergabe. Die Tasten hierfür befinden sich auf dem mit Leder bezogenen Feld auf dem rechten Ohrhörer. Dabei ist nicht das Problem, dass die Lautstärke bei einem kurzen Druck und der Titelsprung bei einem langen Druck erfolgt. Das Problem ist, dass man die Tasten nur schwer trifft, beziehungsweise unterscheiden kann. Man ist vor dem Druck auf die Taste immer damit beschäftigt, das Feld abzusuchen.

Die Tasten der Wiedergabesteuerung lassen sich nur schwer ertasten.
Vergrößern Die Tasten der Wiedergabesteuerung lassen sich nur schwer ertasten.
© Thomas Bergbold

Selbstverständlich versteht er sich auch auf Telefonieren und Siri. An maximal acht Geräten kann man den YH-L700A anmelden. Ein Wechsel ist aber nur möglich, wenn man beispielsweise beim zuvor benutzten Gerät Bluetooth deaktiviert. Dann lässt sich am neuen Gerät der YH-L700A aktivieren.

Die Arbeit der Klangoptimierer

Wenn so viele Helferlein den Klang optimieren sollen, ist man erst einmal skeptisch, ob da noch ein natürlicher oder realistischer Klang rauskommen kann. Wir probieren daher zuerst "Listening Care" aus, das dafür sorgt, dass bei jeder Lautstärke ein voller Klang zu hören ist. Im Prinzip wirkt es wie ein Loudness-Schalter und funktioniert hervorragend. Je nach Musik war es genau richtig oder man hatte etwas zu viel Bass. Während sich Listening Care deutliche bemerkbar macht, arbeitet der "Listening Optimizer" eher subtil. Wer all die Spielereien nicht möchte, kann diese in der App abschalten.

Das aktive Noise Canceling arbeitet zuverlässig – das Versprechen, dass sich das ANC nicht auf das Musiksignal auswirkt, können wir nicht nachvollziehen. Der Sound wirkt gepresst und angestrengt. Wobei wir aber dem Yamaha ANC assistieren müssen, dass er mit die beste Klangqualität aller bisher getesteten Noise-Canceling-Kopfhörer besitzt. 

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Wer normalerweise nur Musik mit seinem Kopfhörer hört, wird sich fragen, warum man einen 3D-Cinema-Modus benötigen könnte. Anders sieht es bei Filmen aus, also haben wir das beim Actionfilm „Killer's Bodyguard“ ausprobiert. Der 3D-Cinema-Modus gibt dem Film als Erstes mehr Raum, das macht sich besonders bei Actionfilmen positiv bemerkbar. Den zweiten Effekt merkt man beim Drehen des Kopfes, die Dialoge kommen immer aus der Richtung des Bildschirms.

Am meisten dürfte der YH-L700A sicher zum Musikhören genutzt werden. Und so starten wir mit Elektro-Pop von Tears For Fears. Zunächst beeindruckt der sehr volle Klang mit ordentlich Druck von unten. Das macht Spaß und lenkt von den unpräzisen Höhen ab. Gelegentlich übertreibt es der Soundpolierer und macht die Höhen bei Zischlauten zu scharf. Das ist uns hauptsächlich bei diesem Album aufgefallen. Beim nächsten Album von New Order sorgen die elektronischen Helferlein dafür, dass sich Sänger Bernard Sumner etwas mehr in den Vordergrund singen konnte.

Unser letztes Elektronik-Album kommt von OMD. Kräftiges elektronisches Schlagzeug, das kann der YH-L700A einwandfrei. Das kommt schnell und direkt und passt perfekt zur Musik.

Den Abschluss bildet unser derzeitiger Favorit unter den Jazz-Live-Alben von Norah Jones aus dem letzten Jahr. Norah steht mit kräftiger Stimme sehr präsent vor ihrer Band. Die Abtrennung der einzelnen Instrumente ist gut, ein sehr kräftiger Grundton sorgt für eine schöne Live-Atmosphäre. Das ergibt ein stimmiges Bild.

Gelegentlich übertreibt es der „Listening Care“-Modus, dann hilft abschalten und schon klingt der YH-L700A entspannter. Dafür in den Höhen nicht mehr so präsent aber auch nicht mehr so scharf.

Empfehlung

Von einem Hersteller, der auch Musikinstrumente entwickelt, erwartet man einiges von einem Kopfhörer der 500-Euro-Preisklasse.

Der Erstkontakt mit dem YH-L700A passt oder passt nicht. Yamaha hat sein Design so gewählt, dass der YH-L700A sich zwar leicht anfühlt, aber unter Umständen etwas kippelig auf dem Kopf sitzt. Daher ist es wichtig, den YH-L700A anzuprobieren. Wenn er passt, dankt er es mit einem stressfreien Klang über einen längeren Zeitraum.

Bei der Bedienung müssen wir leider auch Kritik üben. So lassen sich die Tasten nicht deutlich genug unterscheiden und der Wechsel zwischen den Abspielern ist sehr umständlich. Der 3D-Cinema-Modus kommt nicht ganz an die Apple Airpods Max mit deren 3D-Audio heran und wirkt etwas angestrengt. Trotzdem ist er ein Extra für gelegentliche Anwendung, dass man gerne mitnimmt.

Die eigentliche Stärke des YH-L700A liegt im Musikhören. Mit allen Mitbewerbern teilt er aber das Schicksal, dass mehr Klangoptimierer nicht unbedingt den Klang besser machen müssen. Hier ist besser auch vom Musikgenre und den Hörgewohnheiten abhängig. Wer auf einen kräftigen Klang mit schöner Live-Atmosphäre steht, wird sich über die Helferlein freuen. Wer einen neutralen Klang sucht, wird hier nicht glücklich, durch Abschalten von des „Listening Care“-Modus wird das aber besser und kann sich dann beispielsweise vom Apple Airpods Max absetzen.

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