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Mac-Programme ohne Spuren löschen

22.07.2021 | 10:30 Uhr | Bastian Gruber,

Apps aus dem Mac App Store lassen sich restlos löschen, doch wie steht es mit den anderen Programmen? Wir haben Tipps dafür.

Die Installation von Apps ist auf dem Mac in gewisser Weise inkonsistent: Ein umfangreiches, längst nicht komplettes Angebot ist über den Mac App Store verfügbar, Programme lassen sich aber auch nach Download von der Website des Entwicklers oder aus anderen Quellen installieren. Manche kommen auf Datenträgern wie USB-Sticks, einige sogar noch auf CD/DVD. Insbesondere die Programme großer Hersteller wie Adobes Creative Cloud (außer Photoshop Elements 2020 ) finden ihren Weg nur am Mac App Store vorbei auf den Rechner, wobei es mittlerweile selbst Microsofts Office 365 über den Mac App Store zu beziehen gibt. Das gilt weiterhin auch für das kommende macOS12 Monterey .

Mac bereinigen mit CleanMyMac X

Außerhalb des Mac App Store kann man sich leider Software einfangen, die man nicht braucht: der nervige Mac Keeper beispielsweise oder jede Menge Adware. Was Apple also mit dem Mac App Store und dem Systembestandteil Gatekeeper (seit OS X 10.8 Mountain Lion) vorhatte, funktioniert so nicht umfassend. Auch das ist leider in macOS 12 noch so.

macOS erlaubt nur Software aus sicheren Quellen – theoretisch

Programme sollten sich in der Theorie zufolge nur dann ausführen lassen, wenn sie aus sicheren und zertifizierten Quellen stammen – und bei Nichtgefallen wird man sie mit einem Klick wieder los. Immerhin ist der Gatekeeper mit der Zeit immer restriktiver geworden, mittlerweile verlangt er eine Notarisierung von Apps , die von außen kommen, also eine Freigabe durch Apple. Fehlt diese, kann man Apps zwar noch über das Kontextmenü öffnen, das macht es den Malware- und Adware-Schleudern aber deutlich schwerer.

Aus jedweder Quelle sind kleinere Apps und größere Programme  also leicht installiert, das Deinstallieren hingegen ist nicht immer trivial. Mit unseren Tipps belassen Sie keine unerwünschte Software auf Ihrem Mac.

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Deinstallation mit Haken

Was bei der Installation wenig stört, wird beim Entfernen von Apps lästig: Einige Apps können Sie über Launchpad löschen, wenn Sie die Wahltaste ("alt") gedrückt halten. Ein „x“ zum Löschen einer App erscheint aber nur bei denen, die über den Mac App Store geladen wurden. Alternativ installierte Anwendungen sind in dieser Lösch-Routine über Launchpad nicht eingeschlossen. Auch das ist in macOS 12 Monterey weiter der Fall. Apple hat hier leider noch keine Lösung gefunden.

Viele Anbieter liefern ihrer Anwendung einen Uninstaller mit, aber diese löschen meist nicht alle Bestandteile, es bleiben Reste im System verstreut (Siehe auch: Mac Keeper ohne Rückstände entfernen ). Dies stört zwar nicht im Alltag, aber wer sein System liebt, der will wissen, wo Anwendungen Daten speichern und stets ein sauberes System vorfinden.

Auftretende Fehler lassen sich in einem sauberen System besser zuordnen und sind nicht mehr auf verwaiste Dateien oder alte Querverweise zurückzuführen. Dazu kommt, dass solche Dateireste auch zu Problemen führen können und oft auch das System unnötig ausbremsen. Speicherplatz belegen solche Dateileichen aber in jedem Fall.

Die Restbestände einer App suchen und finden

Doch wie geht man vor? Das „einfachste“ Verfahren ist, alle Dateien zu durchsuchen. Findet man noch Restbestände, die den Namen der gelöschten App enthalten: weg damit.

Wenn Sie jetzt an Spotlight denken: guter Gedanke. Aber bei unsichtbaren Dateien oder Systemdateien muss Apples Suchhilfe erst einmal passen. Anwendungen wie Parallels Desktop oder andere Tools, die tiefer in das System eingreifen, bleiben zunächst unerkannt – es sei denn, man erweitert im Finder den Suchfilter mit dem "+"-Symbol:

Damit Spotlight auch solche Daten findet, sollten Sie in den Systemeinstellungen bei „Spotlight“ auch die Option „Andere“ aktiviert haben. Mehr zur umfassenden Suche mit Spotlight finden Sie auch im Beitrag „ Spotlight macht Suchen und Finden leicht “.

