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Apple Arcade: Die Köpfe hinter Apples Gaming-Offensive

11.12.2019 | 08:30 Uhr |

Wussten Sie eigentlich, dass die Stars von Apple Arcade zum guten Teil deutsche Entwickler sind? Lea Schönfelder von usTwo hat vorher an "Monument Valley" gearbeitet, welches sogar US-Präsident Underwood in "House of Cards" spielt. Und auch "The Bradwell Conspiracy" kommt aus deutschem Hause, von Fable-Veteranen.

Würde Apple ein Spiel designen, es würde wohl so aussehen wie "Assemble with Care" : Mit klaren Linien, feinem Design, aber trotzdem künstlerisch, sehr ästhetisch, aufregend anders. Es ist eines der Highlights von Apple Arcade und zeigt die große Stärke von Apples Gaming-Offensive. Denn Mobile Games sind heute oft Free2Play, mit nervigen Bezahlmechaniken und vielen Mechanismen, die uns warten lassen, statt Spaß zu haben. 

"Assemble with Care" kommt vom Team, welches uns bereits mit "Monument Valley" beglückte und hat dieselbe Leichtigkeit. Besonders auf einem iPad Pro fühlt sich das Werk wohl, weil es viel mit dem Zusammenbauen von Objekten spielt. Das dürfte bei den meisten von Ihnen nostalgische Gefühle hervorrufen: Wir nutzen etwa einen Bleistift, um die Tonspur einer Kassette aufzurollen. Und einen Schraubenzieher, um einen Walkman zu öffnen. 

Große Teile des Werks dreht sich um Objekte, die die meisten von uns mal besaßen, aber heute längst in Vergessenheit geraten sind. Das fühlt sich alles sehr echt an, weil es – nun – weil es echt ist. Sie setzen den Schraubenzieher an, der in 3D förmlich aus dem Bild zu ragen scheint, geben ihm einen Dreh und das Gehäuse öffnet sich. Es ist ein besonderes Spiel, weil es so anders ist. Anders nicht nur für mobile Standards, sondern auch auf Xbox One, PS4 oder dem PC sind solche Titel sehr selten.

Wie "House of Cards" das Studio usTwo über Nacht berühmt machte

Apple Arcade könnte eine neue Ära der Mobile Games einläuten, denn es basiert auf einem Abo-Service. Entwickler werden automatisch bezahlt, sie müssen sich keine Sorgen ums Geldverdienen machen, und das merkt man den Werken an. Es ist bemerkenswert, wie ruhig und entspannt so viele Spiele aus dem Launch-Line-Up sind: Die "The Bradwell Conspiracy" mag zwar wie ein actionreicher Shooter beginnen und das Setting eines Quantum Break haben, aber rein spielmechanisch geht es um ein Puzzle und eher langsames, bedächtig Vorgehen. "Lifelike" zeigt gar das Wandern von Organismen und ist fast schon ein meditatives Erlebnis. usTwo dürfte eines der prominentesten Studios im Start-Line-Up sein, denn ihr letztes Werk haben Sie mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit selbst gespielt: " Monument Valley" . Wurde zum iOS-Game des Jahres gewählt und über Nacht weltberühmt, weil es in "House of Cards" von Kevin Spacey gespielt wurde. 

Siehe auch:  Revolutioniert Apple Arcade mobiles Gaming?

Ein gigantischer Glücksfall, wie sich Lea Schönfelder erinnert: „Viele dachten, es wäre ein Product Placement, also eine bezahlte Werbeplatzierung. Aber in der Tat hat gerade einfach nur jemand aus dem Autorenteam "Monument Valley" gespielt und sie suchten nach einem passenden Game fürs iPad, was Frank Underwood auf dem Sofa spielen kann. So schaffte es unser Spiel in diese große Serie.“ Schönfelder hat an der Filmakademie Baden-Württemberg und Universität Kassel studiert, dann als Game Designer für Flaregames in Karlsruhe gearbeitet, ehe sie nach London zog für usTwo und dort heute als Lead Designer an "Assemble with Care" arbeitet. „Wir wollten ein Spiel mit impressionistischem Stil entwickeln, das per Hand illustriert ist. Zudem sollte es eine recht entspannende Spielerfahrung sein, die künstlerisch unterlegt ist“, erzählt sie. Im Spiel übernehmen wir Maria, die eigentlich als Restauratorin auf antike Gegenstände spezialisiert ist. Aber auch ihre Freunde haben viele kaputte Geräte, die sie sehr liebgewonnen haben: 

