2447316

Datenretter unter Mojave: Das sollten sie bei der Wiederherstellung von Daten beachten

12.08.2019 | 08:25 Uhr | Stephan Wiesend

Versehentlich gelöschte Daten können Sie auch unter Mojave oft noch retten, einige Hürden des Systems schaffen aber Probleme.

Fällt Ihre Festplatte aus oder haben Sie versehentlich alle Familienfotos gelöscht und fehlt noch ein aktuelles Backup, stehen Sie vor einem nicht unerheblichen Problem. Datenrettungs-Dienste wie Ontrack sind leider sehr teuer, Sie können die Daten aber oft selbst retten – mit einer speziellen Datenrettungssoftware wie Disk Drill, Data Rescue oder iBoysoft.

Das Prinzip ist eigentlich sehr einfach und hat sich in den letzten Jahren kaum verändert: Haben Sie die Datei per Papierkorb oder einen Kopierfehler gelöscht, bleibt die Datei weiter auf der Festplatte oder SSD – nur der Eintrag in einem Festplattenverzeichnis wird beim Löschen entfernt, erst viel später wird die Datei mit neuen Daten überschrieben.

Im Prinzip funktionieren alle Datenrettungstool sehr ähnlich: Sie durchsuchen ein Speichermedium Sektor für Sektor nach Dateien und können Fotos, Textdateien und PDFs erkennen und retten – komplexere Dateien wie Videos und Systemdateien dagegen oft nicht mehr. Das kann Stunden dauern, die Erfolgschancen sind aber höher als bei Reparatur-Tools wie Disk Warrior und funktioniert im Prinzip auch bei einem nagelneuen Rechner mit Mojave, T2-Chip und APFS-SSD.

Besonders einfach funktioniert die Datenrettung bei einer Speicherkarte oder bei einem externen Medium – etwa einer externen Festplatte. Komplizierter wird es aber, wenn es um die Systemfestplatte ihres neuen Mac geht oder die interne SSD eines neuen Macbook.

Eine ganze Reihe von neuen Sicherheitsfunktionen des Systems behindern die Wiederherstellung. Diese Funktionen sollen den Zugriff von Hackern oder Laptop-Dieben verhindern, schränken aber auch die Datenrettung ein. Die Programmierer der Datenrettungs-Tools mussten sich deshalb einiges einfallen lassen – mit mehr oder weniger Erfolg. Wir haben uns die  von drei aktuellen Tools angewandten Lösungen deshalb etwa näher angesehen. Ein Klassiker ist das Tool Data Rescue von Prosoft (105 Euro), bekannt ist aber auch die Software Disk Drill von Cleverfiles (105 Euro). Relativ neu ist die Software iBoysoft Data Recovery (83 Euro) vom gleichnamigen Hersteller.

Unseren ausführlichen Ratgeber zur Nutzung von Datenrettungstools finden Sie hier

Erstes Problem: Von einem externen Medium booten

Der Hintergrund: Wollen Sie die Daten von einer Systemfestplatte retten, ist seit High Sierra das Booten von einem anderen Medium nötig, etwa einem USB-Stick oder einer Festplatte. Letztere hat einen zweiten Vorteil: Bootet man den Mac von einer externen Festplatte, können Sie die Daten gleich auf dieses Medium wiederherstellen – benötigt man doch für das Retten von Daten mindestens ein zusätzliches Laufwerk.

Aktuelle Datenrettungstools bieten deshalb oft eine eigene Funktion für das Erstellen eines Boot-Volumes. Leider arbeiten diese Funktionen nicht immer problemlos, wie uns eine Stichprobe mit einem aktuellen Mac Mini 2018 zeigte.

Will man Daten von der Systemfestplatte retten, empfiehlt Data Rescue die Erstellung eines Boot-Mediums.
Vergrößern Will man Daten von der Systemfestplatte retten, empfiehlt Data Rescue die Erstellung eines Boot-Mediums.

