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Die 9 besten Zeichenapps für iPad und Apple Pencil

21.02.2019 | 10:45 Uhr |

Mit dem Apple Pencil zeichnen ist einer der Hauptgründe, sich ein iPad Pro zuzulegen. Doch die Hardware ist immer nur so gut wie Software. Grund genug die wichtigsten Zeichenapps zu testen und die kreativen Möglichkeiten damit vorzustellen.

Der Apple Pencil und die Zeichnen-Funktionen sind einer der Hauptgründe, warum ich mich auf das iPad Pro freute. Hintergrund: Ich zeichne seit ich denken kann, früher Comics, später kamen im Beruf Skribbles für Webseiten oder Storyboards für Filme, und privat Aquarelle und Ölbilder dazu. Sehr gerne zeichne ich auch digital.

Früher war Wacom mit seinen Grafiktablets und später so genannten Stift-Displays (eine Kombination aus Grafiktablet und Monitor) die Referenz. Doch wie in unserem Test beschrieben kommt das iPad Pro mit seinen Druckstufen und dem hervorragenden Apple Pencil dem Zeichengefühl auf einem Wacom-Modell schon sehr nahe - und kombiniert das Ganze mit perfekter Mobilität.

Fehlt nur noch gute Software: Wie gut sind die Zeichen-Apps, die es im Store zu kaufen gibt? Unser Überblick der neun besten Apps für Apple Pencil und iPad.

Procreate

Die App erschien fast parallel zum ersten iPad Pro, hat inzwischen viele Preise abgeräumt und sorgt heute immer noch für Furore. Sicher nicht die günstigste Zeichen-App, aber für den Funktionsumfang mit rund 10 Euro immer noch ein Schnäppchen. Wenn Sie sich einen schnellen Eindruck holen möchten, was Procreate kann, öffnen Sie am besten einige der mitgelieferten Demo-Zeichnungen oder besuchen Sie das Portfolio auf der Homepage . Eine Stärke von Procreate ist die aufgeräumte Oberfläche. Eigentlich finden sich links nur zwei Regler für die Deckkraft und die Pinselgröße. Ansonsten wechselt man oben zwischen Farbauftrag (Pinsel), Verwischen und Radieren - fertig. Sonst stören nur noch das Farbauswahlfeld und die Ebenenpalette die Ruhe. Das Grundprinzip ist schnell verinnerlicht und so kann man sich auf das Zeichnen konzentrieren.

Die Vielfalt zeigt sich dann erst, wenn man tiefer einsteigt: Über 130 Pinsel stecken in den Kategorien für Skizzen, Tinte, Kalligraphie, Airbrush, Texturen und auch ausgefallenem wie „Retro“. Wer etwas vermisst kann seine eigenen Pinsel gestalten und hinzufügen oder über den üppig ausgestatteten Marktplatz weitere laden oder kaufen. Die Pinsel reagieren ohne Verzögerung, sehr gut auf Druck und in den meisten Fällen überzeugend wie die realen Vorbilder. Dazu kommt eine Ebenenpalette, die nicht nur an Photoshop erinnert, sondern auch Masken, Mischmodi und Ebenengruppen beherrscht und PSD-Dateien komplett mit Ebenen und Blendmodi importieren kann. Übrigens lässt sich jede Zeichensession als Zeitraffer-Video exportieren. Auf Facebook oder Instagram geladen können dann Freunde beim Zeichnen zusehen.

Procreate kann 250 Pinselstriche rückgängig machen. So ist experimentieren in jeder erdenklichen Zeichentechnik möglich. Vorlagen lassen sich als Fotos importieren und in Ebenen mit reduzierter Deckkraft zum Abzeichnen importieren. Vorbildlich sind die Voreinstellungen: Hier lässt sich ein Schnellmenü konfigurieren oder zum Beispiel einstellen, dass ein Finger immer als Wischfinger erkannt wird. Procreate ist übrigens nicht nur etwas für den großen Bildschirm: Mit Procreate Pocket ist es möglich, viele Funktionen aus der großen App mit dem iPhone in die Hosentasche zu stecken.

Fazit: Procreate begeistert beim Zeichnen und mit seiner simplen, aber sehr professionell ausgestatteten Bedienung. Klare Empfehlung für anspruchsvolle Digitalkünstler!

Adobe Photoshop Sketch / Adobe Illustrator Draw

Adobe hat zwei starke Zeichenapps am Start: Photoshop Sketch ist für Skizzen in Pixeloptik zuständig. Hier gibt es vor allem darum, schnell und intuitiv eine Idee zu skribbeln, daher zeigt Sketch nur fünf Werkzeuge. Unter der Haube sind aber noch viele Varianten wie Pastellkreide, Acrylpinsel und viele mehr versteckt. Die Werkzeuge wirken hier besonders echt. Schon der simple Bleistift wirkt so echt, dass man gern vergisst, überhaupt digitale Striche und Schatten aufzutragen. Cool ist auch die Gestensteuerung: Mit zwei Fingern nach rechts wischen heißt „Rückgängig“. Das ist schnell verinnerlicht und echt praktisch.

