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iMac 2019 im Macwelt-Test: Gelungene Weiterentwicklung mit wenigen Schwächen

08.04.2019 | 13:00 Uhr |

Der iMac geht seinen Weg. Apple stellte jüngst eine neue Generation vor, keine Änderungen am Design aber die Leistungsdaten klingen vielversprechend. Wir bekommen das 21,5-Zoll-Modell mit 4k-Display zum Test

Das ist schon ein Balanceakt, den Apple da vollbringen muss. Einerseits steht dort der iMac Pro im Programm, der mit seinen Xeon-Server-Prozessoren bis zu 18 Rechenkerne und maximal 3,2 GHz Taktfrequenz liefert. Er ist derzeit das absolute Flaggschiff in der Mac-Reihe, selbst den Mac Pro stellt er in den Schatten. Andererseits ist diese Maschine viel zu teuer für den Massenmarkt, hier muss Apple mit den „normalen“ iMac-Modellen punkten und leistungsmäßig aufrüsten, aber ohne, dem iMac Pro zu stark auf die Pelle zu rücken. Mit der aktuellen iMac-Generation 2019 scheint das gut gelungen zu sein.

Display, Ausstattung und Anschlüsse

Das 4k-Retina-Display führte Apple schon 2015 beim iMac 21,5 Zoll ein, bereits damals mit dem erweiterten P3-Farbraum, der besonders bei Fotografen und Grafikern beliebt ist. Hier hat Apple beim neuen Modell nichts geändert, kein Wunder, denn Spielraum für Verbesserungen gibt es kaum noch. Das Display zählt zweifellos zu den besten im Weltmarkt. Unsere Messungen bescheinigen ihm dann auch Traumwerte. Die maximale Helligkeit gibt Apple mit 500 cd/qm an, nach der Kalibrierung messen wir 474 cd/qm bei einem Kontrastverhältnis von über 1000:1. Besser wären hier nur noch OLED-Displays, die in dieser Größe aber den Preisrahmen deutlich sprengen dürften. OLED setzt Apple derzeit ausschließlich bei den Top-iPhone-Modellen (XS und XS Max) ein. Auch die Homogenität des iMac-Displays liefert im Test mit gemessenen 86 Prozent exzellente Werte.

Kalibriert auf den Weißpunkt D65 liefert das 4k-Display des iMac eine exzellente Farblinearität. Die Abweichungen sind minimal.
Vergrößern Kalibriert auf den Weißpunkt D65 liefert das 4k-Display des iMac eine exzellente Farblinearität. Die Abweichungen sind minimal.

Schatten oder hellere Flecke sind so gut wie nicht zu erkennen. Der Farbumfang übertrifft die sRGB-Norm spielend, schließlich ist der P3-Farbraum ja deutlich größer. Die Auflösung liegt nach wie vor bei 219 ppi, das menschliche Auge kann ohne optische Hilfsmittel hier keine einzelnen Punkte oder Treppchen in diagonalen Linien mehr ausmachen. Toll!

Im Vergleich zu dem auch schon sehr guten Farbraum des neuen Macbook Air (2018er Modell, farbiger Körper) zeigt das iMac-Display (transparenter Körper) noch etwas mehr Farben an. Das betrifft besonders die Grüntöne.
Vergrößern Im Vergleich zu dem auch schon sehr guten Farbraum des neuen Macbook Air (2018er Modell, farbiger Körper) zeigt das iMac-Display (transparenter Körper) noch etwas mehr Farben an. Das betrifft besonders die Grüntöne.

