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Apple Music: Die besten Alternativen

23.01.2020 | 08:30 Uhr | Peter Müller

Wenn einem iTunes oder sein Nachfolger Music nicht passt, dann soll man halt eine andere Software nutzen. Sagt sich so leicht. Es gibt aber Alternativen.

Der Apple-Streamingdienst Apple Music erfreut sich zwar großer Beliebtheit, zuletzt hatte Apple 60 Millionen Abonnenten gemeldet. Vier Jahre nach dem Start zählt Spotify weiterhin die doppelte Zahl an Abonnenten und ist mit Abstand Marktführer vor Apple, das aber auch einen großen Abstand vor der weiteren Konkurrenz hält. Auch viele Mac- und iPhone-Anwender machen einen Bogen um Apple Music und nutzen lieber Spotify und Co.

Die Mitbewerber bieten ebenfalls eine gute Leistung und lassen sich ohne Probleme auf Apple-Geräten nutzen, im Browser oder in dedizierten Apps. Hinzu kommt ein prinzipieller Umstand mit der Software bis in ihrer Ausführung in macOS 10.14 Mojave:  Apple Music war bis Herbst 2019 an das längst renovierungsbedürftige iTunes gebunden. In macOS 10.15 Catalina hat Apple nun iTunes zerschlagen und die Musikabteilung in eine App namens "Music" ausgelagert, die beinahe ein wenig so daherkommt wie das ursprüngliche iTunes von 2001 und dabei großen Wert auf Apple Music legt: Der iTunes Store, in dem man Musik dauerhaft kaufen kann, ist aber Werk in der App nicht angezeigt, man muss ihn erst einblenden.

Lange ließ sich Apple Music als einziger relevanter Streaming-Dienst nicht über einen Webbrowser nutzen. Das ändert sich nun, seit September 2019 gibt es Apple Music auch in einem Web-Player, bisher noch in einer Beta-Fassung .

Deezer, Amazon und Spotify bieten eigene Anwendungen für Mac und Windows, wer Apple Music nutzen will, muss immer auf die Musik-App setzen (oder den Web-Browser, falls man auf Beta-Software steht). Vorteil: Wer bereits ein umfassendes Musikarchiv mit Kaufdownloads und von CD gerippten Songs nutzt, kann dieses auch in Apple Music weiter verwenden. Außerdem bietet Apple Music eine eigene Musikredaktion und einen eigenen Live-Radiosender – der auch für Nicht-Abonnenten 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche zu hören ist.

Tipp: iMazing - die Alternative zu iTunes: Sichern Sie Musik und Nachrichten

Ein weiterer Vorteil von Apple Music, aber auch von Google Play Music, ist die Verwendung von kuratierten Playlisten. Dabei handelt es sich um spezielle Wiedergabelisten, die für besondere Anlässe von der Redaktion zusammengestellt werden. Die Playlists werden von Musikexperten zusammengestellt, speziell für Fitnessstudio, mobile Anwender oder für das Putzen. Für jede Gelegenheit bieten die beiden Dienste angepasste Playlists, die Sie nur noch abspielen müssen.

Wer keinen Streaming-Dienst sucht, aber die eigene Musik-Sammlung lieber mit einem anderen Player abspielen will, findet im Netz ebenfalls einige Alternativen. Natürlich gibt es haufenweise Media Player für Mac, Windows oder Linux. Aber nur wenige können mit iTunes-Bibliotheken umgehen und die Daten mit iPhone/iPad synchronisieren. Wir gehen nachfolgend auf die verschiedenen Streamingdienste ein und im Anschluss auf Media Player, die auch ohne Streamingdienst iTunes respektive Music ersetzen können.

Darum sind Alternativen durchaus sinnvoll

Großer Vorteil von Apple Music ist die riesige Auswahl und gute Integration in macOS, tvOS, iPadOS und iOS. Im großen Ganzen bieten alle Alternativen einen ähnlichen Umfang von etwa 50 Millionen Titeln – exklusive Musik findet sich praktisch kaum noch, allenfalls bei den Diensten, die Musik auch in hochauflösender Form anbieten (Amazon Music Unlimited HD, Tidal, ...)

iTunes respektive die Musik-App auf dem iPhone und iPad binden keine alternativen Streamingdienste mit ein, wie es etwa bei der Sonos-App der Fall ist, die zugleich die Angebote von Apple Music, Spotify und anderen integriert. Mittlerweile lässt sich Apple Music aber auch auf Echo-Lautsprechern von Amazon abspielen, umgekehrt geht das aber (noch) nicht: Amazon Music Unlimited HD auf dem Homepod. Das muss man dann per Airplay streamen, wenn man das so haben möchte.

