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Apple-Trends 2022: Das plant Apple für iPad und iPadOS

31.12.2021 | 09:30 Uhr | Stephan Wiesend

2022 erscheint iPadOS 16 und Apple wird auch einige neue iPad-Modelle vorstellen. Vor allem das iPad Pro wird einige Änderungen bekommen.

Noch vor wenigen Jahren schienen die iPads zu einer Art Mauerblümchen im Apple-Kosmos zu werden, so viel wichtiger wirkten die erfolgreichen iPhones. Das iPad erschien da fast schon als eine Art unnötiges Nebengeschäft.

Diese Einschätzung war offensichtlich falsch – während die iPhone-Verkäufe heute leichte Schwächen zeigen, punkten aktuell die Apple-Tablets. Wohl nicht zuletzt durch den Home-Office-Boom während der Pandemie waren Tablets heiß begehrt. So stiegen in der zweiten Jahreshälfte 2020 die iPad-Verkäufe um fast 50 Prozent und allein im ersten Quartal 2021 sorgen sie für 7,8 Milliarden Umsatz – beachtlich selbst für das an hohe Gewinne gewöhnte Cupertino.

Tablet beliebter als Notebook – nicht nur auf der Couch

Schätzt man die tägliche Nutzungszeit der Anwender – angefangen von Instagram über Netflix bis Zoom, hat das iPad bei vielen wohl das Notebook überholt, und das nicht nur als „Couch-Computer“. Auch bei der Büroarbeit nutzten viele ein iPad statt des Macbooks. Wirft man etwa einen Blick auf den Schreibtisch von deutschen Bundeskanzlern und Unternehmern, steht hier immer öfter ein iPad – gerne auch mit Apple-Tastatur. Ist doch das iPad nicht zuletzt bei Meetings ein mobiler und effizienter Begleiter. Auch Schüler und Studenten konnten schließlich komplett das Homeschooling (Probleme machte wohl eher das fehlende IT-Konzept der Schulen) mithilfe ihres 300-Euro-iPads überstehen. Damit wollen wir nicht behaupten, dass ein iPad immer ein Notebook ersetzen kann. Ob es für die eigene Arbeit taugt, liegt stark an der Art der Aufgaben. Ideal ist ein Tablet beim alltäglichen Lesen von Texten und Daten und beim Video-Chat, weniger der Herstellung und Eingabe von Inhalten. Hier ist nach unserer Meinung weiterhin das Notebook oder der Desktop mit Full-Size-Tastatur und Maus unschlagbar.

Teilweise liegt es wohl auch an der schwachen Android-Konkurrenz, ebenso an der guten Verwaltungssoftware. Vor allem als Unternehmenskunde kommt man bei Tablets aktuell kaum an Cupertino vorbei, schätzen Firmen bei Apple doch weniger cooles Design und iOS-Eleganz, sondern einfaches Enrollment, wie man die Ausgabe der Geräte nennt und simple Verwaltung per Internet. Hier hat die Android-Plattform zwar aufgeholt, Apple kann dafür mit einer klaren Modellpolitik und langer Geräteunterstützung punkten. Allenfalls Samsung hat mit seinen Galaxy-Tabs einen echten Konkurrenten im Angebot, Microsoft mit seinen Touch-Geräten sorgt wohl eher bei Notebook-Größen wie Lenovo und HP für Druck.

Hardware: Das ist bei kommenden neuen Modellen zu erwarten

Die Updatezyklen bei den iPads ähneln denen der iPhones: Üblicherweise folgen auf ein komplett neues Design wie beim iPad Air oder Pro mehrere Jahre kleinere Update – etwa mit besseren Prozessoren und verbesserten Displays. So hat sich etwa am iPad Pro schon seit 2018 wenig geändert, hier wäre ein Design-Update langsam fällig.

iPad

Mit dem günstigsten iPad-Modell, dem „Nur“-iPad, erhält man solide Technik zum Einstiegspreis. Dabei zielt Apple nicht nur auf Privatkäufer, auch wenn diese die günstigen Tablets in Massen kaufen. Es sind vorwiegend Kunden aus Unternehmen und dem Bildungsbereich, für die Apple ein günstiges Tablet im Angebot behalten muss. Starke Konkurrenz durch noch günstigere Chromebooks macht dies unerlässlich, wünscht Apple hier weiter mitzuspielen. Nur so kann Apple Bildungseinrichtungen einen Preis zu 299 Dollar garantieren – und lockt so auch viele Apple-Neukunden auf die iOS-Plattform. Auch für das Geschäft mit Abo-Diensten ist es ein erstklassiges Endgerät. Um trotz niedrigem Preis profitabel zu bleiben, muss Apple auf teure Display-Technologien verzichten und wird wohl auch bei dem nächsten Modell weiter auf Home-Button und Touch-ID setzen. Es sind schließlich seit Jahren millionenfach verbauten Gehäuse, Module und ältere Chips wie der A13, die für niedrige Produktionskosten sorgen. So kostet unter anderem das verbaute 4G-Modem nur ein Bruchteil des 5G-Modells im iPad Mini.