Wer Sketch kennt, kann auch in Illustrator Draw zeichnen, hier allerdings mit Vektorkurven. Das ist eine ganz andere, aber oft viel edlere Optik für tolle Logos und Symbole, die sich auch an den Desktop PC/Mac und Illustrator übertragen und dort verfeinern lassen. Beide Apps sind übrigens kostenlos, verlangen nur das Anlegen einer Adobe-ID. Beide Apps werden in diesem Jahr durch einen Neuzugang ersetzt oder ergänzt: Project Gemini soll noch deutlich realistischer Aquarell- und Öltechniken simulieren, sowie Vektor- und Pixel in einer App kombinieren.

Fazit: Zwei starke Zeichenapps mit simpler und auf Mobilgeräte optimierter Bedienung, aber starken Ergebnissen.

Autodesk Sketchbook

Vor allem wenn es nicht unbedingt auf die Anzahl der Werkzeuge, sondern auf wenige und dafür umso überzeugender umgesetzte ankommt, ist Sketchbook ein Tipp: Allein der realistisch simulierte Bleistift wirkt so echt, dass es sich lohnt, immer wieder mit Sketchbook zu skizzieren. Grafiker schätzen die ebenso überzeugenden Copymarker und die fein auftragende Airbrush. Für Künstler gibt es realistische Werkzeuge wie einen Fächerpinsel. Mit den nach den Vorbildern digital umgesetzten Malwerkzeugen lässt sich die Palette am linken Rand bestücken. Dann lässt Sketchbook volle Konzentration aufs Kunstwerk. Die Ebenenpalette arbeitet auch sehr intuitiv, da sie kleine Miniaturen der jeweiligen Ebene zeigt - so verwechselt man sie kaum.

Bemerkenswert ist, dass Sketchbook als Gratis-App viel Zeit zum Ausprobieren gibt. Wer möchte kann sich dann für 5,49 Euro mit der Profiwerkzeugerweiterung den vollen Funktionsumfang holen.

Fazit: Die überragende Qualität der simulierten Zeichen- und Malwerkzeuge reicht als Grund, sich Sketchbook zu laden. Aber auch sonst ist es vielleicht die stärkste Zeichenapp, weil sie sich aufs Zeichnen und Skizzieren fokussiert, statt versucht eine Mischung aus Bildbearbeiter und Malprogramm zu sein.

Tayasui Sketches

Hier kommt mal eine etwas andere Zeichenapp, getreu dem Firmennamen, der im japanischen für „einfach und simpel“ steht. Sketches zeigt extrem minimalistisch nur links in Flat-Optik einige skizzierte Werkzeuge und unten ein paar Farben. Beim Zeichnen machen sie realistische Geräusche. Das wirkt erst etwas verwunderlich, macht tatsächlich aber Spaß und sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass man mit dieser App echte Kunst zaubern kann. Und zwar oft schneller als bei der Konkurrenz. Auch die Qualität der Zeichenwerkzeuge stimmt: Ob Kalligrafiepinsel oder Aquarell, die Farben fließen hier überzeugend aufs Papier. Auch hier ist es möglich, den Bildschirm beim Zeichnen aufzunehmen - sogar mit Sound. So entstehen unterhaltsame Zeichenvideos. Die App hat eine lebhafte Fangemeinde, die vor allem oft im Manga-Stil zeichnet und ihre Bilder auf der Community-Seite austauscht. Sketches ist für iOS in der Basisversion kostenlos, für 5,99 € schaltet man alle Profiwerkzeuge frei. Sketches gibt es auch für den Mac und das iPhone. Tayasui aus Paris haben auch sonst spannende Apps im Angebot, etwa auch Malbücher für Erwachsene oder Zeichenapps für Kinder.

Fazit: Tayasui Sketches macht mit seiner minimalistischen Bedienung, aber großem Spaßfaktor sofort und ohne große Eingewöhnung süchtig.

