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Das hilft gegen Langeweile in der Corona-Quarantäne

29.03.2020 | 08:40 Uhr | Peter Müller

Sie bleiben sicherheitshalber zu Hause, weil Sie womöglich Kontakt zu einem Corona-Infizierten hatten? Das hilft gegen Langeweile.

Sie sind freiwillig oder unfreiwillig in Corona-Quarantäne und haben das Internet schon durchgelesen? Allmählich setzt der Lagerkoller ein. Wir hoffen ja für Sie, dass Sie nicht erkrankt sind und es sich um eine reine Vorsichtsmaßnahme handelt oder wenigstens der Infekt bei Ihnen mild verläuft.

Aber auch dann ist es ratsam, zu Hause zu bleiben, um nicht andere anzustecken, für die das Virus hochriskant wäre. Allgemein geht es jetzt darum, die Ausbreitung der Infektion zu bremsen, damit Arztpraxen und Krankenhäuser handlungsfähig bleiben. Einen Impfstoff wird es nicht vor 2021 geben und ob eines der derzeit schon zugelassenen antiviralen Medikamente auch gegen Corona hilft, ist völlig offen – immerhin besteht bei einigen Arzneien etwas Hoffnung .

Das alles sehen Sie und wir ja ein und bleiben brav zuhause, allenfalls leicht hustend. Ein paar Vorräte haben wir ja noch, obwohl wir nicht hamsterten, sauberes Wasser kommt aus der Leitung, Strom und Internet sind weiterhin zuverlässig verfügbar. Was wir nicht im Hause haben, aber wirklich dringend brauchen, lassen wir uns von freundlichen Nachbarn vor die Tür legen, die sich noch nicht angesteckt haben oder von ihrer Infektion wieder so weit genesen sind, dass sie auch nicht mehr ansteckend sind.

Es läuft also alles soweit im ganz normalen Wahnsinn, wenn da nicht diese entsetzliche Langeweile wäre. Das Internet haben Sie also schon durchgelesen und Sportübertragungen gibt es bald auch keine mehr, wenn Fußball-, Handball und Basketballverbände endlich mal vernünftig werden.

Was können Sie nun tun? Unsere Tipps helfen weiter.

Lesen, bis man keinen Arzt mehr braucht

Gut, das mit dem durchgelesenen Internet war ein Scherz, aber nach dem Einholen der wichtigsten Informationen – wie diesen hier – hat man auch genug davon. Überall Corona und anscheinend kein Ende. Der Tipp klingt ja erst mal banal, aber: Lesen Sie dann doch einfach wieder ein gutes Buch!

Ja, wie denn, wenn man nicht zum Buchhändler oder in die Stadtbibliothek darf? Natürlich hilft hier das Internet weiter. Nicht von ungefähr hatte Amazon ja mit dem Verkauf von Büchern angefangen, die Logistik war einfach zu handhaben. Lange Jahre lang war das Buch auch das meist verkaufte Produkt im Internet. Mittlerweile braucht es nicht einmal mehr Papier – und den Paketboten von Tür zu Tür zu schicken, ist in diesen Zeiten ohnehin nicht die beste Idee. Schon lange hat Amazon eine umfassende Bibliothek von E-Books und verkauft mit dem Kindle auch das passende Gerät dafür. Wenn Sie noch keines haben, müssen Sie nicht einmal eines bestellen (siehe oben), denn für iOS, iPadOS, macOS und andere Systeme gibt es eine App, in der Sie alle von Amazon in dessen Kindleshop angebotenen Bücher lesen können. Um diese zu kaufen, müssen Sie jedoch nach wie vor auf die Website von Amazon gehen, In-App-Käufe sind nicht möglich – Amazon will sich die 30-Prozent-Gebühr für den App Store sparen.

Als Abonnent von Amazon Prime können Sie auch diverse Bücher ausleihen, das Angebot ist qualitativ jedoch recht eingeschränkt. Und findet man dann doch einen Schmöker, der gefällt, handelt es sich garantiert um den ersten Band einer Krimireihe, deren weitere Folgen natürlich nur gegen Bezahlung zu haben sind. So läuft's Business.

