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Diese Web-Startups sind gescheitert

14.07.2019 | 08:45 Uhr | Stephan Wiesend

Was haben Viddy, Sonar, TunedIn, Doo und Fotopedia gemeinsam? Sie alle waren einst mit gro├čen Hoffnungen als Web-Startup ins Rennen gegangen, scheiterten dann aber an ├╝berzogenen Erwartungen, schlecht gelaunten Kunden oder einfach am eigenen Management. Wir blicken zur├╝ck auf elf Startup-Pleiten.

Schon einmal erlebten wir ein riesiges Startup-Sterben: Nach dem Jahr 2000 hauchten reihenweise Internet-Unternehmen ihr Leben aus. Letsbuyit.com d├╝rfte einer der bekanntesten Vertreter dieser Art sein - auch der ber├╝hmt-ber├╝chtigte Kim Schmitz alias Kim Dotcom war damals mit von der Partie. Aber auch viele kleinere Internet-Startups ├╝berlebten die damalige Konsolidierung am Markt nicht. Wie beispielsweise die Magicday AG aus Regensburg, die sogar das Kunstst├╝ck fertigbrachte, gleich zwei Mal zu scheitern: Erst als Endconsumer-orientierter Geschenkeshop und dann im zweiten Anlauf als B2B-Geschenkeversender. Als Investorin der gescheiterten Magicday AG trat damals ├╝brigens Ulrike Stadler auf, die Gr├╝nderin der ABC-B├╝cherdienst GmbH in Regensburg, aus der schlie├člich Amazon.de hervorging.

So geht's: Erfolg im Internet

Das Desaster vieler damaliger Internet-Startups, die aufgrund fehlender Erfahrung und vieler handwerklicher Fehler scheiterten, wiederholte sich seit dem Platzen der Dotcom-Blase nicht mehr derart heftig. Doch immer wieder gehen auch heute noch Internet-Startups zugrunde. Wir stellen einige dieser Pleite-Unternehmen der j├╝ngsten Zeit vor.

Lager voll, Kasse leer, Vorstand weg - das Scheitern der Magicday AG

Es gibt viele Gr├╝nde, warum ein Start-up scheitern kann. Die h├Ąufigste Ursache ist laut einer Studie von CBInsights das Produkt selbst: Fast die H├Ąlfte der strauchelnden Start-ups hatte ein Angebot, f├╝r das im Markt einfach kein Bed├╝rfnis bestand. Dieses Grundproblem traf beispielsweise auf das deutsche Start-up Doo zu, dessen Online-Dokumentenverwaltung einfach zu wenig Kunden fand. Es ist aber nicht immer die fehlende Markteinsch├Ątzung der Unternehmensgr├╝nder, ein erfolgreiches Start-up kann schnell in eine Existenzkrise geraten. Der beliebte Bilderdienst Twitpic musste aufgeben, als Twitter eine Namens├Ąnderung verlangte und der beliebte Videoblogging-Dienst Viddy hatte sich zu eng an ein bestimmtes soziales Netz gebunden. Es kann noch viele weitere Gr├╝nde geben, wie unsere Auswahl an Pleiten der letzten Jahre zeigt.

In unserer Aufstellung an gescheiterten Start-ups sind vor allem US-Unternehmen vertreten, was mehrere Ursachen hat: In Deutschland schaffen es nur wenige IT- und Web-Start-ups , zu einer nennenswerten Gr├Â├če zu gelangen, Ausnahmen wie Teamviewer und Sociomantic best├Ątigen eher die Regel. Sind jedoch nur ein oder zwei Gr├╝nder betroffen, wird ihr Verschwinden oft kaum bemerkt; man k├Ânnte dies auch als fehlende "Fallh├Âhe" bezeichne.

In Deutschland scheinen viele Geldgeber au├čerdem nicht nicht gerne zuzugeben, dass eines ihrer Projekte gescheitert ist. So f├╝hrt die Website "Gr├╝nderszene" ein gro├čes Archiv gescheiterter Internet-Projekte, die oft jahrelang als inaktive Webseite und Facbeook-Auftritt vor sich hin d├╝mpeln, bis sie endg├╝ltig vom Netz genommen werden. Dazu geh├Âren unter anderem so genannte "Groupon-Klone" wie CoupoMania , Deal Ticket , Heimatpreis , Reduti oder UnserDeal .

Deutlich mehr Kapitalgeber gibt es dagegen in den USA. Diese sind schnell bereit achtstellige Summen zu investierten, gerade bei der Finanzierung durch Venture Capital stehen US-Unternehmer dann aber auch deutlich mehr unter Druck und m├╝ssen vielleicht auch ihr Scheitern ausf├╝hrlicher erkl├Ąren.