ArtRage

Wer vor allem mit traditionellen Pinseln und Farben kreativ werden möchte, ist bei ArtRage richtig. Hier findet man zum Beispiel auch Werkzeuge wie einen Spachtel zum Farbauftrag oder Verwischen, eine Farbrolle für den flächigen Auftrag und pastöse Farben direkt aus der Tube. Die Oberfläche ist mit Werkzeugleiste am rechten Rand und Farbauswahl in der linken Ecke simpel gehalten. Die Werkzeuge kommen im inzwischen fast altbackenen Realismus-Look, der sie aber selbsterklärend macht. Vor allem mit den Ölfarben kann ArtRage überzeugen und macht sofort Spaß. Unlimitierte Ebenen und viele Optionen zum Farbauftrag mit jedem Werkzeug geben Art Rage eine riesige Bandbreite an Möglichkeiten. Neben Öl überzeugen auch die Wasserfarben und Airbrush mit sehr realistischem Farbauftrag. Die Werkzeuge an Bord sind aber schon ohne viel Einstellungsarbeit gut genug, um wirklich realistische Gemälde umzusetzen. Das ist auch die Mission von Artrage: Statt sich in Werkzeug-Settings zu verlieren, soll man pinseln. Nicht nur die Pinsel sind interessant: Es ist hier auch möglich mit Papiertexturen oder auf Leinwand zu arbeiten.

Art Rage gibt es auch Desktop-Version. Mit Script Recording ist es möglich, die Malsession aufzuzeichnen und an den Mac zu schicken, so dass sie in groß abspielbar ist.

Fazit: Wer mit Öl, Wasserfarbe und „echten“ Werkzeugen arbeiten möchte, kommt an Artrage nicht vorbei. Mit einem Preis um die 5 Euro auch ein echtes Schnäppchen.

Artstudio Pro

Artstudio Pro will nicht nur Zeichenapp sein, sondern auch Fotos bearbeiten. Diesen Ansatz sieht man der Oberfläche an, die stark an ein abgespecktes Photoshop erinnert. Erwartungsgemäß sind dann auch die Pinsel und Werkzeuge an das große Vorbild angelehnt, sowie viele Filter, Ebenen und Überblendmodi an Bord. Auch sonst ist die Oberfläche eher von einer Desktop-App mit Menüs am oberen Bildschirmrand inspiriert. Dennoch lässt sie sich mit großen Farbfeldern und Schiebereglern in einer Leiste unten gut bedienen. Die Pinselspitzen im Photoshop-Stil lassen sich mit einem Brush-Editor um eigene erweitern. Sie sind nach Einsatzbereichen wie Skizzieren oder Malen gruppiert.

Artstudio Pro ist übrigens der Nachfolger der bekannten App Artstudio. Bei der Pro-Version haben die Entwickler ein großes Update mit Unterstützung für Metal, iCloud Drive, den Apple Pencil und 64-bit Multi-Core-Prozessoren eingebaut. Das macht sich mit flüssigem Farbauftrag bemerkbar und Artstudio Pro erlaubt es sogar gleichzeitig mehrere Dokumente zu öffnen – je mit unbegrenzter Ebenenanzahl. In einer Dokumentenübersicht lässt sich dann wechseln, die App bleibt aber beim Vollbildmodus. Bei all der Ähnlichkeit etwas schade: Artstudio Pro kann PSD-Dateien exportieren, aber im Gegensatz zu Procreate nicht importieren. Preislich liegt Artstudio Pro in einem ähnlichen Bereich, wirkt aber nicht ganz so üppig ausgestattet wie der Konkurrent.

Fazit: Wer eine App im Photoshop-Stil sucht, gern ähnliche Pinsel nutzen und vor allem auch Bilder bearbeiten möchte, liegt mit Artstudio Pro richtig.

Paper

Einfach und vielseitig ist Paper – eigentlich eine Notiz-App, die Gedanken und Ideen so schnell und einfach wie der Notizblock einfangen will. Das kann sie mit Fotos, Notizen aber auch mit tollen Zeichnungen. Bei den Werkzeugen und der allgemeinen Bedienung orientiert sich Paper an realen Vorbildern. Das ist für Einsteiger sehr praktisch, denn so weiß jeder was herauskommen wird wenn man auf die Feder, den Filzstift oder die Rolle tippt. Beim Malen gelingen mit Tusche, Pinsel bis Aquarell schnell schöne Skizzen und Bilder.

Zen Brush 2

Das Schwingen von Kalligraphie-Pinseln soll ja den Geist beruhigen. Auch wer kein besonderes Zeichentalent oder -erfahrung mitbringt wird seinen Spaß an der minimalistischen App-Oberfläche von Zen Brush 2 und dem coolen Effekt des über dem Papier schwebenden 3D-Pinsels haben. Der steht hier klar im Mittelpunkt und zeigt als Drahtgitter-Modell die Neigung des Apple Pencils. In nur wenigen Sekunden ist fast immer ein irgendwie schönes Logo fertig! Übrigens: der Effekt beim Löschen macht auch Spaß. Ausprobieren!

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