Wir kennen Ihren Büchergeschmack natürlich nicht, deshalb haben wir keine konkreten Empfehlungen. Aber wenn Ihnen etwa die ZDF-Literatur-Verfilmung "Unterleuten" gefallen hat, sei Ihnen das Buch von Juli Zeh ans Herz gelegt. Es gibt darin einige Unterschiede zum Film, aber auf 640 Seiten werden die Figuren noch weit lebendiger und ihre Motive und Handlungen nachvollziehbarer.

Sie haben ja Zeit, werden aber feststellen, wie schnell 640 Seiten ausgelesen sein können. Dann wäre es vielleicht Zeit für Klassiker. "Krieg und Frieden", "Schuld und Sühne" oder "Stolz und Vorurteil", vor allem bei dem letzteren kann man nicht nur mit den Schicksalen der handelnden Personen mitfiebern, sondern auch die exquisite Art der Beleidigung durch die Blume lernen, wie es nur Jane Austen darauf hat – einfach köstlich! Vorteil der alten Schwarten: Die Urheberrechte der Autoren sind längst abgelaufen, als E-Book kosten diese Werke nur wenig, einige sind sogar völlig gratis.

Bücher bei Apple
Vergrößern Bücher bei Apple

Gratisbücher finden Sie in Apples App "Bücher" recht schnell, es gibt dafür eine eigene Kategorie. Nicht nur Klassiker sind in den Top-Charts gelistet, sondern auch wenig beeindruckende Werke – und jede Menge Handbücher. Aber vielleicht lesen Sie in diesen ja etwas, was Sie über Ihr iPhone, iPad oder Mac noch gar nicht wussten.

Bei den Bezahlwerken finden Sie im Prinzip das gleiche wie bei Amazon, teils zu identischen Preisen – die Buchpreisbindung gilt auch online. Doch spendiert Apple immer wieder mal ein Gratisbuch oder ein solches zum reduzierten Preis. Sie ahnen es aber sicherlich: Da ist gerne mal das Auftaktwerk einer Krimireihe dabei. Kleiner Nachteil, wenn Sie ein E-Book bei Apple kaufen: Lesen können Sie es auch nur auf einem Apple-Gerät und nicht auch noch auf Ihrem Kindle, so sie einen haben.

Das Kindle ist aber nicht das einzige Lesegerät mit angeschlossenem Bookstore, recht interessant ist auch die Tolino-Plattform. Diese haben die Buchhandelsketten Weltbild, Hugendubel, Club Bertelsmann und Thalia zusammen mit der deutschen Telekom als Konkurrenz zu Amazon Kindle gegründet. Wie im Fall von Amazon und Kindle hat Tolino den Vorteil, dass es auch eine App für iPhone, iPad und Mac gibt und man also nicht auf den Reader angewiesen ist. Dieser kann hingegen nur Bücher aus dem eigenen Kosmos anzeigen und nicht etwa bei Apple gekaufte.

Aber auch wenn Sie nicht mehr in die Stadtbibliothek dürfen, ausleihen können Sie sich von dort von zuhause auch elektronische Bücher. Dafür ist die bundesweite Online-Plattform Onleihe und die gleichnamige App zuständig. Sie müssen sich lediglich mit den von der Stadtbibliothek ausgestellten Daten (Kartennummer und Passwort) anmelden und die Bücher auf das iPhone oder iPad laden.

Einen ausführlichen Ratgeber zu E-Books an Mac, iPad und iPhone finden Sie hier.

Lernen statt nur schauen

Alles ausgelesen? Gut, dann schauen wir in die Röhre Youtube. Dort wartet leider nicht nur Zerstreuung und Information aus uns, sondern leider auch viel Schund und falsche Berichte über die allgemeine Lage. Bevor wir aber unsere Langeweile mit Katzenvideos und solchen von Hunden bekämpfen, schauen wir lieber konzentriert in die Glotze und lernen etwas, was uns entweder nach der Genesung im Job hilft oder was wir schon immer wissen und können wollten.

Da findet sich gewiss etwas im schier unendlichen Youtube-Archiv, gezielter suchen können wir aber bei der Onlineakademie Udemy – und unsere Fragen bekommen Antworten. Wir etwa werden uns – da wir die Grenzen von Garageband erreicht haben – nun etwas ausführlicher über Logic Pro X informieren, der Einsteigerkurs ist ja auch gerade im Angebot . Oder wollten wir nicht immer mal Programmieren lernen, etwa in Apples Sprache Swift? Auch hierfür bietet Udemy gerade einen Kurs zum attraktiven Preis an . Die Möglichkeiten sind schier unbegrenzt, der Langeweile Einhalt geboten.

