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Bilder, Videos auf Facebook, Youtube vor Raubkopierern schützen

18.11.2016 | 09:26 Uhr |

Egal ob Text, Fotos oder Videos: Wer im Netz publiziert, muss automatisch damit rechnen, dass die eigenen Medien kopiert werden. Zum Glück gibt es Mittel und Wege, das zu verhindern. Wir zeigen einige Methoden.

Das Video ist so genial, dass es viral geht. Es bekommt tausende Likes auf Facebook, wird geteilt und kommentiert. Das Problem: Der ursprüngliche Urheber, der sein Video bei Youtube veröffentlicht hat, hat nichts davon: Im Social Web hat sich eine Kultur der Raubkopie herausgebildet: User von Twitter, Youtube und Facebook, Foto-Plattformen wie Instagram und Twitter oder einfache Blogger, die auf ihrer eigenen Website veröffentlichen, werden dabei tagtäglich bestohlen. Die Content-Diebe sind Websites und Facebook-Kanäle, die sich als „Best-of“-Lieferanten aufspielen: Tweets werden als Meme-Bilder verpackt und einfach weitergegeben, Youtube-Videos werden heruntergeladen, um bei Facebook wieder hochgeladen zu werden. Fotos und Texte von Blogs werden x-mal kopiert, verschickt, retweetet, ohne dass dabei auf die Originalquelle verwiesen wird. Das Ziel dabei: Reichweite generieren, und zwar kräftig. Denn auf Social-Media-Kanälen zählt – wie in allen Medien – die Reichweite. Je mehr User man anspricht, desto sattere Umsätze können über Affiliate-Links bei Facebook und Werbebanner auf anderen Kanälen generiert werden.

Beste Tweets und coole Videos

Gemeinerweise wissen die meisten Youtuber, Twitterer und Blogger nicht einmal, dass ihr Content bares Geld wert ist. Dabei ginge es gerade bei Videos, die viral gehen – also von enorm vielen Anwendern angeschaut werden – nicht selten um hunderte, wenn nicht tausende Euro. Allerdings möchte längst nicht jeder Nutzer seine Videos vermarkten. Trotzdem muss er auch nicht zusehen, wie es andere für ihn tun: Ein Youtube-Video ist mit Tools wie Clipgrab schnell herunter- und auf dem eigenen Kanal, der eigenen Facebook-Seite hochgeladen, um dort Klicks zu erzeugen. Diese seit Jahren bekannte Praxis des „ Freebooting “ ist auch deshalb möglich, weil Youtube bis heute keinen Content-Schutz für „normale“ User anbietet. Und weil Facebook direkt hochgeladene Videos verlinkten Videos vorzieht . Manche der Content-Klau-Seiten erdreisten sich sogar noch, ein eigenes Wasserzeichen zu setzen und den Inhalt als eigenen Post auszugeben. Noch heftiger betroffen sind die „kleinen“ Medien im Web: Fotos werden kopiert und geteilt, geistern jahrelang durchs Netz und erhalten eventuell sogar Meme-Status, ohne dass der Urheber etwas davon hätte. Und viele „Best-of-Twitter“-Seiten posten einfach wild Tweets anderer User, nicht selten ohne auch nur auf das Original zu verweisen. Besonders beliebte Tweets landen sogar auf Kaffeetassen und T-Shirts – oft ohne, dass der Urheber auch nur einen Cent davon sehen würde. Noch übler sind Blogger betroffen: Volltext-Zitate sind nicht selten Gang und Gäbe, wenn die Blog-Diebe nicht gleich automatisch den ganzen Feed abgreifen, um den Blog-Content unter eigener URL zu vermarkten. Der große Aufschrei allerdings bleibt aus – wohl auch, weil so mancher User gar nicht weiß, dass er bestohlen wurde. Und natürlich nicht selten, weil er nicht weiß, dass er mit seinem Content hätte Geld verdienen können. Dabei ist das im Grunde sehr einfach: In Deutschland muss man sich nur bei Google Adsense und einem Affiliate-Service wie dem Amazon-Partnernet anmelden und Banner und/oder Links in und unter oder im eigenen Content posten – schon fließt das Geld. (Achtung: In Deutschland muss für die Einnahmen ein Gewerbe angemeldet werden!)

Wie kann man sich vor Content-Dieben schützen?