Mit einem simplen Terminal-Befehl können Sie ebenfalls alle Dateien finden und in einer Textdatei ausgeben. Somit hat man die Wahl: Vorsichtige Naturen gehen über den Finder in das entsprechende Verzeichnis und löschen fragliche Dateien per Hand, noch vorsichtigere Nutzer verschieben sie erst einmal in einen Ordner auf der Festplatte. Wer gleich im Terminal bleibt, um mit einem einfachen „Kopieren und Einfügen“ alles auf einmal zu löschen, kennt sich entweder hervorragend aus oder liebt das Risiko.

Denn nicht alle Dateien gehören zu einer Anwendung, nur weil der Name darin vorkommt. Im Zweifelsfall geben Sie den gefundenen Dateinamen in Google ein und suchen nach einer Erklärung.

Noch mehr Tipps zum Löschen

In diesem Absatz geben wir Ihnen noch einige Tipps an die Hand, wie Sie spezielle Programme von Ihrem Mac entfernen und auch die Dateireste umfassend eliminieren können.

Adobe-Programme deinstallieren

Programme von Adobe verfügen im Finder im Ordner „/Programme/Dienstprogramme/Adobe Installers“ in den meisten Fällen über Deinstallationsprogramme. Hier startet ein Assistent, der Sie bei der Deinstallation unterstützt. Über den Assistenten lassen sich auch die gespeicherten Einstellungen vom Mac entfernen. Lassen Sie danach noch den Papierkorb leeren. Sollten alle Spuren des Adobe-Programms entfernt sein.

Apps über den Launchpad entfernen

Starten Sie in macOS das Launchpad und klicken dauerhaft auf eine App im Fenster, können Sie Programme entfernen, in dem Sie diese bei gedrückter App-Taste anklicken – so verschwindet es mit all seinen Dateien. Allerdings unterstützt das nicht jedes Programm in macOS. Meistens werden Sie noch danach gefragt, ob Sie das Programm endgültig löschen wollen. Erscheint bei den Programmen kein X-Symbol, können Sie es über diesen Weg leider nicht löschen.

Nicht mehr benötigte System-Apps entfernen

Viele Anwender benötigen nicht alle Standardprogramme, die Apple mit macOS mitliefert. Im Terminal lassen sich auch diese Apps aus dem System löschen. Um etwa Schach loszuwerden, können Sie den folgenden Befehl verwenden:

sudo rm -rf /Applications/Chess.app

Sie sollten mit diesem Befehl aber sehr vorsichtig umgehen. Um Systemdateien zu löschen, müssen Sie den Integritätsschutz der Systemdateien deaktivieren. Den Status des Schutzes sehen Sie im Terminal mit:

csrutil status

Um den Schutz zu deaktivieren, geben Sie den folgenden Befehl ein. Das funktioniert allerdings nicht im laufenden Betrieb, sondern nur bei der Verwendung von Recovery OS. Dazu müssen Sie den Mac mit der Command-Taste + R starten:

csrutil disable

Nachdem Sie Systemdateien wie nicht mehr benötigte Apps gelöscht haben, aktivieren Sie den Schutz wieder:

csrutil enable

Suchen über Spotlight

Vor allem in Systemverzeichnissen gibt es oft Plug-ins für andere Anwendungen, die aber den Namen der zu löschenden App beinhalten (beispielsweise Twitter).

Wer sich auf die Suche nach Programmresten begibt, sollte es über die üblichen Speicherpfade für Anwendungen versuchen:

/Applications/

~/Library/Application Support/

~/Library/LaunchAgents/

~/Library/Autosave Information

~/Library/Preferences/

Öffnen Sie dazu das Terminal (im Ordner „Programme/Dienstprogramme“) und geben Sie folgenden Befehl ein:

sudo find / -iname "*spotify*" -print > ~/Desktop/suche.txt

Der Befehl „ sudo“ verschafft Ihnen die Berechtigung, überall im System agieren zu dürfen, „ find“ ist der Suchbefehl selbst, „/“ ist der Hinweis auf das Startverzeichnis, ab dem wir suchen. In dem Fall durchsuchen wir alles ab dem Wurzelverzeichnis der Bootplatte. Achtung, hier werden auch alle gemounteten Server und externe Festplatten durchsucht, weil deren Verzeichnisse in einem unsichtbaren Systemordner namens „Volumes“ gespiegelt sind. Der Parameter „ -iname“ gibt an, dass der nächste Befehl den Namen enthält, nach dem gesucht werden soll.