Die Preise bei allen Diensten sind recht ähnlich und liegen in etwa bei 10 Euro pro Monat, HD-Optionen kosten Aufpreis, sofern verfügbar. Einige Dienste wie Spotify und Deezer lassen sich eingeschränkt auch kostenlos nutzen. Wer in der ganzen Familie Streaming nutzen will, erhält bei Spotify 50 Prozent Rabatt. Apple Music bietet hier für 15 € pro Monat die Möglichkeit, bis zu sechs Familienmitglieder in ein Abo zusammenzufassen. Andere Dienste bieten in dieser Hinsicht keine speziellen Rabattaktionen.

Fast alle Streaming-Dienste bieten ähnliche Funktionen. Zwar hat diese Liste keinen Anspruch auf Vollständigkeit, zeigt aber schon, dass es durchaus interessante Alternativen gibt, auf die Sie einen Blick werfen können, vor allem da sie alle Dienste mindestens 30 Tage lang kostenlos nutzen dürfen. Es gibt aber auch sehr häufig Sonderaktionen, etwa für Telekom-Kunden sechs Testmonate Apple Music, auch bei Mediamarkt ode Saturn hat es entsprechende Aktionen gegeben und wird es wieder geben.

Spotify – Das Urgestein

Der Marktführer im Streamingbereich Spotify bietet einen kostenlosen, von Werbung finanzierten Zugang, allerdings in schlechterer Qualität und etwas weniger Umfang.

Nur das kostenpflichtigen Abo erlaubt es, offline Musik zu hören. Das werbefinanzierte Angebot dient aber als dauerhaftes Probeabo, wo andere nur 30 Tage oder 90 Tage (nur Apple) gewähren. Dafür bieten weder Apple Music noch Google kostenlose und werbefinanzierte Versionen ihrer an, den bereits erwähnten Sender Beats 1 bei Apple Music ausgenommen.

Spotifiy lässt sich auf dem Mac über ein eigenständiges Programm nutzen, aber auch über den Browser und mobil per App, in allen Lösungen bekommt man das Komplettpaket zu hören. Ein enormer Vorteil von Spotify besteht vor allem darin, dass der Dienst  dank Spotify Connect anders als andere auch auf sehr vielen Multimedia-Boxen, Smart-TVs und anderen Geräten funktioniert.  Apple Music ist auf die Protokolle Airplay und Bluetooth eingeschränkt.

Leider ist es in Deutschland immer noch üblich, Mobilfunk-Verträge mit eingeschränkten Volumen zu verkaufen. Das Abspielen von Musik über einen Streamingdienst belastet natürlich deutlich das Datenvolumen, einige Provider bieten aber Verträge an, bei der die Streamingkosten inkludiert sind und nicht das Datenvolumen auffressen.

Aber auch Apple Music bietet Offline-Funktionen und speichert Songs zur Nutzung ohne Internetverbindung auf dem Gerät. Sie müssen in diesem Fall die Online-Verwendung von Apple Music in den Einstellungen deaktivieren und sicherstellen, dass auch der Offline-Modus verwendet wird. Wenn Sie in iOS die iCloud-Musikmediathek mit Apple Music zusammenführen, haben Sie die Möglichkeit, Songs offline zu speichern und diese auch ohne Datenverbindung zu nutzen. Dazu wählen Sie die Option mit den drei Punkten aus. Für den Download sollten Sie sich möglichst in einem WLAN befinden – sonst ist ihr Inklusivvolumen schnell ausgeschöpft.

Amazon Prime Music und Amazon Music Unlimited auch mit HD

Neben der Möglichkeit, gekaufte Musik im Cloud-Speicher bei Amazon abzulegen, und jederzeit auch online verwenden zu können, haben Prime-Kunden mit Prime Music ebenfalls Zugriff auf eine kostenlose Bibliothek. Im Vergleich zu anderen Diensten ist die Auswahl bei Amazon aber stark eingeschränkt. Amazon Prime Music ist kein eigenständiger Streamingdienst, den man abonniert, sondern lediglich eine Zusatzfunktion für Prime-Kunden.

