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Ausprobiert: Das iPhone kabellos laden

31.08.2017 | 13:45 Uhr |

Kabelloses Laden ist ein Thema, das von Apple lange ignoriert wurde. Das iPhone 7s oder iPhone 8 soll diese Funktion nun endlich besitzen. Apple setzt dabei wahrscheinlich auf das Ladesystem Qi, doch auch ältere iPhones können mit dem richtigen Zubehör kabellos aufgeladen werden.

Bei der elektrischen Zahnbürste, Rasierapparaten, Wasserkochern und sogar dem Herd ist die Energieübertragung durch Induktion längst Realität: Über ein elektromagnetisches Feld kann elektrische Energie von einem Sender an einen Empfänger übertragen werden, ohne dass unterwegs Hitze erzeugt oder Kabel gezogen werden müssen. Auch bei Smartphones gibt es diese Technik schon lange: Einfach das Handy auf eine Ladeplattform legen, schon beginnt das induktive Laden des eingebauten Akkus – Realität für Besitzer zahlreicher Samsung-, Microsoft- und Google-Smartphones. Apple hat die Technik bei seinen bislang weitestgehend ignoriert, doch mit dem iPhone 7S/8 soll es endlich soweit sein: Kabelloses Laden im iPhone wird Realität.

Kabelloses Laden ist denkbar einfach: Das Smartphone muss – wie hier beim IKEA-Qi-System – einfach aufgelegt werden
Vergrößern Kabelloses Laden ist denkbar einfach: Das Smartphone muss – wie hier beim IKEA-Qi-System – einfach aufgelegt werden
© Christian Rentrop

Qi lädt das iPhone 7S/8

Apple setzt dafür auf den Qi-Standard, der sich inzwischen weitestgehend durchgesetzt hat. Qi bedeutet auf Chinesisch „Lebensenergie“ und um nichts anderes handelt es sich auch bei der Technik für Smartphones: Sie überträgt auf scheinbar magische Weise Energie von der Ladebasis auf das Smartphone. Dadurch wird das Aufladen zu einem Kinderspiel: Die ewige Suche nach einem passenden Lightning-Kabel in einer Welt voller Micro-USB-Smartphones mit Android könnte entfallen, stattdessen könnte einfach eine standardisierte Qi-Ladestation am iPhone 7S/8 verwendet werden. Mit speziellen Qi-kompatiblen Hüllen können auch ältere iPhones nachgerüstet werden – ein enormer Komfortgewinn! Doch wie funktioniert die Technik?

Qi-Ladegeräte sind inzwischen sehr kompakt und kostengünstig, so wie dieses Anker PowerPort Qi Wireless Charger für rund 12 Euro.
Vergrößern Qi-Ladegeräte sind inzwischen sehr kompakt und kostengünstig, so wie dieses Anker PowerPort Qi Wireless Charger für rund 12 Euro.
© Christian Rentrop

So funktioniert Qi

Qi arbeitet mit einer induktiven Kopplung: Das Smartphone besitzt im Inneren eine flache Spule. Der Sender – also die Qi-Ladestation – erzeugt ein elektromagnetisches Wechselfeld, das in der Empfänger-Spule eine Wechselspannung induziert, die den Akku lädt. Diese ist mit 19 Volt relativ schwach und leistet für Smartphones je nach Qi-Standard zwischen 5 und 15 Watt. Das reicht allerdings aus, um ein Smartphone zu laden: Reguläre iPhone-Ladegeräte besitzen auch „nur“ 5 Watt Ladeleistung. Zusätzlich zur reinen Induktion gibt es auch noch eine Near-Field-Datenübertragung: Auf diese Weise können Sender und Empfänger sich absprechen, wie viel Strom benötigt wird und wann der Ladevorgang abgeschlossen ist. Die Technik ist erstaunlich einfach und erlaubt zum Beispiel das Laden komplett versiegelter, wasserfester Smartphones, da das elektromagnetische Feld Kunststoff und andere Materialien – außer Metall – recht einfach durchdringt. Allerdings nimmt die Feldstärke mit der Entfernung zwischen den Spulen ab – Qi-Ladung auf größere Entfernungen funktioniert also nicht.