Unverändert gegenüber den Vormodellen bleibt auch die Schnittstellenausstattung. Man bekommt vier mal USB 3.0 und zweimal Thunderbolt 3. Thunderbolt beinhaltet auch die Monitorschnittstelle Displayport und man kann darüber zwei weitere Monitore anschließen. Apple gibt an, dass man entweder ein 5k-Display (bei 60 Hz) oder zwei 4K-Monitore betreiben kann. HDMI gibt es nicht ab Werk, hier muss man auf optionale Thunderbolt-Adapter zurückgreifen. Prima: Weiterhin bekommt man einen 3,5-mm-Kopfhörerausgang und den SDXC-Kartensteckplatz, der meist zum Übertragen von Fotos und Videos aus Profikameras benutzt wird. Als Netzwerkanschluss ist Gigabit-Ethernet vorhanden. Den schnelleren 10-Gigabit-Port gibt es nach wie vor nur beim iMac Pro. WLAN (802.11ac) und Bluetooth (4.2) sind natürlich auch mit an Bord. Ebenso wie eine Facetime-HD-Kamera im Displayrahmen.

Arbeitsspeicher

Acht GB RAM liefert Apple ab Werk aus, dabei kommt schnelles DDR4-RAM mit 2667 MHz Takt zum Einsatz. Wem diese Kapazität nicht reicht, der kann auf 16 GB oder gar 32 GB aufsteigen, aber Achtung: Das geht nur vor dem Kauf. Nachträglich mehr RAM einzubauen ist nicht möglich! Überlegen Sie sich also gut, wie viel RAM Ihre Apps brauchen. Apple lässt sich eine Speichermehrausstattung zudem fürstlich bezahlen. Für 16 GB RAM muss man satte 240 Euro auf den Tisch des Hauses legen. Für 32 GB sind es gar 480 Euro. Anders sieht dies beim größeren Modell aus, der 27-Zoll-iMac lässt sich ziemlich leicht mit dem zusätzlichen Arbeitsspeicher aufrüsten, der Dritt-Hersteller OWC bittet sogar Kits für 128 GB RAM an .

Fusion-Drive ist Pflicht – SSD nur gegen Mondpreise

Unser Testgerät ist serienmäßig mit einem Fusion-Drive ausgestattet, das insgesamt etwas mehr als 1 TB Platz bietet. Apple stellt für den SSD-Teil des Fusionsdrives seit einiger Zeit nur noch 32 GB zur Verfügung (frühere Modelle boten noch 128 GB). Das macht sich in der Praxis bei normalen Anwendungen kaum bemerkbar, denn macOS passt komplett in diese 32 GB. Der iMac startet somit superschnell, wir messen gerade einmal 21 Sekunden aus dem Stand (Kaltstart). Auch Programme starten blitzschnell, daran gibt es nichts auszusetzen. Wer allerdings viel mit großen Dateien hantiert, wie sie beispielsweise beim Videoschnitt auftreten, wird immer mal wieder kleine Pausen bemerken, da das System die Daten nicht mehr direkt auf den SSD-Teil schreiben kann, sondern auf die langsamere HDD ausweichen muss. Mit dem Benchmark-Programm Disk Speed von Blackmagicdesign können wir das im Test anschaulich simulieren. Die Software schreibt ständig bis zu 5 GB am Stück in einer Schleife. Während die ersten Durchläufe noch mit hohen Schreib- und Lesewerten jenseits der 1000 MB/s erfolgen, sinken die Datenraten nach ein paar Sekunden auf unter 100 MB/s ab. Ab hier muss das System direkt auf die HDD schreiben. Apple verwenden im 21,5-Zoll-iMac 2,5-Zoll-Notebook-Festplatten, die nicht gerade für eine extreme Geschwindigkeit bekannt sind.

Bei sequentiellen Schreib- und Lesezugriffen mit großen Dateien, sinkt die Datenrate des iMac auf unter 100 MB/s ab. Allerdings tritt das in der Praxis nur selten auf.
Vergrößern Bei sequentiellen Schreib- und Lesezugriffen mit großen Dateien, sinkt die Datenrate des iMac auf unter 100 MB/s ab. Allerdings tritt das in der Praxis nur selten auf.

