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Aus für Windows 7: Auf Windows 10 am Mac umsteigen

17.01.2020 | 08:35 Uhr | Stephan Wiesend

Windows 7 wird nicht mehr offiziell unterstützt. Ist das kostenlose Upgrade auf Windows 10 aber für Boot Camp und Parallels ohne Probleme? Wir haben einige Tipps und Anleitungen zusammengestellt.

Microsoft hat seit dem 14. Januar den Support für Windows 7 nun endgültig eingestellt: An diesem Tag erschien das letzte Sicherheitsupdate, neue Sicherheitslücken werden ab sofort nicht mehr korrigiert und das System täglich anfälliger für Angriffe. Schon aus Sicherheitsgründen sollte man Windows 7 längst ausgemustert haben und das gilt natürlich auch für Mac-Anwender: Viele nutzen noch Windows 7 auf einer Boot-Camp-Partition oder als ein virtuelles System. Oft „nur“ für Finanzsoftware und Steuererklärungen, also sehr sensible Daten (Tipp: Mittlerweile kann man Elster.de im Browser nutzen). Bevor ein Mac-Anwender seine Boot-Camp-Partition aber auf Windows 10 aktualisiert, sollte er die Kompatibilität mit Boot Camp überprüfen – sonst kann es später zu Problemen kommen.

Wo bekomme ich eine neue Version von Windows 10?

Offiziell ist es nicht mehr möglich – noch immer kann man aktuell aber über den Windows-10-Update-Assistent eine Windows 7-Version auf Windows 10 aktualisieren. Es genügt der Download und Star des Assistenten-Tools, dann kann man seine Windows-7-Version problemlos aktualisieren. Wie lange diese Aktualisierung aber noch kostenlos möglich ist, ist unklar.

Warum sollte ich Boot Camp nicht einfach von 7 auf 10 aktualisieren?

Die Aktualisierung von Windows 7 auf Windows 10 ist fast zu einfach, man kann einfach das Update laden und Windows 10 installieren. Leider kann man sich auf die Kompatibilitätsprüfung von Microsoft nicht verlassen. So können bei älteren Macs vor 2012 Probleme mit Treibern auftreten. Vor allem bei Macbooks kann dies sehr lästig werden – etwa wenn Touchpad oder die Webcam nicht mehr funktionieren. Noch schlimmer: Bei einer nicht unterstützen Grafikkarte (etwa bei einem iMac von 2009) sieht man beim ersten Start laut Berichten nur einen schwarzen Bildschirm – und muss Windows 7 oder macOS neu installieren. Bei einigen alten Mac Mini soll etwa nur HDMI funktionieren, nicht dagegen Displayport. In diversen Mac-Nutzerforen über Windows 10 gibt es zu den einzelnen Modellen bereits viele Berichte, erschien das System doch schon vor einigen Jahren.

Welche Macs werden unterstützt?

Laut Apple unterstützt Boot Camp Windows 10 nur bei Macs ab 2012 . Damit ist vor allem gemeint, dass Apple für diese Rechner modellspezifische Treiber bereitstellt.

Macbook von 2015 oder neuer
Macbook Air von 2012 oder neuer
Macbook Pro von 2012 oder neuer
Mac Mini von 2012 oder neuer
iMac von 2012 oder neuer
iMac Pro (alle Modelle)
Mac Pro von 2013 oder neuer

Gut: Bei Macs ab 2015 ist für die Installation von Windows kein USB-Stick notwendig, man kann Windows direkt herunterladen und installieren.

Systemvoraussetzung ist ein Rechner mit 1 GHz, 1 GB RAM und Grafikkarte mit Unterstützung für DirectX 9.

Für die Nutzung von Windows 10 stellt Apple über Boot Camp eine Treibersammlung bereit.
Vergrößern Für die Nutzung von Windows 10 stellt Apple über Boot Camp eine Treibersammlung bereit.

Was hat man für Probleme mit älteren Macs?