Data Rescue:

Bei dem Tool Data Rescue gibt es die Funktion „Create Recovery Drive“. Starten Sie die Funktion, müssen Sie nur noch ein Quellvolume (das Volume des Macs) und ein Zielvolume (beispielsweise eine externe Festplatte auswählen). Das neue Startmedium wird dabei komplett gelöscht. Nach einigen Minuten haben Sie ein zuverlässig bootendes Boot-Volume vor sich, auf dem eine Version von Data Rescue vorinstalliert ist. Nachteil: Nach dem Booten müssen Sie ihren gültigen Lizenzcode für Data Rescue eingeben, der Hersteller Prosoft ist da recht restriktiv. Etwas tückisch: Das Tool läuft auch ohne Eingabe der Seriennummer, allerdings nur als Lite-Version, die Daten scannen, aber nicht wiederherstellen kann.

Hinweise auf die Neuerungen durch Apples neue Sicherheitsfunktionen fehlen allerdings, auch über die Kompatibilität mit APFS gibt es keine eindeutigen Informationen. Das Booten funktioniert dafür problemlos, im Gegensatz zu den Konkurrenten.

Disk Drill:

Auch Disk Drill erstellt ein Boot-Laufwerk, das aus einer Festplatte oder einem USB-Stick bestehen kann. Das Prinzip ist sehr ähnlich aber etwas komfortabler und besser dokumentiert als bei Prosoft. Bei unserem Mac Mini 2018 funktioniert die Bootlaufwerk-Erstellung allerdings erst nach mehreren Testläufen und der Mac weigerte sich, von dem Volume zu booten. Offenbar ein Problem mit diesem Modell, bei einem Mac Mini 2012 war uns die Erstellung kurz zuvor problemlos gelungen.

Mit dem von Disk Drill erstellen Boot-Medium hatten wir leider einige Probleme in unserem Test.
Vergrößern Mit dem von Disk Drill erstellen Boot-Medium hatten wir leider einige Probleme in unserem Test.

iBoysoft:

Die chinesische Lösung empfiehlt ebenfalls die Erstellung eines Boot-Mediums, setzt dabei aber bei der Erstellung auf den Download einer Systemdatei. Ein bootfähiges Volume wird erstellt, während des Bootvorgangs lädt das Tool dann zusätzliche Dateien nach. In unserem Test schlägt diese Online-Installation leider aus uns nicht bekannten Gründen fehl und das Booten ist nicht möglich.

Wie bei Disk Drill kann man das Bootvolume übrigens nur mit gedrückter Wahltaste auswählen – die Auswahl als Startmedium über die Systemeinstellung Startvolume ist bei unserem Mac nicht möglich.

Das zweite Problem: Secure Boot verhindert den Bootvorgang

Bei einem aktuellen Mac mit T2-Chip (alle aktuellen Macbooks, Mac Mini und iMac Pro) ist das Booten von einem externen Medium – sei es eine Festplatte, eine DVD oder ein USB-Stick – als Standardeinstellung gesperrt. Sie müssen erst in die so genannte Rettungs-Umgebung wechseln und hier diese Einstellung deaktivieren. Diese Rettungspartition ist ein vorinstalliertes Mini-System, das eigentlich für Neuinstallationen bei defektem System oder Wiederherstellen aus Time Machine gedacht ist. Nur wenn man in dieses System bootet, hat man aber Zugriff auf einige Systemtools, wie dem Konfigurationstool für die SIP oder System Integrity Protection .

Als Nutzer muss man dies natürlich vor der Datenrettung wissen: Die Lösung von iBoysoft weist beim Programmstart ausführlich darauf hin, der Konkurrent Clever Files geht sogar noch einen Schritt weiter: Das von Disk Drill erstellte Bootvolume erhält zusätzlich noch ein Tool namens SIP Manager, das die SIP-Einstellungen bequem deaktivieren und ändern kann – das setzt natürlich voraus, dass der Mac vom Bootmedium startet. Schade: Data Rescue setzt die Kenntnis von Secure Boot beim Anwender einfach voraus, ein echter Mangel in der Dokumentation.