Besser wäre allemal ein reines SSD-System und Apple bietet solche für den iMac auch an – aber nur optional gegen Aufpreis und der hat es ebenfalls in sich. Für 256 GB SSD zahlt man 120 Euro, bis zu 1 TB ist möglich. Da muss man dann aber schon 840 Euro extra hinblättern. Wenn man bedenkt, dass eine separate 1TB SSD heutzutage für deutlich unter 200 Euro zu bekommen ist, sind das echte Mondpreise !

CPU-Leistung

Unser 21,5-Zoll-Modell ist mit dem Sechskern-Prozessor Intel Core i5-8500 der achten Generation ausgestattet. Aktuelle Chips der neunten Generation gibt es nur im 27-Zoll-Modell. Das ist schade, aber nicht weiter tragisch, denn sechs Kerne sind sowieso schon ein Novum für die normalen iMacs und im kleinen 21,5-Zoll Modell ganz besonders. Hier war bislang bei vier Kernen Schluss. Die 27-Zöller bekommt man gar mit bis zu acht Kernen.

Der Chip arbeitet mit einer Basistaktfrequenz von 3,0 GHz, im Turbo-Boost-Modus kann er einzelne oder mehrere Kerne kurzzeitig bis auf 4,1 GHz hochfahren. Das sind schon beeindruckende Werte. Allerdings: Auf Hyperthreading muss man verzichten, die sechs Kerne lassen sich also nicht optimal auslasten. Maxons Cinebench gibt uns einen Faktor von 5,52 aus. Mit Hyperthreading läge der sicher knapp über 6. Das ist natürlich Jammern auf hohem Niveau, denn der Intel-Chip ist auch ohne Hyperthreading schnell, richtig schnell! Das zeigt auch Geekbench 4. Mit einem Wert von über 20.000 Punkten lässt er so machen Konkurrenten hinter sich. Wer allerdings einen ausgesprochenen Numbercruncher sucht, würde eh besser zu einem iMac Pro oder Mac Pro greifen.

Beeindruckend ist die Praxisleistung in Garageband. Volle 112 Audiospuren mit virtuellen Instrumenten spielt der iMac ohne zu stottern ab. Dabei bleibt er zudem leise, die Lüfter laufen nur selten an. Damit ist dieser Mac durchaus eine Empfehlung fürs heimische Tonstudio.

Software-Entwickler freuen sich immer über möglichst kurze Compiler-Tournaround-Zeiten, wobei hier allerdings wieder die geringe SSD-Kapazität des Fusion-Drives zuschlägt. Gegenüber Macs mit reinen SSDs (Macbook Air oder Mac Mini) hat der iMac das Nachsehen. Im Test braucht er sechs Sekunden länger als der Mac Mini mit reinem SSD-Speicher. Das scheint nicht viel, aber Entwickler müssen den Compiler-Vorgang dutzende Male am Tag anstoßen, da summiert sich die Wartezeit schon deutlich auf. Developer sollten also besser ein reines SSD-System ins Auge fassen.

Sicherheit & Grafikchip – T2-Chip und HEVC

Noch ein Wort zur Sicherheit: Bei den mobilen Macs, dem iMac Pro sowie beim Mac Mini setzt Apple den Sicherheitschip T2 ein, der den Bootvorgang überwacht und die Verschlüsselung der Festplatte übernimmt. Außerdem beschleunigt der Chip den Video-Encoder HEVC drastisch. Die neuen iMacs müssen aber leider ohne den T2-Chip auskommen, man verzichtet also absichtlich auf die Sicherheitsfunktionen, die der Chip mit sich bringen würde.