Apple unterstützt nur den einfachen Qi-Standard

Allerdings hat die Technik einen Haken: Sie verlangt immer den Einbau der Empfängerspule in Geräten, die kabelloses Laden unterstützen sollen. Diese Spulen sind zwar nicht besonders dick, benötigen aber Platz im Gehäuse – vermutlich ein Grund, warum Apple die Technik im iPhone bislang ignorierte. Denn überbordender Schlankheitswahn ist mit kabellos aufladbaren Smartphones nicht mehr möglich und ist nur durch das Schrumpfen der anderen Komponenten machbar. Apple wird laut Gerüchteküche im iPhone 7S/8 daher auch „nur“ den regulären Qi-Standard 1.2 mit Ladeströmen von maximal 7,5 Watt unterstützen, allerdings ohne das sogenannte Extended Power Profile, das Ladeleistungen von bis zu 15 Watt und damit Fast-Charging möglich macht. Es ist zu erwarten, dass das kabellose Laden dadurch unnötig langsam erfolgt. Immerhin könnte die Kompatibilität zu bestehenden Qi-Lösungen gegeben sein – und damit einfaches, preisgünstiges Zubehör möglich sein.

Setzt Apple auf MFi-Zertifizierung?

Allerdings ist einfaches, preisgünstiges Zubehör nicht die Sache von Apple. Die Gerüchteküche erwartet deshalb, dass Apple zwar technisch auf den Qi-Standards setzt, diesen aber mit einer Made-for-iPhone-Zertifizierung (MFi) ausstattet. Das hieße dann, dass eben keine regulären Qi-Ladestationen mit dem iPhone verwendet werden könnten. Stattdessen müssten iPhone-User wieder einmal zusätzliche Hardware anschaffen, für die Apple Lizenzgebühren verlangt. Bei einem universellen System wie Qi wäre das ausgesprochen ärgerlich: Zwar könnten mit Apple-Qi-Geräten auch Android-Smartphones geladen werden, umgekehrt dürfte das dann aber nicht der Fall sein. Es bleibt abzuwarten, ob Apple diesen Schritt geht: Eigentlich ist Qi ein Standard, der nicht einfach verändert werden kann, und Apple ist sogar Mitglied im Qi-Konsortium . Nicht ungewöhnlich für Cupertino wäre jedoch, dass Apple jedoch auf Basis der Qi-Technik eine eigene Schnittstelle schafft, die vielleicht zusätzlich Daten überträgt – vergleichbar mit einem kabellosen Lightning-Anschluss.

Standard-Qi bei älteren iPhones nutzen

Immerhin: Ältere iPhones bis hoch zum iPhone 6S können derzeit recht einfach mit Qi-Ladefunktionen nachgerüstet werden: Hüllen mit Qi-Empfängern, wie sie etwa IKEA in Form der iPhone-Cases „ Vitahult “ für das hauseigene Qi-System „Nordmärke“ anbietet, gibt es auch von zahlreichen anderen Herstellern, etwa dem Hüllen-Hersteller Urcover und vielen anderen Anbietern. Um das passende System zu finden, reicht es, bei Amazon, Ebay und Co. den Begriff „Qi“ sowie das eigene iPhone-Modell einzugeben. Es gibt sogar Lösungen für bestehende Cases: Kleine, scheckkartengroße Standalone-Receiver wie der Qi Wireless Charging Receiver können einfach in eine bestehende Hülle eingelegt werden, sofern diese nicht zu eng sitzt. Qi-Nachrüstung – und zwar ohne MFi – stellt bei älteren iPhones also kein Problem mehr dar.

Nachrüst-Lösungen für den Qi-Standard wie diese von Leapcover und …
Vergrößern Nachrüst-Lösungen für den Qi-Standard wie diese von Leapcover und …
© Leapcover
… UrCover gibt es für kleines Geld für alle iPhone-Modelle mit Lightning-Anschluss.
Vergrößern … UrCover gibt es für kleines Geld für alle iPhone-Modelle mit Lightning-Anschluss.
© Urcover