Wichtig ist, dass der Programmname in Anführungszeichen steht. Die Sternchen-Symbole signalisieren, dass vor und nach dem Dateinamen noch Wörter stehen können und der Suchbefehl also nicht nur Dateien erfasst, die ausschließlich den Programmnamen enthalten.

„-print >“ gibt an, dass die Ergebnisse nicht auf der Konsole, sondern in eine Textdatei auf dem Schreibtisch geschrieben werden sollen. Keine Angst: Die Textdatei muss nicht schon vorhanden sein, macOS erstellt sie neu.

Ein Beispiel:

Sie suchen nach Spotify-Dateien, da Sie die Anwendung entfernen wollen. Die Textdatei gibt nach abgeschlossener Suche (je nach Festplattengröße und -schnelligkeit kann das etwas länger dauern) folgende Liste wieder:

/Applications/Spotify.app

/Applications/Spotify.app/Contents/MacOS/Spotify

/Applications/Spotify.app/Contents/MacOS/SpotifyWebHelper

/Applications/Spotify.app/Contents/Resources/intro/spotify-profile.png

/Applications/Spotify.app/Contents/Resources/intro/spotify.png

/Applications/Spotify.app/Contents/Resources/Spotify.sdef

/Applications/Spotify.app/Contents/Resources/spotifyIcon.png

/Users/ meinname /Library/Application Support/Spotify

/Users/ meinname /Library/Application Support/Spotify/SpotifyWebHelper

/Users/ meinname /Library/Caches/com.spotify.client

/Users/ meinname /Library/LaunchAgents/com.spotify.webhelper.plist

/Users/ meinname /Library/Preferences/com.spotify.client.plist

Die erste Zeile ist einfach: Hinter der Datei „.app“ steckt die Anwendung selbst. Die nachfolgenden sechs Zeilen listen Dateien, die im Paket dieser App-Datei vorhanden sind. Wenn ich jetzt also die Datei „.app“ lösche, sind die anderen Dateien auch weg.

Die folgenden Zeilen verraten, dass im Library-Ordner des Benutzerverzeichnisses auch noch Dateien von Spotify lagern.

Direkt ans Ziel

Erfahrene User können die Pfade in die Zwischenablage kopieren, dafür tippen Sie in der Konsole den Befehl

rm -r ""

ein und fügen zwischen den Hochkommata den Pfad ein.

Wenn Sie mit der Konsole noch nicht so vertraut sind, und auf Nummer sicher gehen wollen, können Sie auch so vorgehen:

Öffnen Sie den Finder und drücken Sie die Tasten Befehl-Umschalt-G („cmd-shift-G“) und geben Sie den Pfad ein. Danach suchen Sie in diesem Ordner nach der Datei und löschen sie von Hand.

Library-Ordner in macOS nutzen

Der letzte Pfad meiner Liste führt zu den Spotify-Preferences. Um sie zu löschen, öffnen Sie das Finder-Fenster, geben die Tastenkombination Befehl-Umschalt-G ein und navigieren in den Preferences-Ordner. Anschließend suchen Sie in diesem Ordner nach der genannten Datei. Library-Ordner steht in macOS in diesem Menü zur Verfügung, wenn Sie die „Option“-Taste gedrückt halten.

Der Library-Ordner ist unsichtbar. Im Finder steht dazu „Gehe zu“ zur Verfügung. Nach dem Drücken der „Option“-Taste ist bei „Gehe zu“ auch der Ordner „Library“ zu finden.
Vergrößern Der Library-Ordner ist unsichtbar. Im Finder steht dazu „Gehe zu“ zur Verfügung. Nach dem Drücken der „Option“-Taste ist bei „Gehe zu“ auch der Ordner „Library“ zu finden.

Bei dieser Anwendung war es einfach. Keine Datei weist auf eine Systemdatei hin, die den gleichen Namen wie die Anwendung beinhaltet.