„Sie kommt in diese neue Stadt und schließt viele Freundschaften, weil sie Geräte repariert, an denen die Menschen hängen – etwa einen alten Foto-Apparat. Oder ihnen hilft, die Beleuchtung für eine Bar herzurichten. 'Assemble with Care' dient auch als Metapher für Beziehungen, schließlich müssen wir auch diese pflegen.“

Das Spiel hat eine tiefe narrative Ebene, wobei alle Dialoge herrlich vertont und mit melodischer Musik unterlegt sind. Ein absoluter Tipp für alle, die gerade in Apple Arcade reinschnuppern wollen – der erste Monat ist ja kostenlos.

"The Blackwell Conspiracy": gemacht von ehemaligen Fable-Entwicklern von Lionhead

Es war ein faszinierender Tag in London, denn in der Tat trafen wir auch auf einen weiteren deutschen Star-Designer: Georg Backer von A Brave Plan ist heute Game Director von "The Bradwell Conspiracy" , zuvor arbeitete er mit Peter Molyneux an dem legendären Aufbaustrategiespiel "Black & White" sowie "Fable". Und auch für sein nächstes Werk hat sich Backer ein Who-is-Who der Branche rekrutiert: Austin Wintory steuert den Soundtrack bei. Der weltberühmte Komponist ist das Genie hinter den "Scores" von Journey, "The Banner Saga", "Assassin’s Creed Syndicate", "Abzu", "Absolver" sowie "Remnants": 

„Es ist ein sehr großes Projekt für unser neues Studio, die Geschichte etwa stammt aus der Feder Jane Espensons, die "Buffy" und "Battlestar Galactica" geschrieben hat. Austin war direkt Feuer und Flamme, weil wir eine sehr persönliche Geschichte erzählen, mit recht innovativen Augmented-Reality-Ideen arbeiten und dieses ganze Motiv der Einsamkeit innerhalb einer real wirkenden Welt nutzen.“ 

Wir wollen gar nicht zu viel verraten, weil das Spiel wirklich faszinierende und überraschende Wendungen hat, aber vom Ausgangspunkt starten wir im Stonehenge Museum und dann passiert etwas Übernatürliches. Plötzlich sind wir alleine, finden eine AR-Brille und eine Stimme namens Amber leitet uns durch die Räume. „Das Interessante ist: Unser Protagonist hat durch den Unfall seine Stimme verloren und kommuniziert über Fotos mit Amber, die diese kommentiert.“ Ein außergewöhnliches Spiel, welches wir besonders auch für seinen Score lieben, weil dieser oft Wege weist, uns auch mal verwirrt, vom großen Orchester auf den harten Bass der E-Gitarre wechselt. 

"Lifelike": ein interaktives Kunstwerk zur Entspannung fürs iPad

Fast schon in einen Trance-artigen Entspannungszustand bringt Sie das Spiel "Lifelike" . Ähnlich wie thatgamecompanys "Flower" dient dieses Werk mehr dem Erkunden auf meditative Art – es gibt keine Herausforderung, keine Gegner, sondern wir lenken einen Schwarm von Organismen, die in den schönsten Farben blinken und aussehen wie kunterbunte Fischschwärme tief im Ozean. „Es ist im Grunde eine Symphonie der Partikel, die Sie fast schon wie ein Dirigent steuern, um ein sich ständig veränderndes Klang- und Farbbild zu erzeugen“, erklärt Denis Mikan – auf seiner Visitenkarte steht „Captain der Kunami Brothers.“ Aus Wien und damit Österreich, also Nachbarn. Spannend: Es basiert auf der Schwarmformel nach dem Boids-Modell aus den 1980er-Jahren, die das Team so fasziniert hat – sie mussten daraus ein Spiel machen. „Es ist kein klassisches Spiel, weil es sehr viel mehr darum geht zuzuschauen, zuzuhören, zu entspannen, zu genießen, um sich selbst in einen meditativen Zustand zu versetzen“, erklärt der Chefdesigner. Es ist eines dieser Werke, für die Airpods erfunden wurden, um die feinen Beats genießen zu können, die "Lifelike" umspielen. Und ein Hochgenuss, weil so herrlich entspannend. Ein interaktives Kunstwerk, welches man nicht verpassen sollte.

Wer Lust auf diese Titel und noch viel mehr hat? Apple Arcade ist im ersten Monat kostenfrei, also einfach mal reinspielen.

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