Der Aufschrei blieb der Nutzergemeinden allerdings bisher aus, von einigen Videos bei Youtube und Artikeln einmal abgesehen. Wohl auch, weil die „kleinen“ Alltags-Content-Lieferanten mangels Professionalisierung gar nicht wissen, was ihnen durch die Lappen geht – und wie sie sich schützen können. Dabei ist das gar nicht so schwer, wie viele denken mögen. Es geht dabei nämlich gar nicht darum, wie bei DRM-Systemen, wie sie von den großen Medienhäusern eingesetzt werden, das Kopieren zu verhindern – vielmehr sollte jeder, der Content online veröffentlicht, dafür sorgen, dass eventuelle Zugriffe wieder bei ihm landen. Die Content-Diebe können, die richtigen Maßnahmen vorausgesetzt, im Zweifel sogar dabei helfen, selber bekannt zu werden und die Umsätze zu steigern. Wie? Nun: Ganz einfach durch Wasserzeichen.

Wasserzeichen mit iMovie erstellen

Beginnen wir bei Youtube-Videos: Alle Video-Editoren, darunter zum Beispiel auch das bei jedem Mac gratis beiliegende iMovie, besitzen eine Overlay-Funktion. Die kann verwendet werden, um ein beliebiges Video mit einem Wasserzeichen zu versehen, das den ganzen Film über (oder zeitweise) eingeblendet wird. Youtuber können damit ganz einfach auf ihren eigenen Kanal, ihre Website, ihren Twitter-Kanal oder eine sonstige Quelle verweisen. Der Clou an einem Wasserzeichen: Es kann nur schwer und unter Inkaufnahme von deutlichen Qualitätsverlusten aus einem Video entfernt werden. Gleichzeitig sorgt es dafür, dass die Originalquelle jederzeit im Blick ist und interessierte User doch noch den Weg zum Original-Content finden. Die Vorgehensweise unter iMovie ist dabei relativ simpel:

1.     Logo-Datei anlegen

Zunächst muss ein Logo mit transparentem Hintergrund erstellt werden. Am einfachsten geht das mit einer Bildbearbeitung wie Photoshop, Pixelmator oder dem kostenlosen Gimp : Hier muss einfach eine neue Datei mit transparentem Hintergrund angelegt werden. Unter Pixelmator ist das recht einfach: Öffnen Sie zunächst eine leere Datei mit den gewünschten Maßen. Größer ist besser, weil herunterskalieren immer möglich ist – größer machen hingegen nicht.

Pixelmator
Vergrößern Pixelmator

2.     Logo mit Pixelmator Transparent machen

Nun muss nur noch das Logo oder die URL eingefügt werden. Das geht per Drag-and-drop oder per Text-Werkzeug. Markieren Sie anschließend den Hintergrund und drücken Sie einmal auf die Löschen-Taste: Wenn Sie ein Karo-Muster sehen, haben Sie den Hintergrund erfolgreich gelöscht. Das Wasserzeichen ist damit auch schon fertig.

Pixelmator
Vergrößern Pixelmator

3.     Wasserzeichen exportieren

Speichern Sie das Projekt jetzt am besten einmal ab. So können Sie jederzeit neue Varianten erstellen oder Änderungen vornehmen. Anschließend müssen Sie die Datei über das Menü Ablage -> Exportieren als PNG ausgeben. Speichern Sie dieses transparente PNG ab. Ihr Wasserzeichen ist damit fertig.

Pixelmator
Vergrößern Pixelmator

4.     Wasserzeichen in iMovie einsetzen

Öffnen Sie jetzt in iMovie das Filmprojekt, dass Sie mit einem Wasserzeichen versehen wollen und ziehen Sie die Logo-Datei in die Zeitleiste. Das war es im Grunde auch schon: Ziehen Sie das Logo in der Zeitleiste auf die volle Länge des Projekts und markieren Sie es anschließend.

Pixelmator
Vergrößern Pixelmator

5.     Bild-im-Bild einrichten

Klicken Sie danach auf die Bild-in-Bild-Funktion, wählen Sie im Dropdown-Menü „Bild-in-Bild“ und ziehen Sie das Logo dorthin, wo Sie es im Video sehen möchten. Sie können es hier auch beliebig vergrößern oder verkleinern.

Pixelmator
Vergrößern Pixelmator

6.     Video mit Wasserzeichen exportieren

Das Video ist jetzt mit dem Wasserzeichen fertig eingerichtet. Um es bei einem von Apple unterstützten Videodienst wie Youtube oder Vimeo hochzuladen, können Sie es direkt aus iMovie über den Export-Dialog ins Web laden. Alternativ können Sie es über diesen Dialog auch als Datei auf Ihrem Rechner speichern, um es zum Beispiel auf Ihrer Website hochzuladen.

