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Beste Alternativen, wenn die Webcam ausverkauft ist

08.04.2020 | 10:14 Uhr | Thomas Hartmann

Videokonferenzen, Bildschirmanrufe, alles geht nur noch online – glücklich, wer schon eine Webcam hat. Denn die sind fast so schwer zu bekommen wie derzeit Klopapier.

Wenn man merkt, dass man an seinen diversen Rechnern nicht genügend ausgestattet ist mit Webcams – mit iMac oder Macbook kein Problem, klar, aber vielleicht besitzt man einen Mac Mini oder Mac Pro mit Monitor ohne integrierter Webcam – dann hat man unter Umständen ein Problem. iPhone und iPad gehen auch, aber die Benutzeroberfläche von beispielsweise dem plötzlich fast allgegenwärtigen Zoom ist selbst auf dem iPad Pro mit 10,5 Zoll doch ein wenig klein und beschränkt. Oder man möchte aus anderen Gründen lieber mit Mac oder PC per Kamera verbunden sein.

iOS-Geräte als externe Kameras

Dann gibt es prinzipiell die Möglichkeit, etwa das iPhone oder das iPad als externe Webcam zu benutzen, indem man die App EpocCam nutzt. Wie das funktioniert, haben wir hier beschrieben .

Doch der Verfasser dieses Artikels hat dabei frustrierende Probleme erfahren, bis es endlich – teilweise – funktionierte, mehrere Neustarts des Macs inklusive, um den Treiber in Gang zu bringen. Dann klappte es beispielsweise mit Quicktime Player und einem Programm zur Videoaufzeichnung des Desktops, das auch externe Kameras unterstützt. Auch mit einem Whatsapp-Client für den Mac erhalten wir ein Bild übers iPhone. Mit Facetime auf dem Mac dagegen haben wir aus welchem Grund auch immer keine Chance. Wir nutzen dazu die kostenpflichtige EpocCam-Version für immerhin knapp neun Euro. Wichtig ist es übrigens, in den Systemeinstellungen dem Kamera-Treiber auch den Zugriff auf die gewünschten Programme zu gewähren. FaceTime jedoch tauchte dort nicht auf und lässt sich auch nicht hinzufügen. Auch in der im Moment trotz aller Sicherheitsbedenken sehr beliebten Zoom-App konnten wir EpocCam nicht als Kamera auswählen. Der Support hat leider auf unsere Anfragen nicht geantwortet, auch kein gutes Zeichen.

Prinzipiell besteht mit diesem Ansatz das Problem, das iPhone oder iPad in der richtigen Höhe anzubringen, damit man nicht sozusagen arrogant von oben auf die Konferenzkollegen hinabsieht oder nur seitlich im Blick ist. Dafür braucht man dann wieder das passende Zubehör oder muss sich selbst etwas basteln.

Webcam bestellen – hinten anstellen

Unser nächster Versuch besteht darin, eine Webcam im Internet käuflich zu erwerben. Eigentlich kein Problem, in ”normalen” Zeiten, und da gibt es auch ganz interessante Angebote: Internetkameras, die man sich einfach in der passenden Höhe an den Monitor klemmt, etwa diverse von Logitech . Doch offenbar haben derzeit viele, viele andere Nutzer diesen Einfall auch schon – oft bekommt man solche Webcams zum Beispiel bei Amazon nur noch von Marketplace-Anbietern mit zum Teil deutlich erhöhten Preisen gegenüber der Liste. Und/oder man muss wochenlange Wartezeiten in Kauf nehmen bzw. horrende Summen bezahlen für hochprofessionelle Angebote, die man aber für eine schlichte Webkonferenz kaum benötigt. Ähnlich sieht es bei Alternate oder Cyberport aus – ”derzeit nicht verfügbar”, heißt es da meistens…

Geht doch: Monitor mit Webcam

Also zum letzten Schritt gegangen, und einfach mal nach Monitoren mit aufgesetzten Webcams gefahndet. Hier werden wir relativ leicht fündig. Auch in diesem Bereich gibt es wieder Lösungen in allen möglichen Preisklassen. Wir haben uns für eine relativ preisgünstige und fast sofort verfügbare entschieden von Asus ( ASUS BE24DQLB mit FullHD, IPS, HDMI, DisplayPort ), die über eine aufgesetzte Webcam inklusive Mikrofon und im Monitor eingebaute Lautsprecher verfügt – Kostenpunkt gut 200 Euro. Innerhalb von zwei Tagen war der Monitor angekommen und am Mac per HDMI angeschlossen. Damit die Webcam funktioniert, muss man unbedingt auch das beiliegende USB-Kabel verbinden, sonst klappt da gar nichts. Dann aber einwandfrei – auch mit Skype, Zoom, Quicktime oder anderen Programmen, selbst Facetime ohne Murren, alles funktionierte so, wie es das sollte. Manchmal muss man hier und dort noch Feineinstellungen vornehmen, zum Beispiel in den Systemeinstellungen festlegen, was Eingabequelle und was für die Ausgabe vorgesehen ist, aber das ist ja der Normalfall.

Bei dem günstigen Preis haben wir nun nicht die beste Qualität erwartet – aber der Bildschirm mit 24 Zoll genügt unseren Ansprüchen. Obwohl wir im Normalfall lieber den Eizo-Monitor weiter am Mac nutzen und den Asus für die Videokonferenzen am Windows-PC betreiben. Doch das hat nur etwas mit persönlichen Präferenzen zu tun. Wer zusätzlich zur Videokamera auch einen besseren Monitor möchte oder insgesamt eine bessere Qualität auch für Videoaufnahmen, muss einige Euro mehr hinlegen – hier soll demnächst unser Marktüberblick für entsprechende Monitore mit Webcam eine Hilfe geben.

Fazit

Wer im Moment schnelle Hilfe in Gestalt einer Webcam benötigt, braucht entweder Geduld, sehr viel Geld – oder muss sein Glück mit unzuverlässigen Lösungen wie der EpocCam (iOS-App mit Mac-Treiber) versuchen, um iPad oder iPhone als externe Kamera zu nutzen. Oder greift gleich zu bequemeren Möglichkeiten, die jederzeit ohne Anschluss und Treiberstart zur Verfügung stehen, wie einem Monitor mit angeschlossener Webcam. An unserem Asus-Monitor gefällt uns übrigens besonders gut, dass man, wenn man hier Sorgen wegen digitaler Hacker und Stalker hat, die Kamera nicht abkleben muss – sondern einfach die Plastikklappe schließt, die dafür an der Webcam bereits vorgesehen ist. Einfach praktisch!

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