Video-Blogging: Viddy

Der Foto-Blogdienst Instagram war ein gro├čer Erfolg, der Dienst Viddy hoffte dies mit einem Video-Blogdienst toppen zu k├Ânnen. Die Anf├Ąnge waren vielversprechend: Die Nutzerzahlen stiegen 2012 von einer auf zehn Millionen Nutzern und in einer zweiten Finanzierungsrunde konnte Viddy 30 Millionen Dollar an Kapital einsammeln. Das Start-up sch├Ątzte gegen├╝ber den Investoren den eigenen Wert dann auch auf 370 Millionen Dollar. Zu den Investoren und Nutzern geh├Ârten viele US-Prominente wie Shakira und Jay-Z's Label Roc Nation, zu den Nutzern unter anderem Justin Bieber. Die Grundlage der App war allerdings eine enge Anbindung an Facebook. Als Facebook diese enge Einbindung beschnitt, sank die Nutzerzahl rapide. Facebook hatte Instagram ├╝bernommen und bald eine Video-Aufnahmefunktion erg├Ąnzt. Bald darauf wurde das Mutter-Unternehmen von Fullsceen ├╝bernommen, seit Mitte Dezember ist der Dienst offiziell geschlossen.

Gr├╝nder: JJ Aguhob, Brett O'Brien

Finanzierung: 20,2 Millionen US-Dollar, New Enterprise Associates, Khosla Ventures, Goldman Sachs, Battery Ventures

Mobile Social: Sonar

Sonar, eine App der Sonar Media Inc., war einmal eine der beliebtesten Apps auf Android- und iOS-Smartphones und hatte nach eigenen Angaben Millionen Nutzer. Freunde und Gleichgesinnte in der N├Ąhe wurden von dem Tool automatisch erkannt, auf einer Karte angezeigt und man konnte mit ihnen chatten. Sonar unterst├╝tzte Facebook, LinkedIn, Twitter und Foursquare. Die gro├če Zahl an Nutzern sorgte aber nicht f├╝r entsprechende Einnahmen. Nach drei Jahren kam Ende 2013 das Aus. Nach Berichten des Gr├╝nders Brett Martin hatten auch viele falsche Managemententscheidungen zum Ende beigetragen. So hatte ein geplatzter Kauf durch ein Unternehmen viel Geld und Ressourcen gekostet .

Gr├╝nder: Daniel Klaus, Brett Martin

Finanzierung: 200.000 Dollar von Social Starts und Shawn V. Gruver

Social TV: TunedIn

Social TV war das Thema des Berliner Start-ups TunedIn . W├Ąhrend eines TV-Films konnten Nutzer der App Zusatzinformationen bekommen oder mit anderen Zusehern chatten. Idee des in New York gegr├╝ndeten und sp├Ąter nach Berlin umgesiedelten Unternehmens war es, Fernsehen, Internet und Social Media zu verkn├╝pfen. In den USA ist beispielsweise das Vorbild tvtag (fr├╝her GetGlue) mit diesem Konzept recht erfolgreich.

Heute erinnert nur noch ein nicht mehr gepflegter Twitter-Channel an TunedIn.
Vergr├Â├čern Heute erinnert nur noch ein nicht mehr gepflegter Twitter-Channel an TunedIn.
© Stephan Wiesend

Noch im Februar 2013 hatte Axel Springer 75 Prozent der Anteile ├╝bernommen, Anfang Juli 2014 meldete das Second-Screen-Unternehmen dann aber bereits Insolvenz an. Laut einem Bericht bei "Gr├╝nderszene" hatte sich der Second Screen-Markt nicht so entwickelt wie geplant. Mit Anbietern wie Zapitano, Couchfunk, Tweek und Wywy hatte es wohl zu viele Konkurrenten auf einem kleinen Markt gegeben. Zehn Mitarbeiter besch├Ąftigte das Unternehmen am Schluss.

Gr├╝nder: Justin Scull, Sebastian Bartz

Finanzierung: Axel Springer, H├Âhe nicht bekannt

Foto-Enzyklop├Ądie: Fotopedia

Ein Online-Fotodienst der anderen Art wollte Fotopedia sein - eine kollaborative Foto-Enzyklop├Ądie. Profi- und Amateur-Fotografen waren die Zielgruppe. Das von fr├╝heren Apple-Mitgliedern gegr├╝ndete Start-up erm├Âglichte den Nutzern, aufwendige Foto-Pr├Ąsentationen zu erstellen; Wikipedia und Google Maps konnten integriert werden. Auch einige Kommunikationsfeatures waren geboten und die einfach bedienbaren Foto-Seiten gen├╝gten selbst h├Âheren optischen Anspr├╝chen. Vor allem auf iPad- und iPhone war der Dienst sehr beliebt. Das Ende im Juli 2014 hatte finanzielle Gr├╝nde, das Unternehmen verdiente kaum Geld. So schrieben die Betreiber zum Abschied: "We truly believe in the concept of storytelling but don't think there is a suitable business in it yet."

Gr├╝nder: Jean-Marie Hullo, Bertrand Guiheneuf, Manuel Colom, S├ębastien Maury and Olivier Gutknech

Finanzierung: Banexi Ventures Partners, David Rosenblatt, DG Incubation Inc, Ignition Partners, Joi Ito, Local Globe (& Saul Klein), Mats Carduner, Reid Hoffman, Ron Conway IRA, Soft Tech (Jeff Clavier)

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