Einen leicht verbesserten Nachfolger gibt es erst Ende 2022 oder Anfang 2023. Hier könnte allerdings die aktuelle Chip-Krise für Verzögerungen sorgen. Musste doch Apple schon Ende 2021 sogar die Produktion von iPads zurückstellen, um genug Chips für seine profitableren iPhones zur Verfügung zu haben. Nicht ohne Grund ist das iPad aber weiterhin beliebt. Das Design ist etwas angejahrt, es bietet aber tolle Performance und hat das beste Preis-Leistungs-Verhältnis. Immerhin bekam es die vom iMac bekannte Ultraweitwinkelkamera mit Folgemodus (Center Stage) und bietet mit 64 und 256 GB doppelt so viel Speicherplatz wie das iPad von 2020. Ein Basis-iPad wird es deshalb wohl noch viele Jahre geben. Für den Heimanwender hat Apple zwar auch das iPad Mini und das iPad Air im Angebot – beide sind aber deutlich teurer als Apples günstigstes iPad.

iPad Mini

Das Erscheinen eines neuen kleinen iPad Mini war 2021 keine Überraschung, zu praktisch ist der kleine Formfaktor für bestimmte Aufgaben. Die schicke neue Version hat Apple aber preislich eine Klasse über dem Basis-iPad angeordnet und eigentlich eine Mini-Version des iPad Air vorgestellt. Bei so viel aktueller Technik und aufwendigem Design kann das kleine iPad kein Schnäppchen sein – und wird auch in der nächsten Version einen Preisabstand zum Einstiegsmodell wahren. Es bietet bereits einige Neuerungen wie 5G, die erst das kommende iPad Air erhalten wird. Das nächste iPad Mini ist aber 2022 nicht zu erwarten, hat doch Apple gerade die Mini-Modelle immer etwas seltener aktualisiert als die anderen Baureihen.

iPad Air: Neue CPU und Folgemodus

Apples vielleicht beliebteste iPad-Reihe sind die iPad-Air-Modelle, die deutlich leistungsfähiger und moderner als das Standard-Modell sind. Sieht man im günstigen iPad das „Schul-iPad“, so sind sie eigentlich Apples Einstiegsmodell. Hier ist eine Modellpflege überfällig, im Frühling wird eine neue Version mit schnellerem Chip erscheinen – mit dem A15, die leistungsfähigeren M1 oder M2 bleibt iPad-Pro-Modellen vorbehalten. Auch auf ein HDR-Display mit Mini-LED wie beim iPad Pro wird man verzichten müssen, muss doch der Abstand zu den deutlich teureren Modellen gewahrt bleiben – das gilt leider auch für die Pro-Motion-Technologie.

Eine bessere Frontkamera mit Ultraweitwinkel und Unterstützung des Folgemodus ist aber eine Selbstverständlichkeit. Die neue Weitwinkel-Funktion wirkt vielleicht wie ein unnötiges Gimmick, kann aber das iPad bei Videokonferenzen sehr aufwerten. 5G ist ebenfalls zu erwarten, ein neues Design nicht. Auch so sollte das Air aber wieder zum meistverkauften iPad-Modell werden.

iPad Pro: Bekommt das iPad Pro einen M1 Pro oder M1 Max?

Dank dem schnellen M1-Chip, den Apple schon im Macbook Air, aber auch im iMac 24-Zoll (!) verbaute, ist das aktuelle iPad Pro ein echtes Leistungswunder. Gibt es keine Lieferprobleme, sollte in der zweiten Jahreshälfte ein Update erscheinen. Das Design des aktuellen iPad Pro wurde schon 2018 vorgestellt, hier ist ein neues Design fällig. Offenbar plant Apple ein Gehäuse mit Glasrücken, um wie bei den iPhones drahtloses Aufladen zu ermöglichen. Die erstmalige Unterstützung von Magsafe bei einem iPad ist ebenfalls in Arbeit. Vermutlich wird es Apple aber vermeiden, eine Lösung wie beim Macbook Pro zu wählen, wo es Thunderbolt  und Magsafe als eigene Buchse gibt, eher eine runde Schnittstelle auf der Rückseite. Per Magnet-Kreis wird wohl auch Aufladen anderer Geräte möglich sein, man kann dann etwa per Magsafe nicht nur das iPad laden, sondern auch die leergelaufenen Airpods wieder aufladen. Auf einen schnelleren Chip wie Apples M1 Pro oder Max wird man allerdings verzichten müssen, dazu ist die Hitzenentwicklung dieser Chips zu hoch. Auch eine verbesserte Akkulaufzeit wird auf dem Plan stehen, so unsere Vermutung.