Ein Problem das vor allem Macbook-Besitzer betrifft: Damit ein Macbook-Touchpad, Licht-Sensor, die Lüftersteuerung und andere Funktionen problemlos funktionieren, stellt Apple eine Treibersammlung bereit. Für alte Macs gibt es aber oft nur 32-Bit-Treiber und keine Windows-10-Treiber. Im Einzelfall lässt sich deshalb vorab oft nicht klären, wie gut ein altes Macbook mit Windows 10 harmoniert. Vor der Installation prüft zwar der Windows-10-Installer, ob der Mac kompatibel ist, berücksichtigt dabei aber nur die wichtigsten Komponenten wie CPU und Mainboard. Unter Windows 10 könnte dann der Lüfter lauter laufen und die Akkulaufzeit sehr kurz sein. Gute Aussichten hat man offenbar mit echten Desktops wie einen alten Mac Mini oder Mac Pro, für einzelne Modelle kann man aber nur auf Erfahrungen anderer Anwender verweisen.

Ich benutze Windows nur alle paar Monate für einige Minuten. Lohnt sich das Update?

Ein nicht mehr aktualisiertes System sollte man nicht mehr benutzen. Manch Mac-Anwender unterschätzt dabei vielleicht die Gefahren von Malware auf der Windows-Plattform, die Gefahr ist aber sehr hoch. Auch bei einem aktuell gehaltenen Virenscanner ist das Gefahrenpotential sehr hoch. Schon eine E-Mail mit Emotet-Malware kann oft für den Befall des PCs ausreichen. Bei einem nur alle paar Monate genutzten Windows-System sind außerdem oft Sicherheitsupdates nicht immer aufgespielt oder Programme nicht auf dem aktuellen Stand. Besonders bei der Nutzung für sensible Daten wie Kundendaten oder Buchhaltung empfehlen wir ein aktuelles und sicheres System. Nutzt man den PC allerdings ohne Internetanbindung nur für Sonderaufgaben – etwa um einen Spezial-Drucker anzusteuern – ist das Risiko wohl zu vernachlässigen.

Laufen alle alten Anwendungen auch auf dem neuen System?

Die meisten Anwendungen, die unter Windows 7 laufen, sind auch unter Windows 10 lauffähig. Probleme betreffen vor allem sehr alte Programme, mit 16-Bit-Code – beispielsweise sehr alte Installationsprogramme, aber auch einige alte Anwendungen und Spiele. Es gibt aber bei 32-Bit-Versionen von Windows einen sogenannten Kompatibilitätsmodus. Diesen kann man aber über die Funktion „Windows-Features“ aktivieren, indem man eine sogenannte Legacy-Komponente namens NTVDM aktiviert. Dieser Kompatibilitätsmodus funktioniert allerdings nur bei den 32-Bit-Versionen von Windows 10, nicht bei der 64-Bit-Version. Manche Windows-Anwender nutzen deshalb sogar eine zusätzliche 32-Bit-Version von Windows, etwa über eine virtuelle Maschine. Will man von der 32-Bit-Version von Windows 7 auf die 64-Bit-Version wechseln, benötigt man eine neue Lizenz.

Bei der 32-Bit-Version kann man die Option NTVDM aktivieren und auch sehr alte Apps nutzen.
Vergrößern Bei der 32-Bit-Version kann man die Option NTVDM aktivieren und auch sehr alte Apps nutzen.

Mit dem Support-Ende kommt langfristig aber noch ein anderes Problem auf den Windows-7-Nutzer zu: Entwickler unterstützen mit ihrer Software in der Regel nur die auch von Microsoft gepflegten Windows-Versionen. Neue Programme könnten dann auf Windows 7 unerwartete Probleme haben.

Gibt es noch viele Nutzer von Windows 7?

Laut den Analysten von NetMarketShare ist Windows 7 noch bei etwa ein Drittel aller Windows-PC-Systeme im Einsatz, also auf hundert Millionen Rechnern. Auf pcwelt.de waren am 13. Januar 2020 etwa ein Fünftel aller Besucher noch Windows-7-Nutzer, beliebter ist nur Windows 10 (etwa 75 Prozent) und deutlich unbeliebter ist Windows 8/8.1 (ca. 4 Prozent). Bei der macwelt.de war der absolute Anteil der Windows-7-Surfer deutlich niedriger (2,19% am 15. Januar 2020), was jedoch in Anbetracht der etwas speziellen Verteilung dennoch als relativ hoch einzuschätzen wäre (höher beispielsweise als Anteil von iOS-12-Surfern (2,09%).

