2517594

Boon: So kündigen Sie Ihr Konto – und bekommen Ihr Geld zurück

05.07.2020 | 08:40 Uhr | Peter Müller

Boon braucht kaum einer mehr. Die Zukunft der Wirecard-Tochter ist ohnehin höchst ungewiss. So löschen Sie Ihr Konto.

Das Fintech-Unternehmen Wirecard aus Aschheim bei München hat Insolvenz angemeldet, als publik wurde, dass angeblich in Asien verbuchte 1,9 Milliarden Euro schlicht nicht existierten. Diese sollten als Sicherheit für hohe Kredite dienen. Kurz gesagt: Wirecard hat sich offenbar reich gelogen, um reich zu werden. Wir sagen das in aller gebotenen Vorsicht der Unschuldsvermutung, denn in der Vergangenheit hat Wirecard immer wieder kritische Presseorgane verklagt. Nun ist es aber so, dass einer der Vorstände sich der Staatsanwaltschaft München gestellt hat und ein anderer auf der Flucht per internationalem Haftbefehl gesucht wird. Die Juristen von Wirecard könnten aber noch bissig sein.

Etwas unauffällig, aber nicht versteckt die Option zur Kündigung
Vergrößern Etwas unauffällig, aber nicht versteckt die Option zur Kündigung

Von den Turbulenzen des Mutterunternehmens haben in der letzten Wochen auch Kunden der Online-Bank Boon etwas mitbekommen. Das Bankgeschäft der Wirecard-Tochter und anderer Subunternehmen ist zwar von der Europäischen Zentralbank geschützt, für einige Tage war das Geschäft aber ausgesetzt und die Bezahlung mit der Boon-Card etwa per Apple Pay nicht möglich, wie uns als Kunden das Unternehmen per Mail informierte. Mittlerweile ist der Dienst wieder verfügbar und das Bezahlen möglich. Die Zukunft von Wirecard und Boon ist aber ungewiss, das Vertrauen nicht gerade gewachsen und wir persönlich benötigen das Online-Konto ohnehin nicht mehr, siehe Kasten. Also kündigen wir und stellen dabei fest, dass das Vertrauen in den Dienst dadurch noch mehr sinkt.

Warum Boon? Alternativen jetzt ausreichend vorhanden

Als Apple nach langen Verhandlungen mit hiesigen Banken im Dezember 2018 endlich Apple Pay nach Deutschland brachte, waren die beiden großen Verbände der Sparkassen sowie der Volks- und Raiffeisenbanken noch nicht dabei, da sie ihre eigenen digitalen Bezahlsysteme hätten aufbauen wollen. Die Sparkassen haben sich mit den von ihnen ausgegeben Kreditkarten Ende 2019 angeschlossen, die VR-Banken folgten im Frühjahr 2020. Girocards wird man wohl auch bald in die Wallet von iPhone und Apple Watch legen können.

Alternativen hatte es im Dezember 2018 einige gegeben, die Hypovereinsbank etwa war von Anfang an dabei und auch andere Kreditinstitute mit Fillialgeschäft. Und eben jede Menge an Onlinebanken, VimPay, N26 oder bunq aus den Niederlanden. Letztere verlangen aber für ein voll funktionsfähiges Konto (inklusive Apple Pay) aber stolze acht Euro Monatsgebühr. Boon war mit 1,49 Euro im Monat und drei Monaten Probezeit wesentlich attraktiver für ein Nebenbeikonto – man ahnte ja, irgendwann würden Sparkassen und VR-Banken klein bei geben und Apple Pay anbieten.

Apple hat vor allem deshalb so lange mit Apple Pay in Deutschland gebraucht, weil das Bankensystem sehr weiträumig ist und man mit jedem einzelnen Institut respektive Verband verhandeln musste. Immer noch gibt es Banken, die kein Apple Pay anbieten oder nur solches via Kreditkarte. Boon können wir aber nun nicht mehr empfehlen.

Man könnte natürlich einfach die App vom iPhone löschen und die Karte aus der Wallet von iPhone und Apple Watch entfernen, doch lag bei uns noch ein Betrag von um die 15 Euro auf dem Konto, die wir dem Unternehmen nicht schenken wollen. Ursprünglich dafür gedacht, kleine Beträge an Kassen kontaktlos zu bezahlen, die Apple Pay per Kreditkarte nicht akzeptieren, hatten wir etwas Guthaben noch liegen lassen. Nun aber werden wir auch bald die Girocard der Sparkassen respektive Volks- und Raiffeisenbanken nutzen können, also: Boon kündigen.

Erfreulicherweise gibt es in der App auch einen Punkt "boon.Account löschen" – auf den tippen wir. Anschließend müssen wir die IBAN eingeben, auf die Boon den Restbetrag erstatten soll und die Sicherheitsfrage beantworten – so weit, so gut.

Was dann aber folgt, lässt uns ein wenig ratlos zurück. Denn die App schickt nun diese Daten an die Mail-App, in ein Formschreiben eingesetzt, das an den Kundendienst geht. Also im Klartext übermittelt: Unsere IBAN, der fragliche Betrag und die Sicherheitsfrage samt Antwort. Im Klartext. Als ob es 2020 nicht auch sicherere Methoden als Mail gebe.

Die automatisierte Antwort lässt uns weiter schaudern, denn diese spricht nur davon, dass es aufgrund des jüngsten Serviceausfalls Verzögerungen beim Kundendienst gebe – hohe Nachfrage eben. Wenigstens hätte man erwarten können, dass die Kündigungsmail mit den sensiblen Daten an einen separierten Servicebereich geht.

Wir sind mal gespannt, wann unser Restguthaben bei uns eintrifft. Boon weinen wir keine Träne hinterher.

Update: Mittlerweile hat der Service auch auf unsere Kündigung reagiert und uns versichert, dass der Dienst wieder online ist. Das war aber nicht der Grund für unsere Kündigung, allenfalls ein Anlass. Erneut werden wir gebeten, per Mail die IBAN zu nennen und die Sicherheitsfrage zu beantworten, falls das noch nicht geschehen sei. Warten wir mal weiter ab.

Macwelt Marktplatz

2517594