iPad OS – Sonderfunktionen für M1-iPads

Nur eines steht beim kommenden iPad OS 15 bereits fest: Apple wird bei der nächsten WWDC die wichtigsten neuen Funktionen vorstellen, Ende 2022 wird es dann veröffentlicht. Viele Verbesserungen werden die Produktivität betreffen und die Apps für Mac und iPad werden weiter zusammenwachsen. Hier gibt es aber noch viel Optimierungspotential: Nicht ohne Grund sind iPadOS und iOS zwei unterschiedliche Betriebssysteme. Neben dem größeren Bildschirm gibt es schließlich noch weitere Unterschiede zur iPhone-Nutzung. So verwenden viele Anwender zumindest gelegentlich Pencil, Tastatur und Maus und nutzen andere Apps als auf ihrem iPhone.

Diese Trennung gilt aber auch für die Abgrenzung von macOS: Touchbedienung am Macbook oder iMac ist bei Apple weiterhin tabu, selbst wenn unter der Windows-Plattform Laptob-Tablet-Hybride wie das Microsoft Surface sehr gut ankommen. Das ist manchmal schade und man wünscht sich an seinem iPad mehr macOS-Funktion, ist das iPad doch deutlich näher am Macbook als das iPhone. Gerade hier hat das Mobilsystem iPad OS 15 noch Schwächen, die langjährige Macbook-Nutzer schnell frustrieren können.

So ist die Nutzung einer Maus immer noch eine Behelfslösung, einfach weil iOS-Apps dies oft gar nicht vorsehen. Auch das gleichzeitige Nutzen mehrerer Apps ist verbesserungsfähig und scheitert trotz Lösungen wie Splitscreen oft ganz einfach am Platzmangel. Hier hat Apple das Problem, dass iPadOS auch auf dem kleinen Bildschirm eine iPad Mini noch perfekt funktionieren muss. Kein Wunder, dass auf iPhone oder iPad optimal zugeschnittene iOS-Apps auf macOS oft deplatziert und eher unnütz wirken.

Laut iDropnews wird das neue System zumindest eine revolutionäre Neuerung bieten, die wohl bisher noch viele vom Umstieg aufs iPad abhielt: Xcode, Logic Pro und Final Cut Pro kommen aufs iPad. Diese neuen Programme werden alle Funktionen bieten, aber nur auf iPads mit M1-Chip verfügbar sein  – also den teuren iPad-Pro-Modellen. Die Beschränkung auf M1-iPads hat wohl Hardware-Gründe, sind doch nur die neuen iPads Pro mit 8 und 16 GB RAM ausgestattet – genug auch für Final Cut Pro.

Auf Apples Umsetzung sind wir gespannt: Grundsätzlich sorgt das iPad-Konzept nämlich für viele Probleme, aber auch große Chancen: Seit Jahrzehnten laufen diese Profi-Programme auf Desktop-Geräten und jede Funktion und jede Unteroption sollte nun auch per Touchscreen und Fingerdruck aufrufbar sein – denkt man da an Desktop-Oberflächen wie den Logic-Pro-Mixer, scheint dies ein echtes Problem. Dabei kann ein Touchscreen aber auch Vorzüge bieten, wie eine gut umgesetzte App wie Logic Remote beweist – schon heute kann man nämlich ein iPhone und iPad für das Steuern von Logic benutzen und mit der App mit Gesten Software-Instrumente spielen und Spuren mischen. Wir sind gespannt, wie Apple diese Herausforderung gemeistert hat. Erst mit diesen Programmen wird das iPad Pro für Profis schließlich wirklich zur Notebook-Alternative.

Optische Neuerungen

Kleinere optische Korrekturen gehören ebenso zum Update, auch den Startbildschirm soll Apple überarbeiten und man erhält wohl neue Icons und interaktivere Widgets. Unter iPadOS 16 sollen die Widgets auch im Sperrbildschirm nutzbar sein – man kann dann etwa  seinen Wetterbericht abrufen, ohne das iPad zu entsperren. AR- und VR-Funktionen werden ebenfalls weiter entwickelt, es ist aber wohl unklar, ob sie es in die nächste Version schaffen. Unbestätigt ist ebenso eine Verbesserung der Dateien-App, was wünschenswert wäre. So bleibt bei der Anbindung an externe Medien und Netzlaufwerke noch viel Verbesserungsbedarf. Airdrop ist zwar bequem, will man einige GB an Videodaten exportieren, stößt man schnell an die Leistungsgrenzen.   

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