Im Test stellen wir beim HEVC-Benchmark jedoch fest, dass der iMac trotzdem kaum langsamer als das Macbook Air oder der Mac Mini kodiert. Wie kann das sein? Die Lösung: Apple lagert den HEVC-Encoder im 8-Bit-Modus auf den AMD-Grafikchip aus, und der macht einen richtig guten Job! Ein einfacher Test stellt das klar: Wir kodieren ein Video mittels „Compressor" ins HEVC-Format, einmal im 8-Bit-Modus, einmal im 10-Bit-Modus. Dabei beobachten wir die CPU- und GPU-Auslastung mit dem bordeigenen Tool „Aktivitätsanzeige“. Beim 8-Bit-HEVC-Test steigt die GPU-Last drastisch an, während sich die sechs CPU-Kerne eher langweilen. Hier ist er iMac auch schon nach 32 Sekunden fertig. Im 10-Bit-Modus sieht es genau andersherum aus. Die GPU macht fast nichts, während alle sechs CPU-Kerne bis zum Rand hin ausgelastet sind. Hier kommt also der Software-Encoder zum Einsatz und der braucht über sechs Minuten für diese Ausgabe. Bedenkt man, dass der T2-Chip diese Aufgabe sogar noch schneller als die kräftige AMD-GPU erledigt (im Mac Mini nur 17 Sekunden) wird klar, was für einen außergewöhnlichen Rechenknecht Apple mit dem T2 geschaffen hat. Schade, dass er in den neuen iMacs fehlt.

Der HEVC-Encoder nutzt im 8-Bit-Modus den Grafikchip, im 10-Bit-Modus muss hingegen die CPU herhalten, immerhin mit allen zur Verfügung stehenden Kernen.
Vergrößern Der HEVC-Encoder nutzt im 8-Bit-Modus den Grafikchip, im 10-Bit-Modus muss hingegen die CPU herhalten, immerhin mit allen zur Verfügung stehenden Kernen.

Der AMD-Grafikchip ist zwar kein vollwertiger Ersatz für den T2, aber er sorgt dennoch für ordentlich Grafikpower! Aktuellen Spielen ist er durchaus gewachsen, auch wenn der Mac nach wie vor kein ausgesprochener Spiele-Computer ist. Das zeigt sich leider auch daran, dass immer wieder Spielhersteller abspringen. Kürzlich ist Frontier mit dem Spiel „Elite Dangerous“ ausgestiegen. Die jüngste Version läuft nicht mehr auf dem Mac und selbst ältere Versionen können keine Verbindung mehr zu den Frontier-Servern aufbauen. Vom Hersteller gab es dazu nur die lapidar Meldung: „Technische Barrieren führten dazu, dass man die Mac-Entwicklung des Spiels einstellen musste“. Naja, wer’s glaubt …

Da wir Elite als einen Standard-3D-Benchmark auserkoren hatten, mussten wir uns andere Spiele aussuchen. Sowohl im altbekannten "Batman Arkham City" als auch im etwas neueren Spiel „Republique“ konnte der iMac auf ganzer Linie überzeugen. "Batman" lief in 720p mehr als flüssig mit 90 fps. "Republique" immerhin noch mit 68 fps. Selbst bei voller 4k-Auflösung schaffte der iMac in letzterem Spiel bei höchsten Qualitätseinstellungen noch akzeptable 20 fps. Sicher, das ist keine Weltklasse, zeigt aber, dass man mit dem iMac durchaus das ein oder andere Spielchen – selbst in hoher Auflösung – wagen kann.

Fazit und Kritik

Der neue iMac ist eine gelungene Weiterentwicklung bewährter Technik. Man freut sich über sechs CPU-Kerne (beim 27-Zöller sogar acht) und einen flotten Grafikchip. Dennoch: Apple hätte mehr daraus machen können. Vor allem das Design wirkt inzwischen altbacken. Das liegt überwiegend an den breiten Displayrändern. Die müssten nicht sein. Man könnte hier entweder ein größeres Panel einsetzen (23 oder 24 Zoll) oder das Gehäuse drumherum kleiner machen. Schlanke Displayränder sind inzwischen überall Standard, bei Monitoren und TVs genauso, wie bei All-in-One-Computern. Und schicker wäre es allemal. Des Weiteren sollte Apple seine Basiskonfigurationen überdenken. SSDs sind nicht mehr so teuer, Modelle mit reiner HDD anzubieten ist einfach nicht mehr zeitgemäß. Die Preise für mehr RAM und SSD-Speicher sollte man zudem deutlich senken. Sie sind derzeit schlicht marktfremd.

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