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Datenschutz: Das weiß Apple über seine Nutzer

12.06.2019 | 15:59 Uhr | Stephan Wiesend

Apple legt sehr viel Wert auf die Privatsphäre seiner Nutzer, einige persönliche Daten kennt der US-Konzern aber dann doch und es gibt einige Neuerungen.

Auf der letzten Apple-Keynote zur WWDC war es fast schon ermüdend, wie oft Apple den Schutz der Privatsphäre seiner Nutzer betonte. Schon seit Jahren legt Apple aber viel Wert darauf , seine Nutzer nicht auszuspionieren. Und das schon, „als sich niemand außerhalb Deutschland dafür interessierte“ so Greg Joswiak in einem Interview.

Ganz ohne Daten kommt Apple allerdings nicht aus, einige Informationen über seine Nutzer benötigt ein IT-Konzern, nicht zuletzt um seine Produkte und Dienste zu verbessern. Grundsätzlich aber bleiben private Informationen möglichst auf dem Gerät des Nutzers und auf Apples Server übertragene Daten werden verschlüsselt und teils anonymisiert. Wir versuchen hier einen Überblick über die wichtigsten Daten-Abfragen zu geben.

Fotos

Während viele Dienste wie One Drive und Google Photos Bilder auf den Servern des Speicherdienstes analysieren, erfolgen Funktionen wie Gesichtserkennung und Motiverkennung auf den Geräten des Nutzers. Das hat allerdings auch Nachteile, so funktioniert die Bildanalyse per Cloud oft weitgehender und Microsoft konnte so vor kurzem für One Drive die automatische Umwandlung von Audio und Videodateien in Text ankündigen . Apple behauptet dagegen , man trainiere eigene Algorithmen an den eingekauften Bilddatenbanken-Fotos.

Face ID und Touch ID

Unterstützt ein iOS-Gerät FaceID, bleiben die beim Einlesen von Gesicht oder Fingerabdruck gewonnenen Daten auf dem Gerät – man gibt also an Apple weder Fingerabdruck noch Gesichts-Scan weiter. Entwickler können zwar ebenfalls die Gesichtsdaten per Kamera erfassen und für eigene Funktionen nutzen , nicht jedoch die für die Identifizierung gewonnenen Daten. Diese sogenannte mathematische Repräsentation werden verschlüsselt und über einen Spezialchip geschützt (Secure Enclave). Sie landen auch weder auf Apple-Server noch im iCloud-Backup.

Karten

Nutzt man Apples Alternative zu Google Maps, werden Daten mit Apples Servern ausgetauscht. Wichtige persönliche Informationen wie der Standort von Heim und Arbeitsplatz bleiben aber auf dem eigenen Gerät. Die Standortdaten werden übertragen, aber nur in Form eines ID-Codes, der sich immer wieder ändert.

Welche Standorte eine App abgerufen hat, zeigt unter iOS eine kleine Karte.
Vergrößern Welche Standorte eine App abgerufen hat, zeigt unter iOS eine kleine Karte.
© 9to5Mac

Standortdaten

Auch andere Apps können Standortdaten nutzen, was etwa bei einer Wander-App auch erwünscht ist. Ab iOS 13 werden aber die Anforderungen verschärft. Es gibt für den Nutzer im kommenden System die Option, Standortdaten nur einmalig zu nutzen. Man kann sich als Nutzer außerdem eine kleine Karte anzeigen lassen, an welchen Orten die App den Standort abgerufen hat.

Online-Store und Retail Store

Hat man sein Apple-Geräte in einem Apple Store gekauft, speichert Apple diese Einkäufe. Auch Reparaturen und Support-Anfragen per Apple Care archiviert Apple.

E-Mail und iCloud

Nutzt man iCloud für Daten und Backup, enthalten diese Daten vermutlich besonders viele persönliche Informationen. Laut Apple liegen die Daten aber verschlüsselt auf den Servern und Apple selbst hat keinen Zugriff.