Diese können aber die Möglichkeiten entdecken und sich unter Umständen das Buchen weiterer Dienste sparen. In Verbindung mit anderen kostenlosen Lösungen wie Spotify oder Deezer kann sich dabei eine durchaus interessante Alternative zu Apple Music ergeben und das vollkommen kostenlos. Natürlich ist die Bedienung in diesem Fall etwas umständlich, da Sie nicht auf die internen Funktionen von iPhone/iPad und iTunes setzen können, sondern mehrere Oberflächen und Apps benötigen. Die Auswahl bei Prime Music ist sehr begrenzt, Neuheiten fehlen meist.
50 Millionen Titel bietet dagegen der Amazon-Dienst Music Unlimited, den es auch als Amazon Music Unlimited HD gibt. In dessen Rahmen kann man auch Musik in "Ultra HD"-Auflösung hören, die praktisch verlustfrei sein soll. HD bedeutet dabei übersetzt 16 Bit und 44,1 kHz (bis zu 850 kbps), Ultra HD 24 Bit und 192 kHz (bis zu 3730 kbps). Welcher Codec dabei zum Einsatz kommt, lässt Amazon offen. Während in HD-Qualität 50 Millionen Titel in CD-Qualität bietet, sind es in Ultra HD "Millionen" an Titeln, geschätzt ist derzeit ein jeder Zehnte schon in der hohen Auflösung angeboten. Seit Herbst 2019 hat Amazon auch ein Gerät im Angebot, mit dem man die Unterschiede auch hören kann. Waren in der Vergangenheit die Echoes eher von bescheidener Klangqualität, besonders der Echo Dot, haben sie mittlerweile deutlich aufgeholt. Mit dem Echo Studio bietet Amazon nun auch einen hochwertigen Klang, der sich hinter dem des Homepod wahrlich nicht verstecken muss .

Google Play Music

Sie können in Google Play zwar keine kostenlosen Funktionen nutzen, haben aber immerhin einen kostenlosen Cloud-Speicher, in dem Sie Ihre eigene Sammlung ablegen und auch abspielen können. Im Grunde genommen ist Google Play Music sehr ähnlich zu Apple Music. Der Dienst ist vor allem bei Android-Anwendern beliebt, es gibt aber auch eine App für iOS und eine Web-App.

Napster und Aldi Life Musik

Auch Napster bietet grundsätzlich keinen kostenlosen Zugang, allerdings zwei unterschiedlich Flatrates. Für 7,95 Euro erhalten Sie einen eingeschränkten Zugang, zum Beispiel was die mobile Nutzung angeht. Wer den Dienst umfassend nutzen will, muss 9,95 Euro/Monat ausgeben. Hier haben Sie aber auch die Möglichkeit auf Aldis Dienst Life Musik zu setzen. Dabei handelt es sich einfach um einen Reseller-Dienst für Napster, der aber auch für 7,99 Euro im Monat mobilen Zugang zu Napster bietet. Sie sollten allerdings nicht blindlings zu diesem Dienst greifen, da er wiederum lediglich Smartphones und Desktop-Geräte zum Abspielen unterstützt. Ungewöhnlich: Zu Aldi Life gehört auch eine Flatrate für E-Books.

Auf Smart-TVs und anderen Geräten findet sich derzeit noch keine App, die mit Aldi kompatibel ist. Hier sind Sie mit Napster oder Spotify besser aufgehoben. Napster können Sie über einen Browser nutzen, oder über einen eigenständigen Client. Genauso wie Spotify wird auch Napster auf sehr vielen Endgeräten unterstützt, zum Beispiel auch auf Multimedia-Boxen oder Smart-TVs.

Deezer

Deezer lässt sich 30 Tage kostenlos testen, bietet aber auch einen kostenlosen Zugang. Dieser ist allerdings von den Möglichkeiten her eingeschränkt. Vom Umfang her bietet Deezer ähnliche Auswahl wie der Mitbewerb. Sie können den Dienst auf sehr vielen Endgeräten nutzen und es stehen Apps für alle maßgeblichen Systeme zur Verfügung. Ein Vorteil von Deezer ist die Verwendung einer eigenen App, speziell für Hörbücher. Bei Apple Music gibt es überhaupt keine Hörbücher und auch in Google Play Music sind Hörbücher eher Mangelware. Zwar lässt sich Deezer über einen Mobilfunkvertrag mit Vodafone buchen, allerdings wird das Datenvolumen angerechnet.

