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Dashcam – persönlicher Beifahrer und Beweismittel

15.05.2019 | 14:11 Uhr | Tillmann Braun

Dashcams erobern die Windschutzscheiben. Das hat einen einfachen Grund: Immer mehr Autofahrer in Deutschland wollen sich vor Klagen und falschen Schadensforderungen schützen. Denn mit einer kleinen Kamera an Bord hat man quasi einen verlässlichen Beifahrer zur Seite, der bei einem Unfall zur schnellen und unkomplizierten Aufklärung beiträgt. Und einen positiven Einfluss auf das eigene Fahrverhalten hat der „persönliche Beifahrer“ häufig ebenfalls.

Viele Autofahrer erinnern sich noch gut an die ersten Fahrstunden, bei denen man jedem Detail im Straßenverkehr seine Aufmerksamkeit schenkte. Nach kurzer Zeit war man von den vielen Informationen bereits erschöpft und brauchte eine Pause.

Erst mit zunehmender Erfahrung lernt man, sich auf die wesentlichen Informationen im Straßenverkehr zu konzentrieren und andere Informationen auszublenden, was eine mehrstündige Fahrt im dichten Verkehr erst möglich macht. Im Fachjargon spricht man von einem Tunnelblick. Nach einem Unfall fällt es den Beteiligten daher häufig schwer, den Unfallhergang korrekt zu rekonstruieren und somit auch den Unfallverursacher zu identifizieren. Und selbst wenn man alles klar wahrgenommen hat, reichen die eigenen Erinnerungen als Beweismittel vor Gericht nicht aus, um die Schuldfrage zu klären.

Dashcams helfen bei der Klärung der Schuldfrage – und regen zu vorsichtiger Fahrweise an

Wer seit vielen Jahren einen Führerschein besitzt und damit einige Fahrpraxis erworben hat, weiß zumeist intuitiv, auf welche Gefahren er im Verkehr zu achten hat. Doch letztlich sind es nicht nur Fahranfänger, die Unfälle verursachen. Zu schnelles Fahren, das Überschätzen der eigenen Fähigkeiten oder auch Ablenkungen wie das eigene Smartphone führen dazu, dass selbst „alte Hasen“ dazu beitragen, dass die Unfallstatistik weiterhin deutlich höher ausfällt als sie müsste.

Wann ein Unfall geschieht, lässt sich nicht vorhersehen
Vergrößern Wann ein Unfall geschieht, lässt sich nicht vorhersehen
© Nextbase

Und so gab es auch 2018 wieder rund 2,6 Millionen Unfälle in Deutschland, bei denen der jeweilige Schaden häufig einige Tausend Euro überstieg. Bei Unfällen mit verletzten Personen entstanden laut Bundesanstalt für Straßenwesen durchschnittlich sogar Schäden in Höhe von 22.300 Euro. Die häufigste Ursache waren Fehler beim Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren sowie beim Ein- und Anfahren, gefolgt von der Missachtung der Vorfahrt.

Einsatz einer Rollei-Dashcam
Vergrößern Einsatz einer Rollei-Dashcam
© Rollei

Als digitale Assistenten, die speziell für den Einsatz im Straßenverkehr entwickelt wurden, helfen Dashcams ganz konkret bei der Schadensregulierung, da sich der Unfallhergang zumeist einfach belegen lässt. Bereits im Mai letzten Jahres stellte der Bundesgerichtshof klar, dass Dashcams als Beweismittel vor Gericht zulässig sind. Bedenken bezüglich des Datenschutzes äußerten die Richter nur für den Fall, wenn die Kamera permanent und anlasslos aufzeichnet.

Da hochwertige Dashcams nur dann aufnehmen, wenn deren sogenannter G-Sensor einen Unfall bzw. starkes Abbremsen registriert, ist man mit diesen Modellen auch beim Datenschutz auf der sicheren Seite. Als Beweismittel gültig sind laut dem BGH-Urteil sogar Aufnahmen veralteter Dashcams.

Dashcam darf nicht im Sichtfeld des Fahrers sein
Vergrößern Dashcam darf nicht im Sichtfeld des Fahrers sein
© Nextbase

Hinzu kommt, dass Fahrer, die bereits Dashcams nutzen, nicht selten davon berichten, dass sich ihr Fahrverhalten verändert hat. Viele fahren deutlich defensiver und achten besser auf den Verkehr – selbst auf bekannten Strecken, die ansonsten schnell zu unachtsamen Fahren verleiten.

Garmin-Dashcam im Einsatz
Vergrößern Garmin-Dashcam im Einsatz
© Garmin

Laut einer Bitkom-Studie gehen mehr als acht von zehn Deutschen davon aus, dass Dashcams in Deutschland schon bald alltäglich sein werden. Bislang kennen viele deutsche Verbraucher Dashcam-Videos jedoch vor allem aus dem Internet in Form von Aufnahmen etwa aus Russland oder England, die irre Überholmanöver, Wildwechsel und Meteoriten-Einschläge zeigen.

Doch die Zeiten, in denen deutsche Autofahrer Dashcams vor allem von Youtube und Whatsapp kennen, scheinen zu Ende zu gehen.

Der Nutzen der „persönlichen Beifahrer“ ist schließlich zweifelsohne größer, wenn sich mit deren Hilfe hohe Schadensforderungen vermeiden lassen. Oder besser noch: Wenn es dank einer vorsichtigeren Fahrweise gar nicht erst zu einem Unfall kommt.

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