Wieso kostet Windows 10 bei Amazon 17 Euro, bei Microsoft 145 Euro?

Muss man die Vollversion von Windows 10 kaufen, wundert sich so mancher über die hohen Preisunterschiede bei den Angeboten: Offiziell kostet Windows 10 Home bei Microsoft 145 Euro, dafür bekommt man bei Ebay schon einen guten Gebraucht-PC mit Windows 10. Über Ebay, Amazon oder Supermärkte gibt es aber auch Windows-Lizenzen ab 15 Euro. Um diese günstigen Lizenzen gibt es allerdings seit Jahren juristische Auseinandersetzungen, oft handelt es sich um „gebraucht“ gekaufte Lizenzen. Microsoft sieht diese Windows-Versionen als illegal an, rechtlich ist dies aber umstritten. Privatkäufer gehen bei den Käufen jedenfalls kein juristisches Risiko ein, meist ist die Nutzung problemlos möglich. Seriös ist laut PC-Welt etwa der Händler Lizengo .

Für 145 Euro erhält man Windows 10 Home
Vergrößern Für 145 Euro erhält man Windows 10 Home

Problem 64-Bit-Apps und neuere Apps.

Ein lästiges Problem bei alten Windows-Versionen ist die Unterscheidung zwischen Windows 32-Bit und Windows 64-Bit: Sowohl Windows 7 als auch Windows 10 sind als separate 32- und 64-Bit-Versionen zu haben. Jede Version hat Vor- und Nachteile: Nutzt man die 64-Bit-Version, kann man mehr Arbeitsspeicher nutzen, kann allerdings keine 16-Bit-Programme (wie alte Spiele) verwenden. Wählt man die 32-Bit-Version, kann man keine 64-Bit-Programme nutzen, leider gibt es aktuell immer öfter Programme oder Treiber nur noch als 64-Bit-Version. Bei alten Macs hat man außerdem oft das Problem, das viele Treiber nur als 32-Bit-Version bereitgestellt werden.

Virtuelle Umgebungen

Viele Mac-Anwender nutzen Windows unter einer virtuellen Umgebung wie Virtual Box, Vmware und Parallels. Virtualisierungssoftware ermöglicht den ungefährlichen Test neuer Systeme. Ein Umstieg auf Windows 10 ist hier besonders problemlos möglich, auch die parallele Nutzung mehrerer Systeme. Auch hier ist die kostenlose Aktualisierung auf Windows 10 verfügbar, wir empfehlen vor dem Upgrade allerdings ein Backup der virtuellen Umgebung. Gut: Im Unterschied zu Bootcamp-Nutzern muss man sich hier keine Probleme um fehlende Treiber oder Hardware-Kompatibilität machen.

Wie sichere ich mein altes Windows-7-Boot-Camp?

Vor der Installation eines neuen Systems ist ein Backup zu empfehlen. Um zumindest die Daten zu sichern, empfehlen wir die Nutzung der in Windows 7 integrierten Backup-Funktion. Will man dagegen einen Klon der Boot-Camp-Partition erstellen, um damit auf einen anderen Mac umziehen zu können, benötigt man aber ohne Hintergrundwissen eine Spezialsoftware wie Winclone von Two Canoes.

 Kann ich Browser unter Windows 7 gefahrlos nutzen?

Den Internet Explorer lieber nicht – der in Windows 7 enthaltene Internet Explorer wird nicht mehr aktualisiert und wird so (noch) unsicherer. Das gilt aber nicht für die anderen Browser: Google hat für Chrome eine Unterstützung bis zum 15. Juli 2021 angekündigt. Der neue Chromium-basierte Edge-Browser von Microsoft, der ab dem 15. Januar 2020 ausgeliefert wird, unterstützt auch Windows 7 und erhält auch noch bis mindestens Juli 2021 unter Windows 7 entsprechende Sicherheitsupdates.

Erhält MSE unter Windows 7 noch Signaturen-Updates?

Ja – Microsoft Security Essentials (MSE) wird von Microsoft auch nach dem 14. Januar 2020 mit neuen Signaturen versorgt und schützt den Rechner so vor Virenangriffen. MSE erhält aber keiner Updates mehr.

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