Alternative Mediaplayer für Mac und iPad

Neben der Verwendung von Online-Streamingdiensten spielt beim Ersatz von iTunes respektive Music natürlich auch das Abspielen von Medien eine wichtige Rolle. Denn wenn Sie Apples Software nicht mehr verwenden wollen, benötigen Sie auch eine Alternative zur Media-Player-Funktion. Aber auch als Ersatz auf iPhone, iPad und iPod können Tools von Drittherstellern durchaus interessant sein.

Um iTunes/Music aber auf dem Mac zu ersetzen, verwenden Sie Tools wie Swinsian . Mit der Anwendung greifen Sie unbegrenzt auf iTunes-Bibliotheken zu. Sie können mit dem Programm Ihre Musik-Sammlung aber auch verwalten. Swinsian kostet etwa 20 Euro. Sie können mit Swinsian auch Flac, WMA oder OGG-Dateien problemlos abspielen.

Vox Music Player : – Der Player kann problemlos die iTunes-Bibliothek einlesen und ist für macOS und iOS erhältlich. Er unterstützt auch hochauflösende Audiodateien und bietet einige interessante Spezialfunktionen. Für zehn US-Dollar kann man Funktionen wie Internetradio freischalten.

VLC ist vor allem als Videoplayer bekannt, von vielen Anwendern wird er aber auch als Musikplayer verwendet. Er kann nicht nur verlustfreie Formate wie FLAC abspielen, dank DNLA- und Icecast-Unterstützung ist die Freeware ein interessanter Netzradio-Client. Versionen für iOS und nicht zuletzt Apple TV sind verfügbar.

iTunes-Ersatz und Media Player für Windows und Mac

Natürlich stehen auch für Windows passende Player als Ersatz für iTunes zur Verfügung. Prominentes Beispiel, wenn es darum geht iTunes zu ersetzen, und Musik auf iPhone und iPad zu synchronisieren sind vor allem folgende Player:

Waltr ist ideal um ohne iTunes schnell Video- oder Audiodateien auf ein iPhone oder iPad zu übertragen. Das mit 40 US-Dollar relativ teure Programm kann Mediendateien wie MKV oder FLAC davor in kürzester Zeit in kompatible Formate umwandeln und ergänzt Metadaten. Die aktuelle Version unterstützt neben der Übertragung per USB auch WiFi.

Mit Waltr kann man sehr schnell Daten auf ein iPhone oder iPad übertragen.
Vergrößern Mit Waltr kann man sehr schnell Daten auf ein iPhone oder iPad übertragen.

Primo Music – Mit einem Preis von 20 US-Dollar ist der Musikverwalter Primo Music etwas günstiger, der für Mac und PC verfügbar ist. In Sachen Import und Export der Musikdateien vom und auf das iPhone kann das Programm iTunes ohne Weiteres ersetzen. Dazu kann Primo Music die Einkäufe vom mobilen Gerät sichern oder eine kaputte iTunes-Mediathek wiederherstellen.

iMazing – Das Tool ist ein Komplettersatz für iPhone und spielt seine Rolle als Verwalter externer Geräte wie iPhone und iPad hervorragend. Aber auch das Übertragen von Musik auf den Rechner ist möglich: Schieben sie einfach Musikdateien von dem Mobilgerät/Player auf den Mac – eine Funktion, der sich iTunes immer verweigert hatte. So können sich alte Inhalte von iPads wieder auf den Rechner ziehen und sie neu in ihre Mediathek importieren. iTunes respektive Musik können Sie dabei als Player nutzen, müssen das aber nicht.

iMazing hier downloaden

Fazit

Ob Sie auf Apple Music, Google Play Music, Spotify, Napser oder Deezer setzen ist schlussendlich Geschmackssache oder hängt davon ab, ob ihnen die exklusiven Inhalte zusagen, die sie beim einen bekommen und beim anderen nicht. Wer häufig Musik im Netzwerk streamen will und eher kein iTunes-Fan ist, kann auf Spotify setzen.

Wer zusätzlich noch eigene Media Player nutzen will, muss entscheiden, ob er auch die iTunes-Bibliotheken nutzen will, und mit dem gleichen Tool die Synchronisierung mit seinem iPhone/iPad durchführen will. In diesem Fall können zusätzliche Player durchaus eine interessante Rolle spielen. Leider wird von den meisten Media Playern die iTunes/Music ersetzen können, und die auch iPads/iPhones synchronisieren können, nur Spotify als Streamingdienst unterstützt.

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