Zur Betrugsbekämpfung und Schadensprävention werden seit kurzem Daten vor dem Upload auf iCloud laut aktueller Datenschutzrichtlinie vorab geprüft. Dabei geht es laut Apple um die Vorabprüfung von „potentiell illegales Material, wie etwa vor Inhalten im Zusammenhang mit der sexuellen Ausbeutung von Kindern“. Nähere Angaben, ob es vielleicht auch um Raubkopien von Filmen geht, gibt Apple nicht, auch über die technischen Hintergründe kann man nur spekulieren – vermutlich erfolgt die Prüfung über eine Datenbank illegal bekannter Dateien. E-Mails werden schon länger geprüft, wie bei E-Mail-Diensten üblich vor allem auf Spam und Viren. Auf eine gerichtliche Anforderung per Gerichtsbeschluss würde Apple die Daten außerdem aushändigen.

Nachrichten

Chatnachrichten versendet Apple nur verschlüsselt, nur Absender und Empfänger können sie lesen. Eine Ausnahme: Hat man über die Voreinstellungen die Archivierung per iCloud aktiviert, landen alle Nachrichten auf Apples Servern – allerdings verschlüsselt.

Sichert man Nachrichten per iCloud, landen Sie auf Apples Servern.
Vergrößern Sichert man Nachrichten per iCloud, landen Sie auf Apples Servern.

Siri

Etwas geschockt waren manche Alexa-Nutzer, dass Sprachbefehle des Amazon-Systems vom Anbieter archiviert werden. Anders bei Apple: Die meisten Befehle, die man Siri erteilt, werden komplett auf dem Gerät analysiert und verarbeitet. Manche erfordern den Zugriff auf die Apple-Server, dann wird der Zugriff aber anonymisiert. Diese Daten bestehen vor allem aus Sprachaufnahmen, die Apple nutzt um den Nutzer besser zu verstehen. Allgemein trainiert Apple Siri an frei verfügbaren Podcasts. Auf dem jeweiligen Gerät erstellt Siri außerdem ein lokales Profil des Benutzers, das eine kontinuierliches Verbesserung der Leistung ermöglicht. Die Hintergründe sind aber relativ komplex.

Safari

Nutzt man Safari, speichert Apple über iCloud die Lesezeichensammlung und auch den Verlauf – das ermöglicht schließlich den einfachen Abgleich zwischen iPhone, Mac und iPad. Ab iOS 13 und macOS Catalina werden die Daten und die History nur noch verschlüsselt gespeichert und Apple hat keinen Zugriff mehr.

Als problematischer gilt Apples Kooperation mit Google als Suchmaschine. Nutzt ein Anwender diese bei Safari voreingestellte Suchmaschine, kann Google eine Vielzahl an Nutzerdaten sammeln. Will man dies vermeiden, muss man die alternative Suchmaschien Duck Duck Go nutzen.

Verwaltet man Passwörter und Anmeldedaten per Schlüsselbund , werden diese Daten auf Wunsch per iCloud synchronisiert. Die Daten landen verschlüsselt auf dem iCloud-Server, Apple hat aber keinen Zugriff.

TV und Musik

Kauft man Alben oder Filme über Apple, werden diese Daten gespeichert. Die neue TV-App soll außerdem die zuletzt genutzten Medien und Abspielpositionen speichern - um den nahtlosen Wechsel zwischen Apple TV, iPad oder Mac zu ermöglichen. Auch Empfehlungen basieren auf bisherigen Käufen. Man kann diese Funktionen aber auch deaktivieren.

Apple Pay

Apple verspricht, bei Apple Pay keine Finanzdaten oder Einkaufgewohnheiten zu erfassen. Allerdings kann der Anbieter bei der Einrichtung von Apple Pay einige iTunes-Daten an die Dritt-Anbieter , in diesem Fall Banken weiterleiten. Mit den erhobenen Daten kann Apple und die unterstützende Bank verifizieren, dass es sich dabei wirklich um den Inhaber der Bank-Karte handelt.

Prüfung

Welche Daten Apple bisher gesammelt hat, kann jeder Nutzer abfragen. Über die Seite https://privacy.apple.com kann man eine Kopie der von Apple gesammelten Daten anfordern. Man kann hier übrigens einen Account auch vorübergehend deaktiviere oder Daten korrigieren.

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