Das Tool von iBoysoft erklärt, wie man in die Rettungspartition bootet.
Vergrößern Das Tool von iBoysoft erklärt, wie man in die Rettungspartition bootet.

Das dritte Problem: Zugriff auf Systemdateien gesperrt

Im Prinzip kann man gelöschte Dateien auch ohne umständlichen Bootvorgang wiederherstellen, das war bei einem System bis 10.12 kein Problem. Erst ab High Sierra 10.13 hat Apple diesen Zugriff aber verhindert: SIP vereitelt aus Sicherheitsgründen diesen Systemzugriff. Startet man die Datenrettung trotzdem, kann ein Programm wie Disk Drill nur sehr wenige Dateien erkennen und wiederherstellen. Als Alternative zu einem externen Boot-Volume kann man diese Funktion aber im Prinzip auch deaktivieren.

iBoysoft weist auf diese Möglichkeit hin, wenn man die Systempartition für die Datenrettung auswählt. Selbst deaktivieren kann das Tool die Funktion nicht, erläutert aber den Vorgang mit eine gut gemachten Schritt-für-Schritt-Anleitung. Auch hier ist das Booten in die Rettungspartition bzw. Recovery OS nötig, (mit Befehlstate-R). Hier müssen Sie dann nur noch das Programm Terminal starten und einen Kommandobefehl eingeben. „csrutil disable“ (ohne Anführungszeichen). Nach dem Neustart ist dann wieder eine direkte Datenrettung möglich, wie vor macOS 10.13. Später sollten Sie diese Funktion aber unbedingt wieder aktivieren, der dazu erforderliche Befehl lautet „csrutil enable“.

Disk Drill bietet ein Tool für das Ändern von SIP-Einstellungen – es funktioniert allerdings nur per Boot-Volume.
Vergrößern Disk Drill bietet ein Tool für das Ändern von SIP-Einstellungen – es funktioniert allerdings nur per Boot-Volume.

Tipp: Den aktuellen Status können Sie mit dem Befehl „ csrutil status “ abrufen, auch ohne das Booten der Rettungspartition..

DiskDrill weist ebenfalls auf diese Möglichkeit hin, ermöglicht dies sogar durch ein eigenes Tool namens SIP Manager. Data Rescue empfiehlt dagegen grundsätzlich die Wiederherstellung von einem anderen Bootvolume.

Viertes Problem: Verschlüsselte Volumes und APFS

Das Wiederherstellen von Daten ist im Prinzip auch von verschlüsselten APFS-Volumes möglich, dazu muss das Rettungstool die Partitionen aber vor der Datenrettung entsperren. Data Rescue und Disk Drill unterstützen dies, die Standardversion von iBoysoft unterstützt allerdings nur HFS-Partitionen, für den Zugriff auf APFS und verschlüsselte Partitionen muss man zur teurere Professional-Version greifen. Einige Probleme scheinen in der Praxis aber vor allem Fusion-Drives in der Formatierung APFS zu machen. Grundsätzlich hat man aber bei der Wiederherstellung von Daten bei herkömmlichen Festplatten bessere Chancen als bei SSDs.

Fazit:

Das Retten von gelöschten Daten ist deutlich komplizierter geworden, besonders, wenn die Systemfestplatte betroffen ist. Viele unerfahrene Anwender sind  ja vermutlich bereits von der Nutzung der Rettungs-Partition überfordert. Überrascht sind wir aber über die Probleme mit den Boot-Medien. Trotz eingeschränktem Systemumfang machte in unserem Kurztest Data Rescue von den drei Tools noch den solidesten Eindruck – sollte aber die Nutzerführung und Dokumentation verbessern. Für die Datenrettung von externen Medien eignen sich aber alle Tools und bei allen älteren Macs ist die Datenwiederherstellung noch weit weniger problematisch.

2447316