Erste Schritte im Programmieren kann man auch völlig gratis geben, Apples Lehrprogramm Swift Playgrounds gibt es jetzt auch für den Mac.

Am Ende dann doch Zerstreuung

Genug gelesen und gelernt. Schauen wir lieber in die Glotze. Wenn Sie es noch nicht abonniert haben, dann geben Sie doch Apple TV+ eine Chance. Im November 2019 ist Apples Streamingservice mit einem einigermaßen übersichtlichen Programm an den Start gegangen, mittlerweile hat sich die virtuelle Videothek recht gut gefüllt. Beispiele gefällig? Science-Fiction-Drama mit alternativer Realität: "For All Mankind". Comedy, die in der Gamerszene spielt: "Mythic Quest". Drama um Nachrichtensendungen und "#MeToo": "The Morning Show". Grusel und Fantasy: "Servant",  "See" , "Amazing Stories". Mut machendes Dokudrama über Einwanderer: "Little America". Auch Kinderprogramm gibt es: "Ghostwriter" und "Snoopy in Space" und für die ganz Kleinen "Helpsters". Und am Freitag nächster Woche hat der verschobene Film "The Banker" Premiere.

Apple TV+ kostet 4,99 Euro im Monat, wenn Sie sich letzten Herbst ein neues Apple-Gerät kauften, bekommen Sie das erste Jahr gratis, sonst nur den ersten Monat. Aber dann wäre hoffentlich auch die Quarantäne zu Ende.

Apple ist keineswegs der erste Streamingdienst, sondern noch relativ neu im Markt. Anders als Netflix und Amazon Prime Video setzt Apple ausschließlich auf Originale, also neue Serien, die exklusiv für das Angebot entstanden. Will man "alte" Filme sehen, muss man sie sich bei Apple über den Store ausleihen oder kaufen. Das gilt auch für alle Pixar-Filme - Apple und das Animationsstudio wurden zwar über lange Jahre gleichermaßen von Steve Jobs geleitet, gekauft hat Pixar dann aber der Disney-Konzern. Dieser ist mit Disney+ nun auch im Streaminggeschäft , mit jeder Menge Inhalten aus den letzten Jahrzehnten und etlichen Neuproduktionen wie "The Mandalorian" aus dem Star-Wars-Universum. Disney+ geht am 24. März in Deutschland auf Sendung, respektive Stream.

Jetzt Disney+ vorbestellen für 59,99 Euro im ersten Jahr  

"Star Wars" darf man um Himmels Willen nicht mit "Star Trek" verwechseln. Aus letzterer Welt übernehmen wir dieser Tage den Vulkaniergruß mit den abgespreizten Fingern, das ist wesentlich gesünder als Händeschütteln. Die jüngste Star-Trek-Serie "Picard" kommt bei Amazon Prime Video ohne Vulkanier aus, dafür spielen die mit ihnen verwandten Romulaner aber eine eher unrühmliche Rolle im Jahr 2399, wenn Captain Jean-Luc Picard wieder in den Weltraum aufbricht. Die ersten sieben Folgen der Staffel sind schon veröffentlicht, die kommenden drei Freitag komplettieren die erste Staffel.

Doch auch sonst hat Amazon Prime Video hoch interessante Serie zu bieten. Etwa "Good Omens", das auf einem Buch von Terry Pratchett basiert. Oder "Carnival Row": Orlando Bloom als Detektiv in einer fiktiven Welt, in der das viktorianische Zeitalter auf Steampunk und Feen-Völker trifft. Und natürlich hat Amazon Prime einen starken Katalog zu bieten - aber auch hier stellen wir fest, dass viele der Filme, die uns interessieren würden, wir dann doch gegen Geld kaufen oder mieten müssten.

Dann könnte man ja eigentlich auch gleich Netflix abonnieren. Neben Serien wie "Stranger Things", das bald in eine neue Staffel geht, sind auch exklusive und ausgezeichnete Filme beim Streaming-Platzhirschen zu sehen, wie "The Irishman" oder "Die zwei Päpste". Langweilig wird uns also bestimmt nicht.

Über allem aber steht: Bitte bleiben Sie gesund. Oder werden Sie das alsbald wieder. Und natürlich: Bitte beehren Sie uns wieder.

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