Kabelloses Laden: Worauf Sie achten müssen

So oder so hat das kabellose Laden einige Vorteile, die das Leben leichter machen. Selbst, wenn Apple künftig auf einen „angepassten“ Qi-Standard setzen sollte, hat die Technik immer noch den Vorteil, dass das lästige Nachkaufen und Anschließen von Lightning-Kabeln überall in der Wohnung und am Mac ein Ende hat. Das schont den Lightning-Anschluss, was der Lebensdauer des iPhones nur zugutekommen kann. Nachteile sind natürlich die höheren Reibungsverluste: Bei Qi wird ein Wirkungsgrad von rund 60 Prozent erzielt, wodurch beim Qi-Laden mehr Strom verbraucht wird als bei einem regulären Netzteil. Im Anbetracht der niedrigen Leistungen ist das aber zu verkraften – der Unterschied dürfte sich in normalen Haushalten kaum auf der Stromrechnung bemerkbar machen. Allerdings sind Qi-Ladevorgänge auch langsamer.

Fazit: Kabelloses Laden ist ein Gewinn

Letztlich spielt es aber keine Rolle, wie schnell oder langsam der kabellose Ladevorgang abläuft und ob Apple eigenes MFi-Zubehör voraussetzt oder nicht: Unter dem Strich ist kabelloses Laden mit dem iPhone längst überfällig. Ein Komfortgewinn wird damit auf jeden Fall erzielt, weshalb die Implementierung – ob mittels Qi oder einer Modifikation durch Apple – auf jeden Fall eine gute Angelegenheit ist.

Kabelloses Laden wäre vor allem bei kleinen Macbooks denkbar. Allerdings gibt es hier Probleme bei der praktischen Umsetzung.
Vergrößern Kabelloses Laden wäre vor allem bei kleinen Macbooks denkbar. Allerdings gibt es hier Probleme bei der praktischen Umsetzung.
© Apple

Macbook und iPad kabellos laden?

Zwar hat Qi inzwischen Hochleistungs-Ladefunktionen standardisiert: Qi Medium-Power (120 Watt) und Qi High-Power (1 Kilowatt) erlauben sogar das kabellose Betreiben von Hochleistungsgeräten wie Tablets, Notebooks und sogar Küchengeräten. Derzeit ist jedoch noch keine Umsetzung für Praxiseinsatz bei Apple in Sicht: Ladepads für Notebooks müssten zudem in einem Schreibtisch integriert werden, um ein dauerhaftes Aufladen während der Arbeit zu gewährleisten. Durch die geringe Reichweite der induktiven Ladetechnik ist das jedoch nicht sonderlich effizient. Insofern dürfte kabelloses Laden auch in absehbarer Zukunft zunächst auf iPhones und andere Smartphones beschränkt bleiben.

So einfach ist das Aufladen mit dem Qi-System

Keine App, keine Kabel, sondern nur ein wenig zusätzliche Hardware: Auch ältere iPhones können problemlos mit dem Qi-System für kabelloses Laden ausgestattet werden. Wir zeigen die Funktionsweise anhand von IKEAs Nordmärke-Ladestation samt passendem Smartphone-Case.

1. iPhone in die Ladehülle stecken

Das iPhone benötigt eine Ladehülle für das Qi-System, um drahtlos geladen zu werden. Grundsätzlich ist deren Funktionsprinzip immer gleich: Die Hülle enthält eine Spule, die als Empfänger dient sowie ein wenig Ladeelektronik. Der Strom wird von dort an den Lightning-Anschluss übermittelt.

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© Christian Rentrop

2. Ladestation ans Stromnetz anschließen

Die Ladestation muss nun ans Stromnetz angeschlossen werden. Platzieren Sie sie irgendwo, wo Sie das iPhone schnell ablegen und wieder aufnehmen können, um den Ladevorgang möglichst effektiv zu gestalten. Benötigt wird eine einzelne Steckdose.

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© Christian Rentrop

3. iPhone auf Ladestation legen

Legen Sie jetzt das iPhone auf die Ladestation: Diese erkennt automatisch, dass ein Gerät aufgelegt wurde und beginnt mit dem Ladevorgang. Dass alles geklappt hat, sehen Sie daran, dass die Ladeanzeige des iPhones anspringt. Die Geschwindigkeit des Ladevorgangs kann sich von der Ladegeschwindigkeit am Netzteil unterscheiden.

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© Christian Rentrop
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