Pixelmator
Vergrößern Pixelmator

Bilder auf dem Mac mit Wasserzeichen schützen

Die für das Video angelegte Datei kann natürlich auch in Fotos als Wasserzeichen verwendet werden. Apples Fotos-App bietet dazu zwar keine Möglichkeit, wohl aber Drittanbieter-Programme wie etwa Watermark Pr o, PhotoBulk oder Graphic Converter . Natürlich können auch Pixelmator, Gimp und Photoshop Bilder mit Wasserzeichen versehen. Am einfachsten ist es aber mit dem kostenlosen Impression 2 : Ziehen Sie die Bilder einfach in das Programm und setzen Sie – wahlweise per Logo oder Text – ein einfaches Wasserzeichen ins Bild. Das ist frei skalierbar und kann in Sachen Opacity und Farbe angepasst werden. Das Wasserzeichen wird automatisch auf alle gerade in Impression geladenen Bilder gelegt, die Originaldateien werden dabei aber nicht angefasst: Erst durch den Export erhalten Sie die Bilder mit dem Wasserzeichen. Ähnlich funktioniert auch das Tool Watermark Pro: In der Gratis-Version auf fünf Bilder beschränkt, erlaubt es neben Text- und Bild-Wassermarken auch QR-Codes oder Kartenmaterial. Die Vollversion kostet allerdings 20 Euro.

Mit Impression können Sie schnell und kostenlos viele Bilder mit Wasserzeichen versehen.
Vergrößern Mit Impression können Sie schnell und kostenlos viele Bilder mit Wasserzeichen versehen.
Noch leistungsstärker ist Watermark Pro – das ist in der Vollversion allerdings kostenpflichtig.
Vergrößern Noch leistungsstärker ist Watermark Pro – das ist in der Vollversion allerdings kostenpflichtig.

Instagram-Bilder mit Wasserzeichen versehen

Eine Besonderheit stellt das soziale Netzwerk Instagram dar: Hier können Bilder und Videos ausschließlich über die Smartphone-App, also per iPhone oder iPad, gepostet werden. Natürlich können Sie als Zwischenschritt alle Bearbeitungsschritte am Mac durchführen, das Bild oder Video anschließend auf das iDevice laden und von dort aus posten – das ist allerdings außerordentlich umständlich und praxisfern. In einem solchen Fall benötigen Sie eine App, die ein Wasserzeichen in ein Bild oder Video legt, bevor Sie es hochladen. Apps dieser Art gibt es reihenweise im AppStore, eine davon ist iWatermark , eine andere eZy Watermark , allerdings sind beide mit rund zwei Euro nicht sonderlich preiswert. Deutlich einfacher – und günstiger, weil kostenlos – ist die App tagg.ly : Das kostenlose Tool fügt auf Wunsch (einfache) Wasserzeichen in Bilder und Videos direkt auf dem iPhone ein. Die Einstellungsmöglichkeiten halten sich zwar in Grenzen – dafür ist die App aber auch ausgesprochen einfach zu bedienen. Zumal sich Bilder und Videos bei Bedarf auch direkt mit eingeblendetem Wasserzeichen aufzeichnen lassen. Auf diese Weise können Content-Diebe die Inhalte zwar weiterhin kopieren – Ihre Urheberschaft bleibt jedoch erhalten und Sie können sich über die kostenlose Promotion freuen.

Mit einer App wie Taggly können Sie Videos und Fotos bequem vor dem Upload mit einem Wasserzeichen versehen. Dadurch wird zumindest die Quelle sichtbar.
Vergrößern Mit einer App wie Taggly können Sie Videos und Fotos bequem vor dem Upload mit einem Wasserzeichen versehen. Dadurch wird zumindest die Quelle sichtbar.

Content auf der eigenen Website schützen

An dieser Stelle noch ein Blick auf das Publishing auf der eigenen Website: Falls Sie Blogger sind, können Sie zunächst einmal dafür sorgen, dass Ihre RSS-Feeds gesichert werden – hier greifen Content-Diebe nämlich gerne und meist sehr einfach ab. Unter Wordpress und bei anderen Content-Management-Systemen gibt es in aller Regel die Möglichkeit, den Volltext-Feed durch einen Feed zu ersetzen, in dem nur der Auszug eingeblendet wird. Unter den Wordpress-Leseeinstellungen setzen Sie hierfür die Option „Zeige im Newsfeed: Kurzfassung“ statt „ganzen Text“. Per Feed kann Sie dann niemand mehr beklauen. Andere Plattformen bieten ähnliche Optionen.