Achtung: Bei Pfaden, die ein /dev, /bin oder andere Ihnen nicht geläufige Ordner beinhalten: Seien Sie vorsichtig und prüfen Sie zweimal nach, ob dies eine Datei ist, die zu Ihrer Anwendung gehört.

Dieses Vorgehen erschwert natürlich das Löschen einer App, und es gibt kleine Tools, die genau das machen. Der Nachteil: Man muss auch diesen Tools mit „sudo“ die vollen Benutzerrechte geben, damit sie die versteckten Dateien finden (das macht man bei Apps mit der Passworteingabe).

Sie haben also die Wahl: Geben Sie einem Dritthersteller volle Kontrolle über Ihr System oder tippen Sie die Befehle schnell selbst ein, behalten die Kontrolle und lernen noch dazu, wie Ihr System funktioniert.

Anmeldeobjekte entfernen

Viele Programme starten Teile auch automatisch mit macOS. Entfernen Sie ein Programm, ergibt es Sinn, in den Einstellungen zu überprüfen, ob diese Systemkomponenten auch entfernt wurden. Wollen Sie das Programm weiterhin nutzen, kann es trotzdem sein, dass Sie die automatisch startenden Komponenten nicht nutzen wollen. Sie finden die Autostart-Programme in macOS in den Systemeinstellungen bei „Benutzer & Gruppen“. Klicken Sie auf Ihren Benutzernamen. Bei „Anmeldeobjekte“ sehen Sie die Dritthersteller-Programme, die mit dem Betriebssystem starten. Hier können Sie Objekte auch entfernen.

Entfernen der Anmeldeobjekte in macOS
Vergrößern Entfernen der Anmeldeobjekte in macOS

Nicht mehr benötigte Dateien entfernen

In macOS ist eine Funktion integriert, die Ihnen übersichtlich anzeigt, welche Programme am meisten Speicherplatz benötigen und wo die Daten gespeichert sind. Klicken Sie dazu auf das Apple-Menü und wählen Sie „Über diesen Mac“. Klicken Sie bei „Festplatten“ auf „Verwalten“.

Anzeigen der verschiedenen Programme und deren Speicherplatz in macOS
Vergrößern Anzeigen der verschiedenen Programme und deren Speicherplatz in macOS

Anschließend analysiert macOS das System und zeigt Ihnen anschließend eine umfassende Liste der Programme und deren Platzbedarf an.

Festplattenbedarf der einzelnen Programme und Verzeichnisse

Über das Kontextmenü können Sie an dieser Stelle Daten löschen und auch ganze Programme entfernen. Alternativ können Sie mit „Im Finder anzeigen“ den Speicherort des Programmes öffnen. Hier finden Sie unter Umständen auch alle Dateien von iOS-Aktualisierungen, die Sie an dieser Stelle löschen können.

Anzeigen der verschiedenen Programme und deren Speicherplatz in macOS
Vergrößern Anzeigen der verschiedenen Programme und deren Speicherplatz in macOS

Löschen nicht mehr benötigter Programme und Dateien in macOS

Mit Softwareunterstützung: AppCleaner und CCLeaner

Mit der Gratis-Software AppCleaner kommen Sie aber auch weiter: Statt in den Papierkorb, ziehen Sie die App in das AppCleaner-Fenster. Sie müssen AppCleaner nicht installieren, das Tool lässt sich direkt starten.

Mit Appcleaner entfernen Sie nicht mehr benötigte Apps und deren Dateien
Vergrößern Mit Appcleaner entfernen Sie nicht mehr benötigte Apps und deren Dateien

Das Tool sucht danach alle im System verstreuten zugehörigen Installationsdateien heraus und löscht diese gleich mit. Dokumente, die mit den Apps erstellt wurden, sind von diesem Vorgehen natürlich nicht betroffen. Das Tool ist nicht offiziell für macOS 12 freigegeben, hat bei unseren Tests aber zuverlässig alle verknüpften Ordner gefunden. Sie müssen den Löschvorgang nicht mit dem Tool selbst durchführen, sondern können im Finder auch selbst nach den Dateien und Verzeichnissen suchen und die dazugehörigen Dateien und Verzeichnisse löschen.

Eine Alternative zu AppCleaner, die auch als Ergänzung genutzt werden kann, ist CCLeaner for macOS . Auch diese App kann Programme und ihre dazugehörigen Systemdateien aus macOS entfernen.

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