Bilder können Sie zusätzlich per Wasserzeichen schützen. Gerade Fotoblogger sind aber vermutlich mit den vorhandenen Lösungen nicht zwingend zufrieden und wollen die Wasserzeichen lieber automatisch beim Upload zu ihren Bildern hinzufügen. Dabei hilft eine nicht-destruktive Lösung wie zum Beispiel Dynamic Watermark für Wordpress . Wer andere Plattformen verwendet, findet hier ähnliche Lösungen – und kann bei Bedarf natürlich auch zur Mac-Lösung Impression 2 greifen.

Mit einem Plug-in wie Dynamic Watermark können Sie Fotos automatisch beim Wordpress-Upload mit einem Wasserzeichen versehen.
Vergrößern Mit einem Plug-in wie Dynamic Watermark können Sie Fotos automatisch beim Wordpress-Upload mit einem Wasserzeichen versehen.

Und was ist mit Text?

Zuguterletzt noch ein Blick auf Texte, Tweets und andere Dinge, die in Form von Buchstaben im Netz veröffentlicht werden. Wenn Sie nicht gerade Bücher über Kindle Direct Publishing vertreiben , sind die Texte in aller Regel nur schwer zu schützen. Gerade bei Online-Texten gibt es das Dilemma, dass Inhalte, die kopiergeschützt sind, natürlich auch nicht von Suchmaschinen indexiert werden können. Insofern sollten Sie die Content-Diebe mit Ihren eigenen Waffen schlagen: Während Sie auf Twitter zum Beispiel besonders kluge Best-ofs der eigenen Tweets als Meme-Bilder inklusive URL-Wasserzeichen posten können, indem Sie im Stil von Twitterperlen einfach den Tweet samt einer URL als Bild posten, ist der Schutz auf anderen Plattformen schwieriger. Wenn Sie einen eigenen (Wordpress-)Blog pflegen, können Sie aber zumindest einen einfachen Content-Schutz einbauen, indem Sie zum Beispiel per Plug-in die rechte Maustaste deaktivieren oder ein Plug-in wie Highlight & Share verwenden. Ansonsten hilft nur die regelmäßige Suche nach geklautem Content über eine der Online-Plagiatssuchen, etwa Copyscape : Falls Sie hier etwas finden, können Sie den Betreiber der Website anschreiben und auffordern, den gestohlenen Content zu löschen. Natürlich geht das auch mit Bildern: Dienste wie Singili oder Lenstag ermöglichen es, bestimmte Werke digital zu signieren. Anschließend durchwühlen diese automatisch das Internet nach Kopien und melden Ihnen Fundstücke.

Mit Diensten wie Copyscape können Sie Plagiate Ihrer Website aufspüren
Vergrößern Mit Diensten wie Copyscape können Sie Plagiate Ihrer Website aufspüren
Plug-ins wie Highlight & Share erlauben das Einfügen einer Quellenangabe
Vergrößern Plug-ins wie Highlight & Share erlauben das Einfügen einer Quellenangabe

Fazit: Content muss aktiv geschützt werden

Insgesamt sind alle Lösungen – Wasserzeichen, Plagiatsuchmaschinen, Plugins oder Tweet-Bilder nur Möglichkeiten, Content-Klau zu vermeiden, aufzuspüren oder sogar davon zu profitieren. Wirklich verhindern lässt er sich jedoch nicht. Sollten sie auf einen heftigen Fall von Content-Diebstahl stoßen – etwa eine Website, die Ihre Texte und Bilder 1:1 kopiert und per Werbung vermarktet – sollten Sie sich nicht scheuen, den Dieb anzuschreiben, die Kopie anzumahnen und notfalls einen Anwalt einzuschalten. Allerdings sollten Sie hier genau abwägen, ob sich das lohnt: Zivilrechtliche Klagen, am Ende noch über Ländergrenzen hinweg, sind nicht selten ein unkalkulierbares finanzielles Risiko. Besser, Sie gehen selbst in die Offensive und posten/bloggen über den dreisten Dieb, wie es etwa die Betreiber von websitetooltester.de gemacht haben – so können sie dem Bösewicht wenigstens die Reputation verderben.

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